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„Wer liebt was er tut, muss nie mehr arbeiten“.Auch Michælitagung der Christengemeinschaft in Stuttgart diskutierte Pro und Kontra des bedingungslosen Grundeinkommens – Neues Denken gefordert Von NNA-Korrespondent Bernhard Steiner STUTTGART (NNA). „Arbeit - eine Herausforderung“ unter diesem Titel fand Anfang Oktober in Stuttgart die diesjährige Michælitagung der Christengemeinschaft in Baden-Württemberg statt. Aus dem Untertitel: „Entbindet bedingungsloses Grundeinkommen Schaffenskräfte?“ geht hervor, dass auch die Bewegung für Religiöse Erneuerung damit eine höchst aktuelle soziale Frage aufgreift. Als auswärtige Referenten waren der Unternehmer Götz Werner ((geschäftsführender Gesellschafter der dm Drogeriemärkten, Professor an der Uni Karlsruhe) und Benediktus Hardorp (Steuerberater) eingeladen. In seinem einführenden Vortrag verwies Stephan Meyer (Pfarrer) auf einen dreistufigen Wandel des Arbeitsbegriffes. Zuerst ist Arbeit Strafe („Im Schweiße deines Angesichts sollst Du dein Brot essen…“ heißt es im Alten Testament), dann ist sie etwas, das belohnt wird (Neues Testament) und gegenwärtig ist sie im Begriff sich zu wandeln in etwas, das vom freien und mündigen Menschen ausgeht, der „Gutes tut um des Guten Willens“. Der Wandel fordere eine „planetarische Verantwortung“ (Hans Küng). Heute gäbe es immer mehr Arbeiten, die getan werden müssten, für die aber kein Geld da ist. Wir bräuchten daher einen neuen Arbeitsbegriff mit Einrichtungen, die Arbeit und Einkommen entkoppeln. Auch die Arbeitslosigkeit bringe eine Entkoppelung von Arbeit und Einkommen mit sich. Götz Werner versuchte in seinem Vortrag etwas von dem Feuer der Begeisterung für die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens auch im Publikum zu entfachen. Drei Schwerpunkte waren seinem Beitrag zu entnehmen. Erstens zeigte er auf, das ein neues Denken, verbunden mit einem Paradigmenwechsel angesagt ist. „Man kann die Probleme von heute nicht mit jenem Denken von gestern lösen, dass die Probleme überhaupt erst verursacht hat“. Wir dürften zweitens auch nicht in der Hoffnung verharren, dass die Politiker für uns die Probleme lösen. Politiker hätten ein feines Gespür für Mehrheiten. Erst wenn genug Menschen anders denken, könne die Situation kippen und ein Grundeinkommen auf die Tagesordnung kommen. „Wir sind der Engpass!“ rief er dem Publikum zu. Im dritten Schwerpunkt seiner Ausführungen widmete er sich der Frage der Finanzierbarkeit eines solchen Vorhabens. An diesem Punkt entstanden im Publikum die meisten Fragen. Er wies auf zwei Tatsachen hin, erstens werden schon heute die Summen bereitgestellt, die keinen Menschen im Lande verhungern lassen. Es gehe zunächst nur um eine Umwidmung bestehender Transferströme. Zweites sollten in Zukunft alle Steuern in eine zusammengefasst werden: die schon von Rudolf vorgeschlagene Ausgabensteuer (Mehrwertssteuer). Im anschließenden Plenumgespräch erläuterte Benediktus Hardorp als Fachmann dieses Gebietes, dass schon heute alle Steuern in den Preisen drinnen steckten und letztlich immer vom Verbraucher bezahlt würden, oft aber versteckt und für die Beteiligten nicht mehr durchschaubar. Die Ausgabensteuer mache die Sache transparent und bereite der Subvention der Maschinenarbeit ein Ende. Dadurch, dass man heute den Einsatz der Arbeit mit der Einkommensteuer belaste, die Maschinen hingegen nichts Entsprechendes tragen müssten, werde die Maschinenarbeit subventioniert mit dem Ergebnis, dass Menschen durch Maschinen ersetzt werden. Zum Abschluss fand eine Podiumsdiskussion statt an der außer den Referenten sich auch Birgit Kohlhase (Dipl. Sozialpädagogin) und Wilfried Kretschmann (Fraktionsvorsitzender des Bündnis90/Die Grünen in Baden Württemberg) beteiligten. Moderiert wurde sie durch Sebastian Berg (Öffentlichkeitsreferent der Freien Waldorfschule Uhlandshöhe). Gleich eingangs provozierte Herr Kretschmann mit der Aussage des Paulus: „Wer nicht arbeitet soll nicht essen!“. Herr Hardorp stellte diese Aussage in den Kontext: damals hätte die Naherwartung, - das heißt der Glaube, das Ende der Zeit stände bevor - Menschengruppen davon abgehalten, ihre Alltagspflichten zu erfüllen. Ihnen galt der Hinweis. Wie fruchtbar sich für das Familienleben ein Grundeinkommen auswirken könne, ging aus den Schilderungen von Frau Kohlhase hervor. Die heute unbezahlte Hausfrauenarbeit würde aufgewertet, beide Elternpaare hätten mehr Zeit für die Kindererziehung. Mit dem Spruch des Lao Tse, „Wer liebt was er tut, muss nie mehr arbeiten“, fasste der Moderator die verschiedenen Aussagen zusammen und bündelte sie: Ein Gesinnungswandel im Umgang mit der Arbeit sei Voraussetzung dafür, dass in Zukunft Schritte zur gesellschaftlichen notwendigen Entkoppelung von Arbeit und Einkommen eingeleitet werden können. NNA/end/bst Bericht-Nr.: 061020-04DE Datum: 20. Oktober 2006 © 2006 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe http://www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: http://www.nna-news.org/content/ Öko-Test: SECURVITA Nummer eins bei Naturheilkunde
HAMBURG/FRANKFURT (NNA). Die Hamburger SECURVITA Krankenkasse bietet ihren Versicherten die meisten Naturheilverfahren entweder als generelle Leistung oder als Einzelfallentscheidung. Dies hat eine vom Magazin „Öko-Test“ in Auftrag gegebene Analyse ergeben. Nach Angaben der SECURVITA-Pressestelle in Hamburg waren dabei 187 allgemein zugängliche Krankenkassen befragt worden, die SECURVITA erreichte den Spitzenplatz bei den Naturheilkundeleistungen. Insgesamt- so das Testergebnis – unterscheidet sich der Leistungsumfang bezüglich der Naturheilverfahren bei den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland erheblich. “Die Außeichnung als Nummer 1 bei Naturheilkunde überrascht uns nicht“, erklärte dazu Thomas Martens, Verwaltungsratsvorsitzender der SECURVITA. Im Unterschied zu anderen Krankenkassen sehe die SECURVITA die besonderen Therapierichtungen nicht als unerwünschten Kostenfaktor, sondern als „wichtigen Teil des Gesundheitswesens, auf den die Patienten ein Recht haben.” Von der zwischen CDU/CSU und SPD ausgehandelten Gesundheitsreform erwartet die SECURVITA eine „große Chance“, ihre Leistungen bei den Naturheilverfahren weiter außubauen, da dann bessere Rahmenbedingungen gegeben seien. SECURVITA versichert über 140.000 Mitglieder und Familienangehörige in allen Bundesländern. END/NNA/ung Links: www.gesetzlichekrankenkassen.de, www.securvita.de Bericht-Nr.: 061020-03DE Datum: 20. Oktober 2006 © 2006 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe http://www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: http://www.nna-news.org/content/ Einzelförderung als Schlüssel zum SchulerfolgPodiumsdiskussion mit Prominenten in Hamburg zog Konsequenzen aus der PISA-Debatte – Reihe „Waldorf für alle“ soll fortgesetzt werden Von NNA-Korrespondent Ernst-Ullrich Schultz HAMBURG (NNA). „Waldorf für alle?!“ Mit einem prominent besetzten Podium stand die Bildungsdebatte, die durch die OECD-Studien, PISA genannt, ausgelöst wurde, im Mittelpunkt einer gleichnamigen Veranstaltungsreihe in Hamburg. Die Rudolf Steiner Schule Wandsbek hatte den Chefkoordinator der OECD für Bildungsfragen, Andreas Schleicher, den ehemaligen Geschäftsführer des Bundes freier Waldorfschulen, Walter Hiller und Prof. Dr. Peter Schneider, Erziehungswissenschaftler an der Universität Paderborn, dazu eingeladen. Andreas Schleicher, selbst ehemaliger Schüler der Wandsbeker Rudolf Steiner Schule, würdigte die Beiträge der freien Schulen als Vorreiter eines für Deutschland insgesamt anzustrebenden Schulsystems, in dem obrigkeitsstaatliche und bürokratische Zwänge abgebaut werden müssten. Das sei in dem föderalen Aufbau der Bildungslandschaft besonders schwierig zu bewerkstelligen, bemerkte er dazu. Anfangs hätten die PISA-Studien lediglich dazu geführt, den Schulen neue Prüfungen und Tests abzuverlangen, anstatt ihnen Zeit und die Freiheit zu geben, eigene Konzepte zu entwickeln. Andreas Schleicher warb um Mut und Vertrauen, neue Wege zu gehen und wies darauf hin, dass die PISA-Studien endlich dazu geführt hätten, dass man in Deutschland einen Blick über die eigenen Zäune wagt. Im eigenen Lande seien vorbildliche Schulen auch außerhalb der Waldorfßene entstanden. Er appellierte an die Waldorfschulen, sich umzuschauen und sich anschauen zu lassen. Walter Hiller, der lange Jahre mit der Waldorfschulbewegung intensiv verbunden war, setzte in seinem Referat selbstkritische Akzente. Auch die Waldorfschule müsse sich immer wieder fragen, ob sie zeitgemäße Antworten geben könne. Starres Festhalten an vorgegebenen Lehrpläne, zu viele Kinder in den Klassen und Weiterführen von hergebrachten Traditionen seien Hemmschuhe für eine gedeihliche Entwicklung. Pragmatisch waren Walter Hillers Aussagen, was die Außenwirkung der Waldorfschulen angeht. Die Möglichkeiten bezeichnete er als begrenzt, da die Arbeitsbelastung der Lehrer sehr groß sei und die finanziellen Spielräume äußerst eng. Zudem konstatierte er, die Waldorfpädagogik habe ihre eigene Terminologie und es müsse dringend „Übersetzungsarbeit“ geleistet werden. Schädlich sei eine von Arroganz geprägte Öffentlichkeitsarbeit nach dem Motto: „Wir haben es schon immer gewusst!“ Prof. Schneider berichtete aus seinen Erfahrungen in verschiedensten Schulformen. Bei der Arbeit in der Hibernia-Schule lernte er auch die Waldorfpädagogik kennen und lobte insbesondere ihren Praxisbezug, die Gleichwertigkeit von Hand und Kopf. Das aus der griechischen Antike hervorgegangene Bildungsideal, welches noch heute die Lehrpläne der staatlichen Schulen beherrscht, bezeichnete er als überholt und schädlich für eine menschengemäße Entwicklung. Prof. Schneider riet den staatlichen Schulen, von der Waldorfschule zu lernen. In der Diskussion und der Aussprache mit dem Publikum wurde Andreas Schleicher kritisch gefragt, ob die PISA-Tests nicht in üblicher Weise gelernten Wissensstoff abfragten. Der Referent erklärte die Prinzipien der OECD-Studien, die Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen der Schüler im Vergleich darzustellen sucht. Es sei ein großer Irrtum, man könne die Schüler auf solche „Prüfungen“ vorbereiten, denn es werde kein abstraktes Wissen getestet. Die Einstellung zu Bildungsstandards sei im übrigen in Deutschland sehr merkwürdig, so Andreas Schleicher. Hierzulande werde der Standard immer als Messlatte für alle angelegt und es zähle nicht der individuelle Standard des einzelnen Schülers. So steht Einzelförderung hintenan, diese sei aber der Schlüssel des Erfolges und haben andere Länder weitergebracht. Walter Hiller wurde nach den Ergebnissen der Waldorfschulen, die beim letzten Test dabei waren, gefragt. Leider, so antwortete er, gebe es keine Extraauswertung dieser Schulen. Einzelergebnisse aus den Tests der unteren Schulklassen zeigten, dass die Waldorfschüler durchschnittliche Ergebnisse erzielten. So beweise diese Untersuchung, dass es sich bei den Kindern in den Waldorfschulen nicht um besonders begabte Menschen handele und trotzdem sei die Abitursquote doppelt so hoch im Vergleich zu staatlichen Schulen. Darauf könnten die Waldorfschulen stolz sein. Die letzten Fragen in der gut gefüllten Aula der Wandsbeker Schule galten den Abschlüssen in unserem Bildungswesen. Walter Hiller reagierte zurückhaltend, ob eine Veränderung in der Zukunft möglich sei und die abstrakte Zensierung der Abschlüsse einer angemessenen individuellen Darstellung der Leistungsfähigkeit des Schülers weichen könnte. Die Berufswelt sei nicht darauf vorbereitet. Prof. Schneider und auch Andreas Schleicher zeigten sich optimistischer, die Unternehmen legen den Notenzeugnissen zunehmend weniger Bedeutung bei. Die Veranstaltungsreihe mit dem provozierenden Titel: „Waldorf für alle?!“ soll fortgesetzt werden. Die Debatte an diesem Abend überzeugte sicherlich viele Zuhörer davon, dass das Fragezeichen in diesem Motto deutlich kleiner geschrieben werden könnte. NNA/end/eus/ung Bericht-Nr.: 061020-02DE Datum: 20. Oktober 2006 © 2006 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe http://www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: http://www.nna-news.org/content/ „Waldorfschule“ in Kempten vor Namensentzug?
Bund der Waldorfschulen prüft rechtliche Schritte nach Verurteilung mehrerer Lehrer wegen Schülermisshandlung – Ausschluss aus dem Bund schon vor 20 Jahren BERLIN/KEMPTEN (NNA). Der Bund der Waldorfschulen prüft, ob ein Entzug des in Deutschland rechtlich geschützten Namens „Waldorfschule“ für die Freie Waldorfschule in Kempten möglich ist, an der mehrere Lehrer wegen Misshandlung von Schülern zu Geldstrafen bzw. -bußen an gemeinnützige Einrichtungen verurteilt worden sind. Dies teilte der Bildungspolitische Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg, Detlef Hardorp, in Berlin mit. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg lege Wert auf die Feststellung, dass die Kemptner Schule seit 20 Jahren in keinem Zusammenhang mit den Waldorfschulen in Deutschland steht, betonte Hardorp. Bereits 1986 sei sie wegen fehlender Kompatibilität mit den üblichen Strukturen an Waldorfschulen aus dem Bund der Waldorfschulen ausgeschlossen worden. Die neusten Vorfälle unterstrichen die Richtigkeit dieser Entscheidung, betonte Hardorp. Bei dem Gerichtsverfahren zwischen dem Bund der Waldorfschulen und der Schule in Kempten sei damals seitens des Waldorfbundes in einem Vergleich darauf verzichtet worden, gegen die Namensführung “Waldorfschule” in Kempten vorzugehen. Zu dieser Zeit habe es allerdings noch keine Verdachtsmomente bezüglich strafbarer Handlungen in der Kemptener Schule gegeben. Einem Bericht der Mittelbayrischen Zeitung zufolge hat das Amtsgericht Kempten jetzt einen weiteren Lehrer der Kemptener „Waldorfschule“ wegen Misshandlung von Schülern zu einer Geldstrafe von 7.800 Euro verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 56jährige zwei Schüler mit den Köpfen zusammen geschlagen hat, wie ein Gerichtssprecher sagte. Zudem hatte der Pädagoge einen seiner Schützlinge zweimal so heftig an den Ohren gezogen, dass diese hinten einrissen und bluteten. Die Verteidigung des Lehrers hatte in einer Erklärung den Tatvorwurf eingeräumt. Zuvor war ein Lehrer der Kemptner Schule bereits zu einer Geldstrafe von 3.500 Euro verurteilt worden. Gegen einen weiteren Lehrer stellte das Gericht ein Körperverletzungsverfahren wegen Schuldeinsicht ein. Der Lehrer muss aber eine Geldbuße in Höhe von 1.500 Euro an zwei gemeinnützige Vereine zahlen. Der beschuldigte Pädagoge hatte zugegeben, mindestens ein Kind gezüchtigt zu haben und sich für sein Fehlverhalten entschuldigt. Fünf weitere Pädagogen der Schule müssen sich in den kommenden Wochen noch vor Gericht verantworten. Sie sollen Schüler an den Ohren gezogen, Ohrfeigen ausgeteilt oder Kinder mit dem Kopf gegen die Tafel gestoßen haben. Gegen weitere sechs Lehrer sah das bayerische Gericht von einer Anklageerhebung ab, weil die Vorfälle verjährt sind oder ein Tatnachweis nicht schlüssig zu führen wäre. End/NNA/ung Bericht-Nr.: 061020-01DE Datum: 20. Oktober 2006 © 2006 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe http://www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: http://www.nna-news.org/content/ |
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