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NNA
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Fri, 03 Jul 2009

Erneuter Kriseneinsatz für Waldorf-Team in Gaza

Kriseninterventionsteam der “Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners” darf nach Gaza zurückkehren

KARLSRUHE (NNA). Ein Kriseninterventionsteam der internationalen Organisation für Waldorfpädagogik, „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“, das in Gaza Kinder betreut hat, die in Folge der isrælischen Militäraktion am Anfang des Jahres traumatisiert wurden, darf wieder in das Gebiet zurückkehren.

Wie NNA berichtete, musste das Team in Gaza seine Arbeit in Februar auf den dringenden Rat der UNO und des deutschen Auswärtigen Amts hin abbrechen und nach El Arish in Ägypten zurückkehren, nachdem Kairo angekündigt hatte, es werde den Grenzübergang Rafah schließen. Danach werde es nicht mehr möglich sein, nach Ägypten zurückzukehren.

Obwohl das Team sich zunächst weiter in El Arish aufhielt, in der Hoffnung bald seine Arbeit in Gaza wieder aufnehmen zu dürfen, musste es schließlich nach Deutschland zurückkehren, als sich herausstellte, dass sich die Lage nicht so schnell ändern würde.

Nun haben die “Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners” bekanntgegeben, dass ein 10-köpfiges Team vom 14. bis 27. Juli zum erneuten notfallpädagogischen Kriseneinsatz in den Gaza-Streifen aufbrechen wird, um seine Arbeit wieder aufzunehmen.

„Wir werden mit unseren bewährten palästinensischen Partnern in Gaza City – dem Gaza Community Mental Health Programme und dem Al Qattan Centre für Traumaarbeit sowie der Atfaluna Society for Deaf Children, einer Schule für taube Kinder – zusammenarbeiten“, erklärte die Organisation in einer Pressemitteilung. „Da im Einsatzzeitraum Schulferien sind, wird unser Team auch in dort üblichen Ferienlagern zum Einsatz kommen“, sagten die „Freunde“.

Laut Mitteilung wird ein neuer Einsatzbereich im Juli die Erwachsenenbildung sein: „Wir werden in Workshops Lehrer und Betreuer in der Arbeit mit psychotraumatisierten Kindern fortbilden. Dabei soll theoretisches Grundwissen erarbeitet und auf dessen Basis die verschiedenen waldorfpädagogischen Methoden in der Praxis vermittelt werden.“

„Gemeinsam mit unseren palästinensischen Partnern wollen wir an die pädagogischen Erfolge des letzten Einsatzes anknüpfen und die Zusammenarbeit weiter vertiefen“, so die Waldorf-Organisation weiter.

Die „Freunde der Erziehungskunst“ haben jahrzehntelange Erfahrung mit Hilfsaktionen für Kinder in Kriegsgebieten oder auch in der Folge von Naturkatastrophen wie zum Beispiel in Libanon in den Jahren 2006/7 oder beim Erdbeben in China im vergangenen Jahr. Vor diesem Hintergrund entschloss sich die Organisation im Februar ein Interventionsteam nach Gaza zu schicken. Es sollte Kindern, die durch die Kampfhandlungen Traumata erlitten hatten, und ihren Familien Hilfe leisten.

Zahlreiche Kinder, die den Raketenangriffen ausgesetzt waren, sind traumatisiert und brauchen dringend Hilfe, um weiteren psychologische Nachwirkungen wie posttraumatische Belastungsstörungen vorzubeugen oder sie zu vermindern, erklärten die „Freunde der Erziehungskunst“ im Februar. Die Waldorfpädagogik und die verschiedenen anthroposophischen Therapieformen seien besonders geeignet für diese Aufgabe.

Kriseninterventionsteams bestehen aus im notfallpädagogischen Kriseneinsatz erfahrenen Ärzten, Therapeuten, Krankenpflegern und Pädagogen.

Die Waldorf-Organisation bittet auch weiterhin um Spenden für die Arbeit. Im Februar wurden die Kosten der Aktion auf 43.000 Euro geschätzt. (Bankverbindung s.u.).

END/nna/cva

Link: www.freunde-waldorf.de/die-freunde/arbeitsbereiche/pædagogische-nothilfe/

Spendenkonto: Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners, GLS Gemeinschaftsbank Bochum, BLZ 430 609 67, Konto-Nr. 13042010, Kennwort: „pädagogische Nothilfe“

Bericht-Nr.: 090703-01DE Datum: 3. Juli 2009

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Thu, 25 Jun 2009

Trauer um Demeter-Pionier Joachim Bauck

AMELINGHAUSEN (NNA). Einer der bedeutendsten Pioniere der biologisch-dynamischen Landwirtschaft in Deutschland, Joachim Bauck ist im Alter von 68 Jahren in Amelinghausen in der Lüneburger Heide verstorben. Mit seinem Bauckhof hatte der Landwirt 2002 den Förderpreis Ökologischer Landbau der Bundesregierung erhalten, in dessen Auswahlgremium er dann berufen wurde.

In der biodynamischen Bewegung war Bauck seit Jahrzehnten in den unterschiedlichsten Gremien engagiert – unter anderem im Vorstand von Demeter-Bund, Demeter International und BÖLW (Bundesverband ökologische Lebensmittelwirtschaft) sowie in der Bäuerlichen Gesellschaft Nordwestdeutschland, die er maßgeblich geprägt hat.

Der tatkräftige Demeter-Landwirt verstand sich als Querdenker und überraschte Politiker in Berlin und Brüssel immer wieder mit kreativen Denkanstößen. Als ausgewiesenen Experte habe er es verstanden, im persönlichen Gespräch genau so wie in Vorträgen vor großen Gruppen seine Begeisterung „interessant, hintergründig und eigenwillig zu vermitteln“, schreibt Demeter e.V. zum Tod des Pioniers.

Seit 1932 wirtschaftet die Familie Bauck bio-dynamisch. Die Höfegemeinschaft besteht aus drei vielfältigen Betrieben mit 366 Hektar Fläche sowie einer Mühle, Käserei, Bäckerei und Hofläden. Unter einer eigenen Marke bringt Bauck Getreideprodukte auf den Biomarkt in Europa. Zum Demeter-Vorzeige-Modell gehören neben Ausbildung und eigener Forschung auch ein gemeinnütziges Besitzkonzept, eine eigenständiges Energieversorgung, Waldwirtschaft und Heckenpflege sowie die Bauck-Pension.

Jedes Jahr kommen bis zu 20 Schulklassen auf den Bauckhof zu Arbeitsprojekten. Noch in den Zeiten seiner schweren Erkrankung habe Joachim Bauck „mit der ihm eigenen Kombination von Organisationstalent und Durchsetzungskraft“ seine Idee „Schüler auf die Höfe“ vorangetrieben, schreibt Demeter e.V.. Mit seiner Frau Brigitte hat Joachim Bauck drei Kinder, die alle mit der bio-dynamischen Landwirtschaft verbunden sind.

Für seine besonderen Verdienste um die Verbreitung der ökologischen Landwirtschaft in der polnischen Wojewodschaft Wielkopolska war Joachim Bauck erst vor wenigen Wochen mit der polnischen Verdienstmedaille ausgezeichnet worden. Bei dieser Veranstaltung dirigierte Bauck den Hofchor, neben der Landwirtschaft galt seine Begeisterung der Musik. Bauck war Ehrenpräsident von Demeter Polska und Initiator der Demeter-Entwicklung in Polen.

End/nna/ung

Bericht-Nr.: 090625-02DE Datum: 25. Juni 2009

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Eine Woche Schnupperstudium an der UWH möglich

WITTEN-HERDECKE (NNA). Eine Schnupperwoche für Schüler bietet die Universität Witten-Herdecke in den Sommerferien an. 50 Schüler können vom 9.-14. August 2009 unter dem Motto „Be student for a week“ das Studienangebot der Uni Witten/Herdecke testen. Organisiert wird die Woche von drei Wittener Studenten, NRW-Landesbildungsministerin Barbara Sommer hat die Schirmherrschaft für die Aktion übernommen. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis Ende Juni.

Die Schüler wohnen in Studenten-WGs und lernen die Uni intensiv kennen. Die Seminare sind in fünf Bereiche aufgeteilt: Was bewirkt Kunst?, Führungskultur, Was ist Wissen?, Gründerwerkstatt und Wahr-Gebung. Die Schüler können mit Dozenten eigene Ideen entwickeln und ihre Theorien mit der Praxis verbinden.

In einem Unternehmen werden die Probestudenten Einblicke in die wirtschaftliche Realität gewinnen. „Die Schüler erleben so, wie gute Universität funktionieren kann“, erläutert Vorbereiter und Philosophiestudent Martin Feißt. Das Ziel sei es, dass die Schüler in anwendungsorientierten Seminaren einen wirklichen Einblick in die Uni erhalten. Diese Praxis soll auch künstlerische Aspekte haben: Im Seminar “Wahr-Gebung” werden die Jugendlichen sich kritisch mit dem Medium Film auseinandersetzen und als praktisches Projekt Kurzdokumentationen drehen. Dieses studentische Projekt wird maßgeblich von der Wittener Universitätsgesellschaft getragen.

Kontakt: summerschool@uni-wh.de

END/nna/ung

Bericht-Nr.: 090625-01DE Datum: 25. Juni 2009

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Wed, 24 Jun 2009

Geschäftsmodell der GLS-Bank mit ungebremstem Erfolg

BOCHUM (NNA). Das Geschäftskonzept der GLS Bank erweist sich auch weiterhin als Erfolgsmodell: in den letzten 12 Monaten wuchs das Bilanzvolumen der Bank um über 35 Prozent. Die sicheren, transparenten Bankangebote mit sozial-ökologischer Ausrichtung seien „so stark nachgefragt wie nie“, betonte Vorstandssprecher Thomas Jorberg auf der Pressekonferenz der Bank in Bochum. Zur diesjährigen Generalversammlung wurden 600 Gäste aus ganz Deutschland erwartet.

Besonders interessieren sich die Bankkunden der GLS-Bank für Girokonto, Tagesgeldkonto und Sparangebote. Entsprechend konnte der GLS-Vorstand auf der Jahresversammlung seinen Mitgliedern, Kunden und Gästen erfolgreiche Zahlen präsentieren. „Im ersten Halbjahr 2009 haben wir unsere Planung wieder übertroffen“, so Jorberg. Die GLS Bank verzeichnet in 2009 ein Wachstum der Bilanzsumme von 12 Prozent, die Zahl der Kunden stieg erneut um 4.000 auf nunmehr über 66.000 Kunden.

Die gestiegene Nachfrage nach sozial-ökologischen Angeboten spiegelt Jorberg zufolge einen Wandel in der Gesellschaft wider: „Das Bewusstsein, dass sich angesichts der sich zuspitzenden Probleme grundlegend etwas ändern muss, war nie so groß wie heute.“ Die diesjährige Generalversammlung der GLS Bank widmete sich daher dem Thema: „Armuts-, Klima-, Finanzmarktkrise – drei Krisen eine Chance?“

Großen Zuspruch fand Anfang Mai diesen Jahres auch die Eröffnungsveranstaltung der neuen Geschäftsräume der Stuttgarter Filiale. Über 600 interessierte Gäste nahmen an den Feierlichkeiten teil. Eine Vergrößerung der Geschäftsstelle Freiburg ist bereits in Planung und auch in der Hauptstelle Bochum wurden Vorkehrungen für eine Erweiterung des Gebäudes getroffen.

Im laufenden Geschäftsjahr legt die GLS Bank besondere Schwerpunkte auf die Entwicklung von Fonds- und Erneuerbare Energie-Projekten

Auftakt der Generalversammlung bildete eine Podiumsdiskussion mit Dr.  Gerhard Schick, Finanzpolitischer Sprecher Bündnis 90/DieGrünen, Prof. Dr.  Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt im Deutschen Institut für Wirtschaftsförderung, Dr.  Klaus Möller, Leiter der Abteilung Geschäftspolitik und Kommunikation beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken und Gertrud Casel, Geschäftsführerin der Deutschen Kommission Justitia et Pax. Auf der Generalversammlung wurden zudem Einblicke in die Arbeitsweisen der GLS Bank geboten. Außerdem stellten sich Prof. Götz Werner, Gründer und Gesellschafter der dm-drogerie markt Kette, und der Bochumer Anwalt und Notar Axel Janitzki zur Wiederwahl in den Aufsichtsrat der GLS Bank.

Um Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit zu entwickeln lud die GLS Bank bereits in den letzten Monaten zu zahlreichen Vorträgen ein. Die große Resonanz auf die aktuellen Themen bewies, dass sich viele Menschen mit zukunftsfähigen Lösungen beschäftigen – auch in finanzpolitischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen.

End/nna/ung

Link: www.gls.de

Bericht-Nr.: 090624-03DE Datum: 24. Juni 2009

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Anthroposophische Gesellschaft im Aufbruch

Von der Mission zum Experiment

Von NNA-Korrespondent Lorenzo Ravagli

MÜNCHEN (NNA). Rund 600 Menschen haben an der Tagung „Durchbrüche in die ätherische Welt“ der Anthroposophischen Gesellschaft Deutschland teilgenommen, die vom 18. bis 21. Juni zum Thema in München stattfand. Mitten im ehemaligen Künstlerviertel Schwabing, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts Schauplatz einer modernistischen Avantgarde war, versammelten sich Mitglieder der Gesellschaft und Gäste als Zeugen und Akteure eines bedeutsamen Umbruchs in der Geschichte dieser Gesellschaft.

Hartwig Schiller, der Generalsekretär, wies bei der Veranstaltung darauf hin, dass der Umschwung, in dem sich die gegenwärtige Menschheit in sozialer, wirtschaftlicher und geistiger Hinsicht befinde, auch zu einem Wandel des Selbstverständnisses der anthroposophischen Gesellschaft führe. Während sie in den letzten Jahren vor allem mit sich selbst beschäftigt war, wird sie sich nun verstärkt den sozialen und kulturellen Werkstätten der Zukunft zuwenden.

Zu diesen gehörten, so betonte Schiller zu Recht, auch die Wissenschaften des Lebens. Denn das massive Eindringen von Verwertungstechnologien in die Sphäre des Lebendigen wirft die Frage nach den damit verbundenen ökologischen und sozialen Gefahren auf. Die zunehmende Privatisierung allgemeiner biologischer Ressourcen, deren extremster Ausdruck die Patentierung von Leben ist, macht die Entwicklung einer Wissenschaft dringlich, die sich nicht nur aus der Abhängigkeit von wirtschaftlichen Interessen befreit, sondern zugleich ein neues Verständnis des sozialen Lebens der Menschheit begründet.

Die wissenschaftliche Erkenntnis, dies unterstrich unter anderem Wolf-Ulrich Klünker, Mitglied des Vorstandes der deutschen anthroposophischen Gesellschaft, formt die Wirklichkeit, die sie zu erkennen behauptet. Von den Erkenntnismethoden hängt nicht nur ab, was erkannt wird, sondern auch, wie die Wirklichkeit aussehen wird, in der wir in Zukunft leben. Zu groß ist die Verantwortung der Menschheit gegenüber der Natur, gegenüber sich selbst, um sie allein der Wissenschaftstechnokratie zu überlassen.

Die Ausklammerung des erkennenden Subjektes aus dem Erkenntnisprozess führt in eine soziale Lebenswirklichkeit, in der das menschliche Subjekt seine Bedeutung verliert. Eine Gesellschaft, in der das menschliche Subjekt eine vernachlässigbare Größe darstellt, ist aber keine humane Gesellschaft mehr. Die Wiedereinholung des erkennenden Subjektes, seine Wiedereinsetzung in das Zentrum der Wissenschaften, eröffnet eine weitreichende Perspektive, die geradezu religiöse Dimensionen hat. Der Mensch als Erkenntnissubjekt und als soziales Subjekt wird zu einem Generator einer neuen Wirklichkeit, die entweder menschenförmig ist oder nicht. Alles hängt in Zukunft von diesem neuen Selbstverständnis des Menschen ab.

Diese Suche nach Alternativen zu den herrschenden Wissensformen führt auch, wie Florian Roder vom Münchner Arbeits-zentrum hervorhob, zu einem radikal neuen Verständnis der Geschichte. Das neuzeitliche, abendländische Bewusstsein, das aus der Zurückdrängung spiritueller Wissensformen der Vergangenheit entstanden ist, erscheint demnach als Durchgangsstufe einer Entwicklung, die in ein neues, spirituelles Weltverständnis führt. In diesem steht der einzelne Mensch im Mittelpunkt, der durch einen experimentierenden Umgang mit seinen Alltagserfahrungen deren spirituelle Dimensionen freizulegen vermag. Diese spirituelle Erfahrung wird die Grundlage für eine Erneuerung des sozialen Lebens sein, für die Solidarität kein Abstraktum, sondern eine Lebensnotwendigkeit ist.

Eine anthroposophische Gesellschaft, die sich in den Dienst der Verwirklichung dieses Ideals der allgemeinen Menschheit stellt, so Hartwig Schiller in seinem Schlussplädoyer, steht im Zentrum der geschichtlichen Umbrüche der Gegenwart. Sie besitzt keine Patentrezepte oder ein abgeschlossenes Wissen über die richtigen Wege zu seiner Verwirklichung. Ihr kommt jedoch dann eine besondere Rolle zu, wenn sie das in ihr angelegte Bewusstsein von der unabsehbaren Bedeutung des Menschlichen in all seinen Äußerungen vernehmlich zum Ausdruck bringt.

Die Münchner Tagung war nicht nur von gedanklicher Reflexion geprägt, auch die Künste spielten in ihr eine herausragende Rolle. Münchner und Dornacher Eurythmisten, Musiker und Schauspieler machten erlebbar, dass nicht nur der wissenschaftliche Diskurs, sondern auch die Kunst eine legitime Ausdrucksform spirituellen Lebens ist. Durch manche Darbietungen konnte man sich an die Zeit der Münchner Avantgarde erinnert fühlen, nicht weil sie diese zitiert hätten, sondern weil in ihnen derselbe zeitlose kreative Geist wehte, der vor hundert Jahren Schwabing zu einem Anziehungspunkt für den Nonkonformismus werden ließ.

END/nna/lbr

Bericht-Nr.: 090624-02DE Datum: 24. Juni 2009

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Drängende Zeitfragen erfordern neues Denken

Anthroposophische Gesellschaft möchte mit Tagung Impulse auch in der Öffentlichkeit setzen – Für eine Wissenschaft des Lebens

MÜNCHEN (NNA). Auf die Bedeutung neuer Bewusstseinsqualitäten für die Lösung der drängenden Probleme der Gegenwart hat die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland mit ihrer Tagung „Durchbrüche zum Ätherischen“ in München hingewiesen.

Es sei eine der „Grundfragen der Menschheit“, wie die Sphäre des Lebendigen nicht nur in der Natur, sondern auch im Zusammenleben der Menschen gepflegt werden könne, betonte der Generalsekretär der Gesellschaft, Hartwig Schiller, bei der Auftaktveranstaltung vor rund 600 Gästen.

Das Wirken der lebendigen Kräfte in Natur, Mensch und Gesellschaft und die verschiedenen Möglichkeiten, diese zu erkennen und zu erforschen war Gegenstand verschiedenster Veranstaltungen, die den Besuchern individuelle Zugänge zum Thema ermöglichen sollten. Mit der Tagung verband die Gesellschaft erstmalig ihre Mitgliederversammlung mit einer öffentlichen Veranstaltung.

Sie möchte damit dem gestiegenen Interesse an der Bildekräfteforschung Rechnung tragen. Im letzten Jahrzehnt seien auf diesem Feld erstaunliche Fortschritte zu verzeichnen, neue Forschungsansätze und Schulungsideen aufgetreten, heißt es dazu in der Publikation der Gesellschaft. Aber auch in anderen Gebieten des schöpferischen Kulturlebens sei eine Auseinandersetzung mit dem ätherischen Bereich, jener „verborgen-nahen Welt“ zu beobachten, auf allen Gebieten des künstlerischen Schaffens würden beispielsweise solche Erfahrungen gesucht und auch gemacht.

Nach Auffassung der Anthroposophischen Gesellschaft sind neue Bewusstseinsqualitäten die Voraussetzung einer tragfähigen Kultur in der Gegenwart. Um eine Kulturimpuls in diese Richtung zu fördern, möchte die Gesellschaft verstärkt Akzente in der Öffentlichkeit setzten, wie auf der Tagung mehrfach betont wurde. Mit ähnlichen Tagungen soll interessierten Menschen die Möglichkeit gegeben werden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Michæl Schmock vom Vorbereitungskreis wies zu Beginn auf den Forschungscharakter der Tagung hin. Es komme nicht nur darauf an, Erlebnisse im ätherischen Bereich zu haben, sondern sich auch über die methodischen Schritte Rechenschaft abzulegen, die zu ihnen geführt hätten und sie so auch für andere erfahrbar zu machen.

Florian Roder vom Arbeits-zentrum München und Mitglied der Vorbereitungsgruppe, stellte in seinem Auftaktvortrag die Erkenntnismethode der Anthroposophie Rudolf Steiners in einen kulturgeschichtlichen Kontext. Ausgehend von der Mythologie des frühen Griechentums spannte er den Bogen bis hin zur Goethezeit und der deutschen Romantik mit Novalis. Dabei betonte er die Bedeutung, die der jeweilige Zeitpunkt für das Auftreten neuer geistiger Impulse habe.

Die Vielzahl der Vorträge, Foren und Arbeitsgruppen an den folgenden Tagen befassten sich mit Themen wie der Metamorphose der Bildekräfte in der Evolution des Menschen, den Lebensprozessen im Sozialen mit den dazu gehörenden Fähigkeiten oder auch konkret mit Wasserphänomenen als Ausdruck des Ätherischen. Am Samstagabend fand eine festliche Eurythmieaufführung mit dem Titel „Die Seele des Menschen ist die Blüte der Welt“ unter Leitung von Gioia Falk statt.

Die Anthroposophische Gesellschaft, die in Deutschland über 16.000 Mitglieder verzeichnet, hat entsprechend ihren Statuten das Anliegen, das seelische Leben im einzelnen Menschen und in der menschlichen Gesellschaft auf der Grundlage der Erkenntnis der geistigen Welt zu pflegen. Sie gliedert sich in lokale Gruppen, regionale Arbeits-zusammenhänge und Ländergesellschaften. Mitglieder und Gruppen sind in 78 Ländern auf allen Kontinenten tätig, weltweit sind dies rund 40.000 Menschen. In ihren Publikationen betont die Gesellschaft, dass jeder als Mitglied willkommen ist, unabhängig von seiner Weltanschauung, seiner nationalen oder kulturellen Herkunft oder Religion.

Zur weltweiten anthroposophischen Bewegung gehört auch die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, die ihren Sitz am Goetheanum in Dornach/Schweiz hat.

End/nna/ung

Links: www.anthroposophie-de.com, www. goetheanum.org, www.anthromedia.net

Bericht-Nr.: 090624-01DE Datum: 24. Juni 2009

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Fri, 19 Jun 2009

Nicanor Perlas gibt Kandidatur für philippinische Präsidentenwahlen bekannt

Armutsbekämpfung vorrangiges Ziel des Kandidaten

Von NNA-Korrespondent Walter Siegfried Hahn

MANILA (NNA). Nicanor Perlas, 59, hat am 17. Juni in der philippinischen Hauptstadt Manila seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten der Republik Philippinen bekannt gegeben. Die Wahl findet im Frühjahr 2010 an einem bisher noch nicht festgelegten Datum statt.

Perlas hatte sich für den Start seiner Kampagne einen bedeutungsschwangeren Ort ausgesucht: den Heldenplatz in der Nähe der EDSA Avenue, der den Helden der im Februar 1986 siegreichen „Gelben Revolution“ gewidmet ist. Zwei Millionen Menschen waren damals unter Führung der in gelb gekleideten Märtyrer-Witwe Corazon Aquino auf der größten Straße der Hauptstadt aufmarschiert und hatten die 14 Jahre währende Marcos-Diktatur in drei Tagen friedlicher Demonstrationen zu Fall gebracht. Aquino übernahm das Präsidentenamt, Tausende von aus politischen Gründen eingesperrte Philippiner wurden aus den Gefängnissen entlassen, Tausende kamen aus dem Exil zurück. So auch Nicanor Perlas, der seit seiner Ausreise 1978 inzwischen in den USA die Anthroposophie kennengelernt hatte.

Nationale Bekanntheit erlangte Perlas Anfang der 1970er Jahre, als er den Protest gegen den Bau des ersten Atomkraftwerks Bataan organisierte – die Baugenehmigung dafür und für elf weitere Reaktoren war aufgrund illegaler Zahlungen erwirkt worden. Perlas, der statt seiner zweiten Vorliebe Kernphysik lieber Landwirtschaft studierte, um mehr für die Armen tun zu können, war jedoch so firm in punkto Nukleartechnologie, dass er nach dem Sturz von Marcos im Atom-Komitee der Präsidentin zum Aus der Atomenergie in dem Inselstaat beitragen konnte.

Obwohl er schon verschiedene politische Ämter angeboten bekam, zuletzt 2003 das Umweltministerium, hat er bis heute alle abgelehnt. Doch jetzt sieht Nicanor Perlas die Zeit gekommen, Verantwortung zu übernehmen und aus seinem „privaten Leben ins Rampenlicht“ heraus-zutreten. Zugleich ist er bereit, zur Seite zu treten, falls sich ein „besser qualifizierter Kandidat“ findet, wie er am Mittwoch sagte. Der Grund, gerade jetzt mit dem Entschluss an die Öffentlichkeit zu gehen, ist der Anfang Juni kulminierte Prozess, die Verfassung von 1986 außer Kraft zu setzen und so der jetzigen Präsidentin Arroyo eine weitere Amts-zeit zu ermöglichen. Perlas sieht das als den Versuch, „unter dem Deckmantel der Demokratie eine permanente totalitäre Kontrolle über das Land für die jetzige Administration und ihre Vasallen zu schaffen“. Diese Administration sieht er als schlimmer an als die Marcos-Regierung. „Marcos kontrollierte und beschädigte die Institutionen der Gesellschaft. Arroyo aber bemächtigt sich mehr und mehr unserer Moral und unserer Gedanken“, so beschreibt er es in einer Rund-Mail von voriger Woche. Nach den Knechtungen der Spanier, Amerikaner und Japaner sei das Land jetzt mit der Knechtschaft der Eigenen konfrontiert.

Zum Kampagnen-Start präsentierte Nicanor Perlas, der von seinen Freunden liebevoll Nicky genannt wird, auch eine eigens für die Aktion gestaltete Internet-Seite www.nicanorperlas.com - auf die wies er alle hin, die sich ausführlich über ihn und seine Qualifikationen informieren wollen. In seiner kurzen Ansprache betonte er, dass er sich schon ganze 40 Jahre aktiv für Land und Leute einsetze. Besonders glücklich äußerte er sich über seine erfolgreiche Einführung von Elementen der sozialen Dreigliederung in nationale und internationale Institutionen, ein Ideenkontext, der auf Rudolf Steiner zurückgeht.

Auf die Bedeutung seiner Arbeit in dieser Hinsicht wies in seiner gestrigen Ausgabe auch der „Philippine Daily Inquirer“ hin, eine der führenden Tages-zeitungen des Landes. Stolz heißt es in dem Bericht, der Ideen-Rahmen von Perlas sei in die Strategie der Vereinten Nationen zur Verwirklichung der Millenniums-Ziele eingeflossen: „Die Dreigliederung begreift Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft als Teile gesellschaftlicher Gestaltung. Perlas nutzte das Ideengut zuerst beim Schreiben der Philippinischen Agenda 21, die er als Blaupause für nachhaltige Entwicklung unter Präsident Ramos schrieb. Beim Gipfel der Asia Pacific Economic Cooperation (APEC) 1996 wurde es präsentiert und als grundsätzlicher Entwicklungsrahmen anerkannt. Heute wird dieser Rahmen nicht nur bei den UN genutzt, sondern auch von vielen führenden Ländern der Erde“, so der Inquirer.

Perlas ist Pionier der Anthroposophie und der biologisch-dynamischen Landwirtschaft auf den Philippinen. In unzähligen weiteren Lebensbereichen ist er mit Beiträgen aktiv. So war er von Anfang an beteiligt an der Ausbildung von Waldorflehrern, wird aber auch von der katholischen Bischofskonferenz oder der bedeutendsten Unternehmensberatung OCCI Seminars als Ideengeber gesucht. Mit seiner Autorität erreichte er die Streichung von 32 besonders schädlichen Pestiziden. Und 2001 war er maßgeblich am Sturz des korrupten Präsidenten Estrada beteiligt, was – Ironie des Schickals – der damaligen Vize-Präsidentin Arroyo zur Macht verhalf, die sie bis heute behielt und nun nicht aufgeben will.

Perlas erhielt national und international bedeutende Ehrungen. 2003 war es der Right Livelihood Award, besser bekannt als Alternativer Nobelpreis, für seine Leistungen auf dem Gebiet Dreigliederung und Globalisierung. Schon 1994 verliehen ihm die UN den Global 500 Award, auch bekannt als Champions of the Earth Award. Aber auch auf den Philippinen wurde ihm mit dem Outstanding Filipino Award eine der wichtigsten Ehrungen des Landes zuerkannt.

Sollte er Präsident werden, so geht es Perlas als erstes um Armutsbekämpfung, in einem Land, wo 50 Prozent der Bevölkerung mit weniger als einem US Dollar pro Tag auskommen müssen. „Philippiner haben Unternehmensgeist, auch die Armen“, fasste er seine Erfahrungen als Vorsitzender der anthroposophisch orientierten Life Bank zusammen, die momentan 230.000 Menschen Mikrokredite gewährt.

Nicanor Perlas hat die Kandidatur von langer Hand vorbereitet. Nicht nur die seit 2005 stattfindenden Karangalan-Konferenzen dienten dazu, einen weiteren Sympathisanten-Kreis aufzubauen, auch mit der Organisation PAGASA arbeitete er zielstrebig daran, verantwortungsbewusste Multiplikatoren um sich zu scharen. In diesem Kreis lancierte er dann im Laufe des Monats Mai Artikel über die „Wissenschaft des Unmöglichen“ und über „die Möglichkeit zu gewinnen“ (winnability), um den Glauben zu stärken, auch ein in den Medien unbekannter Kandidat könne eine Wahl auf den Philippinen gewinnen, einem Land, wo ein Schauspieler wie Estrada oder der jetzige Boxweltmeister Manny Pacquiao allein wegen ihrer Bildschirmpräsenz viel größere Aussichten auf einen politischen Posten haben als von der Sache her befähigte Kandidaten. Doch auch hier hat Perlas versucht, sein politisches Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, da er seit Beginn des Jahres eine Talkshow im Fernsehen leitet. Ob er mit geistreichen Gesprächen seine Popularität gegenüber Westernhelden und Sportlern steigern kann, wird sich in einigen Wochen oder Monaten zeigen.

END/nna/wsh

Links: www.nicanorperlas.com, www.truthforce.info, www.pagasa.net.ph

Bericht-Nr.: 090619-01DE Datum: 19. Juni 2009

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