NNA News for civil society

„Mit Fleiß, Ehrlichkeit und Umsicht das eigene Tun dokumentieren“

So, 23 Dez 2018 | Von NNA-Korrespondentin Cornelie Unger-Leistner

INTERVIEW | Die Alanus Hochschule bereitet sich auf die Reakkreditierung vor. NNA sprach mit dem kommissarischen Rektor, Professor Hans-Joachim Pieper, darüber und über die Außenwirkung der Hochschule.


Der kommissarische Rektor der Alanus Hochschule, Prof. Hans-Joachim Pieper: für die Reakkreditierung verantwortlich.
Foto: Alanus Hochschule

ALFTER (NNA) – Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter hatte in den letzten 20 Jahren nur Erfolge zu vermelden: staatliche Anerkennung, ständig steigende Studierendenzahlen, innovative Studiengänge, Promotionsrecht für einzelne Fachbereiche. Nun kamen erstmals negative Meldungen: Mittelkürzung durch den Hauptsponsor und Rücktritt der gerade frisch gewählten Rektorin Prof. Monika Kil. Steuert die Alanus Hochschule auf ihre erste Krise zu? NNA-Korrespondentin Cornelie Unger-Leistner hat nachgefragt im Interview mit dem kommissarischen Rektor, Prof. Hans-Joachim Pieper.

NNA: Herr Prof. Pieper, Sie haben nach dem Rücktritt von Frau Prof. Kil das Amt des Rektors kommissarisch übernommen, aber offensichtlich handelt es sich gerade nicht um eine kurze Übergangslösung, Ihre Amtszeit läuft ja bis Februar 2021.

Prof. Pieper: Da wir in den nächsten zwei Jahren das Projekt Reakkreditierung der Alanus Hochschule zu bewältigen haben, hielten es die Hochschulgremien nicht für sinnvoll, in diesem Zeitraum nochmals zu wechseln. Der Prozess soll in einer Hand bleiben. Ich war ja zuvor schon für die akademische Leitung der Reakkreditierung zuständig, insofern lag es nahe, mich zu fragen, ob ich nicht die volle Verantwortung übernehmen wolle.

NNA: Sie sind ja noch gar nicht so lange an der Alanus Hochschule, bringen Sie für diese Aufgabe also noch den oft gewünschten „Außenblick“ mit?

Prof. Pieper: Ich bin Philosophieprofessor an der Hochschule seit 2016, insofern war ich auch sehr überrascht über den großen Vertrauensvorschuss, der mir da entgegengekommen ist. Ich war zuvor an der Universität Bonn, ich kenne das akademische Umfeld sehr gut, ich weiß, was in der Hochschulcommunity allgemein üblich ist und kann mich auch in die Perspektive des Wissenschaftsrats hineinversetzen. Dadurch sehe ich auch, wo es an der Hochschule Verbesserungsbedarf gibt. Das ist sehr wertvoll für diesen ganzen Prozess.

Wobei ich hinzufügen muss, dass ich mich sehr zugehörig fühle zur Alanus Hochschule. Die Verbindung von Kunst und Wissenschaft, die Einbeziehung der Spiritualität, das Kreative – ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass ich hier am richtigen Platz bin. Zum „Außenblick“ ist noch zu ergänzen, dass es darum geht, den Blick von innen und von außen zu verbinden. Ich bin angewiesen auf die Unterstützung der Hochschule, der ganze Prozess wird von einem Team, letztlich von der gesamten Hochschule getragen. Auch wenn wir vergleichsweise klein sind, die Hochschule zeichnet doch eine gewissen Komplexität aus, da gibt es verschiedene Fächerkulturen.

NNA: Sie haben ja auch viele Studiengänge an der Hochschule, 28 stehen auf der Homepage bei rund 1.500 Studierenden. Wenn man einen Vergleich anstellt mit der privaten Hochschule Witten-Herdecke, sie hat rund 1.000 Studierende mehr und elf Studiengänge weniger. Ist das nicht ein Zuviel an Komplexität?

Prof. Pieper: Es sind im Grunde nur sechs Fächer: Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Künstlerische Therapie, Bildungswissenschaft, Architektur und Betriebswirtschaft. Die Zahl der Studiengänge ergibt sich durch die einzelnen Spezialisierungen bei den Abschlüssen, z.B. gibt es im Fach Pädagogik Spezialisierungen in Waldorfpädagogik und pädagogische Praxisforschung, Kindheitspädagogik, Heilpädagogik und andere mehr.

Für eine Kunsthochschule haben wir insgesamt eine breite Aufstellung, ein so starker akademischer Zweig ist ungewöhnlich, hier treffen auch sehr verschiedene Denkweisen aufeinander, aber das ist ja gerade das Spannende, die Einbeziehung des künstlerischen Ansatzes. Durch das Studium Generale für alle mit den sozialwissenschaftlichen und philosophischen Anteilen ergibt sich ein starker wissenschaftlicher Input auch für die künstlerischen Fächer. Die interdisziplinären Studiengänge sind etwas Besonderes.

NNA: Die Alanus Hochschule hat ja den Anspruch, die Kunst mit gesellschaftlich relevanten Feldern zu verbinden, aber wo werden die Absolventen tätig? Der Anteil der Lehrerbildung z.B. beträgt ja nur 25% der rund 1.500 Studierenden. Wie wird dieser Anspruch denn konkret umgesetzt?

Prof. Pieper: Unsere Absolventen sind sehr stark im öffentlichen Raum aktiv, das kann man bei den Architekten sehen, die immer wieder angefragt werden hier aus der Region, wenn es um Gestaltungen geht, oder auch die Darstellende Kunst ist da immer wieder gefragt. Die Studierenden gründen Startups mit einem Focus auf sozialen und ökologischen Fragen. Man kann in vielfältiger Weise sehen, wie der Anspruch der Alanus Hochschule wirkt.

Aber das genügt uns nicht. Wir möchten die Außenwirkung ganz konkret untersuchen, deswegen haben wir eine Alumnibefragung in Auftrag gegeben, die Ergebnisse werden wahrscheinlich bis im Mai vorliegen. Dann lässt sich unsere Außenwirkung genauer darstellen.

NNA: Wollen Sie mit dieser Umfrage auch die Sponsoren überzeugen? Der Hauptsponsor der Hochschule, die Software AG Stiftung, lässt die Finanzierung von drei Fächern auslaufen.

Prof. Pieper: Sponsoren geben Gelder nicht nur zum Spaß, sie möchten auch ihre Impulse dadurch verwirklichen, z. B. ein ganzheitliches Menschenbild oder auch die Einbeziehung von anthroposophischen Sichtweisen. Insofern ist es klar nachzuvollziehen, wenn ein Sponsor sich entscheidet, sich entsprechend seinen Stiftungszwecken auf die Kernförderbereiche zu konzentrieren. Die Software AG Stiftung hat uns auch einen sehr fairen Plan unterbreitet, wie sie das abwickeln will. Es betrifft die Fachbereiche Schauspiel, Architektur und Wirtschaft.

NNA: Wie wirkt sich das denn jetzt genau aus?

Prof. Pieper: Im Architekturbereich mussten die Studiengebühren stark angehoben werden. Erstaunlicherweise haben wir deswegen nicht weniger Bewerbungen um Studienplätze erhalten. Das heißt, hier gibt es gute Chancen, dass der Studiengang auf eigene Füße gestellt werden kann. Beim Schauspiel ist das schwieriger, hier ist es auch komplizierter, Förderer zu finden auch als im BWL-Bereich. Wir werden deswegen zum Frühjahr auch keine neuen Studierenden aufnehmen.

NNA: Ist es nicht ungünstig für die Reakkreditierung, wenn das Schauspiel nicht mehr gefördert wird?

Prof. Pieper: Das kann man so nicht sagen, einige staatliche Kunsthochschulen haben gar keine Darstellende Kunst – oder die Künste nicht kombiniert, es ist fast ein Alleinstellungsmerkmal der Alanus Hochschule. Für die Außenwirkung wäre es allerdings sehr schade, wenn wir hier keine neue Förderung fänden, das Schauspiel mit seinen Aktionen ist schon eine starke Bank hier an der Hochschule.

NNA: Stimmt, die diversen Flashmobs hat man sofort vor Augen, wenn der Name Alanus fällt... Wie sieht es denn mit BWL aus, dieser Studiengang, der ja Kunst und Ökonomie verbindet, wird auch von anderen Firmen gesponsert, sind sie denn noch an Bord?

Prof. Pieper: Da wirken viele unterschiedliche Partnerunternehmen mit, wie z.B. Globus und dm und das bleibt auch bestehen. Dieser Studiengang ist wichtig, nachhaltiges Wirtschaften ist notwendig und auch von globaler Bedeutung. Insgesamt wird der Anteil an Selbstfinanzierung an der Hochschule aber zunehmen müssen.

NNA: Wie bereiten Sie sich denn jetzt als Hochschule genau auf die Akkreditierung vor?

Prof. Pieper: Unsere Strategie geht dahin, die Studierendenzahlen zu erhöhen und eine bessere Auslastung einzelner Studiengänge zu erreichen. Unsere Bewerberzahlen sind zu gering, da müssen wir ran. Das geht mit verstärktem Marketing und guten Serviceleistungen für die Studierenden. Im Marketing ist derzeit eine weitere Stelle ausgeschrieben. Die beste Werbung für eine Hochschule sind aber Studierende, die in ihrem Umfeld begeistert von ihrer Hochschule berichten. Außerdem müssen wir für die Reakkreditierung offenlegen, was wir alles machen. Wir haben eine tolle Hochschule und tolle Menschen, das gilt es, sichtbar zu machen.

NNA: Kommt mit der Reakkreditierung eine Herkulesaufgabe auf Sie und Ihr Team zu?

Prof. Pieper: Das ist eine turnusmäßige Angelegenheit nach 10 Jahren.

Da sind 5.000 bis 6.000 Seiten Papier vorzulegen, das Forschungskonzept, das künstlerische Konzept und auch sehr viele Zahlen. Wir müssen zeigen, was die Hochschule tut und was sie kann. Da werden alle involviert sein, die Leitung und die Mitarbeiter. Wir müssen die Hochschule nicht neu erfinden, sondern sorgfältig dokumentieren, was wir tun mit Fleiß, Ehrlichkeit und Umsicht.

Im Übrigen sind unsere Studiengänge im Einzelnen ja von den zuständigen Agenturen schon wiederholt reakkreditiert worden. Das ist aber ein anderer Prozess, jetzt geht es um die Hochschule und ihre Strukturen.

NNA: Lässt sich die Lage auch so zusammenfassen: Derzeit ist verstärkt die Pflicht dran nach Jahren der Kür?

Prof. Pieper: Es ist eine großartige Erfolgsgeschichte, die die Hochschule geschrieben hat, jetzt ist es Zeit für die Konsolidierung dieses Erfolgs.

NNA: Herr Prof. Pieper, vielen Dank für das interessante Gespräch!

END/nna/ung

Bericht-Nr.: 181223-04DE Datum: 23. Dezember 2018

© 2018 Nexus News Agency. Alle Rechte vorbehalten.