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Corona-Hilfsfond mit 13 Millionen EUR für Kleinbauern im globalen Süden

Di, 20 Okt 2020 | Von NNA Mitarbeiter

Ein gemeinsames Projekt der deutschen Bundesregierung und der Fair-Trade-Organisationen will die Folgen der Pandemie in Entwicklungsländern abmildern. Auch wird mehr Engagement für die UN-Nachhaltigkeitsziele gefordert.


Foto: Standbild aus „Make The World a Better Place“

BERLIN/KÖLN (NNA) – Ein Hilfsfonds über 13 Millionen Euro soll nachhaltig produzierende kleinbäuerliche Betriebe in Entwicklungsländern dabei helfen, ihre Arbeitsplätze trotz Corona-Pandemie zu erhalten.

Der Hilfsfonds kommt durch eine Kooperation zwischen dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und den Organisationen Fairtrade International und dem Forum Fairer Handel zustande.

Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller (CSU) bezeichnete die Initiative als wichtiges Beispiel einer gelungenen Kooperation zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren und der Bundesregierung. Corona habe deutlich gemacht, „wie eng wir auf der Welt verbunden und wie verwundbar wir sind. Die Ärmsten in den Entwicklungs- und Schwellenländern brauchen unsere Solidarität – erst recht in Krisenzeiten“.

Mit dem Zuschussfonds sollen 400.000 Kleinbäuerinnen und -bauern in 24 Ländern des globalen Südens, die unmittelbar durch die Corona-Pandemie in Schwierigkeiten geraten sind, schnell und unbürokratisch unterstützt werden. Die Initiative hat eine Laufzeit von zwei Jahren.

Neben akuter Nothilfe und Präventionsmaßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Virus werden auch Mittel für einen nachhaltigen Wiederaufbau nach der Pandemie bereitgestellt. Außerdem werden Maßnahmen unterstützt, die Ernährung und Einkommen der ländlichen Bevölkerung auf eine breitere Basis stellen, heißt es in der Pressemitteilung des Forums Fairer Handel dazu.

In großem Umfang sollen Lebensmittel, Saatgut und Hygieneartikel in ländlichen Regionen verteilt und Aufklärungskampagnen zu Covid-19 über die lokalen Medien lanciert werden. Die Kontinuität der Arbeit der Produzenten und Organisationen (Bauernkooperativen, Verarbeitungsbetriebe, Exportunternehmen) soll dadurch sichergestellt werden in der Pandemie, dass Ausrüstungsgegenstände und kleinere Maschinen zur Verfügung gestellt und Betriebskosten übernommen werden, außerdem sollen gezielte Beratungsdienstleistungen angeboten werden.

Existenzielle Herausforderungen

Um sicherzustellen, dass die bereitgestellte Soforthilfe auch wirkungsvoll eingesetzt wird, wird diese von Fairtrade International in enger Abstimmung mit den Partnern in den betroffenen Ländern umgesetzt.

Fairtrade hatte bereits im Frühsommer 3,4 Mio. EUR aus eigenen Mitteln bereitgestellt zur Hilfe für die Kleinbäuerinnen und -bauern, das Ausmaß der Pandemie überstieg jedoch die Möglichkeiten der Organisation. Bereits zu Anfang der Pandemie im April 2020 sei absehbar gewesen, betont die Organisation, dass Handelspartner im globalen Süden Unterstützung benötigen würden. Fehlende soziale Absicherung und unzureichende Strukturen im Gesundheitswesen seien in vielen Ländern Realität. Das stelle Produzentinnen und Produzenten gerade in Krisenzeiten vor existentielle Herausforderungen.

Klimakrise und Corona-Pandemie zeigen aus der Sicht der Fairtrade-Organisationen darüber hinaus, dass mehr getan werden muss, um die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die Sustainable Development Goals (SDG), zu verwirklichen. Um die SDG wie geplant bis 2030 umzusetzen, „müssen wir unsere Art zu leben und zu wirtschaften grundlegend verändern“, betont Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forums Fairer Handel in Berlin.

Aus Anlass des 5. Jahrestages der Verabschiedung der SDG Ende September und zum Ende der diesjährigen bundesweiten Fairen Woche haben die Organisationen in Deutschland die Unterzeichnerstaaten der SDG aufgefordert, mehr zur Umsetzung der Nachhaltigkeits-Agenda zu unternehmen. Die aktuelle Klimakrise zeige genauso wie die steigende Zahl der Hungernden weltweit, dass ambitionierte Ziele allein nicht ausreichten.

Rigorose Anpassungsmaßnahmen

Ohne rigorose Anpassungsmaßnahmen könnte die Klimakrise bis 2030 voraussichtlich mehr als 100 Millionen Menschen im globalen Süden unter die Armutsgrenze drängen, befürchten die Fair-Trade-Organisationen. Schon heute sei der Klimawandel die größte Bedrohung für Produzenten und Produzentinnen dort.

„Die Klimakrise wird auf dem Rücken derjenigen ausgetragen, die am wenigsten dafür können“, erläutert Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von TransFair (Fairtrade Deutschland). Wetterextreme bedrohten die Ernte und damit die Existenz vieler Produzentinnen und Produzenten. Niedrige Weltmarktpreise verschärften die Situation im Globalen Süden zusätzlich. „Und als wäre das nicht genug, kämpfen die Menschen mit den Folgen einer Pandemie. Diese Herausforderungen sind eine Handlungsaufforderung für uns alle“, so Overath.

Die Fair-Trade-Organisationen verweisen in ihrer Pressemitteilung auch auf eine Dokumentation des Fairtrade Kanals zu den UN-Nachhaltigkeitszielen, „Make the World a Better”, in der Menschen am Anfang der Lieferketten berichten, was für eine Welt sie sich für die Zukunft wünschen und wie sie der Faire Handel dabei unterstützen kann.

END/nna/nh

Bericht-Nr.: 201020-01DE Datum: 20. Oktober 2020

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