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Wed, 10 Oct 2012

Heliopolis Universität öffnet ihre Tore

Enge Verbindung von Theorie und Praxis - Nachhaltigkeits-Modell der SEKEM-Initiative bewährt sich auch in der ägyptischen Revolution

KAIRO (NNA) - Die Heliopolis Universität in Kairo wird ihren Studienbetrieb im Oktober dieses Jahres aufnehmen. Sie ist die erste non-profit Universität im Mittleren Osten, deren oberstes Prinzip die nachhaltige Entwicklung bildet.

Ihren Ursprung hat die Heliopolis Universität in der Heliopolis Akademie, die 1999 von der SEKEM Initiative gegründet wurde. Die Universität selbst besteht offiziell seit 2010.

Das besondere Merkmal der Studienfächer ist ihr fachübergreifender Charakter und die intensive Verbindung von Lehre, Forschung und Praxis. Diese Ausrichtung soll den Studenten die „Fähigkeit vermitteln, kreative Lösungen für die bedeutendsten Probleme der Weltgemeinschaft zu finden,“ heißt es in einer Presseerklärung der Universität. Durch diesen zentralen Baustein der Universitätsphilosophie unterscheide sich die Heliopolis Universität für nachhaltige Entwicklung von den meisten anderen Universitäten. Die Heliopolis-Studenten werden während ihres Studiums an Projekten in Partnerfirmen arbeiten.

Sie erwerben problemorientierte Kompetenzen durch das Studium und gleichzeitig neue Fähigkeiten durch die unmittelbare Umsetzung in der Praxis. Außerdem können sich die Studenten auf ein Gebiet ihrer Wahl konzentrieren. So bleibe die Motivation das ganze Studium hindurch hoch und der persönliche Erfolg werde mit dem Erfolg der betreffenden Firma verbunden, schreibt die Universität. Der Abschluss, der erreicht wird, verbinde eine solide akademische Bildung mit praktischen Erfahrungen. Gleichzeitig werden die Bedürfnisse der Wirtschaft erfüllt, was wiederum die Studierenden zu innovativem Denken anregt.

Ein Herzstück der Universität ist das Kernprogramm, das „die individuelle Kreativität der Studenten wecken soll“, wie es auf der Homepage der Universität heißt. Es orientiert sich am Leitbild einer humanistischen Ausbildung mit verpflichtenden Kursen für alle Lernenden in Natur- und Sozialwissenschaften, Sprachen und Kunst, die kritisches wie künstlerisches Denken entwickeln und die Wahrnehmungsfähigkeit der Studenten schulen. Das Kernprogramm zielt auch darauf ab, dis-ziplinübergreifende Fähigkeiten aus-zubilden. Es ermögliche den Studenten, bekannte Gedankenmuster in kreative Handlungswege zu ändern und richte sich an Kopf, Herz und Hand. Durch Selbstreflektion und Selbsterfahrung soll das Selbstvertrauen der Studenten wachsen. Nach dem Studium sei der Student mit den nötigen Fähigkeiten gewappnet, die er zur Problemlösung benötigt, schreibt die Universität weiter.

In der Anfangsphase wird die Universität aus drei Fakultäten bestehen: Maschinenbau, Pharmazie und Betriebswirtschaft für nachhaltige Entwicklung. Die Studienfächer bieten Bachelor-of-Science-Abschlüsse in Energietechnik, Mechatronik, Wassertechnik und Pharmazie sowie einen Bachelor of Arts in Business und Wirtschaft.

Die SEKEM–Initiative wurde 1977 von Dr.  Ibrahim Abouleish gegründet, um die nachhaltige Entwicklung in Ägypten zu stärken. Sie stellt biologische Nahrungsmittel, Textilien und pflanzliche Arzneimittel her und vermarktet sie nach ökologischen Prinzipien. SEKEM wird allgemein als „der ägyptische ökologische Vorreiter“ gepriesen und erhielt 2003 die Right Livelihood Aus-zeichnung (den alternativen Nobelpreis) als vorbildliches Geschäftsmodell für das 21. Jahrhundert und für seine „Ökonomie der Nächstenliebe“. Die SEKEM-Firmen fördern mit einem Teil ihres Ertrags die sozialen und kulturellen Maßnahmen der SEKEM Entwicklungsstiftung. Diese betreibt Schulen, ein medizinisches Zentrum, eine Akademie für angewandte Wissenschaften und weitere Einrichtungen in Ägypten.

SEKEM veröffentlichte seinen letzten Nachhaltigkeitsbericht im Juli, in dem die Initiative ihre grundlegenden Zahlen und Fakten aus 2011 vorstellte. Er belegt aufs Neue den Erfolg des nachhaltigen Geschäftsmodells von SEKEM, angefangen vom Verhältnis zu seinen Lieferanten über die Struktur der Arbeitskräfte und den Ressourcenverbrauch bis hin zu den Investitionen in Landgewinnung und Bildung. Er umfasst auch die Beurteilung des „ökologischen Fußabdrucks“, d.h. der CO2-Bilanz der SEKEM-Gruppe und ihrer Firmen.

Der Bericht zeige, wie eng das Zusammenspiel von Sozialem, Wirtschaft und ökologischen Aspekten ist. Es werde gestärkt durch das SEKEM Geschäftsmodell. Dieses Modell habe auch SEKEMS Leistung unter den Herausforderungen der ägyptischen Revolution sichergestellt, betont SEKEM in der Pressemitteilung. Das ganzheitliche Geschäftsmodell hebe sich von anderen ab, weil es seine Anstrengungen auf die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung richtet.

END/nna/cva/lml

Links: www.hu.edu.eg, www.sekem.com

Bericht-Nr.: 121010-04DE Datum: 10. Oktober 2012

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Wirtschaft neu denken

Bei der Jahrestagung des Instituts für Sozialorganik an der Alanus Hochschule trafen sich Unternehmer und Studierende – Soziale Kunst als Sinn des Lebens

Von NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz

ALFTER (NNA) - In der Zeit der Finanzkrisen in Südeuropa und der Occupy Bewegung auf den Straßen stellt sich die Frage, wie Wirtschaft mit Sinn neu gestaltet werden kann. „Wirtschaften neu denken wollen - Die sozialorganische Perspektive“ hieß von daher im September das Thema der diesjährigen Jahrestagung des Instituts für Sozialorganik an der Alanus Hochschule in Alfter. Sie sollte Impulse dafür liefern, wie Wirtschaft auch auf betrieblicher Ebene nachhaltig verändert werden kann.

Prof. Götz E. Rehn, Gründer und Geschäftsführer von Alnatura sowie Leiter des Instituts für Sozialorganik an der Alanus Hochschule und Prof. Götz W. Werner, Gründer und Aufsichtsrat von dm-Drogeriemarkt referierten vor rund 150 Unternehmern und Studierenden der Alanus Hochschule.

Rehn präsentierte die Idee des „situativen“ Führens. Das heutige Miteinander der Menschen sei dadurch gekennzeichnet, dass man miteinander für andere tätig und jeder auf andere angewiesen sei und mit ihnen in Verbindung stehe. Hierfür ergebe sich die Notwendigkeit, Seelenkräfte zu wandeln. Zum Wahrnehmen und Erkennen sei dies vorausgesetzt. Beobachten solle man, wie man zum Bewusstsein komme, wahrzunehmen das, was außen vor sich gehe. Setzte man sich intensiv damit auseinander, komme man zum Begriff.

Die Einstellung, dass der „Mensch ein Wirklichkeitsschöpfer“ sei, nicht nur eine physische, sondern eine geistige Präsenz, sei wichtig, so Rehn. Hinzu komme die Erkenntniserfahrung, dass die Menschen radikal verschieden seien. Die Unterschiedlichkeiten könnten in einem bestimmten Rahmen entwickelt werden, für die Fähigkeitsentwicklung könne man selbst etwas tun. Denke man an Reinkarnation und Karma, dann mache das Leben Sinn als Weg der Individualisierung. Mit den Gefühlen wahrnehmen, spüren und fühlen führe zu einem Lernprozess, man lerne „in die Welt zu schenken“. So entstünden Leistungen, die ein menschliches Antlitz hätten. Erst an dieser Stelle sei man Mensch.

Bei der Mitarbeiterführung zum Beispiel bedürfe es eines Gespürs: Wie kann man dem andern helfen, wie einen richtigen Rahmen für ihn erschaffen. Dabei sei der Einzelne immer im Sinne des Ganzen zu sehen.

Es läge jetzt an uns Menschen die Zukunft zu gestalten, betonte Rehn. Sowie wir den Sinn erkannt hätten, gelte: Man kann es nur selbst tun. Bei dem Freiheitsgrad, der in unseren Breiten enorm sei, müsse es in jedem Einzelnen bewusst sein, dass der Mensch Gestalter seiner geistigen Freiheit sei. Wenn es gelänge, auf das zu schauen, was sich bei dem Menschen zeige, um es zu veredeln, führe das zu einer Gemeinschaft mit freien Individualitäten. Um dahin zu kommen sei auch Selbstführung nötig. Ein Tip zum Ganzen gab er in die Menge: „Viel positiver denken über die anderen“ sei ein guter Ansatz, denn unser Denken gestalte Zukunft.

Die Natur warte auf uns Menschen, wir seien jetzt gefordert, nachdem wir sie traktiert hätten, das Wesen der Erden zu befreien, schloss Rehn seine Ausführungen.

Prof. Götz W. Werner, Gründer, 35 Jahre Geschäftsführer und heute Aufsichtsrat von dm-drogeriemarkt, sprach über „Inspirationsquellen für eine „LebensUnternehmerschaft“. Mit Zutrauen kämen wir auf die Welt. Später stelle sich das Problem von Freizeit und Arbeits-zeit. Diese Einteilung sei zu streichen: „Lebens-zeit“ müsse es heute heißen.

Lebens-zeit nehme man in Anspruch und Lebens-zeit gebe man. Aus dem Entdeckergeist heraus wolle man die Welt besser verstehen. Dazu könne man auch dem Gedanken von Reinkarnation und Karma nachgehen. So gesehen kämen wir auf die Welt um „soziale Kunst“ zu entwickeln. Dabei sind wir mit Bewusstsein für andere tätig und andere für uns.

Als Unternehmer sei man erfolgreich, wenn man den Leistungserbringer und den Kunden am besten verstünde. Dabei müsse man nicht nur „wie“ fragen, sondern „warum und wozu“ machen wir etwas. Dies kennzeichne eine langfristige Zusammenarbeit.

So komme man auch auf die Sinnfrage, denn man wolle sich schließlich mit der eigenen Tätigkeit identifizieren. Ein weitreichender Hinweis ging an die Teilnehmer: „In jeden Menschen ist die Möglichkeit, dass er den rechten Weg erkennt“. So könne man Vergangenheit korrigieren und Zukunftsfolgen verantworten. Dieses neue Pardigma führe in eine Gemeinschaft und bekomme so Substanz.

Werners Formulierung, es möge eine „Bitteschön-Dankeschön Gesellschaft“ geben, zeigte an, dass dann die Wertschätzung ganz oben stünde. Und: „Jeder sei da, wo er tätig sei, der Beste.“ Dabei gäbe es schon Hierarchien, eben Fähigkeitshierarchien.

Als Unternehmer müsse man immer auch auf den Menschen schauen. Erfolg resümiere aus „Aktion und Reflektion“. Wechselseitiges Vertrauen veredele den Menschen, ermutigte Werner.

Helge Löbler, Professor für BWL und Marketing an der Universität Leipzig mit dem Forschungsschwerpunkt Sozialkonstruktionismus schilderte lebendig aus seiner Biographie. Er zeigte an Unterrichtsbeispielen auf, was Koexistenz für ihn bedeute, nicht nur menschliche Koexistenz, sondern auch die mit der Natur. Ausgehend vom Stoffwechsel erklärte er den Transfer, der in der Wirtschaft einen so hohen Stellenwert habe und wies auf die nötige Transformation hin. Kein Transfer ohne Transformation und umgekehrt, das sei zu beachten. So gesehen sollte Führung Folgen ermöglichen und erleichtern, sie sei getragen durch innere Gedanken, Energie und Präsenz. Educare heiße: Herausfördern was ist, übersetzte Löbler.

Leistung nach Löbler sei nicht als Arbeit durch Zeit zu rechnen, sondern Arbeit mal Zeit. Das Paradoxe der Arbeitsteilung sei, dass man oft nicht einschätzen könne, ob die Arbeit gut sei wie z.B. die eines Arztes, Rechtsanwalts oder Handelbetreibenden und deshalb mit „wenig“ zufrieden sei. Daraus ergäbe sich eben auch: Für diejenigen Spezialisten, die von anderen nicht mehr gewürdigt werden könnten, gäbe es keine Anreize mehr, Spitzenleistungen zu erbringen. Löblers Weg in die Zukunft ist eine „Verständnisgesellschaft“.

In den Workshops verdichteten sich einzelne „Denkschritte“, einzelne Fragen kamen hinzu. Bei den Workshops war bemerkenswert, mit wieviel Verständnis die Studierenden auf die Problemdarstellungen der Unternehmer antworteten.

Am Ende der Tagung könnte der Aufruf stehen, wie er in einem Referat geäußert worden war: „Erfolg ist ein Ergebnis, nicht das Ziel!“

END/nna/wil

Link: www.alanus.edu/sozialorganik

Bericht-Nr.: 121010-03DE Datum: 10. Oktober 2012

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„Jede Krankheit bedeutet, dass der Mensch reift!“

Dachverband der Anthroposophischen Medizin (DAMiD) informierte über alternative Therapiemöglichkeiten - Erfolgreicher Gesundheitskongress soll jetzt alle zwei Jahre stattfinden

DORTMUND (NNA) - Mehr als 700 Besucher nutzten Ende September in Dortmund die Möglichkeit des Dachverbands Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD) sich auf dem Gesundheitskongress 2012 über alternative Therapiemöglichkeiten zu informieren. DAMiD sieht es als eines seiner Hauptanliegen, die Entwicklung, Förderung und Erhaltung von Pluralismus und Therapiefreiheit in der Medizin zu gewährleisten. Die „Wahlfreiheit ist eine wichtige Grundvoraussetzung dafür, dass sich Patienten aktiv und verantwortungsbewusst für ihre eigene Gesundheit, bzw. Genesung einsetzen“, heißt es in einer Erklärung von DAMiD dazu.

Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens, unter deren Schirmherrschaft der Kongress stand, wies in ihrem Grußwort auf die große Bedeutung der anthroposophischen Medizin für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen hin. Die Veranstaltung wurde in enger Abstimmung mit dem Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke durchgeführt. In 24 angebotenen Workshops konnten sich die Besucher je nach Interesse den jeweils individuellen Gesundheitsfragen widmen.

Dr.  med. Matthias Girke, leitender Arzt am Krankenhaus Havelhöhe in Berlin formulierte in einem Vortrag, dass die anthroposophische Medizin als komplementär Medizin zu verstehen sei, nicht als eine Alternative zur Schulmedizin. Der Arzt schaue dabei nicht nur auf der Ebene der Befunde des Patienten. Der Patient werde in der Heilung auch unterstützt bei Zuständen wie Angst, Unruhe, Leere und inneren Fragen der Biographie. Diese erweiterte Zuwendung sei ein wesentlicher Aspekt bei der Überwindung von Krankheiten. Aus den Erfahrungen mit seinen Patienten berichtete Girke von Reifungsprozessen, die an Menschen, die schwere Krankheiten überwunden haben, zu beobachten seien. Gut zu sehen sei dies auch als Urphänomen bei Kinderkrankheiten. In diesem Zusammenhang ging er auch auf die wichtige Bedeutung des Fiebers ein, die Heilung mit sich bringe und nicht unterdrückt werden solle. Heilung habe immer etwas mit Entwicklung zu tun, betonte Girke. Diese Entwicklung würde durch die anthroposophische Medizin dadurch gefördert, dass der Patient über die Verabreichung des Medikament hinaus als leibliches, geistiges und seelisches Wesen begriffen werde.

Der Patient müsse sich wahrgenommen fühlen. Es könne auch soweit kommen, dass der Arzt mit dem Patienten gemeinsam darum ringen müsse, den Sinn des Lebens für den Patienten wieder zu finden. Zudem wirkten Therapien wie Heileurythmie, Musik- und Kunsttherapie sowie rhythmische Massagen unterstützend. Dadurch werde der Patient auch immer im Team behandelt. Die erwähnten Therapieangebote konnten die Teilnehmer des Kongresses selbst in den Workshops kennenlernen. Angesprochen auf die höheren Kosten dieses aufwendigeren Therapieansatzes erläuterte Girke das Vorgehen im Krankenhaus Havelhöhe. Ressourcen seien durch eine möglichst schlanke Verwaltung entstanden, die dann mehr in Richtung auf die Patienten gelenkt werden konnten.

Knut Humbroich, leitender Arzt am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, schilderte die „moderne und integrative“ Organisationsform der anthroposophischen Medizin und ergänzte so die Ausführungen von Girke. Wie wichtig es ist, dass der Patient auch selbst aktiv wird, erläuterte Humbroich am Beispiel der Migräne. Sie entstehe dadurch, dass eine Schwellung der Gefäßwände dazu führe, dass das Gehirn vermehrt und schließlich zuviel durchblutet werde. Die Gabe von Tabletten blockiere das Anschwellen der Gefäßwände zwar, wirkungsvoll sei aber auch ein Fußbad mit Senfmehl, das das Blut wieder nach unten ziehe. Aus Untersuchungen wisse man, dass bei Migränepatienten bei Anspannung Erschöpfung nicht so schnell eintrete und sie sich nicht ausreichend von Reizen distanzieren könnten. Deswegen sei es wichtig, dass ein Migränepatient aktiv zu seiner Entspannung beitrage.

Dr.  med. Hendrik Vögler, Arzt des Ita-Wegman-Therapeutikums in Dortmund sprach von seinem Vertrauen in die Naturprozesse. Er schilderte wichtige Fragen in der Zuwendung zum Patienten: Was ist bei diesem individuellen Patienten wichtig, was spielt sich im Körper ab, in welcher biographischen Situation steckt der Patient, wie ist sein Organismus in der Lage, sich zu regenerieren. Der Patient sei nicht Objekt, sondern Subjekt der Medizin und die anthroposophische Medizin als komplementäre Medizin integriere die spirituelle und individuelle Ebenen.

Menschen, bei denen die verschiedenen Ebenen in Resonanz stünden, könnten auch Belastungen besser standhalten, so Vögler. Für eine gute Selbstregulation müsse man wissen, was einem helfe: Sicherheit, Wohlbefinden, Lust und Sinn. Sicherheit für die physische Existenz, Wohlbefinden in der Ebene der Vitalität, dem Freisein, Lust als eine erfüllende genussvolle Erfahrung und Sinn als eine vernünftige Koordination der einzelnen Lebensebenen. Den Patienten unter den Zuhörern riet er, Solidarität mit ihrem Arzt aufzubauen für den individuellen Heilungsweg.

In dem Workshop von Dr.  phil. Bettina Berger mit dem Titel „Raum für Eigensinn“ ging es um die Patientenkompetenz als Weg zur eigenen Therapie. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Medizintheorie an der Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke (UWH) schilderte moderne Werkzeuge zur Steigerung der eigenen Kompetenz und stellte Entscheidungshilfen vor. Sie könnten präventive, therapeutische oder diagnostische Maßnahmen betreffen. Über Printmedien, Internet z.B. bekäme man durch Abfragen persönlicher Präferenzen genügend Informationen, um „vom Patienten zum Agenten“ seiner Erkrankung zu werden. Auch so könne die subjektive Situation mit eingebunden werden. Unabhängige Patientenberatungen seien zunehmend in den Städten anzutreffen. Sie helfen den Menschen beim Abwägen der individuellen Entscheidungsmöglichkeiten. Entscheidungshilfen könne man auch über die Krankenkassen bekommen, um grundlegende Informationen im Umgang mit der Erkrankung als angemessene Unterstützung einzuholen. Nicht zuletzt kann eine Begleitung aus dem persönlichen Umfeld den Gang durch die Krankheit erleichtern, wurde vom Publikum ergänzt.

Im Workshop zu Schlafstörungen ging es dann auch um die „ignorierte Volkskrankheit“, die nicht nur ein Problem des Einzelnen darstelle, sondern auch als gesellschaftliches Problem zu sehen sei. Dr.  med. Matthias Kröz, Facharzt für innere Medizin, Somnologie im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin berichtete von wissenschaftlichen Untersuchungen, nach denen die normale Schlafens-zeit pro Nacht seit 1995 von 8 auf 7 Stunden zurückgegangen ist. Er bezeichnete dies eine Erscheinung der Leistungsgesellschaft. Weder viel längerer noch viel kürzerer Schlaf wirke sich gut auf den Organismus aus.

Ein gesunder Schlaf diene der Erholung und der Gehirnreifung, der neurologischen Plastizität. Das Gedächtnis benötige Schlaf, damit das Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis übergehe. Auch ein Lernprozess finde statt, der das praktische Tun verbessere und zukünftige Fähigkeiten entwickle, so Kröz. Ein Therapieplan beinhalte eine progressive Muskelentspannung, eventuell Phantasiereisen. Die innere Haltung sei mit entscheidend und auch äußere positive Umstände. Ein Schlafzimmer ohne Fernseher, vorheriges „Abschalten“ von der inneren Beschäftigung, regelmäßige Aufsteh- und Zubettgehzeiten bei eigenem Rhythmus und ein Aufenthalt im Bett nur zum Schlafen wirkten sich gesund aus. Bei Nikotin- oder Alkoholkonsum bekomme man weniger Tiefschlaf, deshalb fühle man sich auch nicht ausgeschlafen am Morgen, fügte er hinzu. In den jetzigen Schlaflabors werde kein Schlaf tagsüber empfohlen.

Neurodermitis und Heuschnupfen als Allergie wurden im Workshop von Dr.  med. Tobias Sprenger erläutert. Er ist Facharzt für Allgemeinmedizin, und Medizinischer Direktor der Villavita-Tagesklinik für Ganzheitliche Medizin in Köln. Ein entfremdetes Verhältnis zur Natur benannte er als eine wesentliche Ursache der zunehmender Häufigkeit von allergischen Erkrankungen. Allergiker seien oft zu stark nach außen orientiert, hellwach, mit den Sinnen in klarer Präsenz. Weniger Präsenz sei in den inneren Prozessen. Könne das Immunsystem alles nicht leisten, so käme es zu Überreaktionen. Histamine und Cortison könnten in einem Fall angewendet wichtig sein, wirkten aber nicht heilend. Es gehe mehr um die Stärkung der Wärmeorganisation und damit auch der Verdauungskraft. Eine weitere Ursache für die Zunahme von Allergien sei auch der Rückzug der parasitären Erkrankungen. Je mehr das Immunsystem gefordert würde, um so besser entwickele es sich. Fieberhafte Erkrankungen seien dazu förderlich.

Weitere Workshops galten Themen wie „Bluthochdruck ganzheitlich therapieren!“, „Kinderkrankheiten natürlich behandeln“, „Wenn Knochen, Muskeln und Gelenke schmerzen, „Die Schilddrüse - ein kleines Organ mit großer Wirkung“, „Behandlungsmöglichkeiten der Anthroposophischen Medizin bei Demenz, Parkinson und Multipler Sklerose“ oder „Dem Krebs begegnen - Therapeutische Strategien der Anthroposophischen Medizin.“

In den Pausen war reges Treiben an den Ständen im Foyer zu beobachten. Wala Arzneimittel und Dr.  Hauschka Kosmetik informierten mit einzelnen Themenheftchen und Gesundheitsratgebern. Fragen der Besucher zu Behandlungen wurden fachkundig beantwortet und Empfehlungen aufgeschrieben. Am Weleda-Stand bot man eine Handeinreibung an mit wohltuenden Produkten und weiteren Produktinformationen. Die Hersteller von Mistelextrakten Abnoba und helixor informierten über Einzelheiten der Misteltherapie. Wer nicht alles gewünschte Wissen an einem Tag sammeln konnte bei diesem reichhaltigen Angebot, ist auf den nächsten Gesundheitskongress verwiesen, den DAMiD jetzt regelmäßig alle zwei Jahre veranstalten will.

END/nna/will

Links: www.damid.de, www.iqwig.de, www.unabhængige-patientenberatung.de

Bericht-Nr.: 121010-02DE Datum: 10. Oktober 2012

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Streit um die Zukunft von hessnatur schlägt hohe Wellen

Branchendienst wirft neuem Eigentümer „zerschlagenes Porzellan“ im Umgang mit den kritischen Konsumenten vor – Geschäftsleitung wirbt um Vertrauen

BUTZBACH (NNA) - Hohe Wellen im Internet schlägt derzeit die Auseinandersetzung um die Zukunft des traditionellen Naturtextilunternehmens hessnatur, nachdem die neuen Eigentümer, der Schweizer Finanzinvestor Capvis, mit juristischen Mitteln gegen die kritische Kundenplattform „Wir-sind-die Konsumenten.de“ vorgegangen ist. Im Branchendienst des Internethandels „Etailment“ ist von einer verfehlten Kommunikationspolitik von Capvis die Rede, die immer weiter Porzellan im Umgang mit den Kunden zerschlage.

Der Sohn des Firmengründers, Martin Hess, hat sich erneut mit einem offenen Brief in die Auseinandersetzung eingeschaltet und eine objektive Betrachtung des ganzen Sachverhalts angemahnt. „Ich bin nicht pro capvis und ich bin auch nicht pro hngeno, ich bin pro hessnatur“, betont Martin Hess. Zu einem kritischen Hinterfragen gehöre auch ein Schauen in alle Richtungen schreibt Hess in Hinblick auf die Genossenschaft hnGeno und ihre Geldgeber, die Hessnatur auch übernehmen wollte und dann nicht zum Zug gekommen war wegen Capvis. Der Blog „Soziale Dreigliederung“ bescheinigt Martin Hess eine „beschämende Naivität“ im Umgang mit dem Schweizer Finanzinvestor und weist auf dessen internationale Kapitalverflechtungen hin.

Capvis selbst hat jede Verstrickung in Rüstungsgeschäfte zurückgewiesen, die dem Private Equity Fonds auf der Konsumentenplattform nachgesagt worden waren und u.a. zu dem juristischen Vorgehen geführt haben. Mit einer einstweiligen Verfügung hat Capvis der Konsumentenplattform untersagt, einen Zusammenhang zwischen Capvis und der Rüstungsindustrie herzustellen und sie für Gewinnrückgänge der Firma verantwortlich gemacht. Angedroht ist eine Schadensersatzforderung von 200.000 Euro.

Etailment zufolge sind die internationalen Verflechtungen von Capvis schwer zu durchschauen. Größter Geldgeber von Capvis sei offenbar das US-Unternehmen HabourVest, das unter anderem an einem Flugzeughersteller beteiligt sei, der die italienische Armee zu seinen Kunden zähle. Harbour Vest verwalte außerdem 87 Mio. Dollar des australischen Verteidigungsministerium, schreibt Etailment.

Die Internetseite „Wir-sind-die Konsumenten.de“ war Ende 2011 eröffnet worden in Zusammenhang mit dem anstehenden Verkauf von hessnatur, das zu dem Zeitpunkt dem Karstadt-Quelle-Konzern gehörte. Sie setzte sich für eine Übernahme von Hess Natur durch die Genossenschaft hnGeno ein, die vom Hessnatur-Betriebsrat zusammen mit dem Netzwerk Solidarische Ökonomie, der Kampagne für Saubere Kleidung sowie Attac gegründet worden war. Die Übernahme durch die Genossenschaft hnGeno, die als Treuhänder Geno Equity im Hintergrund hat, war im Mai 2012 gescheitert, als die Firma an den Schweizer Finanzinvestor Capvis verkauft wurde.

Inzwischen sind eigenen Angaben der Internetseite „Wir-sind-die-Konsumenten.de“ zufolge rund 3.500 hessnatur-Kunden dort registriert, insgesamt umfasst der Kundenstamm der Firma eine Million Menschen. Die hessnatur-Kunden äußerten seit der Übernahme durch Capvis auf der Internetseite immer wieder die Besorgnis, ein Finanzinvestor als neuer Eigentümer könne das traditionsreiche Naturtextilunternehmen von seinem ethisch-ökologischen Kurs abbringen durch eine strikte Ausrichtung auf Rendite. Nahrung hatten diese Befürchtungen auch dadurch bekommen, dass Capvis sich überraschend im Sommer vom langjährigen Geschäftsführer von hessnatur, Wolf Lüdge, trennte. Ein Shitstorm im Internet war die Folge.

Martin Hess schreibt dazu in seinem offenen Brief, auch hnGeno habe nicht die Absicht gehabt, Lüdge weiter zu beschäftigen. Lüdge genoss Etailment zufolge großen Rückhalt in der Belegschaft der Firma, denn unter seiner Leitung habe sich das Unternehmen zum Marktführer im deutschsprachigen Raum entwickelt. Hessnatur wurde 1976 von Heinz Hess gegründet und schrieb mit seiner nachhaltig produzierten und ökologisch unbelasteten Bekleidung in der Branche eine einmalige Erfolgsgeschichte. 2011 erwirtschaftete das Unternehmen Etailment zufolge bei einem Umsatz von 73 Mio. Euro einen Gewinn in Höhe von fünf Millionen Euro. Durch die jüngste Entwicklung seien Rückgänge beim Umsatz von 20% und beim Gewinn von 45% zu befürchten, schreibt Etailment weiter.

Als neue Geschäftsführer hat Capvis Anfang Oktober jetzt den bisherigen Generalbevollmächtigten Marc Sommer, sowie Maximilian Lang vorgestellt. In einem offenen Brief an die Mitarbeiter betont die neue Geschäftsleitung die besondere Verantwortung für das Unternehmen und seine Ausrichtung.

Als Vorgaben von Capvis für die Weiterführung von hessnatur werden formuliert: eine organische und nachhaltige Weiterentwicklung des Unternehmens, die
Stärkung der Innovationskraft und Pionierrolle, die hessnatur in der Vergangenheit ausgezeichnet habe, eine Steigerung des Kundenkreises und des Wertes von hessnatur durch das Erschließen weiterer Potenziale. Auch der Erhalt und Ausbau der Arbeitsplätze und Strukturen von hessnatur gehöre zu den Zielen der Unternehmensleitung und „dies alles unter der Bewahrung der besonderen Werte und der hohen ökologischen und sozialen Standards von hessnatur, die die Erfolgsfaktoren dieses Unternehmens sind“.

Die Gründer der Firma, Heinz und Dorothea Hess seien zutiefst überzeugt gewesen von der Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie, schreibt die neue Geschäftsleitung weiter. In seiner mit den Mitarbeitern 1996 entwickelten Zukunftsvision habe Heinz Hess dies sogar als einer der “reizvollsten Herausforderungen der Zukunft” bezeichnet. Diese Haltung teile die neue Geschäftsleitung und mache sie zu ihrem „persönlichen Anliegen“. Sie fordert Kunden und Mitarbeiter auf, der neuen Leitung eine Chance zu geben.

Vor allem Marc Sommer ist bei den kritischen Konsumenten umstritten aufgrund seiner vorherigen Tätigkeit bei Arcandor, wo er in einen Rechtsstreit um übermäßige Bonus-zahlungen verwickelt sei, schreibt Etailment.

END/nna/ung

Links: http://de.hessnatur.com/blog/, http://de.hessnatur.com/blog/2012/10/01/hessnatur-startet-mit-neuer-geschaftsfuhrung-in-das-neue-geschaftsjahr/, http://etailment.de/2012/hess-natur-und-capvis-schweres-geschuetz-soll-kritiker-zum-schweigen-bringen/, http://etailment.de/2012/hess-natur-neuer-ærger-im-biowolle-paradies/, www.wir-sind-die-konsumenten.de, http://www.taz.de/Hess-Natur-klagt-gegen-Verbraucher/!102856/, http://blog.dreigliederung.de/2012/09/hessnatur-warum-ergreift-der-sohn-von.html, http://blog.dreigliederung.de/2012/09/capvis-gewinnruckgang-um-45-bei.html

Bericht-Nr.: 121010-01DE Datum: 10. Oktober 2012

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Wed, 26 Sep 2012

Waldorfschulen vermitteln Lernfreude und Selbstvertrauen

Praxis der Waldorfpädagogik wird durch empirische Forschung bestätigt - Jährlich 12,5 Mio. Euro für Lehrerbildung ausgegeben

BERLIN/STUTTGART (NNA) - Waldorfschüler lernen freudiger, finden ihre Schule überwiegend einladend und fühlen sich zu zwei Dritteln individuell von den Lehrern wahrgenommen. Außerdem sehen sie sich in ihrer Selbstwirksamkeitserwartung gestärkt, d.h. sie lernen in der Schule ihre Stärken kennen. Dies ist ein Ergebnis der ersten großen empirischen Studie zu Bildungserfahrungen an den Waldorfschulen, die der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) laut Pressemitteilung in Berlin heute der Öffentlichkeit vorstellte.

Die Studie „Bildungserfahrungen an Waldorfschulen wurde von Prof. Dr.  Heiner Barz (Universität Düsseldorf) und Dr.  Sylvia Liebenwein (Universität Düsseldorf) sowie von Prof. Dr.  Dirk Randoll (Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter/Bonn) erstellt. Befragt wurden dazu rund 800 Schülerinnen und Schüler aus zehn Schulen. PISA-Koordinator Prof. Dr.  Andreas Schleicher (OECD) hat das Vorwort zu der Studie geschrieben.

BdFWS-Vorstandsmitglied Henning Kullak-Ublick betonte, die Studie zeige, dass die Waldorfpädagogik mit ihrer Berücksichtigung des Lernumfelds, der Lernatmosphäre und der aktiven Beteiligung der Schüler an der Gestaltung des Unterrichts auf dem richtigen Weg sei. Es komme – auch nach den Ergebnissen der modernen Hirnforschung – darauf an, Eigenaktivität und Kreativität der Schüler einzubeziehen und ihnen damit die Motivation zum lebenslangen Lernen zu vermitteln. Kullak-Ublick: „Wir freuen uns über die neue Studie, die mit empirischen Mitteln belegt, dass die Bildungserfahrungen an den Waldorfschulen genau diejenigen sind, die die Schüler in der heutigen Welt brauchen.“

Der Bund der Freien Waldorschulen habe die Forschungsgruppe unterstützt, „weil wir ein großes Interesses daran haben, im Spiegel der empirisch erfassten Daten zu sehen, ob unsere täglichen Erfahrungen im pädagogischen Alltag dem Blick von außen standhalten,“ führte er weiter aus.

Das BdFWS-Vorstandsmitglied dankte den Forschern Barz, Liebenwein und Randoll für ihre Arbeit und den wichtigen „Blick von außen.“ Er sicherte zu, dass die Forschungsergebnisse in die konzeptionelle Arbeit an den Waldorfschulen einfließen werden. Die an der Alanus Hochschule durchgeführte Studie wurde von der Pädagogischen Forschungsstelle beim BdFWS gefördert und von der Software AG Stiftung finanziell unterstützt.

OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher schreibt in seinem Vorwort, dass soziale Intelligenz, emotionale Sicherheit und Gründergeist die entscheidenden Dimensionen seien, um sich in der immer komplexer werdenden Welt zurechtzufinden. Die Untersuchungen dieses Bandes zeigten, dass die Waldorfschulen für diese Zukunft gut aufgestellt seien. Lernfreude, Anstrengungsbereitschaft und Selbstwirksamkeit seien nicht nur wichtige Voraussetzungen für Lernerfolg, sondern sie seien heute zu Schlüsselfaktoren geworden.

Barz, der die Studie im Namen des Forscherteams in Berlin präsentierte, wies darauf hin, dass der enge Zusammenhang zwischen Bildungserfolg, Gesundheit und Schulklima zunehmend in den Fokus der Wissenschaft rückt. „Schüler, die frei von Leistungsdruck, Prüfungsstress und Angst vor Mobbing in die Schule kommen, bringen eindeutig günstigere Voraussetzungen für das Lernen mit“, so Barz. Die Ergebnisse der Studie belegten, dass die Waldorfschüler in diesen Punkten bessere Werte erzielten als die Schüler an den Regelschulen. Gesundheitliche Probleme wie Schlafstörungen oder Nervosität werden von den Waldorfschülern seltener genannt.

Auch die Beziehungen zu den Lehrern würden als deutlich besser beschrieben. Der Aussage „Unsere Lehrer interessieren sich für den Lernfortschritt jedes einzelnen Schülers“ stimmten danach 64,8 Prozent der Waldorfschüler, aber nur 30,5 Prozent der Regelschüler zu. 83 Prozent der Waldorfschüler bestätigten, dass sie in der Schule vermittelt bekommen, „Stärken zu haben“.

Individuelles und selbstständiges Lernen stelle ebenfalls ein Charakteristikum des Unterrichts an den Waldorfschulen dar. Es zeige sich z.B. in der großen Bedeutung der Jahresarbeiten als individuell gestalteten Projekten und in den vielen handwerklich-künstlerischen Aktivitäten. Die überwiegende Mehrheit der Waldorfschüler bejahte die Aussage, dass in ihrer Schule Kunst, Musik und Theater als wichtig eingestuft werden. Die UNESCO hat den hohen Stellenwert kultureller Bildung erst vor kurzem in ihren Publikationen unterstrichen.

Im Bericht des von Prof. Dr.  Koolmann geleiteten Instituts für Bildungsökonomie der Alanus Hochschule, das seit 1974 jährlich einen umfangreichen Finanzbericht für die Waldorfschulen vorlegt, sind die hohen Investitionen des BdFWS in die Lehrerbildung genannt. 2011 seien z.B. ca. 8,2 Mio. Euro von den Waldorfschulen für diese Aufgabe aufgewendet worden, mehr als 300.000 Euro kämen noch für Fortbildung und Unterstützung von neuen Lehrerbildungsmodellen hinzu. Die Finanzierung dieser Aufwendungen erfolge überwiegend durch die Eltern der Waldorfschule, was keinesfalls selbstverständlich sei, wie Kullak-Ublick erläuterte.

Auch die Studierenden an den Ausbildungsstätten der Waldorfschulbewegung leisteten einen erheblichen Eigenbeitrag. Eltern und Studierende seien somit offensichtlich bereit, für ein besonderes Schulangebot auch besondere Leistungen zu erbringen. Darüber hinaus zeige sich hier auch die Bereitschaft aller zu einem überdurchschnittlichen zivilgesellschaftlichen Engagement.

Werden alle Beiträge in Betracht gezogen - auch die der Schulen selbst, die ca. 6,5 Prozent ihrer Gesamtaufwendungen für die eigene Lehrerausbildung verausgaben – würden jährlich ca. 12,5 Mio. Euro für die Aus- und Fortbildung ihrer Lehrerinnen und Lehrer aus der Schulbewegung heraus aufgewendet, sagte Prof. Koolmann zusammenfassend.

END/nna/cva

Link: www.waldorfschule.de

Bericht-Nr.: 120926-01DE Datum: 26 September 2012

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Wed, 19 Sep 2012

Weleda verstärkt Kooperation mit dem Kneipp-Bund

SCHWÄBISCH GMÜND/BAD WÖRRISHOFEN (NNA) - Die Weleda AG ist jetzt Fördermitglied des Kneipp-Bundes e.V. Damit wurde nach Angaben der Pressestelle der Weleda AG eine schon länger bestehende Zusammenarbeit bei Gesundheitsförderung und Prävention vertieft.

„Mit dem Kneippschen Gesundheitskonzept und der Anthroposophischen Medizin verknüpfen wir das Beste aus zwei Welten“, betonte dazu Dr.  Barbara Sterner, Leiterin der Abteilung „Gesundheitspolitik und Kooperationen im Gesundheitswesen“ der Weleda AG.

Der weltweit führende Hersteller von Naturkosmetik und anthroposophischen Arzneimitteln und der große alternative Gesundheitsverband wollen z.B. bei Veranstaltungen künftig enger kooperieren.

END/nna/ung

Bericht-Nr.: 120919-03DE Datum: 19. September 2102

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Bekannter Esoterikforscher Prof. Goodrick-Clarke verstorben

EXETER (NNA) - Der bekannte britische Esoterikforscher und Autor Nicholas Goodrick-Clarke ist überraschend am 29. August 2012 in Torquay (England) im Alter von 59 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Goodrick-Clarke war Professor für Westliche Esoterik und zuletzt Direktor des Exeter Centre for the Study of Esotericism (EXESESO) an der Universität Exeter, das er 2005 mitbegründet hatte.

Im deutschsprachigen Raum wurde er vor allem durch sein Werk “Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus“ (englische Erstausgabe 1985, deutsch seit 1992) bekannt, das in viele Sprachen übersetzt wurde. Es brachte ihm den Ruf eines der besten Kenner der sogenannten „braunen Esoterik“ ein, der um 1900 entstandene “Ariosophie“. Dabei ging es ihm weniger um die esoterischen Wurzeln der Nazi-Ideologie - die führenden Nazis lehnten Esoterik in jeder Form ab - als vielmehr um „die Bedeutung von Mythos und Symbol im politischen Prozess“, wie H. T. Hakl in seinem Vorwort schreibt.

Der Lehrstuhl für Esoterikforschung in Exeter war europaweit der dritte nach Paris (1965, Prof. Antoine Faivre) und Amsterdam (1999, Prof. Wouter Hanegraaff). 2006 zog die katholische Kirche nach und errichtete einen eigenen Lehrstuhl „für nichtkonventionelle Religion und Spiritualitätsformen“ an der päpstlichen Universität Angelicum im Vatikan (2006, Prof. Michæl Fuss).

Goodrick-Clarkes Forschungsinteressen galten Themen wie Globalisierung der Esoterik, Theosophie und esoterische Lehren der spirituellen Entwicklung im 20. Jahrhundert. Er befasste sich außerdem mit Hermetik, Pietismus und Alchemie im Zeitalter der Aufklärung und auch die Rosenkreuzer, Swedenborg, die Theosophie, Rudolf Steiner und Anthroposophie gehörten zu seinem Forschungsschwerpunkt.

Neben seinem Standardwerk „Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus“ veröffentlichte Goodrick-Clarke u.a. „Hitler's Priestess: Savitri Devi, the Hindu-Aryan Myth and Neo-Nazism“ (1998 Paracelsus: Essential Readings (1999); „The Rosicrucian Prelude: John Dee's Mission in Central Europe“(1999); „Emanuel Swedenborg: Visionary Savant in the Age of Reason“ (2002); „Black Sun: Aryan Cults, Esoteric Nazism and the Politics of Identity“ (2002); „Helena Blavatsky“ (2004); „G. R. S. Mead and the Gnostic Quest“ (2005); „The Western Esoteric Traditions: A Historical Introduction“ (2008).

Innerhalb der Buchreihe Western Esoteric Masters (Spirituelle Meister des Westens, North Atlantic: Berkeley) gab er die Bände Robert Fludd (2001), Jacob Boehme (2001), John Dee (2003), Emanuel Swedenborg (2003) und Rudolf Steiner (2004) heraus.

Für die anthroposophische Bewegung von Interesse ist die Tatsache, dass Goodrick-Clarke im Gegensatz zu Historikern wie Peter Staudenmaier keine ideologische Gemeinsamkeiten zwischen Anthroposophie und der Nazi-Ideologie fand. Er schildert dagegen sehr genau, wie Ariosophen Anfang des 20. Jahrhunderts einzelne Elemente der Theosophie, deren Ziel eine Verbrüderung der Menschheit war, für ihre rassistischen Zwecke umdeuteten.

Ein Nachruf der ESSWE (Europäische Gesellschaft zum Studium der Westlichen Esoterik) hebt die menschlichen Qualitäten, die Warmherzigkeit, den ansteckenden Humor und die lebenssprühende Persönlichkeit des Forschers hervor. Im Internet findet sich auch eine kurze Selbstdarstellung von Prof. Goodrick-Clarke.

END/nna/vog

Link: http://huss.exeter.ac.uk/research/exeseso/staff.php

Bericht-Nr.: 120919-02DE Datum: 19. September 2012

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