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Mon, 10 Apr 2006

Landwirtschaftsgesellschaft prämiert Demeter-Weingut

LANGENLONSHEIM (NNA). Als erstes bio-dynamisches Weingut hat Demeter-Winzer Hartmut Heintz mit seinem Betrieb „Im Zwölberich“ im rheinland-pfälzischen Langenlonsheim die DLG-Prämierung erhalten. Damit ist er nach den Qualitätsrichtlinien der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft zertifiziert und gehört zum exklusiven Kreis der DLG-empfohlenen Weingüter und Winzergenossenschaften.

Das Weingut „Im Zwölberich“ erfüllt damit nicht nur die biologisch-dynamischen Richtlinien, sondern auch die DLG-Qualitätsstandards. Sie umfassen die analytische und sensorische Qualität der Weine, die gute Herstellpraxis im Weinbau sowie die kellerwirtschaftliche Verarbeitung bis hin zur Kontrolle der betrieblichen Einrichtungen inklusive Abfüllung und Verpackung. Demeter-Winzer Hartmut Heintz sieht darin eine Anerkennung der bio-dynamischen Arbeit durch eine konventionelle Qualitätsprüfung und wertet dies als Signal für die Winzer. Die Außeichnung sei „eine gute Ergänzung zum Demeter-Standard.“

Biologisch-dynamischer Weinbau stößt ohnehin auf immer größeres Interesse. Nicht nur in Frankreich haben Winzer entdeckt, wie sich die Stärkung des Bodens durch die biologisch-dynamischen Präparate positiv auf den charakteristischen Geschmack des Weines auswirkt.

Aus Baldrian, Kamille, Eichenrinde, fein zerriebenen Quarzkristallen, Schafgarbe oder einem Kuhhorn, das – mit Kuhdung gefüllt – im Frühherbst vergraben wird stellen die Winzer diese Präparate selbst her. Das Hornmist-Präparat etwa wird gerade jetzt im Frühjahr aus dem Horn geschabt und in einem bestimmten Verhältnis mit Wasser verrührt. Dieser Vorgang heißt nach Angaben des Demeter-Bundes „dynamisieren“, denn auf diese Weise ließen sich die gesammelten kosmischen Kräfte des Präparats unmittelbar auf das Wasser übertragen. Als feinen Sprühregen werde es auf die Reben und den Weinberg ausgebracht. Es wirke wie in der Homöopathie energetisch auf Boden und Pflanzen. „Beim Wein kommt das unmittelbar im Geschmack durch. Schließlich versucht jeder Weingenießer, das so genannte Terroir heraußuschmecken und da haben wir Biodynamiker klar Vorteile,“ erläutert DLG-Preisträger Hartmut Heintz.

Der Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise hat in einem intensiven Prozess gemeinsam mit Winzern das Leitbild für die bio-dynamische Rebkultur entwickelt. Es formuliert als Ziel, die mitteleuropäische Rebbaukultur auf biologisch-dynamischer Grundlage weiter zu entwickeln. Dabei gelte es, die Gesamtrebe als Grundlage für die menschliche Ernährung neu zugängig zu machen.

NNA/end/ung

Hinweis: Ein Foto von der Preisverleihung kann bei der Demeter-Pressestelle angefordert werden unter: streichsmuehle@aol.com

Item: 060410-05DE Date: 10. April 2006

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Gemeinsames Vorgehen gegen Bio-Verordnung der EU

STREICHSMÜHLE (NNA). Demeter, die Organisation der bio-dynamischen Bauern, mobilisiert jetzt als internationales Netzwerk europaweit gegen den Brüsseler Vorschlag zur Revision der EU-Bio-Verordnung. Mit einer konzertierten Aktion aller Demetervereinigungen in der EU will der Bund verhindern, dass „die Erzeugung von biologischen Lebensmitteln nun völlig neu auf niedrigstem Niveau definiert wird“, heißt es in der Stellungnahme des Bundes. Demeter-Bund-Vorstand Joachim Bauck hat seine Kollegen in 25 EU-Ländern über die Kritikpunkte an der Verordnung informiert. „Sie teilen unsere Bedenken und werden in ihren Ländern die zuständigen Politiker ansprechen. Damit wird der Druck auf Brüssel erhöht,“ betont Bauck, der auch Vorstand im Bundesverband Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) mit Sitz in Berlin ist.

Die politisch Verantwortlichen in den deutschen Bundes- und Landesministerien hat Bauck bereits angeschrieben, um zu verhindern, dass im Schnellverfahren eine grundlegende Revision der EU-Bio-Verordnung durchgesetzt wird. Besonders kritisch sieht Demeter, dass der Begriff „Bio“, der bisher ausreichend geschützt war, nun verwässert werden soll. Außerdem kritisiert die älteste ökologische Bewegung, dass die bewährte Prozesskontrolle aufgegeben werden soll. Völlig am Verbraucherinteresse vorbei gehe auch eine vorgesehene Regelung, die es den Anbauorganisationen erschweren würde, ihre eigenen, über das EU-Mindestmaß hinausgehenden Standards zu veröffentlichen.

NNA/end/ung

Item: 060410-01DE 10. April 2006

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Lebendigkeit von Steiners Ideen unter Beweis gestellt

Frankfurter Anthroposophen feierten 100jähriges Bestehen ihres Zweiges mit Veranstaltungen zu wichtigen Gegenwartsfragen

Von NNA-Korrespondent Ernst-Ullrich Schultz

FRANKFURT (NNA). Der Beitrag der Anthroposophie zur Zukunftsgestaltung unserer Gesellschaft stand im Mittelpunkt eines Festprogramms, mit dem die Anthroposophische Gesellschaft in Frankfurt Anfang April ihr hundertjähriges Bestehen feierte.

Zwölf Menschen hatten sich im Jahre 1906 zur Gründung der damals so genannten Theosophischen Gesellschaft in Frankfurt getroffen. Dieses historische Datum wurde jedoch nicht zum Anlass für einen feierlichen Festakt genommen, sondern den Organisatoren ging es offensichtlich um aktuelle gesellschaftliche Zeitfragen – Waldorfpädagogik, Fragen zur Alterskultur, sowie über die Zukunft der Arbeit. Götz Werner und Benedikt Hardorp stellten die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens in der Frankfurter Waldorfschule zur Diskussion.

Der Festtag am 1.April begann mit einer öffentlichen Monatsfeier in der Waldorfschule, die einen Eindruck von der Lebendigkeit der Ideen Steiners in der Pädagogik verschaffen sollte. Danach lud das Ajar-Textor-Goethe-Haus zu einer Vortragsreihe über sinnerfülltes Alter ein. Claudia Mahs und Dietrich Kumrow vom Institut für Alterskultur an der Universität Paderborn referierten über das Lebensgefühl alter Menschen und welchen Stellenwert dieser Themenkreis heutzutage hat. Dass die Zahl der alten Menschen wachsen wird, ist eine Herausforderung an unsere Gesellschaft.

Besonders beeindruckend war der Beitrag von Claudia Mahs, sie befragte alte Menschen zwischen 75 und 100 Jahren nach ihrer Biografie und ihrem Lebensgefühl. Sie wählte dabei Menschen aus, die in ihrem Altersheim als besonders glückliche Menschen bekannt waren. Die Lebensbilder, aus denen Claudia Mahs stellenweise zitierte, bezeugten eindrücklich die Ähnlichkeiten in der Biografie und in der Einstellung zum Leben dieser Menschen. So berichteten alle befragten Personen von einer glücklichen Kindheit von einem festen halt in Familie und Freundeskreis und davon, dass sie eine vertrauensvolle Zuwendung von Menschen erlebt hatten. Alle befragten alten Menschen waren tief religiös, hatten ein positives Menschenbild und keiner hatte Angst vor dem Sterben.

Nach der Vortragsveranstaltung konnten die Besucher das Ajar-Textor-Goethe-Haus besichtigen und die unterschiedlichen Wohnformen, den Service, die Therapie- und die Kulturangebote, die alle unter einem Dach integriert sind, kennen lernen.

Am Nachmittag dann als Höhepunkt die Festveranstaltung mit Götz Werner, Chef der dm-Firmengruppe und Benedikt Hardorp, Steuerfachmann und Wirtschaftsberater. Die Initiative von Götz Werner, die in der breiten Öffentlichkeit in Deutschland inzwischen Furore gemacht hat, sorgte auch in Frankfurt trotz des hohen Eintrittspreises für einen vollen Saal der Frankfurter Waldorfschule.

Zwei unterschiedliche Arbeitsbegriffe stellte Götz Werner in seinem Referat vor. Zum einen erläuterte er die von der industriellen Revolution geprägte Arbeit, bei der es um Produktivität, Rationalität und um abhängige Beschäftigungsverhältnisse geht. Diese Form der Arbeit wird in Zukunft zurückgehen, so seine These. Die zweite Form, auch soziale Arbeit genannt, beruht auf freiwilliger Initiative, hier geht es um menschliche Zuwendung, diese kann nicht automatisiert und darf nicht rationalisiert werden. Ein Lehrer soll Menschen ausbilden, er produziert nichts, was messbar ist. Für diese neue Arbeit müsse eine andere Form des sozialen Miteinanders gefunden werden. Der archimedische Punkt dazu, so Werner, sei das bedingungslose Grundeinkommen für alle Menschen.

Götz Werner kritisierte in seiner Rede die heutige Politik heftig und nannte das neue Arbeitslosengeld Hartz IV einen Skandal, die Durchführung dieser Gesetze verglich er mit einem offenen Strafvollzug. Nur ein auf Freiwilligkeit beruhendes Wirtschaftssystem werde auf Dauer dem Wohlergehen der Menschen dienen. Werner bezeichnete unsere Zeit als Zeitalter der Fremdversorgung, das Bewusstsein hinke dem jedoch hinterher, meist werde noch in den Kategorien der Selbstversorgung gedacht. Dank der Überproduktion seien wir in der Lage, auch in Zukunft alle Menschen mit Gütern zu versorgen. Trotzdem glaubten viele Menschen, so eine von Götz Werners provozierenden Thesen, unsere Rente sei nicht sicher, und wir müssten für das Alter genügend Spargroschen zurücklegen.

Benedikt Hardorp stellte im zweiten Teil der Veranstaltung sein revolutionäres Steuermodell vor, die Abschaffung aller Lohn-, Einkommens- und Unternehmenssteuern zugunsten einer einzigen, der Konsumsteuer. Alle Steuern, die in einem Unternehmen anfallen, werden letztendlich immer auf die Verbraucherpreise aufgeschlagen. Deshalb sei es ehrlicher und auch effektiver, so Hardorps These, ausschließlich Konsumsteuer für den gemeinschaftlichen Bereich und für die staatlichen Aufgaben zu erheben. Das bisherige Steuersystem hemme die Initiativkraft des Einzelnen, bestrafe Arbeit und behinderte Innovationen. Außerdem würden die Steuern in dem Land bezahlt, wo sie verwendet werden. Produkte, die exportiert werden, seien mit unseren Sozialkosten belastet, was gegenüber Entwicklungsländern ungerecht sei. Importwaren dagegen würden heutzutage viel zu billig verkauft.

Auch Benedikt Hardorp plädierte für ein bedingungsloses Grundeinkommen, dessen grundsätzliche Ansätze sich schon im Nationalökonomischen Kurs von Rudolf Steiner und im sozialen Hauptgesetz finden lassen. Dieses Gesetz, das vor hundert Jahren von Steiner formuliert wurde, sei oft als moralisches Prinzip missverstanden worden. Es müsse jedoch wie ein physikalisches Gesetz gelten, mahnte Benedikt Hardorp. Das Heil aller Menschen im Wirtschaftprozess vergrößere sich, je weniger der einzelne Mensch die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beanspruche und je mehr er von diesen Erträgnissen abgebe. Das bedeute im Umkehrschluss, je egoistischer gewirtschaftet werde, umso mehr Unheil entstehe in der Gesellschaft.

Im Schlusspodium standen Fragen aus dem Publikum im Vordergrund, insbesondere zur Finanzierung des Grundeinkommens. Schließlich forderte Benediktus Hardorp die Anwesenden dazu auf, sich für eine andere Welt zu engagieren. Es seien die jetzigen Menschen, die sie so geschaffen hätten, wie sie ist und an ihnen liege es auch, sie zu verändern. Beide Vortragenden plädierten nicht für kurzfristige Veränderungen oder etwa die Gründung einer Partei, sondern ihnen geht es um eine langfristige gesellschaftliche Perspektive, die von der demokratischen Mehrheit gewollt wird. Götz Werner mahnte die Anhänger dieser Ideen, sich weder dafür nur zu begeistern noch gleich neue Dogmen aufzustellen, sondern – ganz im Sinne der Philosophie der Freiheit – sich denkend diesen neuen Ideen entgegenzustellen.

Die rege Diskussion zu diesem Thema in der Pause und nach der Veranstaltung bestätigte, was Götz Werner gleich zu Beginn der Veranstaltung meinte, das Thema Grundeinkommen sei „in“ und er wünschte sich, dass es keine kurze Modeerscheinung bleibe.

NNA/eus/end

Item: 060410-03DE 10. April 2006

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Mit Volksabstimmung gegen die Politikverdrossenheit

OMNIBUS-Initiative will Initiativkräfte der Bürger in de Politik einbringen BERLIN (NNA). Mit der Aufnahme der bundesweiten Volksabstimmung ins Grundgesetz will die gemeinnützige Initiative OMNIBUS für eine direkte Demokratie gegen die allgemeine Politikmüdigkeit in Deutschland angehen. Mit Karten der “Aktion Volksabstimmung!” werden die Bundestagsabgeordneten aufgefordert, die bundesweite Volksabstimmung ins Grundgesetz aufzunehmen. „Unsere gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung ist auf breiter Ebene von Apathie und Ideenlosigkeit geprägt. Doch spüren immer mehr Menschen, dass sie aufgerufen sind, als Akteur die Dinge selbst in die Hand zu nehmen,“ betonte Michæl von der Lohe, Geschäftsführer der OMNIBUS-Initiative zum Auftakt der Aktion. Mit der Volksabstimmung könnten die Initiativkräfte der Bevölkerung endlich gesellschaftsgestaltend wirken, meint OMNIBUS, der „Kreativitätsstau“ in Deutschland werde aufgelöst.

Für den Fall, dass bis zur nächsten Bundestagswahl das Abstimmungsrecht nicht eingeführt ist, kündigen die Absender der Aktionskarten an, ihre Stimme für die Volksabstimmung einzusetzen. Entweder als Wähler durch die Wahl von Abgeordneten, die sich glaubwürdig und sachkundig für die Volksabstimmung einsetzen. Oder als Nichtwähler durch Zusendung der Wahlbenachrichtigung an den OMNIBUS. Von der Lohe: “Mit der Aktion Volksabstimmung bekunden wir schon heute, dass unsere Stimmen der Demokratie gehören. Je mehr Menschen mitmachen, desto früher ist sie da”.

OMNIBUS schlägt für eine stärkere direkte Beteiligung der Bevölkerung an der politischen Willensbildung ein Drei-Stufen-Modell vor. Kommen 100.000 Unterschriften für eine Idee zusammen, wird der Vorschlag im Bundestag und in den Ausschüssen behandelt und die Initiatoren erhalten Rederecht. Bringt eine Initiative eine Million Unterschriften (Volksbegehren) zusammen, so setze ein intensiver gesellschaftlicher Diskussionsprozess ein, der dann in einem Volksentscheid – der Befragung aller Bürger – münde. Der Bundestag könne dazu einen eigenen Vorschlag machen.

Die gemeinnützige Initiative OMNIBUS für Direkte Demokratie setzt sich seit 1988 für die Entwicklung der Demokratie im Sinn der Sozialen Plastik von Joseph Beuys ein und fordert die Ergänzung des politischen Systems in Deutschland durch Volksabstimmung. Der weiße Omnibus der Initiative ist seit fünf Jahren unterwegs. Sein Vorgänger, ein blauer Doppelstockbus ging 1988 auf Tour ging und hat eine Million Unterschriften für das Thema Volksabstimmung eingesammelt.

NNA/end/ung

Links info@omnibus.org www.aktion-volksabstimmung.de www.omnibus.org

Item: 060410-04DE 10. April 2006

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„Grausame Tötungsmaschinerie“ stoppt Tierseuchen nicht

Demeter-Bund und Experten fordern anderes Vorgehen gegen Vogelgrippe – Profitstreben als Ursache benannt – Forschung zu einseitig auf Vogelflug fixiert

DARMSTADT/DORNACH (NNA). Gegen die Bekämpfung von Tierseuchen wie der Vogelgrippe mit einer „schier unvorstellbaren Tötungsmaschinerie“ haben sich jetzt der Demeter-Verband sowie die landwirtschaftlichen und medizinischen Experten der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, dem Goetheanum in Dornach ausgesprochen. Die grausame Vernichtungen der Tiere in Zusammenhang mit den aufgetretenen Vogelgrippefällen zeuge von einer „schockierenden Gleichgültigkeit und Herzlosigkeit der Menschen“ diesen Tieren gegenüber, betont Dr.  Michæla Glöckler von der Medizinischen Sektion des Goetheanum. Jetzt gelte es, sich nicht anstecken zu lassen von der Hysterie und klar zu überlegen, schreibt Dr.  Glöckler in einer von der Pressestelle des Demeter-Bundes veröffentlichten Stellungnahme. Nur so habe man die Chance, zu seiner eigenen Heilung und zur Heilung der Umwelt beizutragen.

Für Demeter-Vorstandsmitglied Christoph Simpfendörfer liegt auch bei der Vogelgrippe der Kern des Problems im „zu stark am Profit orientiertes Handeln des Menschen“. Die Hühnerhaltung habe sich inzwischen so weit von der bäuerlichen Verantwortung entfernt, dass in der Geflügelindustrie vier Konzerne weltweit agierten. Sie handelten Bruteier, Küken und „ausgediente“ Tiere wie Wirtschaftsgüter, nicht wie lebendige Wesen. Durch die Selektion auf Hochleistungstiere sei genetische Vielfalt verloren gegangen und damit auch Potential für robuste Tiere. All dies erinnere sehr an die BSE-Problematik, betonte Simpfendörfer.

Die Demeter-Fachleute kritisieren außerdem die einseitige Orientierung der Forschung auf den Vogelflug als Übertragungsweg der Vogelgrippe. Es sei inzwischen deutlich geworden, dass der Vogelzug als Überträger des Virus „deutlich überbewertet“ werde, heißt es in der Stellungnahme des Demeter-Bundes. Bei der Mehrzahl der weltweit aufgetretenen Fälle komme dieser Übertragungsweg gar nicht infrage, viel wahrscheinlicher sei auch nach Meinung der Wissenschaftler inzwischen die Infektion der betroffenen Tiere durch Tiertransporte, verseuchte Lebensmittel oder auch den nahezu weltweiten Handel mit Geflügelmist. Fatal sei dabei, dass die Exkremente aus den großen Beständen der Geflügelindustrie auch zum Düngen von Fischteichen und als Futterkomponente für Fische, Geflügel und Schweine verwendet würden. Die Forschung müsse schnellstens auch auf diese Übertragungsmöglichkeiten ausgedehnt werden, fordert Demeter.

Durch diese neuen Hinweise verliere die flächendeckende Stallpflicht klar an Bedeutung im Gesamtzusammenhang des Erkrankungsgeschehens, betont der Demeter-Bund und fordert die politisch Verantwortlichen auf, die allgemeine Stallpflicht zu überdenken. Sinnvoll sei Stallpflicht im Umkreis von erkrankten Beständen. Eine weitere wichtige Maßnahme sei die Ausgrenzung von Gewässern aus dem Geflügelauslauf und außerdem müsse Kontakt mit wildem Wassergeflügel verhindert werden.

Dr.  Georg Eysel-Zahl vom Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise mahnt ein sorgfältiges Abwägen von Risiken und Nutzen im Bezug auf das Aufstallen über noch längere Zeiträume hinweg an. Gerade der vorsorgende Verbraucherschutz erfordere auch die artgemäße Haltung der Tiere. Die Vogelgrippe dürfe nicht dazu missbraucht werden, Intensiv-Haltungssysteme zu rechtfertigen und die so genannte ausgestaltete Käfighaltung zu forcieren,” warnt er.

Auch Nikolai Fuchs, Leiter der landwirtschaftlichen Sektion am Goetheanum, plädierte als Konsequenz aus den aufgetretenen Vogelgrippefällen in der Nutztierhaltung dafür, die Anonymisierung in der Haltung der Tiere zu beenden. „Hermetisch abgeriegelte Ställe, die wie eine Industrieanlage geführt“ würden, seien Ausdruck der zunehmenden Entfremdung des Verbrauchers zu seinem täglichen Lebensmittel, betonte Fuchs „ Wir müssen eine Atmosphäre schaffen, die den Tieren Wohlbefinden ermöglicht. So wird auch ihre Widerstandskraft gegen Krankheiten gestärkt und wirklich gesunde Nahrung erzeugt.“ Fuchs unterstrich die gemeinsame Verantwortung von Verbrauchern und Tierhaltern. Die Verbraucherschutzpolitik müsse die Würde der Kreatur beachten und sie nicht für ein trügerisches Sich-in-Sicherheit -Wiegen der Menschen opfern. „ Sperren wir alles Leben nur noch weg wie jetzt das Geflügel, verlieren wir einen Teil unserer Kultur“, betonte Fuchs.

Auch die Demeter-Bauern, die ihre Nutztiere nicht nur artgerecht, sondern wesensgemäß halten, machen sich nach Angaben des Demeter-Bundes Sorgen wegen der Stallpflicht. Eine dauerhafte Stallhaltung sei weder artgerecht noch wesensgemäß. Selbst der großzügige Wintergarten als Auslauf könne da nur ein schwacher Trost sein. „ Bei uns häufen sich Anrufe kritischer Verbraucher, die eindeutige Stellungnahmen gegen Aufstallungspflicht für Geflügel und deren vorsorgliche Tötung vermissen,” berichtet der bio-dynamische Geflügelhalter Carsten Bauck aus der Lüneburger Heide. Gerade jetzt im Frühling lechzten die Tiere danach, das erste Grün zu picken, nach Würmern zu scharren und Sandbäder in der Sonne zu nehmen. Bauck erinnert daran, dass Tierschutz im Grundgesetz verankert ist – und zur Zeit mit Füßen getreten werde. „Das müssen die Hühner ausbaden. Wer sieht, wie sich meine Mädels jetzt bei Sonnenschein vor den Auslaufklappen drängen, weiß was ich meine,“ betont der Demeter-Geflügelhalter.

Zu einem intakten ökologischen System – der Voraussetzung für gesunde, widerstandsfähige Tiere und hochwertige Lebensmittel – gehöre eben auch der seelisch-geistige Aspekt in der Haltung der Tiere, betont Demeter.

NNA/end/ung

Item: 060410-02DE 10. April 2006

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