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Zwei neue Generalsekretäre für britische Gesellschaft
LONDON (NNA). Die Anthroposophische Gesellschaft in Großbritannien (AS in Großbritannien) hat zwei neue Generalsekretäre ernannt. Philip Martyn und Anne Druitt werden die Aufgabe übernehmen, das Tagesgeschäft der Gesellschaft abzuwickeln und sie nach außen repräsentieren. Die Auswahl wurde während der Generalsversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft letzten Monat getroffen. Philip Martin wird als Generalsekretär für Internationales die Rolle einnehmen, die britische Gesellschaft im Ausland zu repräsentieren – auch bei der weltweiten Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft mit Sitz in Dornach /Schweiz. Anne Druitt wird als nationale Generalsekretärin für die Arbeit in Großbritannien zuständig sein. Der vorherige Generalsekretär, Nick Thomas, hat das Amt nach 21 Jahren hingebungsvoller Arbeit niedergelegt. Von Beruf Ingenieur, will er sich jetzt seinen wissenschaftlichen und mathematischen Interessen widmen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Posten des Generalsekretärs in dieser Weise aufgeteilt wird. Die Anthroposophische Gesellschaft in den USA verfolgte eine ähnliche Strategie, als sie Joan Almon die Verantwortung für den internationalen Bereich übertrug, vor allem auch hinsichtlich der Verbindung zum Goetheanum und MariJo Rogers die nationale Zuständigkeit ,das heißt, mit Mitgliedern, Gruppen und Zweigen zu arbeiten. Philip Martyn ist Bankangestellter in London, Anne Druitt lebt in Sussex. End/nna/cva/ung Bericht-Nr.: 060615-04DE Datum: 15. Juni 2006 © 2005 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe http://www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: http://www.nna-news.org/content/ NNA-Rezension: Geschichte einer Reifung
Ursa Krattiger über Sebastian Jüngels Erzählung „Der leere Spiegel“ DORNACH (NNA). Nur knapp 90 Seiten umfasst das Büchelchen in Postkartenformat, das Sebastian Jüngel im Mai 2006 im Ogham Verlag publiziert hat. Bei „Der leere Spiegel“ von einem Entwicklungsroman zu sprechen, wäre also übertrieben, und dennoch spiegelt die kurze, gekonnt in sieben Teile gegliederte Erzählung die Geschichte einer persönlichen Entwicklung, Krise und Reifung. Bei der Entwicklung der eigenen Identität sichtet Sebastian Jüngels Hauptperson – Jüngel ist bekannt als Redakteur und Autor der „Wochenschrift Das Goetheanum“ und Verantwortlicher für das Dossier „Medien und Publizistik auf www.anthromedia.net – zunächst einen Nachlass, der sich unversehens als der eigene herausstellt. Ein ungebetener Gast irritiert ihn und wirft Fragen nach dem Ich und seinen Grenzen auf. Eine Frau, die sich ungebeten auf die gleiche Bank am See setzt, wird Lebensgefährtin. Ein rätselhafter Orden lässt sich nicht davon abringen, den Protagonisten N. in seine Dienste zu nehmen und mit ihm Auf und Ab oder eher Ab und Auf zu erleben. Am Schluss erklärt der Doppelgänger, wo er war: “Brot holen“. Schön die Liebesgeschichte und die Erkenntnis, dass N. an sich selber wahrnehmen muss, was ihn damals an der inzwischen wieder Verschwundenen irritiert hat. Und reizvoll das Spiel der Phantasien, das der rätselhafte Orden anregt, in dem Kenner von „Dornach“ Wiederspiegelungen einer dort schon lange verankerten, prominenten Institution vermuten mögen. Eine „goldene Feder“ verdient das Sprach-Bild von Menschen, die sich in einem Museum in die Ausstellung vertiefen: „Körper, stehengelassen von ihrer Aufmerksamkeit, die weiter gegangen war, wohin die Exponate auch immer führten“. Literaturhinweis: Sebastian Jüngel, „Der leere Spiegel“, Ogham Verlag 2006 (86 Seiten). ISBN 3-7235-1271-2 END/nna/uk Bericht-Nr.: 060615-01DE Datum: 15. Juni 2006 © 2005 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe http://www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: http://www.nna-news.org/content/ „Reicht meine Begeisterungsfähigkeit als Lehrer?“
Jedem Kind seine Zukunft - Innovativer Pädagogik-Kongress zum dritten Mal mit Henning Köhler in Köln – Angesichts veränderter Seelenlage Schule neu denken Von NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz KÖLN ( NNA). Ob „brave oder anstrengende, ängstliche oder forsche, hyperaktive oder ruhige, traurige oder fröhliche, laute, leise Kinder“: Wie kann es gelingen, die Zukunftsimpulse im pädagogischen Alltag wachzurufen und sie bei Eltern und Erziehern lebendig zu halten? Zum dritten Mal befasste sich das Freie Bildungswerk Rheinland zusammen mit Henning Köhlers Korczak-Institut auf einem öffentlichen Kongress in Köln mit der Zukunft der Kinder in unserer Gesellschaft. Nach der öffentlichen Diskussion der Mängel und Defizite im Bildungswesen sei vieles in Bewegung geraten, hieß es. Impulsgebende Vorträge und praktische Übungswege sollten die angereisten 160 Teilnehmer darin unterstützen, Mut und Kraft auf den eigenen Wegen zu haben um den ihnen anvertrauten Kindern mit wirklicher Aufmerksamkeit zu begegnen. Felicitas Vogt, Mitarbeiterin der Medizinischen und Pädagogischen Sektion an der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach arbeitet auch im Vorstand der Internationalen Vereinigung für anthroposophische Suchttherapie. Sie bereitete im Vortrag neue Beziehungsräume, in denen selbst auferlegte Denkgewohnheiten durchbrochen werden. Die Lehrer wurden dazu aufgefordert, mit der notwendigen Nähe und Distanz die Realität anzunehmen und an der seelischen Stärkung der Kinder zu arbeiten. „Pubertät ist keine Krankheit“, betonte Vogt. „Sie ist Heimatverlust von dem erlebten Schritt in der eigenen Biographie. Der Pubertierende verfügt als Selbstverursacher seiner Biographie noch nicht über gefestigte Erfahrungen“. Er stehe eher vor der Frage, ob ihm sein Experiment gelingt. Er sei Spurensucher, auf der Suche nach sich selbst und auch erfinderisch bei Fluchtversuchen. Er habe Angst vor Sinnlosigkeit, davor, nicht gebraucht zu werden zum Beispiel an einem Arbeitsplatz. Hinzu kämen Angst vor Einseitigkeit, oft Mangel an Liebe und wertschätzender Anerkennung. Als Medikation gegen den so verursachten seelischen Stress verfalle er dann oft auf Rauschmittel. Da habe der Erzieher etwas in die Waagschale zu werfen, Gegenwelt aufzubauen. Der Bildungsauftrag sei die Entfaltung der Persönlichkeit, dabei sei der Jugendliche zu verlocken zur Auseinandersetzung mit der Welt, wie sie ist und nicht wie wir glauben, dass sie sein soll, betonte Vogt. Sie forderte, die Schule neu zu denken angesichts der neuen seelischen Lage der Kinder. Sie habe den Auftrag, die Schüler hungrig zu machen und nicht satt. Lust und Leistung seien vereinbar. Der Schüler habe in seiner Einmaligkeit in der Schule seinen ersten geschützten öffentlichen Auftrittsort. Da dürfe er nicht beschämt werden. Respektiert zu werden sei die Voraussetzung für Lernprozesse, so Vogt. Wärme und Geborgenheit spendende Beziehungen ermöglichten erst die Entwicklung des Kindes. Sind Lehrer dazu motiviert? Lehrer müssten sich fragen: „Habe ich genug Originalität als Erzieher, reicht mein Begeisterungspotenzial für den Kontakt?“ Henning Köhler, Leiter des Janus-Korczak-Instituts in Wolfschlugen bei Stuttgart, gab einen Leitfaden und Übungswege für Pädagogen, die man sich vornehmen kann, wenn man guten Willen hat. „Wie kann ich einen Rahmen bilden, indem sich das Kind orientieren kann“, sei eine Frage. Der Anspruch, das Gegenüber zu verstehen ist nach Köhler illusorisch. Besser sei das Bemühen, immer wieder im freudigen Sinn in einen Dialog zu treten. Beim Umgang mit den Kindern solle man außerdem darauf achten, die Urteilsreflexe bei uns selbst zu durchschauen, um zu einem „erkennenden Fühlen“ zu kommen. Es sei besser, nicht zu interpretieren, sondern wahrzunehmen, Phänomene sprechen zu lassen, ohne gleich mit Begriffen abzuschließen. Dazu bedürfe es der Geduld und Ruhe. Wenn man in Achtsamkeit die Wesensäußerungen des Kindes mit Unvoreingenommenheit auf sich wirken lasse, könne das Kind Gegenstand täglichen Erstaunens werden. Misstrauen sei angebracht gegenüber Automatismen. Wie können sich Eltern und Erzieher dahingehend schulen, dass sie im Umgang mit Kindern wahre kommunikative Kompetenz entwickeln? Der Anspruch perfekt zu sein, führe eher zu Verspannungen. Es sei ein langer Weg, zu lernen, besser miteinander umzugehen auch mit dem Einverständnis, Falsches gemacht zu haben. Köhler wies in diesem Zusammenhang auch auf die schicksalsmäßige Dimension hin, die jedem pädagogischen Prozess innewohne, bei dem Schicksale aufeinander zulaufen. Köhler warnte vor innerer Aufdringlichkeit um „alles zu verstehen“, die in dem Fall als Indiskretion wirke. Dem Kind sei auch ein geistig-seelischer Raum zu geben, in den man nicht eintreten dürfe, bis das Kind ein Zeichen gibt einzutreten. Eine weitere Faustregel Köhlers hieß: „Gestehe einem Kind immer doppelt soviel Unarten, Ängste und Stimmungsschwankungen zu wie dir selber und bedenke, Kinder können nicht halb soviel verbergen wie Du“. Köhler stellte auf dem Kongress auch ein neues Projekt vor, mit „einen Ausblick auf eine pädagogische Akademie, deren Gebäude im Unsichtbaren steht“. Diese ideelle pädagogische Hochschule, soll verschiedene Veranstaltungen bieten mit dem neuen Ansatz im Denken darüber, was Kinder tatsächlich brauchen. Mittragende Impulse dazu sind gefragt. Im praktischen Teil des Kongresses gab es Spiele und Übungen der Schule für Intuitive Pädagogik mit Pär Ahlbom, einen Workshop zum Thema „Herzwerk“ mit Jelle van der Meulen und Vanda Rerez Bessone, außerdem die Kinderkonferenz mit Heiner Prieß und eine Veranstaltung zum Umgang mit Aggression und Abgrenzung mit Hartwig Volbehr. „Schillernd – oder wie das Leben so spielt“, ein musikalisches Theaterkabarett von und mit Sibylle Birkenmeier, Felicitas Vogt und Michæl Birkenmeier am Eröffnungsabend ließ so manch menschlich Unzulängliches anklingen und setzten mit Wortsinn mal ausdruckslaute, mal einsichtstiefe Mehrsichtigkeiten zum Schmunzeln und Nachdenken ein, spielerisch im Sinne Schiller´s ästhetischer Erziehung. Kunst zum Thema Beziehungsklima im sozialen Lebensraum. So konnte auch kreativ kultiviert das erlebt werden, was in Vorträgen ausgesprochen wird. Links: www.fbw-rheinland.de, www.koelnerkongress.de, www.trommelfeuer.ch END/nna/wil Bericht-Nr.: 060615-02DE Datum: 15. Juni 2006 © 2005 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe http://www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: http://www.nna-news.org/content/ Manager von morgen schulen Wahrnehmung durch KunstNeuer Studiengang Wirtschaftswissenschaften an der Alanus-Hochschule beginnt im Herbst – Partnertag sollte noch weitere Unternehmen zur Kooperation gewinnen Von NNA-Korrespondentin Edith Willer- Kurtz ALFTER (NNA). „Wirtschaft neu denken“ - unter diesem Titel fand an der Alanus-Hochschule ein Partnertag derjenigen Unternehmen statt, die den neuen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang der Hochschule unterstützen. Gleichzeitig sollten durch die Präsentation der Idee weitere interessierte Partner-Unternehmen, gewonnen werden. Der neue wirtschaftswissenschaftliche Studiengang, der ab dem Herbst dieses Jahrs angeboten wird, vereint Wirtschaft und Praxis, Kunst und Kulturwissenschaften. Er endet mit dem international anerkannten Bachelor-Abschluss und kann zum Master aufgestockt werden. Professor Dr. Marcelo da Vegla, Rektor der Alanus-Hochschule, betonte bei der Veranstaltung, „dass in diesem interdißiplinären Konzept Wirtschaftspraktiker ausgebildet werden, die neben ihrer fachlichen Kompetenz über kreative Problemlösungsfähigkeiten und einem Blick für kulturelle Werte verfügen“. Bisher beteiligen sich die Unternehmen dm und Alnatura am neuen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang. Beide Firmen integrieren die künstlerische Praxis seit einigen Jahren als wichtigen Bestandteil in ihrer Mitarbeiterschulung. Die Erfahrung dabei hat gezeigt, dass Kunst für Managementaufgaben geforderte Soft Skills wie Innovationsfreudigkeit, Kreativität und Flexibilität fördern kann: „Kunst ist die Kraft, um das Ideelle und das Tatsächliche zusammen zuführen“, betonte Alnatura-Gründer Götz E. Rehn in Alfter. Präsenz und innere Beweglichkeit seien wichtige Führungskriterien. Ein weiteres liege in der Chance, durch Ideen die Substanz im Unternehmen fortzuentwickeln. Michæl J. Kolodziej, seit 1976 bei der dm-Drogeriemarktkette tätig, ist zurzeit verantwortlich für das Ressort Logistik und zuständig für 94 Filialen. Die erforderlichen neuen Führungsqualitäten beschreibt er so: „Manager müssen heute im gesellschaftlichen Umfeld bereit sein, fremd und selbst errichtete Mauern zu zerstören und in neuen Kooperationsformen Gestaltung und Verantwortung im betrieblichen und kulturellen Alltag zu übernehmen“. Mariott Stollsteiner, Künstlerin und Beraterin schilderte Beispiele aus ihren Seminaren. Künstlerisches Handeln bedeutet für sie: „Bereitschaft zu permanenter Entwicklung, Transformation und mutiger Gestaltung“. Einbeziehung der Kunst im neuen Studium bedeutet auch Wahrnehmungsschulung und Kreativitätsförderung, denn künstlerisch tätig zu sein, schule und schärfe die Sinne. So könne der Absolvent in späteren komplexen Situationen, die in wirtschaftlichen Zusammenhängen alltäglich sind, schneller und differenzierter beobachten und entscheiden. Kunst leiste einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Studierenden hin in Richtung Kreativität, Offenheit, Eigenverantwortung und Beweglichkeit im Denken. „Wirtschaft neu denken“ hieß an diesem Partnertag der Unternehmer auch, verschiedene Möglichkeiten kennen zu lernen, um die Studierende zu unterstützen, zum Beispiel als Werkstudent oder mit einem Unternehmensstipendium oder durch den speziellen Alanus-Wirtschaftsstudienfonds bis hin zum Kredit. Eine CD wurde dazu an die Unternehmer verteilt. Auch in den dm-Drogeriemärkten sind dazu Informationsbroschüren erhältlich. END/NNA/wil Links: www.dm-drogeriemarkt.de, www.alanus.edu Bericht-Nr.: 060615-05DE Datum: 15. Juni 2006 © 2005 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe http://www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: http://www.nna-news.org/content/ NNA-Film-Kritik: Der „Da Vinci Code“ (Das Sakrileg)
Von Sevak Gulbekian LONDON (NNA). Kann man überhaupt noch etwas über das Phänomen „Da Vinci Code“ schreiben, das mehr ist als nur ein Gemeinplatz? Das Buch ist eine Sensation unter den Veröffentlichungen mit vielen Millionen Auflagen, Dutzenden von verfügbaren Übersetzungen – und nun noch ein Hollywood-Film, der – obwohl von ernst zunehmenden Kritikern vernichtend beurteilt – das zweitbeste Eröffnungswochenende aller Zeiten eingespielt hat und das Publikum auf der ganzen Welt in seinen Bann zieht. Eins ist klar: Brown berührt etwas in der Psyche unserer Zeit. Müde vom stressigen Einerlei und der Überforderung der modernen Konsumgesellschaft und der mechanischen Präzision der Technologien suchen die Menschen offenkundig nach dem Geheimnisvollen, nach etwas, das über den Alltag hinausreicht. Das Buch „Da Vinci Code“ strotzt von Örtlichkeiten mit einer geheimnisvollen spirituellen Identität: von St. Sulpice in Paris über die Temple Church in London bis hin zu Edinburghs Roslyn Chapel. Darüber hinaus verspricht das Buch Einsichten in tiefe Geheimnisse, die von Geheimgesellschaften über die Jahrhunderte hinweg gehütet worden sind – bis hin zur Offenbarung des Heiligen Grals! Es berührt Wahrheiten, nach denen sich die Leute sehnen – die archetypischen weiblichen, lang vergessenen, der linken Hirnhälfte zugeordneten intuitiven, imaginativen Qualitäten. Aber kann es diese Sehnsucht auch stillen? Zunächst – worum geht es bei dem Film? Er ist kein kineastisches Meisterwerk, obwohl er – im Gegensatz zur Meinung der Kritiker – ein passables Stück Unterhaltung darstellt. Ein mittel-aufregender Thriller, dessen Handlung schön dahinrollt und der die Aufmerksamkeit fesselt (mehr als die schlecht geschriebene Prosa des Buchs, die der Autor dieses Artikels als extrem umständlich empfunden hat). Der Film folgt getreu dem Ablauf im Buch bis auf einige ziemlich dumme Hollywood-Beifügungen (zum Beispiel die, als die beiden Helden zufällig unter einen Teppich in der Roslyn Kapelle spähen und dort ein Gewölbe finden, das alte Schriften aus der Zeit der Anfänge des Christentums enthält). Aber der Da Vinci Code ist mehr als die Kinoversion eines Groschenromans – es ist ein scharfer polemischer Film bis hin zur Propaganda. Und sein Angriffspunkt ist das Christentum, auf dessen Zentrum furchtlos gezielt wird. Seinen Sinn findet das ganze Unternehmen darin – wie zu zeigen sein wird – die ganze Basis des Christentums zu diskreditieren. Ein derartiger Angriff auf die anderen beiden großen Religionen aus den Zeiten Abrahams wäre zur Zeit undenkbar. Ein vergleichbarer Angriff auf den Islam würde zu weltweiten Rebellionen führen – wen nicht sogar zu einer Revolution und eine derartige Beleidigung des Judentums würde vermutlich nicht produziert werden oder falls doch, könnte sie sicherlich nicht verbreitet werden. Warum wird dann auf dem Christentum herum gehackt? Einige würden sagen, ganz einfach, weil man es tun kann. Ohne Zweifel ist die Jagd auf das Christentum eröffnet und das schon seit einiger Zeit. Andererseits – so würden unsere Mainstream-Kulturkommentatoren mit einer gewissen Plausibilität erklären – befindet sich der Islam noch in seiner mittelalterlichen Phase und ist von daher viel empfindlicher gegenüber Kritik. Das Christentum in seiner liberalen Phase könne solche aggressive Kritik vertragen. Aber bei diesem Argument wäre das Judentum – die älteste der drei Religionen – weniger empfindlich….Vielleicht liegt es in der Natur des Christentums, solche Widersprüche zu ertragen und letztendlich auch zu überwinden – auch wenn man es so empfinden kann, dass der Vorgang etwas wie eine zweite Kreuzigung seines Gründers darstellt. Zwischen den Verwicklungen und Verstrickungen der ziemlich komplizierten Geschichte des Da Vinci Codes gibt es eine klare Aussage: Jesus von Nazareth hat die Kreuzigung überlebt. Er war der Geliebte von Maria Magdalena und zeugte ein Kind – ein Kind, das am Anfang einer Nachkommenschaft steht, die heute noch existiert. Diese „Wahrheit“ umfasst auch das Geheimnis, das den Heiligen Gral darstellt – ein Geheimnis, das von Gruppen gehütet wurde wie der Bruderschaft von Sion, der Templer, der Katharer und von vielen anderen, die von der Kirche durch die Jahrhunderte hindurch verfolgt worden sind. Die Kirche versucht, diese „Wahrheit“ zu unterdrücken, weil sie ihre Macht verlieren würde, wenn sie bekannt würde und außerdem widerspräche sie ihrem Feldzug gegen die Frauen. Wenn all dies von Dan Brown als erfundene – wenn auch in ihren Details weit hergeholte – Erzählung zusammenphantasiert worden wäre, würde man seine Vorstellungskraft bewundern. Das Problem liegt auch darin, dass Brown höhere historische Ansprüche hat als der durchschnittliche Romanschreiber. Am Anfang des Buchs macht er eine Aussage, die so wirkt, als würden die zentralen Voraussetzungen seiner Geschichte auf Fakten beruhen. Im Buch und im Film kommen verschiedene „Experten“ zu Wort, die den Leser und Zuschauer davon überzeugen sollen, dass der Heilige Gral wirklich das Geheimnis der Abstammung Jesu beinhaltet und dass dieses Geheimnis von esoterischen und geheimen Gruppen gehütet worden ist – was wiederum der Grund für ihre Verfolgung durch die Kirche in den letzten zwei Jahrtausenden war. Und was ist die Quelle dieser „Fakten“? 1982 veröffentlichten Michæl Baigent, Richard Leigh und Henry Lincoln gemeinsam „The Holy Blood und The Holy Grail“, ein Buch, das die beschriebenen Ideen als zentrale These enthielt. Ihre Arbeit inspirierte einen stetigen Strom ähnlicher – nicht-fiktionaler – Bücher, die seitdem verschiedene Variationen dieses Grundthemas immer wieder verbreitet haben. (In diesem Zusammenhang sollten wir das jüngste Verfahren vor dem Londoner High Court zur Kenntnis nehmen – zwei der Autoren hatten Brown beschuldigt, ihr Copyright verletzt zu haben – bei dem Brown aussagte, dass er ihr Buch nicht gelesen habe, bevor er seinen Roman schrieb. Das ist theoretisch möglich, denn ihre „Erkenntnisse“ waren vielfach kopiert und wiederholt worden). Ungeachtet der großen Auflage all dieser pseudohistorischen Bücher hat der Da Vinci Code sie alle übertroffen und mit Erfolg die gleichen Ideen unter einer unvorstellbaren großen Menge von Menschen verbreitet. „The Holy Blood und The Holy Grail“ ist ein merkwürdiges Buch, das Unmengen von faßinierenden Recherchen über die Templer, die Katharer und andere aufweist und dann die Schlussfolgerung hinzufügt – die wie aus dem Nichts erscheint – dass das „Geheimnis“ des Grals die Nachkommenschaft Jesu ist. Einem oberflächlichen Leser kann es so scheinen, dass der Nachweis aus dem Hauptteil des Buchs genau zu dieser Schlussfolgerung führt, in Wirklichkeit gibt es kaum einen Zusammenhang und die Autoren bieten keinen nachprüfbaren Beweis für ihren aufrührerischen großen Schlussakkord. Darüber hinaus wurde seither schlüssig bewiesen, dass die Quelle für viele ihrer zentralen Ideen gefälscht war. (siehe zum Beispiel Bill Putnam und John Edwin Woods kriminalistische Untersuchung in The Treasure of Rennes-le-Chateau, ein enthülltes Geheimnis, Sutton Publishing 2003). Die sogenannte Bruderschaft von Sion war danach die moderne Erfindung eines gewissen Pierre Plantard (und seiner Freunde) und die Organisation – im 20.Jahrhundert in Frankreich gegründet – spielt keine Rolle in der exoterischen oder esoterischen Geschichte. Schlüsseldokumente, die die Autoren verwendet hatten, waren von Plantard und seinen Freunden gefälscht worden, die damit eigene Ziele verfolgten – darunter die Restaurierung einer modernen Monarchie, die auf der Nachkommenschaft der Merowinger beruhen sollte. Offen gesagt, Baigent und Kollegen wurden auf diese Weise an der Nase herumgeführt. Es überrascht schon, dass Brown dann hingeht und die Bruderschaft von Sion als historischen Fakt darstellt, als einen der sogenannten „Hüter des Grals“ . Und was wird die Wirkung von all dem sein? Oberflächlich zielt der Da Vinci Code hauptsächlich auf die katholische Kirche und die umstrittene Sekte Opus Dei, die beide vernichtende Beschreibungen aus Browns Hand erdulden müssen. Aber in Wirklichkeit meint das Buch das Christentum als solches – und das schließt so ziemlich alle Typen von Christsein ein, die man sich denken kann. Wie jeder Theologiestudent im Grundstudium weiß, steht im Zentrum der christlichen Botschaft das Opfer eines göttlichen Wesens – Christus – das eine menschliche Gestalt annimmt, freiwillig den Tod erleidet und ihn überwindet. Im Da Vinci Code ist Jesus ein Hochstapler, der die Kreuzigung durch eine List überlebt. Und er ist nicht nur unehrlich, sondern auch ein Lüstling, der mit einer Prostituierten ins Bett geht, die dann sein Kind zur Welt bringt. Am Ende des Films fragt der Held die Heldin, was denn so schlimm daran wäre, wenn Jesus wirklich die Kreuzigung überlebt hätte und Vater eines Kindes wäre. Nach allem – so wird unterstellt – war er ein großartiger Kerl, der eine Menge guter Dinge gesagt hat. Reicht uns das nicht? Da treffen wir jetzt das uns durchaus bekannte Bild eines „vermenschlichten“ Jesus von Nazareth, dem weisen Lehrer, der – wie viele andere vor ihm – eine Lehre der Liebe und Güte in die Welt gebracht hat. Was völlig fehlt in diesem Bild ist die kosmische Dimension, dass mit Christus Gott Mensch geworden ist – ein Mensch, der fähig ist, die materielle Wirklichkeit zu tranßendieren, sie zu überwinden und unsere menschliche Natur, die unter ihm steht, zu verwandeln. Entgegen seinen Versprechungen ist so das Buch Da Vinci Code vollkommen frei von echtem Geheimnis, von spirituellen Einsichten oder bedeutungsvollen Enthüllungen. Es ist stattdessen so etwas wie ein Köder, der uns dazu bringt, Sinn dort zu suchen, wo wir ihn nicht finden können. Aber seine verworrene Geschichte beschreibt auch ein Schlachtfeld unserer Zeit und wir können spüren, dass dort viele Kämpfe ausgetragen werden: zwischen Materialismus und Spiritualität, zwischen Christentum und spirituellen/okkulten Bewegungen – und auch zwischen Hollywood und dem Christentum. Die Mainstream-Studios waren geschockt vom Erfolg von Mel Gibsons Film „Die Passion von Christus“ und den Da Vinci Code kann man auch wie eine Gegenbewegung dazu empfinden. Das Christentum wird natürlich Dan Brown überleben, den Da Vinci Code und alles andere auch, was ihm übergeschüttet werden kann. Aber der Kampf um Einfluss tobt und das Kampfgebiet hat sich gerade ausgedehnt. Nun geht es nicht länger um die Akademiker, die Intellektuellen oder sogar noch die Mittelklasse – jetzt geht es um die breite Masse des allgemeinen Publikums. End/nna/cva/ung Sevak Gulbekian ist der Autor von In the Belly of the Beast – Holding your own in Mass Culture (Hampton Roads, 2004) und Herausgeber von Clairview Books, Rudolf Steiner Press und Temple Lodge Publishing. Man kann Kontakt mit ihm aufnehmen unter sevak@clairviewbooks.com. Bericht-Nr.: 060615-03DE Datum: 15. Juni 2006 © 2005 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe http://www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: http://www.nna-news.org/content/ |
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