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Wed, 07 Mar 2007

Deutsche Biobranche weiter mit zweistelligem Wachstum

Aber auch Anzeichen für Umsatzverlagerung hin zu Supermärkten – BioFach in Nürnberg mit Ausstellern aus 80 Nationen – Italien als „Land des Jahres“

Von NNA-Korrespondentin Cornelie Unger-Leistner

NÜRNBERG (NNA). „Unglaublich lebendig und beeindruckend“ war das Fazit des tegut-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Gutberlet zur diesjährigen Messe BioFach 2007, die in der zweiten Februarhälfte in Nürnberg stattgefunden hat. Auch in diesem Jahr setzte sich der anhaltende Erfolg der Weltmesse der Biobranche fort.

Gute Beziehungen zu Lieferanten seien intensiviert und neue internationale Kontakte geknüpft worden, so der Chef der expandierenden deutschen Bio-Supermarktkette tegut weiter. Die auf der Messe vorgestellten Zahlen zeigen, dass die Biobranche endgültig dabei ist, ihr Nischendasein im Wirtschaftleben zu verlassen. Über 45.000 Fachbesucher und damit ein Plus von 21 Prozent verbuchte die Messeorganisation. 2565 Aussteller - 20 Prozent mehr – als im Vorjahr zeigten ihre Produktpalette. Neu hinzugekommen ist Vivaness, eine eigene Fachmesse für Naturkosmetik und Wellness mit 164 Ausstellern, die immer zeitgleich mit der BioFach stattfinden soll.

Gut zwei Drittel der BioFach-Aussteller reisten auch in diesem Jahr aus dem Ausland an, insgesamt waren 80 Nationen vertreten. Eine Sonderstellung hatte Italien als „Land des Jahres“ mit einer Vielzahl von präsentierten italienischen Bioprodukten, deren Duft den Besuchern schon von weitem entgegenwehte.

In der gesamten EU wurden 2005 Bio-Lebensmittel im Wert von 14,5 Mrd Euro verzehrt, an der Spitze liegt dabei Deutschland mit 27 Prozent, gefolgt von Großbritannien (17 Prozent), Frankreich (14 Prozent) und Italien (12 Prozent). Weltweit wächst der Umsatz mit Bioprodukten jährlich um über 5 Mrd US-Dollar und wird in diesem Jahr die 40 Mrd-Dollar-Grenze überschreiten, so eine Schätzung der britischen Unternehmensberatung Organic Monitor, die auf der BioFach veröffentlicht wurde.

Im internationalen Vergleich entwickelt sich die Branche derzeit unterschiedlich. Zu den Boom-Ländern gehören neben Deutschland vor allem die USA, Großbritannien und Schweden. In diesen Ländern wird in den nächsten fünf Jahren mit einer Verdopplung des Bio-Umsatzes gerechnet. Sie seien „Impulsgeber im internationalen Wettbewerb um die besten Bio-Konzepte und wichtige Importmärkte“. Damit unterstützten sie Bio-Anbau und Verarbeitung in vielen exportorientierten Ländern. Fast überall in Europa gewinne Bio-Anbau an Boden, heißt es in der Veröffentlichung der BioFach. Mit einem Plus von zehn Prozent und über 800.000 Hektar ökologisch bewirtschafteter Fläche im Jahr 2005 zählt derzeit Spanien beim Anbau zu den Bio-Spitzenreitern in der EU.

In Deutschland mit seinem höchsten Verbrauch an Bio-Lebensmitteln steigt der Umsatz der gesamten Bio-Branche seit vier Jahren mit zweistelligen Raten an. Allein 2006 verzehrten die Deutschen Bio-Produkte im Wert von 4,5 Mrd. Euro, dies entsprach einem Umsatzplus für die Branche von 16 Prozent. Das PresseForum BioBranche geht davon aus, dass der Bio-Markt inzwischen 160.000 Arbeitsplätze in Deutschland sichert, die sich auf Erzeugung, Herstellung, Handel und Dienstleistung verteilen.

Für 2007 wird ebenfalls mit einem Zuwachs von mehr als 10 Prozent gerechnet. Vor allem die Neugründungen von 40 bis 60 Bio-Supermärkten pro Jahr und die Aktivitäten der Discounter trügen in Deutschland deutlich zum Marktwachstum bei, heißt es in einer Veröffentlichung der BioFach. In Berlin gibt es inzwischen beispielsweise 30 Bio-Supermärkte, mehr als in jeder anderen deutschen Stadt. Allein im Jahr 2005 öffneten dort neun neue Märkte mit über 200 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Allerdings zeichnet sich in den deutschen Zahlen auch ein Trend in der Biobranche ab, der weg von den Bioläden und der Direktvermarktung durch die Erzeuger führen könnte. „Durch eine bessere Verfügbarkeit von Bio-Produkten in Bio-Supermärkten, im Lebensmitteleinzelhandel und bei Discountern geraten bäuerliche Direktvermarkter, aber auch kleinere Naturkostläden unter Druck,“ heißt es in der Veröffentlichung der BioFach.

Während der Lebensmitteleinzelhandel 2006 seinen Marktanteil an den Bioprodukten auf 46 Prozent und damit um fünf Prozent steigern konnte, sank die Erzeuger-Direktvermarktung um zwei auf zwölf Prozent. Trotz steigenden Umsatzes verzeichneten sowohl der Naturkostfachhandel als auch die Reformbranche Umsatzrückgänge um jeweils ein Prozent, ihr Anteil betrug noch 24 und fünf Prozent. Verluste in ähnlicher Größenordnung mussten auch die Bio-Metzger und Bäcker hinnehmen, deren Anteil am Umsatz sich ebenfalls auf fünf Prozent beläuft. Drogeriemärkte, Lieferdienste und Verarbeitungsunternehmen hielten dagegen ihren Anteil auf 8 Prozent.

Der Umsatzanteil von Bio-Lebensmitteln am gesamten Lebensmittelhandel wird sich in Deutschland von heute drei Prozent bis 2010 verdoppeln, so schätzt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG und des EHI Retail Institute, Köln.

NNA/end/ung

Bericht-Nr.: 070307-01DE Datum: 7. März 2007

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Demeter-Plakate sollen mehr Landwirte gewinnen

Nürnberg (NNA). Um der steigende Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln auf Seiten der Verbraucher gerecht zu werden, möchte der Demeter-Verband noch mehr Erzeuger für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise gewinnen. „Wir brauchen mehr bio-dynamische Ware und suchen Bauern, die sich für die Demeter-Qualitätsarbeit begeistern können,“ erklärte Stephan Illi, Geschäftsführer im Demeter-Bund aus Anlass der Messe BioFach in Nürnberg . Mit einer Plakataktion während der Messe machte Demeter daher auf das Marktpotential für bio-dynamische Produkte aufmerksam. Der Bio-Markt verlange nach mehr „Demeter-Rohstoffen“, mehr biologisch-dynamischen Flächen und mehr Lebensmitteln mit dem von den Verbraucher als „besonders vertrauenswürdig“ eingeschätzten markanten Demeter-Markenbild, heißt es in einer Veröffentlichung des Demeter-Bundes.

Gerade bei Getreide und Milch zeige sich schon jetzt ein Engpass, übersteige die Nachfrage das Angebot. Die Demeter-Gemeinschaft, in der vom Bauern bis zum Verbraucher alle Ebenen der Wertschöpfungskette organisiert sind, biete umstellungsinteressierten Landwirten Impulse für eine innovative Betriebsentwicklung. Die Demeter-Landesarbeitsgemeinschaften boten aus diesem Grund auf der BioFach Beratungen an, außerdem sollen bei gemeinsamen Veranstaltungen zusammen mit den Herstellern auch nach der BioFach über konkrete Marktchancen gesprochen werden.

NNA/end/ung

Bericht-Nr.: 070307-03DE Datum: 7. März 2007

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Erstmals deutscher Naturschutzpreis für Landwirte

Drei Außeichnungen gingen an Demeter-Betriebe – „Schweine auf der Weide mit viel Freude beobachtet“ – Weitere Gewinner im Weinbau und der Harzlandschaf

BONN (NNA). Naturschutzengagement von Landwirten ist in diesem Jahr zum ersten Mal in Deutschland mit einem Preis gewürdigt worden: gemeinsam vergaben das Bundesamt Naturschutz (BfN) und die Stiftung Ökologie und Landwirtschaft (SÖL) in Bonn den „Förderpreis Naturschutzhöfe“. Unter den drei Preisträgern ist auch ein Demeter-Betrieb, der Hof von Uwe Wüst in Königheim-Brehmen im Main-Tauber-Kreis. Er erhielt den Preis für die arten- und strukturreichen Flächen seines Hofes. Die beiden anderen Preisträger sind der Betrieb „Brockenbauer“ in Tanne in Sachsen-Anhalt sowie das Weingut Seiler in Weiher in Rheinland-Pfalz. Neun weitere Betriebe erhielten eine Außeichnung für ihr Naturschutzengagement, darunter auch zwei weitere Demeter-Betriebe.

In der Preisbegründung für Demeter-Bauer Wüst würde unter anderem auch die Tierhaltung gelobt. Hier würden „alte Techniken wiederentdeckt, getestet und sinnvoll in den Betrieb integriert“. So erprobt Wüst beispielsweise die „Schnaitelwirtschaft“, eine Laubheugewinnung zur Viehfütterung und praktiziert ganzjährige Außenhaltung. Er schaffe damit auch neue Strukturen in der Landschaft. Die parzellierten Weiden seien selten gewordene Strukturen für ein Dorfumfeld von heute. „Solche Lebensräume haben nicht nur Bedeutung für Insekten und Vögel, sondern ziehen gleichzeitig auch den Menschen an: Es macht einfach Spaß, Schweine und Ferkel so zu beobachten“, heißt es unter anderem in der Begründung des Preises.

Der Betrieb “Brockenbauer” von Familie Thielecke in Tanne, Sachsen-Anhalt, erhielt den Förderpreis für seine „vorbildliche Bewirtschaftung, Erhaltung und Pflege von artenreichem Grünland“ in der Mittelgebirgslandschaft des Harzes. Der Betrieb leiste durch seine Bewirtschaftung nicht nur einen großen Beitrag zur Sicherung der biologischen Vielfalt, sondern stelle einen grundlegenden Pfeiler für die Bewahrung der historisch gewachsenen Kulturlandschaft im Harz dar, heißt es in der Begründung.

Der dritte Preis ging an das Bioland-Weingut Seiler in Weiher, Rheinland-Pfalz, für seine Leistungen, Artenschutz umfassend in den Weinbau zu integrieren. Vor dem immensen Naturschutz-Fachwissen von Ludwig Seiler habe die Jury „alle Hochachtung“. Sein spezielles Bodenbearbeitungs- und Begrünungsverfahren habe das Ziel, die Artenvielfalt zu fördern. Daraus resultiere ein Vorkommen vielfältiger und seltener Weinbergsflora und Fauna in seinen Weinbergen.

Zu den neuen ausgezeichneten Höfen gehört der Demeter-Betrieb Müllerhof aus Allensbach im Kreis Konstanz. Helmut Müller bewirtschaftet und pflegt dort 100 Hektar Schilfzonen, Feucht- und Streuwiesen im Naturschutzgebiet Mindelsee.

Eine weitere Außeichnung ging an seinen Demeter-Kollegen Wilhelm Bertram von Hof Luna in Everode im Landkreis Hildesheim. Das Besondere an seinem Hof sind die 14 großen Feldhecken aus rund dreißig heimischen Sorten, Obstbaumalleen und Gewässer.

NNA/end/ung

Link: www.naturschutzhoefe.de

Bericht-Nr.: 070307-02EN Datum: 7. März 2007

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