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Mon, 05 May 2008

Visionen und Ziele: Friedrich Glasl beim Thementag NRW

Jeder an seiner Stelle und nach seinen Fähigkeiten: wie Organisationen lebendig gehalten werden können – Unerreichbar hohe Ideale führen nicht weiter

Von NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz

BOCHUM (NNA). Um Visionen und Ziele sowie deren Umsetzung im Alltag ging es beim Thementag Anthroposophie im April in Bochum, zu dem die anthroposophische Gesellschaft NRW ins Kulturhaus OSKAR eingeladen hatte. Rund 150 Besucher folgten den Ausführungen von Dr.  Friedrich Glasl aus Salzburg. Seit vielen Jahren ist er in der Organisationsentwicklung und Meditation tätig.

Glasls Anliegen ist als Selbsthilfe in Konflikten wegweisend: „Es geht… nicht darum, dass Sie sich für den Rest des Lebens absolute und unerreichbare hohe Ideale stecken, sondern heraußufinden versuchen, was von den Werten und Eigenschaften, die immerhin ein wenig in Richtung ihrer Ideale weisen, Sie am nächsten Tag in die alltäglichen Handlungen einbringen können.“

Ziele setzen - etwas was nur wir Menschen können - sei eine wichtige Vorraussetzung „nicht ich muss, sondern ich kann, ich will!“ Es gebe immer Entscheidungsmöglichkeiten, so Glasl. Ziele könnten individuell, konkret, kurzfristig sein, erscheinen dann klar, konkret, exakt detailliert, terminlich bestimmt, qualifizierbar und genau überprüfbar.

Bei Gemeinschaftßielen sei es anders: sie seien grundsätzlicher, langfristiger, eher „unscharf“, global, bildhaft, terminlich noch offen. Die Ziele erforderten unterschiedliche Fähigkeiten, etwa die, um sich das Ziel langfristig vorzustellen und das für verbindlich zu erachten, das Ziel im Auge zu behalten, dabei die Unsicherheit aushalten zu können und beim Unterwegssein durchzuhalten. So würden aus vagen Zukunftsvorstellungen verbindliche Zielvorstellungen, Zielprojekte, mit verbindlichen Entscheidungsvorbereitungen, die zur Entscheidung führten. Daraus erwachsen die Ausführung bei denen Entscheidungen vorliegen.

Bald wurde in Glasls Ausführungen klar, dass nicht jeder Mitwirkende die gleichen Fähigkeiten mitbringt, auch nicht zur Verfügung hat. An diesem Punkt beginnt schon der Prozess des Verstehens der Konflikte und man kommt der Lösung des Problems näher.

Als Weiteres käme die verschiedene Sichtweise der Dinge. Das gehe entweder mit einem mikroskopischen Blick, der die Elemente isoliert betrachte, in der Präzision ohne Blick auf das Ganze. Hier denke der Mensch in linearer Kausalität, monodißiplinär in Anerkennung der qualitativ-rationalen Methode.

Anders bei dem makroskopischen Blick. Dieser betrachte die Beziehungen zwischen den Elementen, die Zusammenhänge. Da gehe es vom Ganzen ins Detail. Der Mensch denke dabei in zirkulärer Kausalität, denke multi- interdißiplinär. Er anerkenne wissenschaftliche und intuitiv künstlerische Methoden.

Unterschiedliche Zeithorizonte zu erleben erfordere Forschungen, führte Glasl weiter aus. Diese hätten ergeben, dass die Zeithorizonte, wenn frei gewählt, den geozentrischen Rhythmen entsprächen und somit auch zu planetarischen Beeinflussungen führten.

So wären beispielsweise die Visionen, Fernziele oder die Unternehmerphilosophie von Saturnkräften beeinflusst, die bei 28-30 Jahren liegen. Zehn bis zwölf Jahre lang durch Jupiter gestützte Kräfte trügen eher das Leitbild, die Unternehmenßiele.

Erläutert wurden diese Aufteilungen bei den Wesenheiten Luzifer, Christus und Ariman. In der Mitte bei Christus finde man die Ich-Werdung zwischen Licht und Dunkel, Entscheidungskräfte seien da zu finden, Vervollkommnung durch irdisches Wirken, Selbstbindung in Freiheit und Verantwortung. Dies falle bei den beiden anderen Wesenheiten ganz anders aus.

Mit welchen Fähigkeiten lassen sich Mitarbeiter im Unternehmen, im Verein, Verband oder Projekt auf deren Ziele ein, stelle sich die Frage. Die Menschen mit ihrer Vielfalt nehmen die notwendig unterschiedlichen Zielvorstellungen nach Glasls Methode an. Klar werde, man könne einander in Treue unterstützen. Erkannt werde und beispielsweise vorgeschlagen: „Mein Beitrag wird das und das sein“. Im Tagesablauf waren einige Zeitabschnitte dem Thema „Persönliche Vision“ gewidmet. In Gedanken und der Vorstellung in der Zukunft des privaten und beruflichen Lebens in ca. 12 Jahren begann die Phantasiereise. Zu schauen waren aber auch die Problemstellungen und –lösungen von vor 10 und 5 Jahren. Diesen gegenübergestellt wurde wieder der Vorausblick auf Trends in den nächsten fünf Jahren mit Unterteilungen in Detailfragen. Die Überlegungen zu den einzelnen Abschnitten tauschten die Teilnehmer in Dreiergruppierungen aus. Gefragt wurde dabei auch nach den Hits oder Flops der letzten Jahre und den Steigbügelhaltern -Personen, die an dem persönlichen und beruflichen Fortkommen großes Interesse hatten. Vorstellen sollte man sich auch Konkretes: Wie sieht das private, oder berufliche Umfeld aus? Welches sind meine Fähigkeiten und welche Fähigkeiten will ich entwickeln? Was sind meine Etappenziele?

Was ist den einzelnen Menschen wirklich wichtig? Die biographische Zeitspanne lies bei den Einzelnen im Erinnern und Besinnen sehr viel bewusst werden, Stationen im eigenen Leben, die Mitwirkenden in der Entwicklung wurden bedacht, oft auch mitgebrachte Fähigkeiten erkannt.

Der Thementag spürte auch der höheren Identität einer Menschengruppe nach, der Annäherung an den Engel einer sozialen Gemeinschaft. Wenn nach Rudolf Steiner die Kultur einer Gemeinschaft betrachtet wird, so gibt es laut Glasl auch Phasen, Rhythmen, Zyklen, ein Aufblühen und ein Verwelken und Absterben von Trägern einer kulturellen Gemeinschaft.

Die Erzengelwesen nehmen war, was in einer Organisation geschieht. Entsprechend führen Verknöcherungen und Stagnation dazu, dass sich diese Wesen von einer Organisation abwenden. Bemühen sich die Menschen dagegen, Neues zu entfachen, die Entwicklung wieder zu impulsieren, haben diese Wesen die Möglichkeit, sich ihr wieder anzunähern. Die Menschen machen sich so zu einem Gefäß dieser Wesen und die höheren Wesen mit ihren Hüllen können ihrerseits befruchtend wirken.

Was aber soll geschehen, damit Gemeinschaften gesehen, revitalisiert werden? Dazu gehört auch, dass Menschen in einer Gemeinschaft für sich den Entschluss fassen, bestimmte Ziele, bestimmte Werte zu leben, und zwar so, dass es lebendig ist und ohne Dogmatisierung. wenn sie Gespräche suchten und auch hinhörten aus der neu gegriffenen Einsicht: „Jeder an seiner Stelle, nach seinen Fähigkeiten“.

Wenn man sich unterstütze und Treue verspreche, entschlossen, weil ein gemeinsames Ziel vorhanden sei, so lebe die Gemeinschaft. Dabei entstünden Wärmekerne, die in den Hüllen da seien, was den Erzengelwesen erlaube, wieder der Gemeinschaft zurückzukehren. Der Sprachgebrauch erkläre es mit „sich erwärmen für diese Vision“, oder „es entfacht wieder Neues“, verdeutlichte Glasl.

Bei dieser Entwicklung komme es zu Resonanzen, man beginne den Weg der Partnerschaft zu gehen hinein in die Auseinandersetzung um die Frage: Was fordert die Welt? Gerade das Hin und Her, das Spannungsfeld mit der Umgebung - worauf kann ich bauen, was soll ich weglassen, das Aushalten der Spannung - dies bilde Lebensaufgabe des einzelnen.

Wie dieses Ringen ausgehe, hänge davon ab, wie wir uns in der individuellen und gemeinschaftlichen Bewegung einbringen, als Autoren, Regisseure oder Akteure.

Der Thementag wollte mit den Anwesenden kleine Schritte in diese Richtung machen, die Fähigkeiten zu wecken, sich diesen Engelwesen einer sozialen Gesellschaft anzunähern. Dazu hatte jeder ein Spektrum an neuen, bewussten Kenntnissen erarbeitet und ging bereichert in der Gegenwart, befähigter in die Zukunft.

End/nna/wil

Bericht-Nr.: 080505-01DE Datum: 5. Mai 2008

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