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Soziale Dreigliederer warnen vor Gefahren durch Coronaproteste

Mi, 09 Sep 2020 | Von NNA Mitarbeiter

Das Stuttgarter Institut für soziale Gegenwartsfragen hat mehr Wachsamkeit von Anthroposophen gegen Rechtsextremismus gefordert. In der Corona-Protestbewegung betätigten sich „regressive und umstürzlerische” Kräfte.


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Eine äußerst wachsame Haltung hat das Institut für soziale Gegenwartsfragen gegenüber den Coronaprotesten angemahnt. Man müsse dem Rechtsextremismus konsequent entgegentreten.

STUTTGART (NNA) – Die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen bringen „große Gefahren mit sich“ und die anthroposophische Bewegung sei gut beraten, eine „äußerst wachsame Haltung“ gegenüber diesen Protesten einzunehmen und „Rechtsextremismus konsequent entgegenzutreten.“

Mit diesen mahnenden Worten hat sich das Institut für soziale Gegenwartsfragen e.V. in Stuttgart in die laufenden und teilweise sehr unsachlich geführten Debatten innerhalb der anthroposophischen Bewegung um die Corona-Maßnahmen eingeschaltet.

Das Institut, für das Namen von Wissenschaftlern wie Prof. André Bleicher, Udo Hermannstorfer, Stefan Padberg und Prof. Christoph Strawe stehen, die den Aufruf unterzeichnet haben, hat es sich seit seiner Gründung 1991 zur Aufgabe gemacht, aktuelle soziale und gesellschaftliche Debatten zu untersuchen und die mit dem Begriff der „Dreigliederung des sozialen Organismus“ verbundenen Impulse der gesellschaftlichen Erneuerung fortzuschreiben.

„Aus gegebenem Anlass“ erteilt das Institut allen Anfragen aus dem Kreis der Coronaskeptiker, für diese beratend tätig zu werden, eine scharfe Absage. Offensichtlich sollte in diesem Kontext auch ein „Verfassungsgebungsverfahren“ initiiert werden. Ein solches Verfahren halte das Institut für „nicht legitim“.

Grundsätzlich hätten Gerüchte, die in verschiedenen sozialen Medien im Umfeld der Corona-Protestbewegung verbreitet würden, für das Institut „keine Relevanz“. Im Umgang damit sei „zu äußerster Vorsicht“ zu raten, da sich in dieser Bewegung rechtsextreme Kräfte betätigten, die den Protesten „regressive und umstürzlerische Inhalte überstülpen“ wollten.

Differenzierte Debatte

Das Institut sehe keinen Anlass, einen „Verfassungsgebungsprozess“ zu starten oder den „sofortigen Rücktritt der gesamten Regierung“ zu fordern. Die Unterzeichnenden seien auch nicht der Ansicht, dass „alle Coronamaßnahmen sofort beendet werden“ müssten. Stattdessen sei eine differenzierte Debatte mit allen relevanten Gruppen und Personen über die gegenwärtige Situation und das weitere Vorgehen in der Coronakrise anzustreben. Dazu verlinkt das Institut auf einen Aufruf verschiedener zivilgesellschaftlicher Organisationen, in dem ebenfalls eine solche Debatte gefordert wird.

Deutschland habe im weltweiten Vergleich die direkten gesundheitlichen Folgen der Corona-Krise „gut gemeistert“, heißt es darin. Die „besonnene Reaktion der Politik und einer großen Mehrheit der Bevölkerung haben Schlimmeres verhindert“. Angesichts der vielfältigen Maßnahmen, die bis zu der Einschränkung von Grundrechten reichten, müsse nun Bilanz gezogen werden, fordern Mehr Demokratie, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Bund der Steuerzahler und Foodwatch in einem Offenen Brief. 

Die Organisationen schlagen zur Evaluation der Coron-Maßnahmen die Einberufung einer Parlamentskommission vor, die hälftig mit Abgeordneten des Deutschen Bundestags und mit Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft besetzt sein soll.

Wunschdenken

Innerhalb der anthroposophischen Bewegung sieht das Institut für soziale Gegenwartsfragen e.V. derzeit „Wunschdenken“ am Werk. Die Teilnahme an den Coronaprotesten fördere weder eine sozialen Erneuerung im Sinn der Dreigliederung noch verhelfe sie der Anthroposophie zu öffentlicher Anerkennung. Es drohe vielmehr das Gegenteil.

Würde sich das Institut im Rahmen der Coronaproteste engagieren, bestehe die Gefahr, dass „der gesamte Ansatz zur sozialen Erneuerung, der mit dem Lebenswerk von Rudolf Steiner verbunden ist, in der öffentlichen Wahrnehmung verstärkt mit rechts-esoterischem Gedankengut in Verbindung gebracht“ würde. Dies sei eine „äußerst schwere Hypothek für die Zukunft dieses wichtigen Erneuerungsimpulses“, heißt es in der Erklärung von Bleicher, Hermannstorfer, Padberg und Strawe.

END/nna/ung

Bericht-Nr.: 200909-02DE Datum: 9. September 2020

Diese Meldung wurde am 10.09.2020 geändert: Der Titel von Stefan Padberg wurde korrigiert.

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