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Hohe Zahl der Analphabeten Ursache für „Tragödie Afghanistan“

So, 08 Okt 2017 | Von NNA Mitarbeiter

Die hohe Rate an Analphabetismus in Afghanistan ist ein wesentlicher Faktor der Unsicherheit, Armut und Korruption. US-Präsident Trumps Kehrwende in der Afghanistan-Politik verschlimmert nur die Lage.


Der stellvertretende Erziehungsminister Sardar Mohammad Rahimi ist für die Alphabetisierung verantwortlich.

KABUL/ MÜNCHEN (NNA) – Unsicherheit, Armut und Korruption in Afghanistan werden maßgeblich von der hohen Rate an Analphabetismus im Land verursacht. Darauf wies der Stellvertretende Erziehungsminister Sardar Mohammad Rahimi im September auf einer Pressekonferenz in Kabul hin.

Nach den Statistiken des Ministeriums sind 62% der Bewohner Afghanistans über 15 Jahre Analphabeten.

Solange das Problem des Analphabetismus nicht wirklich angepackt werde, gebe es keine Sicherheit und Stabilität für das Land. Es zu lösen, sei eine „riesige Herausforderung“. Wie die afghanische Nachrichtenagentur Pajhwok weiter schreibt, beabsichtigt die afghanische Regierung, die Zahl der Analphabeten im Land innerhalb der nächsten 15 Jahre um 80 Prozent zu vermindern.

Trauerspiel

Als „Trauerspiel Afghanistan“ hat der Gründer der Kinderhilfe Afghanistan e.V., Dr. Reinhard Erös, die Kehrwende von US-Präsident Trump in der Afghanistan-Politik bezeichnet. In einem Kommentar für die Mittelbayrische Zeitung weist der Afghanistan-Experte darauf hin, dass es der Trump-Regierung jetzt lediglich darum ginge „Terroristen zu töten“, damit werde der Strategie der vorherigen Regierungen, den Aufbau des Landes zu fördern und auch „hearts und minds“ der Bevölkerung zu gewinnen, eine Absage erteilt.

Mehr als eine Billion Dollar seien seit 2001 für die „Sicherheit“ dieses „brutal armen Landes“ mit weniger als 30 Millionen Einwohnern investiert worden, betont Erös, hier handele es sich um einen „Weltrekord“ an Kosten mit „desaströsem Ergebnis auf allen Ebenen“.

Der islamistische Terror sei seither nicht in Afghanistan eingedämmt worden, stattdessen habe er sich auch in den Nahen und Mittleren Osten, nach Nord und auch nach Schwarz-Afrika und bis in europäische Länder ausgebreitet.

Auslagerung des Kriegs

Erös sieht die Gefahr, dass der von Trump ausgerufene Kampf gegen die Terroristen in Afghanistan in die Hände von privaten Sicherheitsdiensten wie Blackwater gelegt wird. Blackwater hat der US-Regierung das Angebot gemacht, den Krieg in Afghanistan für 10 Milliarden Dollar pro Jahr zu übernehmen: „Finanziell deutlich preisgünstiger und innenpolitisch weniger brisant als der Einsatz von regulären Truppen“, befürchtet Erös.

Die von dem ehemaligen Bundeswehr-Arzt und seiner Familie ins Leben gerufe Kinderhilfe Afghanistan errichtet seit 2001 in den ländlichen Gebieten des Landes Schulen, Mutter-Kind-Kliniken, Gesundheitsstationen und Waisenhäuser. Mit ihren Projekten, die durch Spenden finanziert werden, will die Kinderhilfe „realistische Perspektiven für eine friedliche Zukunft des Landes am Hindukush“ bieten, heißt es auf ihrer Homepage.

END/nna/ung

Bericht-Nr.: 171008-04DE Datum: 8. Oktober 2017

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