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Uni Witten-Herdecke: Medizinerausbildung gesichertWissenschaftsrat zieht Vorbehalt nach Vorlage von neuem Konzept zurück – Bei der Forschung massiv nachgebessert – Innovationsrolle anerkannt Von NNA-Korrespondentin Cornelie Unger-Leistner WITTEN (NNA). Die Zukunft der Medizinerausbildung an der Universität Witten/Herdecke ist jetzt gesichert, nachdem der Wissenschaftsrat Anfang Juli seinen Vorbehalt gegen das Studienkonzept aufgrund einer Neukonzipierung zurückgenommen hat. Durch die Stellungsnahme des Wissenschaftsrats war die Fortführung des Modells grundsätzlich in Frage gestellt. Die erste private Hochschule in Deutschland bietet ein Ausbildungsmodell an, bei dem Theorie und Praxis der Ärzteausbildung enger verzahnt sind als üblich und das im internationalen Vergleich als innovativ und zukunftsweisend gilt. Vor genau einem Jahr hatte der Wissenschaftsrat sein Gutachten veröffentlicht, nachdem er Lehre und Forschung an der medizinischen Fakultät in Witten-Herdecke im Auftrag der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen untersucht hatte. Darin war eine vernichtende Kritik der Medizinerausbildung enthalten, die ein spektakuläres Medienecho nach sich zog. Einige Medien hatten schon das Ende der ganzen Universität prophezeit, weil die Medizinerausbildung das Herzstück der Privatuni darstellt. Witten/Herdecke hatte ein Jahr Zeit, um auf die Kritik zu reagieren und hat – wie das neue Votum zeigt – diese Frist im Sinn einer „konsequenten Weiterentwicklung“ des Medizinstudiengangs genutzt, wie es in der Pressemitteilung der Universität heißt. Mit einer Verbesserung des internen Qualitätsmanagements, einer kräftigen Nachbesserung im Bereich der Forschung sowie einer erheblichen Aufstockung des internen Personals konnte die Universität die Kritikpunkte des Wissenschaftsrats ausräumen. „Die Uni ist vollständig rehabilitiert“, sagte Pressesprecher Olaf Kaltenborn gegenüber NNA. In seiner neuen Stellungsnahme hat der Rat auch anerkannt, dass sich der Witten-Herdecker Medizinstudiengang „durch innovative Ansätze außeichnet“. Genannt werden dabei die medizinische Lehre, der frühe intensive Patientenkontakt der Studierenden, das problemorientierte Lernen sowie die Verknüpfung von vorklinischen und klinischen Studieninhalten. Nach der positiven Entscheidung des Wissenschaftsrats werde die Universität das neue Konzept nun zügig umsetzen, betonte Universitätspräsident Wolfgang Glatthaar in Witten vor Journalisten. Er dankte auch dem Land Nordrhein-Westfalen für die gute Zusammenarbeit in der schwierigen Phase des letzten Jahres: “Die Landesregierung hat den ganzen Prozess außerordentlich konstruktiv begleitet,“ sagte Glatthaar. Bei der diesjährigen Pressekonferenz, wo es um das neue Konzept ging, waren nur etwa ein Drittel der Journalisten anwesend, die die vernichtende Kritik des Wissenschaftsrats im vergangenen Sommer nach Witten/Herdecke gelockt hatte. Kernpunkte des Konzepts sind neben dem neuen Schwerpunkt Versorgungsforschung die Ausweitung der grundlagenorientierten Forschung und Lehre sowie eine bessere Vernetzung der Fakultäten Biowissenschaft und Medizin. Die personelle Ausstattung wird durch neun interne Professuren und 21 wissenschaftliche Mitarbeiter aufgestockt. Die Fakultät fühle sich dem Gedanken einer konsequenten Qualitätssicherung verpflichtet, die sie sowohl in jährlichen Berichten als auch gegenüber dem neu eingerichteten wissenschaftlichen Beirat sowie der Öffentlichkeit dokumentieren werde, heißt es in der Präambel zum neuen Konzept. Möglich wird die Verwirklichung des neuen Konzepts durch eine Erhöhung der Zuschüsse durch das Land Nordrhein-Westfalen, das das Thema Versorgungsforschung für so wichtig hielt, dass der Uni Witten/Herdecke pro Jahr eine Million Euro zusätzlich zugebilligt wurden. Jährlich unterstützt das Land die Universität mit 3,5 Millionen Euro. Aufgrund der Kritik des Wissenschaftsrats haben die Witten/Herdecker Professoren die Forschungsaktivitäten der Universität einer grundlegenden Analyse unterzogen. Das Ergebnis ist jetzt das neue Forschungskonzept mit dem Titel „Innovationstransfer als Kernaufgabe Klinischer Forschung“. Ein solches Konzept stellt nach Auffassung der Universität eine Notwendigkeit für die weitere Entwicklung der klinischen Forschung in Deutschland dar, die bislang darunter leide, dass die Ergebnisse der Grundlagenforschung nicht in klinischen Studien evaluiert und damit unmittelbar für die Patientenversorgung nutzbar gemacht werden. Die Verbindung von klinischen Studien mit der Versorgung im klinisch-praktischen Alltag wird als Versorgungsforschung bezeichnet. Da die Medizin keine große Fakultät sei, müsse sie die Rahmenbedingungen beachten, heißt es im neuen Forschungskonzept der Universität. Als Schwerpunkte sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie der Bereich Trauma/Sepsis vorgesehen, der sich auf den schwerstverletzten Patienten mit und ohne Schädel-Hirn-Trauma in der Akutphase bezieht. Die beiden Schwerpunkte deckten das gesamte Spektrum der Klinischen Forschung von der Grundlagen- zur Versorgungsforschung ab, so die Universität. Hinzu kommen sechs methodische Arbeitsgebiete: Schmerz und Lebensqualität, Chronische Erkrankungen im Alter, Minimal-invasive Verfahren, Gesundheitssystemforschung, Komplementärmedizin sowie Lehr- und Ausbildungsforschung. Die Forschungsaktivitäten können dabei auf die innovative Struktur der Universität Witten/Herdecke zurückgreifen, die sich besonders durch die langjährige Kooperation mit Krankenhäusern, Arztpraxen und Rehabilitationseinrichtungen in der Region außeichnet. Diese netzartige Struktur ist seit Bestehen der Universität zu Zwecken der Lehre aufgebaut worden und hat nach Aussage des Forschungskonzepts jetzt vor allem für Studien im Bereich der Versorgungsforschung eine zentrale Bedeutung. Dies gelte auch für den multiprofessionellen und multidißiplinären Ansatz, der für diese Art von Forschung notwendig sei. Durch die Einrichtung von Steuergruppen zwischen den Fakultäten werde die Zusammenarbeit verstärkt. Aus der Kritik des Wissenschaftsrats sei so ein „zeitgemäßes und notwendiges Konzept“ im Sinne einer patientennahen Forschung entstanden. Das umfangreiche Kooperations-Netzwerk der Universität Witten-Herdecke kann sich schon sehr bald als echte Innovation auch für den Rest der Medizinerausbildung in Deutschland erweisen. Vom Strukturwandel im Krankenhausbereich und die um sich greifende Privatisierung sind auch Universitätskliniken betroffen, die zunehmend nur Spezialfälle behandeln. Auch an den anderen Universitätskliniken müssen die Studenten daher zunehmend an Lehrkrankenhäuser ausweichen, um normale Erkrankungen kennenzulernen Das bedeute, dass auch an den anderen Universitätskliniken die Lehre ausgelagert werde, betonte der Dekan der medizinischen Fakultät in Herdecke, Matthias Schappe, in einem Interview mit der ZEIT. Da könne das langjährig praktizierte. Witten-Herdecker Kooperationsmodell für andere Universitäten künftig ein Vorbild sein. Hätte der Wissenschaftsrat seine Kritikpunkte in diesem Teil beibehalten, hätte er womöglich Reformen im Rest der Medizinerausbildung verunmöglicht. Angesichts des sich abzeichnenden Strukturwandels im Gesundheitssystem in Deutschland wurde so die Vorreiterrolle von Witten/Herdecke vollends deutlich. NNA/end/ung Link: www.uni-wh.de Bericht-Nr.: 060712-01DE Datum: 12. Juli 2006 © 2006 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe http://www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: http://www.nna-news.org/content/ |
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