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Fri, 09 Jun 2006

Mit Gerstenbrei hätte die Nationalelf bessere Chancen

Demeter-Bund fragte Experten nach dem passenden Essen während der WM-Tage. Kopfsalat gegen Abheben bewahren – Nüsse gegen zu viel Aufregung

Bad Vilbel (NNA). Wenn Jürgen Klinsmann ein Seminar beim Arbeitskreis für Ernährungsforschung absolviert hätte, würde er der Nationalelf Gerstengerichte auftischen, um die Willenskraft zu stärken. Denn dieses Korn stärkt nach den Erkenntnissen der anthropsophisch orientierten Ernährungsforscher die Willenskraft und erhöht damit die Torchancen. Um noch mehr wissenschaftliche Erkenntnisse in die Ernährung während der kritischen WM-Tage einfließen zu lassen – schließlich wird ja ganz Deutschland erhebliche Zeit vor dem Fernsehgerät in vermutlich extrem wechselnden Stimmungen verbringen – hat der Demeter-Bund Experten zur „fußballgerechten“ Nahrung befragt.

„Wenn ganz Deutschland mit den Kickern fiebert, jubelt und tobt, kann die typgerechte Nahrung das Wohlbefinden steigern und Stimmungen harmonisieren,“ ist sich Petra Kühne sicher. Die Oecotrophologin beim Arbeitskreis für Ernährungsforschung in Bad Vilbel (AKE) setzt auf bio-dynamische Produkte, die inzwischen zum Teil auch auf ihre so genannte Kräftewirkung untersucht werden. „Es wirken ja nicht nur die Stoffe im Lebensmittel, die sich chemisch analytisch messen lassen, sondern eben auch das, was wir Kräfte, Bildekräfte oder Lebenskräfte nennen,“ umschreibt Dorian Schmidt (Giessen) den Hintergrund seiner Forschung.

Nach seinen Ergebnissen heißt es für die WM-Party: Blattsalat mit eher krausen, zackigen Rändern erzeugt eindeutig eine leichtere, fröhlichere Stimmung als zum Beispiel der runde, geschlossene Kopfsalat, der eher erdet und etwas schwer macht. Also ganz einfach - wer die Partystimmung heben will, greife etwa zum Lollo Rosso-Salat. Wer ohnehin nur abgedrehte, schwebende Gäste hat, kann mit Kopfsalat dämpfen.

Petra Kühne weiß, dass Choleriker durch das Fett in Chips beruhigt werden, warnt aber vor den Folgen für das Körpergewicht, wenn man selbst nicht auch aktiv wird. Also wenn schon Chips und Bier - dann vor dem Fernseher Emotion und Kalorien auf dem Hometrainer abstrampeln. Wer äußerlich ruhig bleibt, aber innerlich sehr mitgeht, braucht unbedingt Nervennahrung. Hier bietet sich Studentenfutter als Knabberei an. Die Nüsse haben zwar aufgrund ihres Fettgehaltes eine leicht phlegmatische Komponente, ihr Phosphoranteil regt allerdings die grauen Zellen im Gehirn an. Die Rosinen bringen natürlichen Traubenzucker, der als Energieträger die erschöpften Nervenzellen rasch versorgt.

Die extrovertierten Fans, die auf der Couch aktiv die Bewegungen ihrer Fußballhelden mit vollziehen, haben andere Ernährungsbedürfnisse. Ihnen hilft etwas Knackiges, denn das Kauen und die Geräusche helfen, die Spannung abzubauen. Wie wäre es mit Fingerfood-Knackies wie Radieschen, Kohlrabi- und Möhrenstückchen, gern als Ball, Tor oder Eckfahne drapiert oder geschnitzt? Dazu einen vitaminhaltigen Kräuterdip mit fettarmer Quark-Joghurt-Mischung. Auch Demeter-Knäckebrot mit Sesam – ebenfalls gut für die strapazierten Nerven – belegt mit leichtem Camembert oder Frischkäse, bietet sich für diese aktiven Fußballfans an.

Falls die Erfolge ganz ausbleiben: für frustrierte Fans gibt´s vorsichtshalber noch ein paar Spezial-Tipps. Süßes beruhigt, aber es ist schwierig, mit dem Naschen aufzuhören, wenn die Enttäuschung tief sitzt. Besser als Schokolade, die es inzwischen in großer Auswahl auch in Bio-Qualität gibt, sind Desserts oder schlicht ein Honigbrot. Auch ein leckeres Demeter-Eis kann den Frust dahin schmelzen lassen.

Und wenn dann hoffentlich doch noch Siege gefeiert werden, können alle in der Familie anstoßen, wenn die alkoholfreie Bowle mit Erdbeeren und Melone auf der Basis von Früchte- oder Roibuschtee mit Fruchtsäften gut gekühlt bereitsteht.

NNA/end/ung

Bericht-Nr.: 060609-02DE Datum: 9. Juni 2006

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Weitere NNA-Berichterstattung unter: http://www.nna-news.org/content/

Ein Dornacher Opernexperiment

Mit der „Zauberflöte“ unter der Regie von Johannes Peyer feiert das Goetheanum Mozarts 250. Geburtstag

Wolfgang G. Voegele

DORNACH (NNA). Ein Blick auf die verschiedenen Aufführungen der Zauberflöte im Mozartjahr 2006 macht wieder einmal deutlich, dass diese meistgespielte deutsche Oper eine riesige Bandbreite von Inßenierungsmöglichkeiten verträgt, ohne dass ihr musikalischer Gehalt wesentlich darunter leidet. „Sie haben doch alle dem Knaben nichts an“, möchte man mit Goethes „Der Zauberflöte Zweiter Teil“ ausrufen, wenn man sich die Ergebnisse mancher Experimente mit Mozarts Bühnenwerken vergegenwärtigt. So wurde vor kurzem in Cottbus eine völlig „entmythologisierte“ Zauberflöte aufgeführt, die ein Kritiker der Zeitschrift „Opernwelt“ als „grau in grau“ abqualifizierte.

Wenn nun das Goetheanum in Dornach sich an eine Inßenierung dieses zeitlosen Mysterienspiels wagt, konnte man mit gutem Grund das andere Extrem befürchten: eine Überfrachtung mit bedeutungsschwerer Symbolik und anthroposophischen Bezügen. Gespannt war man zudem auf die erste Berührung des Goetheanums mit der Opernwelt, denn abgesehen von sporadischen Teilaufführungen der Zauberflöte, die von Laien bestritten wurden, wie etwa bei der Jugendtagung 1972, fand dort bisher nichts dergleichen statt. Daher kann Johannes Peyers Dornacher „Zauberflöte“ als mutiges Experiment bezeichnet werden. Der organisatorische Aufwand erinnert lebhaft an den ungekürzten „Faust“ von 2004.

Herzerfrischende Menschlichkeit

Die Premiere erwies die genannten Befürchtung als unbegründet. Dafür sorgte schon die eigenwillige und unkonventionelle Regieleistung von Johannes Peyer, der bisher schon drei Schauspiele am Goetheanum inßenierte. Er kontrastierte abgründigen Ernst mit übermütigem Humor, erzielte eine Mischung von leicht ironisierender Symbolik und herzerfrischender Menschlichkeit, die Mozart durchaus angemessen war. Und vor allem: Peyer bezog, wie schon im Vorjahr mit „Wilhelm Tell“, das Gelände, die architektonischen Eigenheiten des Goetheanums und die Zuschauer mit in das Geschehen ein.

Nachdem schon am 1. Juni eine öffentliche Generalprobe vorwiegend für Schüler stattgefunden hatte, begann die Premiere am 4. Juni mit einem Vorprogramm unter freiem Himmel. Während die Gäste vor dem Goetheanumbau um kleine Verkaufsstände mit Säften und Bio-Snacks promenierten, verfolgte schon eine drachenartige Schlange einen Knaben durch das grüne Gelände. Der von der Terrasse herab schallende Chor „Bald prangt, den Morgen zu verkünden, die Sonn' auf gold'ner Bahn…“ erinnerte an die Bayreuther Festspiele, wo die Gäste durch Fanfaren-Motive aus der jeweils gespielten Oper zum Eintreten gerufen werden. Wenn der Chor der Isis-Priester auf den Stufen des Haupteingangs den Choral der Geharnischten intoniert, stimmen einige der Zuhörer leise in die Stellen mit ein, wo von den Mysterien die Rede ist. Selbst das scheint selbstverständlich an einem Ort, der sich als „moderne Mysterienstätte“ versteht. Regisseur Peyer zollte diesem Faktum bis in Einzelheiten hinein Tribut. So, wenn ein Priester bei den Worten: „Ein Fremdling naht sich der nördlichen Pforte unseres Tempels…“ auf den Nordeingang des Baues weist. Da nähert sich vom Rondell her ein kleines Lieferauto, in dem der Vogelfänger Papageno seine Ladung heranführt. Er fordert die Besucher auf, den Bau zu betreten. Diese Polaritäten des Stückes bleiben auch in der Pause allgegenwärtig: während der Priesterchor im Treppenhaus feierliche Akkorde anstimmt, kriecht die Riesenschlange zum Vergnügen des Publikums gemächlich durch den Flur der Beletage.

Die Musik im Mittelpunkt

Bedingt durch den im Goetheanum fehlenden Orchestergraben musste das junge Orchester der „Basel Sinfonietta“ mitten auf der Bühne auf ansteigenden Sitzen Platz finden, während sich das Geschehen vor, neben und über ihm abspielte. Aber indem man den räumlichen Gegebenheiten Rechnung trug, kam zugleich die zentrale Aussage des Stückes in unvergleichlicher Weise zur Geltung: Steht doch neben der Liebe gerade „des Tones Macht“ im Mittelpunkt.

Teru Yoshihara lieferte als Papageno eine Glanzleistung in Gesang, Schauspiel und Akrobatik. Als Spaßmacher ganz im Sinne Schikaneders erntete er viel Beifall. Zu nennen sind Ralf Simon als ernster, würdiger Tamino mit kräftiger Stimme, Stefania Gniffke als zierliche Papagena und Rebecca Ockenden als seelenvolle Pamina. Einen gütigen, zurückgenommenen Sarastro, der seine Macht nicht hervorkehrt, gibt Clemens Morgenthaler. Silvia Staubli als Königin der Nacht meisterte ihre schwierige Partie treffsicher und mit erstaunlichem Stimmvolumen. Peter Lindenmann beeindruckte als kalt-gieriger Monostatos, die drei Damen überzeuten ebenso durch Klangreinheit wie die drei Knaben der Basler Kantorei. Der von Ambros Ott einstudierte Chor fügte sich dem Ganzen harmonisch ein.

Wie schon zu Lebzeiten Mozarts üblich, gab es einige Anspielungen auf die aktuelle Situation. So lasen die umherwandelnden Priester offensichtlich in Bänden der Steiner Gesamtausgabe und auf Taminos Frage: „Wo befinden wir uns hier?“ antwortet Papageno: „Auf dem Hügel“.

Der international erfahrene Dirigent Christof Escher — er dirigierte u.a. bei den Festspielen in Salzburg und Bradford — führte die virtuos spielende Basel Sinfonietta durch ungewohnt rasche Tempi, wodurch auch die „feierlichen Stellen“ in angenehmer Weise die nötige Mozartsche Leichtigkeit erhielten.

Durch überraschende Beleuchtungseffekte wurden Verbindungen zur künstlerischen Umgebung hergestellt: Schon während der Ouvertüre strahlten die farbigen Glasfenster des Goetheanums auf, später wurde das Deckengemälde des Saales von einem Lichtkegel abgetastet. Zu den Höhepunkten der Beleuchtung gehörten die an den Halbsäulen angebrachten „Fackeln“, während der Feuerprobe. Zeitweilig störend, die Zuschauer blendend, wirkte ein seitlicher Scheinwerfer, der den Lichtprojektionen diente. Manchmal hätte man sich an Stellen wie „O finstre Nacht, wann wirst du schwinden…“ mehr mystisches Dunkel gewünscht. Doch das Orchester benötigte nun mal eine gewisse Helligkeit zum Spielen. Die drei Tempelpforten wurden durch Lichtprojektionen angedeutet, das Tempelinnere leuchtete nur zart hinter Schleiern auf.

Die originellen Kostüme und Masken, noch mehr aber die Einbeziehung spielender Kinderscharen trugen zur Lebendigkeit des Ganzen bei und lösten beim Premierenpublikum nicht nur spontanen Szenenbeifall aus, sondern auch minutenlange Ovationen am Schluss.

Bei der anschließenden Premierenfeier in der Wandelhalle brachte Vorstandsmitglied Paul Mackay die freudigen Empfindungen der Gäste auf den Punkt, als er meinte, Mozart habe uns eine Sprache des Herzens gelehrt, die wir gerade heute wieder sehr nötig hätten. Jedenfalls scheint dieser Inßenierung die erhoffte überregionale Ausstrahlung sicher zu sein.

Bis einschließlich 18. Juni sind sechs weitere Aufführungen des Werkes vorgesehen.

END/nna/wgv

Bericht-Nr.: 060609-01DE Datum: 9. Juni 2006

© 2005 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe http://www.nna-news.org/copyright/

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