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Fragwürdige Wirkung der Internet-Influencer auf Jugendliche

Mi, 16 Okt 2019 | Von NNA Mitarbeiter

Eine Studie der UWH hat die Kommunikation zu Fitness und Gesundheit untersucht. Fitness-Influencer prägten zwar Jugendliche heute maßgeblich, vermittelten aber nicht wirklich gesundheitsrelevante Verhaltensweisen.


Influencer vermitteln ein unrealistisches Schönheitsideal.
Foto: G-Stock Studio/Shutterstock.com

WITTEN (NNA) ­– Fitness-Influencer prägen Jugendliche heute maßgeblich. Sie vermitteln aber nicht wirklich gesundheitsrelevante Verhaltensweisen. Sie präsentieren Ernährung und Bewegung als Mittel zur Perfektionierung des eigenen Körpers und vermitteln ein unrealistisches Schönheitsideal. Außerdem gehe es ihnen regelmäßig um die Vermarktung bestimmter Produkte. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forscherinnen der Universität Witten-Herdecke (UWH).

Die Forscherinnen haben untersucht, wie Influencer zu gesundheitsrelevanten Themen kommunizieren und dadurch Jugendliche in ihrem Verhalten beeinflussen. Dazu haben sie 1.000 Bilder von Deutschlands Top-50 Fitness-Influencern untersucht und teilweise Kommunikationsstränge mit bis zu 2.000 Kommentaren analysiert. Ergebnisse der Studie wurden jetzt international im Springer Fachmagazin BMC Public Health veröffentlicht (DOI: 10.1186/s12889-019-7387-8).

„Jugendliche kommunizieren mit Influencern über das Internet wie mit besten Freundinnen, sie klagen über ihre Figur, kommentieren umfangreich das Aussehen, die Kleidung, das Essen ihrer Idole, und sie suchen Rat, wie auch sie so perfekt werden können“, erklärt Katharina Pilgrim, die zu dieser Thematik ihre Doktorarbeit verfasst hat. Dass die dargestellten Fotos aufwändig in Szene gesetzt und umfangreich bearbeitet sind, sei ihnen oft nicht bewusst. Jugendliche bewegen sich täglich mehrere Stunden in sozialen Netzwerken, dort informieren sie sich auch über gesundheitsrelevante Themen wie Ernährung und Bewegung.

Hintergründe verstehen

Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko, Betreuerin der Arbeit von Pilgrim, erläutert: „Wir müssen diese Art der Kommunikation und ihre Hintergründe verstehen, wenn wir gesundheitsfördernde Maßnahmen planen, sonst zielen wir an der Lebenswelt der Jugendlichen vorbei. Das war der Ausgangspunkt unserer Studie.“

Jugendliche gewinnen bei der Nutzung der Websites außerdem den Eindruck, dass die von ihren Idolen genutzten Produkte einen einfacheren Weg zum angestrebten Äußeren bieten. Insgesamt sei auf zwei von drei Bildern ein Hersteller, ein Produkt, eine Marke oder ein Unternehmen eingebunden worden. Nur die Hälfte davon sei als Werbung gekennzeichnet worden. Die Vermarktung und damit einhergehende Einnahmen stünden somit speziell bei Fitness-Influencern eindeutig im Mittelpunkt des Interesses.

Anlass zu Besorgnis

Die anhaltend große Zahl von Minderjährigen mit Essstörungen von Magersucht bis Übergewicht gibt in Deutschland Anlass zu Besorgnis: 20 Prozent sind unzufrieden mit Figur und Gewicht oder leiden an Heißhungeranfällen, jeder sechste Jugendliche zwischen 14 und 17 leidet an Übergewicht, heißt es in der Pressemitteilung der UWH.

Familien, Schulen und Krankenkassen versuchen, Einfluss zu nehmen und diese gefährliche Entwicklung zu bremsen. Die Nutzung des Internets durch die Jugendlichen mache diese Aufgabe nicht leichter. Aktuelle Untersuchungen zeigten, dass 12- bis 17-Jährige täglich bis zu drei Stunden in sozialen Netzwerken verbringen. Über ein Drittel der Jugendlichen steuere dabei gezielt die Influencer-Seiten an.

Die Forscherinnen sehen ihre Aufgabe darin, Lehrende, Erziehungsberechtigte sowie Entscheider zu befähigen, Minderjährige im Umgang mit den Influencern angemessen aufzuklären, zu beraten und zu schützen.

END/nna/nh

Kontakt: katharina.pilgrim (at) uni-wh.de 

Bericht-Nr.: 191016-01DE Datum: 16. Oktober 2019

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