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Thu, 22 Mar 2007

Wirbel um angebliche „Steiner-Schule“ in Berlin

Arbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen widerspricht Presseberichten - Private Novalis-Schule sperrt Lehrer nach massivem Konflikt aus

BERLIN/FRANKFURT (NNA). Die Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen in Berlin hat sich von der Berliner Novalis-Schule distanziert, die gegenwärtig in den Medien aufgrund eines eskalierten Streits zwischen Lehrern und Elternverein für Schlagzeilen sorgt. Die Novalis-Schule in Berlin dürfe nicht behaupten, auf der Grundlage der Pädagogik Rudolf Steiners zu arbeiten oder sich als Waldorfschule bezeichnen, betonte der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg, Detlef Hardorp gegenüber Spiegel online.

Die Namen „Steiner“ und „Waldorf“ seien namensrechtlich geschützt. Die Novalis-Schule habe zum Bund der Freien Waldorfschulen keinerlei Kontakt, heißt es in der Stellungnahme. Nur Schulen, die im Bund Mitglied seien, dürften sich in Deutschland mit den Bezeichnungen „Steiner“, „Rudolf Steiner“ oder „Waldorf“ versehen oder diese im Untertitel führen. Das Schild der Schule, auf der sie sich als „Staatlich genehmigte Ersatzschule auf der Grundlage der Pädagogik Rudolf Steiners“ bezeichne, müsse geändert werden. Die Vorgänge an der angeblichen „Steiner“-Schule drohen nach Auffassung Hardorps den Ruf der privaten Schulen zu schädigen

Verschiedene Medien, darunter auch die alternative Tageßeitung TAZ, hatten über den Konflikt zwischen Eltern- und Lehrerschaft an der Novalis-Schule berichtet. Der Unterricht war mehrere Tage lang ausgefallen, weil der Elternverein als Schulträger den Vertrag mit dem sogenannten Lehrerverein gekündigt und allen Lehrern Hausverbot erteilt hatte. Unter Polizeischutz sollte dann der Unterricht mit einem Kollegium aus teils alten, teils neuen Lehrern fortgesetzt werden. Die Polizei habe einem Teil der alten Lehrer den Zugang zur Schule verwehrt, berichteten die Berliner Zeitungen. Von einem normalen Schulalltag könne man nicht sprechen. „Pausenbrot unter Polizeischutz“ titelte die TAZ.

Die Eltern hatten laut TAZ u.a. die Pädagogik der Schule gerügt, in der ein autoritäres Klima herrsche und keine Kritik zugelassen werde. Einzelne Lehrer hätten sich wie der „Guru einer Sekte“ aufgeführt, schrieb die TAZ. In einem Interview mit der TAZ unterstrich einer der Lehrer erneut die „anthroposophische Ausrichtung“ der Schule.

Ein Sprecher der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland betonte dazu gegenüber NNA, die Gesellschaft könne nur darauf hinweisen, dass der Bund der Waldorfschulen mit der Novalis-Schule nichts zu tun habe. Der Begriff „anthroposophisch“ als solcher sei kein geschütztes Markenzeichen. Nur wenn die Anthroposophische Gesellschaft selbst namentlich genannt werde, habe sie das Markenrecht und könne klar Stellung nehmen.

In ihren ersten Berichten hatten die Medien die Novalis-Schule als „Waldorfschule“ bezeichnet. Diese Berichte wurden inzwischen aufgrund der Intervention der Landesarbeitsgemeinschaft korrigiert, z.B. in Spiegel-online.

Die zuständige Schulaufsicht in Berlin hat damit gedroht, der Novalis-Schule die Genehmigung zu entziehen. Es werde geprüft, ob der Unterricht den Voraussetzungen des Schulgesetzes entspreche, sagte eine Sprecherin der Schulverwaltung, die für die staatlichen Zuschüsse an die Novalis-Schule zuständig ist. Die Novalis-Schule werde sich jetzt häufigen Kontrollen der Schulaufsicht stellen müssen, schreibt die TAZ dazu.

NNA/end/ung

Bericht-Nr.: 070322-01DE Datum: 22. März 2007

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