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Wird Insektensterben auch durch Mobilfunkstrahlung verursacht?

Di, 20 Okt 2020 | Von NNA Mitarbeiter

Eine Metastudie zeigt, dass elektromagnetische Felder auch das Insektensterben beeinflussen könnten. Die Umweltbehörden sollten daraus Konsequenzen ziehen, fordert der NABU Baden-Württemberg.


Foto: NABU/Marco Sommerfeld

STUTTGART (NNA) – Neben Pestiziden und dem Verlust von Lebensräumen kann auch Mobilfunkstrahlung ein weiterer Faktor für das Insektensterben sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Metastudie über „Biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder auf Insekten“ durch Hochspannung, Mobilfunk und WLAN, die der NABU Baden-Württemberg jetzt veröffentlicht hat.

Die Studienanalyse basiert auf 190 wissenschaftlichen Veröffentlichungen und wurde von dem Biologen und Umweltwissenschaftler Alain Thill im Auftrag der Umwelt- und Verbraucherorganisation diagnose:funk, des NABU Baden-Württemberg und der Luxemburger Umweltorganisation AKUT erstellt.

Der Autor der Metastudie hat 190 wissenschaftliche Publikationen gesichtet, die sich mit dem Thema Insekten und elektromagnetische Felder beschäftigen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass neben Pestiziden und dem Verlust von Lebensräumen auch Mobilfunkstrahlung negative Effekte auf Insekten hat und damit ein weiterer Faktor für die Schwächung der Insektenwelt sein dürfte.

Insbesondere Mobilfunk- und WLAN-Strahlung sorgten dafür, dass die Calciumkanäle der Zellen geöffnet werden, sodass Calciumionen vermehrt einfließen. Calcium sei ein wichtiger Botenstoff, der eine biochemische Kettenreaktion auslöst, die bei Insekten zu oxidativem Zellstress führe. In dessen Folge werde der Orientierungssinn eingeschränkt und die Reproduktionsfähigkeit nehme ab. Außerdem werde die Tag-Nacht-Rhythmik der Insekten gestört und das Immunsystem fehlaktiviert.

Unterschätzte Wirkung

„Die vorliegende Studie zeigt, dass die Wirkung von Mobilfunkstrahlung auf die Umwelt häufig unterschätzt wird“, betont der NABU-Landesvorsitzende, Johannes Enssle.  Über die negative Wirkung von Mobilfunk- und WLAN-Strahlung auf Zellen sei in der Wissenschaft inzwischen schon viel bekannt. In der Öffentlichkeit würde dies jedoch bislang kaum debattiert, stellt Enssle fest. „Das Thema ist für viele von uns unbequem, greift es doch tief in unsere alltäglichen Gewohnheiten ein und hinter der Mobilfunktechnik stehen natürlich auch mächtige wirtschaftliche Interessen.“

Der NABU Baden-Württemberg fordert die Umweltbehörden in Deutschland auf, Konsequenzen aus den Ergebnissen der Studie zu ziehen und die Lebensräume der Insekten vor der Mobilfunkstrahlung zu schützen. Anstelle der zunehmenden elektromagnetischen Überfrachtung unserer Umwelt müsse die bereits vorhandene Strahlenbelastung flächendeckend gesenkt werden  zum Schutz von Mensch und Tier.

Dass dies möglich sei, zeigten Beispiele aus der Schweiz oder aus Norwegen, schreibt der NABU in seiner Pressemitteilung. Dort werde trotz guter Netzabdeckung eine wesentlich geringere Strahlenbelastung der Umwelt erreicht. Im Gegensatz dazu würden in Deutschland Effekte elektrischer, magnetischer und elektromagnetischer Felder auf Flora und Fauna bisher negiert oder verharmlost.

END/nna/ung

Bericht-Nr.: 201020-04DE Datum: 20. Oktober 2020

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