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Thu, 05 Apr 2007

Brüche als notwendiges Element der Entwicklung

Anthroposophische Gesellschaft befasste sich mit Schwellenerlebnissen – Biografien von Goethe, Wagner und Mozart als Beispiele

Von NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz

ESSEN (NNA). „Bewusste und unbewusste Schwellen-Erfahrungen“ waren Thema einer Veranstaltung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland Ende Februar in Essen, zu der etwas 80 Personen in die Räume der Gesellschaft gekommen waren.

Referent zum Thema war Marcus Schneider. 1954 in Basel geboren, arbeitete er als Klassenlehrer an der Rudolf Steiner Schule Basel. Gegenwärtig ist er Leiter der höheren Fachschule für Anthroposophische Pädagogik in Dornach und Vorsitzender des Paracelsus-Zweiges der Anthroposophischen Gesellschaft Basel. Die Zuhörer konnten lebendige Ausführungen und erfrischenden, lebensnahen Humor miterleben.

In der biographischen Entwicklung des Menschen, wenn das Kind sich nach innen plastizierend entwickle, regen bei der Entstehung des Ich Bilder von der Welt und Mythen den Ätherleib an. Schneider zitierte Jaspers: „Die Phantasie ist die positive Bedingung zur Entwicklung der Existenz“. Andernfalls erstarrten die Kräfte und es komme zum „inneren Leerlauf“.

Bei der Geburt des Astralleibes in der Pubertät, bei der Entwicklung zur Erdenreife komme das zum Vorschein, was „vorher“ gewesen sei. Wofür sich das Kind interessiere, der Jugendliche sich begeistere, solle man achten, auch das, was Menschen sagen, ohne Besonderes zu meinen, könne von Bedeutung sein

Beschäftigung mit großen Biographien seien dienlich, riet Schneider. Auch Mut, den Bruch zu riskieren sei nötig zur Entwicklung des Ich. Die Verstandesseele solle mit dem fünfunddreißigsten, die Bewusstseinseele mit dem zweiundvierzigsten Lebensjahr entwickelt sein. An Beispielen von Goethe, wie er als Philip Möller inkognito in Italien lebte, zeige sich solch ein Bruch. Bei Richard Wagner, der mit 42 Jahren im Exil in Zürich anzutreffen und mit ganz anderen Menschen umgeben sei, kläre sich beispielsweise in dieser Zeit sein Verhältnis zum Christentum. In seinem Werk „Tristan“ oder in den „Meistersängern“ zeige sich Keltisch-Christliches als Wurzel seines Ich in einer Art, wie es vorher nicht auf seinem Lebensplan gestanden habe.

In der Entwicklung könne es zu Engpässen kommen, wie Goethe sie als Irrfahrt, als Entfremdung beschreibe, bis die Empfindungsseele geboren sei, d.h. bis man wisse, was man will und dies auch umsetzten könne. Das Rumoren, das das Wollen verursache, zeige deutlich die Situation des Schwellenübergangs an.

Nach dem zweiundvierzigsten Lebensjahr, den Jahren des Mars erlebe der Mensch unbewusste Geisterfahrung als Doppelgänger. Da melde sich etwas, was man nicht bewältigt habe. Zum Beispiel Schmerzen, den Bruch zwischen Innen und Außen, zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung führte Schneider an und belegte dies mit Beispielen in Literatur und Kunst.

Der Doppelgänger - er liege zwischen Äther- und Astralleib - sei einerseits ein Infragesteller, schütze andererseits auch manchmal, um nicht um den Verstand zu kommen. Er werde als Lebensstimmung erlebt. Der Mensch an der Schwelle sehe die eigene Unwahrhaftigkeit, die eigenen Schwächen. Die Selbstverständlichkeit, sich voll zu identifizieren werde durch solche Schwellenerlebnisse allmählich in Frage gestellt. Mit Selbstzweifel verfolge man richtige Ziele. Der Mensch werde emotional instabil, denn bisher habe er die Außenwelt als gegeben angesehen.

Heute, so schilderte Schneider seinen Eindruck, stünden alle Menschen an dieser Schwelle. Die Schwelle beginne, wenn „etwas“ in mir denke, etwas die Gedanken gestalte. Bei Gedanken, bei denen man nicht wisse, woher sie kommen, oder schlimmer noch, bei misstrauischen Gedanken, die sich dem freien Willen entzögen, könne es zu Krisen kommen. Ein Irrtum dagegen könne durch lebendige Gedanken korrigiert werden.

Das Leben müsse gedeckt sein durch das Ich. Sei die Entwicklung der Biographie entsprechend so könne auch Nach-Todliches ins Vor-Todliche geholt werden.

Diese Ausführungen belegte Schneider an vielen Beispielen und mit eindrucksvollen musikalischen Ausschnitten am Beispiel der Biographie von Mozart. Er habe die beschriebenen Entwicklungsschritte in kürzeren Abschnitten durchlebt und diese in seine sieben letzten Opern komponiert. Mozart habe eine geistige Biographie durchlaufen, dessen roter Faden die Liebe sei. In „Der Zauberflöte“ schaffe er den Aufstieg, die Berührung mit einer anderen Welt.

Schließlich ging es in Schneiders Ausführungen um das Verhältnis von Ich-Erleben und meditativem Weg. Sich mit der elementaren Welt zu beschäftigen, wie es Rudolf Steiner mit den Übungsschritten in „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ erkläre, bilde ein Organ für den Blick auf das Wesentliche und das Prozesshafte. Die Beschreibung der Elementarwelt sei vorbereitet durch die Märchenwelt. Undinen, Zwerge und weitere brächten die elementare Welt näher. Damit beginne die Auflösung der Realität, werde sichtbar gemacht, was dahinter stehe.

Übungen führen dazu, das Sinnesorgan selbst zu führen, und zwar nach innen. Einige Minuten täglich sich von außen sehen, als wäre es jemand, der einen nichts angehe und ohne zu beurteilen. Blicken auf das, was nicht über die Sinne ankomme, dabei entstünde mit der Zeit ein Organ, dabei komme Ruhe in die Seele. Habe die Seele das Bedürfnis, so komme es zu Erlebnissen aus der geistigen Welt.

Man entwickle über die Wirklichkeit neue Vorstellungen. Man beginne, die Dinge anders zu sehen. Ein neues Verhältnis zur Welt, auch zur Traumwelt, die ausdrückt, was im Menschen lebt, entstünde. Sehnen, sinnen, träumen werde durchlässiger, denn es wache etwas auf, was vorher „geschlafen“ habe. Sei das Gespür für Wachstum und Vergehen gebildet, so sehe man das auch beim Gegenüber, zum Beispiel, was als Keim angelegt sei beim anderen Menschen. Man erlebe die Dinge lebendiger und weniger schwärmerisch.

Der Eintritt in die geistige Welt stelle den Menschen vor eine Herausforderung, Erlebtes hinterlasse Eindrücke in der Ätherwelt, mit denen man dann auch lebe.

End/NNA/wil

Bericht-Nr.: 070405-01DE Datum: 5. April 2007

© 2007 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

ELIANT: Stimmenabgabe jetzt auch online möglich

BRÜSSEL (NNA). Ab sofort kann man jetzt auch online unter www.eliant.eu seine Stimme zur Unterstützung praktischer anthroposophischer Arbeit in Europa abgeben. Ziel der Organisation ELIANT (Europäischen Allianz von Initiativen angewandter Anthroposophie) ist es, eine Million Unterschriften zu sammeln.

Dies ist notwendig, weil zum Beispiel Demeter International in Folge der EU-Vitaminverordnung für Säuglingsnahrung (EU-Richtlinie 96/5/EG) seine Vertriebserlaubnis verloren hat. Die Demeter Richtlinie erlaubt keine künstliche Vitaminisierung, wie sie durch die EU Richtlinie gefordert ist.

Es wurden bereits 160.000 Stimmen für ELLIANT innerhalb der ersten 100 Tage zusammengetragen. „Die ersten 100 Tage waren ein Test, ob die Botschaft überhaupt ankommt“, fasste Michæla Glöckler vom Kreis der ELIANT-Initianten die bisherige Arbeit der Initiative zusammen. Die Unterschriftsaktion ist dabei nicht auf EU-Bürger beschränk, die angewandte Anthroposophie sei auch weltweit gewollt, argumentiert ELIANT. Jeder Einzelne zähle mit seiner Stimme. Das persönliche Engagement wirke verbindlicher als das Auslegen von Unterschriftenlisten oder ein Aufruf von Verbänden betonte einer der ELIANT-Organisatoren, Thomas Göing.

Für die Verhandlungen in nächster Zeit werde dringend demokratische Unterstützung gebraucht. Denn selbst wenn die anthroposophischen Repräsentanten noch so gute Argumente bei der Lobbyarbeit in Brüssel hätten, könnten die Initiativen angewandter Anthroposophie politisch gesehen nicht die notwendigen Massenbasis vorweisen, um ihren Forderungen das nötige Gewicht zu verleihen.

Eine Million Unterschriften hält ELIANT für geeignet, diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, wenn sie aus mehreren Mitgliedstaaten kommen. Die Zahl stammt aus dem europäischen Verfassungsvertrag (Art. I-47 Abs. 4). Er sei zwar noch nicht in Kraft getreten, setzte jedoch auch so schon Zeichen, wenn es darum gehe, festzustellen, ob ein Anliegen oder eine Eingabe bei einer EU Behörde bzw. dem Parlament den erforderlichen Rückhalt bei den EU-Bürgern hinter sich habe, schreibt ELIANT.

NNA/end/ung

Links bzw. Adresse: www.eliant.eu. Thomas Göing, Aktion ELIANT, Rebgasse 37, D-79540 Lörrach. Fax +49 7621 168 18 63; E-Mail info@eliant.eu

Bericht-Nr.: 070405-02DE Datum: 5. April 2007

© 2007 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

 

 


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