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Massenausbruch aus Aquakultur in Chile

Di, 28 Aug 2018 | Von NNA Mitarbeiter

Greenpeace Chile hat bei der Massenflucht von rund 800.000 Lachsen aus einer Aquakultur in Chile fehlende Standards gerügt. Die Umweltorganisation fordert Konsequenzen für den Betreiber.


Lachs liegt im Markt von Puerto Montt zum Verkauf aus. Inzwischen stammt weltweit jeder zweite verspeiste Fisch aus einer Aquakultur.
Foto: lenisecalleja.photography / Shutterstock

SANTIAGO DE CHILE (NNA) – Die Massenflucht von rund 800.000 Lachsen aus einer Aquakultur der norwegischen Firma Marine Harvest vor der Küste von Chile letzten Monat stellt aus der Sicht von Greenpeace Chile „eine ökologische Katastrophe mit schweren und unüberschaubaren Konsequenzen“ dar.

Zum einen handele es sich um den bisher größten Ausbruchsfall von Zuchtfischen in Chile, das zu den Weltmarktführern bei den Aquakulturen gehört. Zum anderen enthielten die Lachse, die erst in ein paar Monaten hätten konsumiert werden sollen, hohe Dosen von Antibiotika. „Das stellt eine Gefahr dar, wenn sie jetzt verspeist werden“, betonte Estefania Gonzáles, Koordinatorin des Meeresbereichs bei Greenpeace.

Bisher seien auch nur 200.000 Lachse wieder eingefangen worden, dies zeige das geringe Ausmaß der Sicherheitsstandards der Anlage Punta Redonda in der Nähe der Isla Huar, rund 20 Kilometer südlich des Ortes Puerto Montt.

Marine Harvest gab bekannt, die Firma untersuche den Vorfall und setze einen Plan um, die ausgebrochenen Fische wieder einzufangen.

Notfall

Aus der Sicht von Greenpeace müssen die Ursachen für die Massenflucht genau untersucht und Konsequenzen gezogen werden. Es könne nicht sein, dass ein einfacher Sturm – nichts Ungewöhnliches für die betreffende Region – einen Notfall von dieser Größe auslöse. Die Aquakultur sei erst 2017 eingerichtet worden und nach noch nicht einmal einem Jahr sei es zu dem Massenausbruch der Lachse gekommen.

Es sei offensichtlich, dass die Aquakulturanlage von Marine Harvest Umweltschutzbestimmungen und Sicherheitsstandards nicht erfülle.

Es sei kein Personal in der Anlage verfügbar gewesen, um eventuell vorhandene Notfallpläne umzusetzen, erst zwei Tage nach dem Ausbruch wären Mitarbeiter vor Ort gewesen. Dies zeige auch, wie wenig der Betreiber auf einen solchen Vorfall vorbereitet sei. Darüber hinaus habe Marine Harvest auch nach dem Ausbruch nicht mit einem Aktionsplan reagiert, es seien die ortsansässigen Fischer gewesen, die versucht haben, die Lachse wieder einzufangen.

Gravierende Konsequenzen

Greenpeace weist auf eine Flucht von 200.000 Lachsen in einer Aquakultur der Firma Cooke in den Vereinigten Staaten hin, die dazu geführt habe, dass die Regierung in Washington den Betrieb von Aquakulturen ab 2025 untersagt habe aufgrund ihrer gravierenden Konsequenzen für die Umwelt.

Lachse sind Raubfische und kommen in der südlichen Hemisphäre eigentlich nicht vor. Was die Zuchtlachse in freier Wildbahn in Chile nun anrichten, ist nicht vorherzusagen. Greenpeace befürchtet, dass die Raubfische Bestände heimischer Fische ausrotten könnten. Allein im Jahr 2017 seien den chilenischen Aquakulturbetreibern 212.000 Fische durch Flucht aus den Kulturen abhanden gekommen.

Weltweit stammt jeder zweite verspeiste Fisch inzwischen aus einer Aquakultur. NNA hatte am Beispiel der Aquakulturen auf den kanarischen Inseln über die Problematik dieser Entwicklung berichtet.

END/nna/ung

Bericht-Nr.: 180828-01DE Datum: 28. August 2018

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