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„Ärmere Länder am Ende der Impfstoff-Warteschlange“

Mi, 10 Feb 2021 | Von NNA Mitarbeiter

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert gerechtere Verteilung von Impfstoffen nach den Richtlinien der WHO. Nur globale Solidarität könne die Corona-Pandemie unter Kontrolle bringen.


Ein Covid-19-Patient wird in Beira, Mosambik, ins Krankenhaus gebracht. Wie in anderen Ländern im südlichen Afrika, steht er jedoch „am Ende der Impfstoff-Warteschlange“
MiroS Lav / Shutterstock.com

BERLIN/GENF (NNA) – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat die reichen Länder aufgefordert, die Covid-19-Impfstoffe mit den ärmeren Ländern zu teilen. Bisher stünden die Menschen in den ärmsten Ländern wie z.B. in der Subsahara „am Ende der Impfstoff-Warteschlange“, heißt es in der neuesten Erklärung von Ärzte ohne Grenzen. Globale Solidarität sei aber notwendig, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen.

„Wir sind schockiert über die ungleiche Verteilung der Covid-19-Impfstoffe in der Welt“, betont Christine Jamet, Leiterin der Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen in Genf. Sie verstoße völlig gegen die von der Weltgesundheitsorganisation geforderte gerechte Verteilung der Mittel.

„Dies wird nicht nur die Pandemie verlängern, sondern auch noch mehr Menschenleben in Gefahr bringen. Regierungen, die sich mehr Dosen gesichert haben, als sie für die Impfung ihrer Hochrisikogruppen brauchen, fordern wir dringend auf, ihren Impfstoffvorrat mit anderen Ländern zu teilen.“

Dringend notwendig seien z.B. Covid-19-Impfstoffe in Malawi, Mosambik, Eswatini und andere stark von der Pandemie betroffene Länder. In allen drei Staaten, in denen die Organisation die überlasteten Krankenhäuser unterstützt, wüte die ansteckendere Virusmutation.

Diese Länder haben nach Angaben von Ärzten ohne Grenzen noch keine einzige Impfdosis enthalten und können so nicht einmal besonders gefährdete Menschen und das Gesundheitspersonal schützen.

„Unverantwortlich“

Vor diesem Hintergrund sei es „unverantwortlich“, wenn einige Länder damit beginnen würden, ihre Bürger mit geringem Risiko zu impfen, während viele Länder in Afrika noch immer darauf warten, wenigstens ihr medizinisches Personal impfen zu können, betont die Hilfsorganisation.

„In Malawi beobachten wir einen dramatischen exponentiellen Anstieg an Covid-19-Infektionen“, sagt der Berliner Arzt Tankred Stöbe, der als medizinischer Notfallkoordinator des Einsatzteams von Ärzte ohne Grenzen in der Großstadt Blantyre arbeitet. Im Januar habe sich die Zahl der Neuinfektionen alle vier bis fünf Tage verdoppelt, jede Woche verdoppelten sich nun die Klinikeinweisungen.

„Das Queen-Elizabeth-Krankenhaus ist bei der Versorgung der Covid-Patienten am Limit. Wir bauen deshalb in Windeseile eine zusätzliche Behandlungsstation mit 40 Betten in Zelten auf. Enorm wichtig wäre es nun, das medizinische Personal zu schützen, das gegen das Virus kämpft. Schon jetzt haben sich fast 1.300 Gesundheitsmitarbeiter infiziert und neun sind gestorben. Ohne Impfstoff wird die Situation zunehmend untragbar.“

Schwere Verläufe

In Eswatini, einem Staat mit 1,1 Millionen Einwohnern, würden täglich 200 Neuinfektionen registriert, die Anzahl der Todesfälle habe sich im Vergleich zur ersten Welle vervierfacht. Klinikmitarbeiter melden, dass die Betroffenen dieses Mal einen schwereren Krankheitsverlauf haben.

Um die Gesundheitseinrichtungen zu entlasten, hat Ärzte ohne Grenzen an der Nhlangano-Klinik zusätzliche Abteilungen in Zelten eingerichtet und medizinisches Personal zur Behandlung von schwerkranken Covid-19-Patienten zur Verfügung gestellt.

In Mosambik liegen die Fallzahlen gegenwärtig fast sieben Mal so hoch wie zum Höhepunkt der ersten Welle. „Viele Gesundheitsmitarbeiter erkranken selbst, und jene, die noch arbeiten, sind erschöpft“, berichtet Natalia Tamayo Antabak, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. Die Teams der Organisation helfen bei der Umsetzung von Maßnahmen zum Infektionsschutz in öffentlichen Behandlungszentren in Maputo.

END/nna/ung

Bericht-Nr.: 210210-05DE Datum: 10. Februar 2021

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