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Weltläden starten Aktion zur Unterstützung ihrer Handelspartner in der Corona-Krise

Sa, 09 Mai 2020 | Von NNA Mitarbeiter

Fairer Handel fordert: Lieferkettengesetz in Deutschland zügig auf den Weg bringen. Die Corona-Krise dürfe nicht zum Anlass genommen werden, das Lieferkettengesetz von der politischen Agenda zu streichen.


Foto: www.forum-fairer-handel.de

BERLIN (NNA) – Die Corona-Krise zeigt deutlich die Fehlentwicklungen im globalen Wirtschaftssystem auf und belegt eindringlich die Notwendigkeit eines Lieferkettengesetzes – so das Forum Fairer Handel aus Anlass des Internationalen World Fair Trade Day am 9.Mai.

Die Corona-Krise dürfe nicht zum Anlass genommen werden, das Lieferkettengesetz von der politischen Agenda zu streichen, wie von Wirtschaftsverbänden gefordert, betont das Forum Fairer Handel in seiner Pressemitteilung. Ein Lieferkettengesetz soll alle Unternehmen dazu verpflichten, Menschenrechte und Umweltstandards entlang globaler Lieferketten einzuhalten. Die Weltläden haben eine Aktion zur Unterstützung ihrer Handelspartner in der Corona-Krise gestartet.

Die vielfältigen Folgen der Corona-Pandemie legen aus der Sicht des Forums die Fehlentwicklungen im globalen Wirtschaftssystem offen: Die intransparenten Lieferketten, die sich auf der Suche nach billigen Produkten um den Globus gebildet haben, seien nicht krisenfest und weder sozial noch ökologisch nachhaltig.

Dringlichkeit

Weltläden in ganz Deutschland nutzen den Tag des Fairen Handels für Aktionen zum Thema. „Die drastischen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Menschen am Anfang globaler Lieferketten bestätigen die Dringlichkeit dieses Gesetzes“, erklärt Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel. Es soll in Deutschland noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg gebracht werden, fordert das Forum. Konzepte dazu haben die Fair Trade Organisationen vorgelegt (siehe Links unten).

Ausgangsbeschränkungen, Einkommenseinbußen und fehlende finanzielle Absicherung träfen besonders Produzenten und Arbeiter am Anfang vieler globaler Lieferketten. Angesichts der gesunkenen Nachfrage nach Textilprodukten nutzten z.B. eine Reihe von Marken und Einzelhändlern ihre Macht gegenüber Lieferanten und Arbeitnehmern in der globalen Bekleidungsindustrie aus, indem sie Warenbestellungen stornieren – auch solche, die sich bereits in Produktion befinden –, Zahlungsfristen verzögern oder Rabatte fordern.

In Folge dessen berichten Partnerorganisationen des Forums aus dem Globalen Süden von Fabrikschließungen und fehlenden Lohnfortzahlungen oder Einschränkungen von Gewerkschaften in der asiatischen Textilbranche. Menschen, die ohnehin unter prekären Bedingungen leben und arbeiten, stehen plötzlich vor dem Nichts.

Umsatzeinbußen

Auch die Fair-Handels-Akteure spüren die Auswirkungen der Corona-Krise bereits deutlich: Viele Weltläden mussten vorübergehend schließen oder ihre Öffnungszeiten einschränken. Die fehlenden Einkäufe der Weltläden und die teilweise zusammenbrechenden Lieferketten seien große Herausforderungen für die Fair-Handels-Unternehmen, betont das Forum.

Besonders kritisch sei die Situation aber für die Handelspartner im globalen Süden. Sie verzeichnen schon jetzt große Umsatzeinbußen, weil sie ihre Betriebe teilweise schließen müssen oder ihre Waren nicht mehr exportieren können. In einer solchen Krisensituation zeige sich besonders, dass im Fairen Handel Solidarität vor Profit steht.

„Die Fair-Handels-Unternehmen unterstützen ihre Handelspartner bestmöglich, zum Beispiel, indem sie gemeinsam nach Lösungen suchen und Vorfinanzierungen ausweiten“, erklärt Anna Hirt. So hat zum Beispiel der Weltladen-Dachverband im März zusammen mit rund 30 Lieferanten des Fairen Handels die Aktion #fairsorgung gestartet. Ziel der Aktion ist es, die schlimmsten wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise auf alle Partner des Fairen Handels abzumildern.

Dafür bieten einzelne, lokale Weltläden kreative Verkaufsmöglichkeiten an und es gibt die Möglichkeit, den Weltladen vor Ort auch bei Bestellungen im Online-Shop der anerkannten Fair-Handels-Lieferanten zu unterstützen. Ausführliche Informationen finden sich unter www.weltladen.de/aktion-fairsorgung/

END/nna/nh

Bericht-Nr.: 200509-01DE Datum: 9. Mai 2020

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