. . . Nachrichten für eine andere Welt Suche Nachrichtenarchiv
   

NNA
ist eine internationale Nachrichtenagentur, die Nachrichten und Ereignisse verbreitet und kommentiert aus einer Perspektive des Geistes und die sich um ein spirituelles Verständnis bemüht, das mit der Entwicklung neuer Paradigmen auf allen Lebensgebieten verbunden ist – sei es im Aktuellen, in Politik und Gesellschaft, in der Zivilgesellschaft, in Ökologie, Erziehung, Wirtschaft, Landwirtschaft, Kunst und Wissenschaft.


English site

   





Sun, 11 Feb 2007

Gebet ist allen Religionen gemeinsam

Weltreligionstag in Stuttgart gestaltete Vorbild für friedliches Zusammenleben

Von NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz

STUTTGART (NNA). Gebete sind allen Religionen gemeinsam, auch wenn sie keinen Gott anerkennen – Das Gebet stand deswegen im Mittelpunkt des diesjährigen Weltreligionstages, der Ende Januar in Stuttgart stattfand. Eingeladen hat die Bahá’í-Gemeinde als jüngste Gemeinde zur multireligiösen Feier mit authentischen Gebeten und Rezitationen aus Judentum, Hinduismus, Buddhismus, Islam, der Bahai und dem Christentum. Der Weltreligionstag findet schon seit 1951 in Stuttgart statt, nach jahrelanger Pause wurden in den letzten Jahren unterschiedliche Themen diskutiert.

Die Veranstaltung fand unter der Schirmherrschaft der Landeshauptstadt Stuttgart statt, Bürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch wünschte in den Grußworten des Oberbürgermeisters den rund 400 Gästen: Man möge neugierig werden, sich inspirieren lassen und Neues lernen. Die jüngste Geschichte weltweit mache auf die Frage aufmerksam: Wieviel Religion brauchen wir? Religionen können, so Müller-Trimbusch, und müssen Wertegemeinschaft, Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden in die Welt bringen. Denn Menschen mit verschiedenen Glaubensrichtungen könnten gleichberechtigt miteinander leben, sich nicht erdulden, sondern voneinander erfahren um sich miteinander auseinanderzusetzen.

Gefördert wurde die Veranstaltung auch von „Weißt Du wer ich bin?“, dem Projekt der drei großen Religionen für friedliches Zusammenleben mit einem gemeinsamen Vorhaben der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland ACK, dem Zentralrat der Juden in Deutschland, dem Zentralrat der Muslime in Deutschland ZMD und der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion DITIB. Dieses Projekt richtet sich an interessierte Menschen, die gerne in einen gemeinsamen Erfahrungsaustausch treten wollen und überzeugt sind, damit zu einem friedlichen Zusammenleben in Deutschland beizutragen.

„Über die Bedeutung des Gebets in den Religionen“ sprach Murat Aslanoglu, der Vorsitzende des Koordinierungsrates der Vereinigungen des christlich-islamischen Dialoges in Deutschland KCID.  „Wir können uns frei entscheiden - als Sinn des Lebens -, die höchste Macht, hier Gott genannt anzuerkennen.“ Sei Gott in unserem Bewusstsein, so sei im Gebet Nähe und Liebe zu Gott. „Eine Religion ohne Gebet gibt es nicht“, erklärte Aslanoglu. Aber Gebete könnten laut, leise, in fester Form, mit heiligen Texten aber auch mit eigenen Worten, an jedem Ort, in verschiedenen Körperhaltungen gesprochen werden. Sie könnten preisen, loben, danken, Glückseligkeit erhoffen, aufrichten und neuen Mut geben. So seien in Verbindung zu Gott Betende dabei, eigene Schwächen zuzugeben, für die Schönheit der Schöpfung zu danken, auch für die Prüfungen, an denen sie wachsen können. Betende sprächen für sich selbst, für ihre Familie, Glaubensfreunde oder für die ganze Welt. Dennoch sei wichtig, dass die eigene Glaubensrichtung erhalten bleibe.

In den Rezitationen von Gebeten der einzelnen Religionen erlebten die Anwesenden dazu Ausschnitte.

In der Bahá’i Religion gibt es keine Geistlichen und keine Kirche. Jeder Mensch solle selbständig nach der Wahrheit suchen, sich Gott zuwenden und sich für das Wohl der Menschheit einsetzen. Die Zentralgestalt der Bahá’i Religion Bahá’u’llá, arabisch „Herrlichkeit Gottes“, der im damaligen Persien 1844 ein neues Zeitalter erwartete begann, was heute 6 Millionen Menschen der unterschiedlichsten religiösen, ethnischen, sozialen und kulturellen Herkunft bekennen. Zu seinen Glaubensinhalten gehören: „Es gibt nur einen Gott, der sich der Menschheit im Verlauf der Geschichte unter verschiedenen Namen offenbarte. Da es nur einen Gott gibt, kann es keine wirklich trennenden Unterschiede zwischen den verschiedenen Religionen geben. Hauptzweck der Religion sei es, nach seiner Lehre Liebe und Einigkeit zu fördern. Seine Botschaft: Einheit in der Vielfalt.

Aus Hindu-Sicht hat Gott fünf Aufgaben: Leben schaffen, Leben bewahren, Gutes belohnen, Sünden verzeihen, Böses vernichten. Für Hindus ist Gott wie ein persönlicher Freund, zu dem sie eine enge Beziehung pflegen und hoffen, im nächsten Leben eine bessere Position zu erreichen durch religiöses Leben. Sie beten auch zu Ehren Gottes, sie wollen ihm nahe sein, um in diesen und vielen Reinkarnation mit ihm vereint zu sein, erklärte Yoganathan Putra vom Hindutempel Stuttgart.

Meinhard Tenné, Vertreter des Judentums und ehemaliger Vorstandssprecher der Isrælitischen Religionsgemeinschaft Württemberg rezitierte die dreizehn Glaubensartikel, die als allgemein anerkanntes Glaubensbekenntnis entstanden sind um das Jahr 1200, verfasst von Rabbiner Moshe Ben Maiman, - auf welches man sich dann in Diskussionen mit Andersgläubigen berufen könne. Ein Dogma sollten sie nicht sein.

Der buddhistische Beitrag wurde vom Bodh Gaya Zentrum für Mahayana Buddhismus vorbereitet: Ein Text Shantideva (687-763) als Leitfaden für die Lebensweise eines Bodhisatttvas, der ein Freund der Welt ist und durch Mitgefühl motiviert, allen Lebewesen zu helfen. Die einzelnen Strophen sind andächtig gesungen in ihrer Art und übersetzt zum besseren Verstehen. In dem Gebet geht es um Freiheit ohne Streit, alle Lebewesen mögen alle Formen des Bösen aufgeben und Tugenden fördern.

Von der Landeskirche Württemberg wurde vom katholischer Pfarrer Hermann Benz in der Art eines Gregorianischen Choralstils ein Psalm Davids vorgetragen. Er beschreibt auch die Christliche Aussage, wir hoffen all die Fehler der Vergangenheit nicht mehr zu machen. „Der Geist des Friedens und der Liebe möge zur Herrschaft kommen“, ruft er aus. Der evangelische Pfarrer Paul Weber erzählte vor seinem Gesang, den er auf seiner Gitarre begleitete und auch die Gäste aufforderte, den Refrain mitzusingen: „Das erste Singen war ein betendes Singen, demnach wurde das erste Gebet gesungen. Singen und beten gehören eigentlich zusammen“.

Der muslimische Beitrag bestand aus Koranrezitationen und wurde von der Akademie für Dialog zwischen Kulturen und Religionen vorbereitet: Sura Al-Fatiha und aus Sura Al-Baqara, einige im Namen Allahs, des Allerbarmen, des Barmherzigen.

Aus den Baha’i-Schriften waren Beiträge von Kindern zu hören mit dem Inhalt, was Gott in seiner Liebe sich für uns wünscht, außerdem ein persisches Gebet. Ausschnitte aus der Seligpreisungen Bahá’u’llahs wurden singend von Michæl Gollmer vorgetragen. Kamal Mazlumi unterteilte musikalisch einstimmend die Beiträge auf seiner Santur, einem persischen Seiteninstrument .

Beim anschließenden Stehempfang tauschten sich die Anwesenden über die Erfahrungen aus, die sie mit den einzelnen Darbietungen gemacht hatten. Manch überraschende Entdeckung war dabei. Wie viele Aussagen in den Gebeten sich nur durch die Wortwahl unterscheiden und das gleiche meinen, hier konnten es die Gäste erleben ohne Sprachbarrieren. Manch einer versuchte sich vorzustellen, wie die Welt auf Erden aussähe, wenn die Geistesvorhaben und Herzenskräfte in jedem Menschen so lebendig bewusst wären, wie an diesem Weltreligionstag2007 erlebt.

End/NNA/wil

Links: www.religionstag.de, www.weisstduwerichbin.de, www.kcid.de, www.bahai.de

Bericht-Nr.: 070211-01DE Datum: 11. Februar 2007

© 2007 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

 

 


Nachrichtenarchiv

Neueste Berichte