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„Entweiht“ zeitgenössische Kunst das Goetheanum?Neue Ausstellung in Dornach rief unmittelbar Kritiker auf den Plan - Erstmals Werk von Beuys und Steiner gemeinsam präsentiert Von NNA-Korrespondent Wolfgang G. Voegele DORNACH (NNA). „Ursache Zukunft“ nennt sich eine vom Goetheanum ausgehende Initiative zur Menschenwürde, die während der Sommermonate mit zahlreichen künstlerischen und wissenschaftlichen Veranstaltungen nach Dornach einlädt. Den Auftakt dazu bildete Anfang Mai die Vernissage zweier ungewöhnlicher Ausstellungen, die noch bis 3. August zu sehen sind und eine thematische Einheit bilden: „Joseph Beuys und Rudolf Steiner. Zeichnungen-Entwürfe-Skizzen“, konzipiert vom Rudolf Steiner Archiv, in dessen Domizil Haus Duldeck sie gezeigt wird, und im benachbarten Goetheanum die Sammelausstellung „Soziale Skulptur heute“, mit Installationen von Shelley Sacks (Oxford), James Reed, Georg Steinmann (Bern), WochenKlausur (Wien) und Nicholas Stronczyk. Hauptleihgeber der Beuys-Ausstellung sind das Museum Schloss Moyland (Sammlung Grinten, Bedburg-Hau), sowie Multiples (Sammlung Hummel, Wien). Zeichnungen und Skizzen Rudolf Steiners steuerte das Rudolf Steiner Archiv bei. Die Ausstellungen werden von der Joseph Beuys-Stiftung Basel und der Iona-Stichting Amsterdam unterstützt. Erstmals werden damit Arbeiten von Beuys und Steiner gemeinsam gezeigt, ein relativ spät realisiertes, aber sehr sinnvolles Projekt, da Steiner bekanntlich für Beuys einer der wichtigsten Ideengeber gewesen ist. Zur Ausstellung ist eine Publikation im Pforte Verlag erschienen mit Texten von Wolfgang Zumdick und Walter Kugler (Vorwort: Joseph van der Grinten). Die gutbesuchte Vernissage am 3. Mai im Grundsteinsaal des Goetheanum wurde mit Ansprachen prominenter Vertreter der internationalen Kunstßene eingeleitet: einem Sprecher des Museums Schloss Moyland, dem Direktor des Basler Tinguely-Museums und der Berliner Kulturwissenschaftlerin Hildegard Kurt. Abgeschlossen wurde diese Auftakt-Veranstaltung mit einer seltenen Kombination von Wort und Musik: eine Sprecherin trug 52 Kernsätze aus Steiners «Philosophie der Freiheit» vor, während drei Musiker aus der Region die Worte improvisierend «umspielten». Nach einem Apéro in der Wandelhalle waren die Ausstellungen zur Besichtigung freigegeben. Mit Beuys im Haus Duldeck oder mit zeitgenössischen „Installationen“ in den heiligen Hallen des Goetheanums tun sich viele Anthroposophen noch immer schwer. Ihre Kritik, die sich weniger gegen die gezeigten Installationen (etwa der Beuys-Schülerin Shelley Sacks) als gegen die Veranstalter richtete, artikulierte sich während der Ausstellungen mündlich und schriftlich: «Die Richtung, die sich mit dieser Tagung einschleicht, führt weiterhin auf den Verdacht, dass man das Goetheanum zu einem Veranstaltungsort der Moderne mit einer dementsprechenden Besucherzahl entwickeln möchte […]» schrieb eine Leserin in der Wochenschrift «Das Goetheanum» (Nr. 20 vom 18. Mai 2007, S. 16). Ein weiterer Vorwurf an die Veranstalter lautete, die Bedeutung Steiners werde relativiert (ein «Moderner» unter vielen), die dafür Verantwortlichen würden dem Ansehen des Goetheanums schaden, indem sie sich einer Populärkultur anbiederten. Diese Art Kritik ist nicht neu: Schon vor mehr als achtzig Jahren, auf der ersten Dornacher Musikertagung, wurde den Veranstaltern die Aufführung der Musik eines Schönberg und Alban Berg sehr verübelt. Man glaubte, eine Mysterienstätte werde durch zeitgenössische Musik entweiht. Damals wie heute wird subjektives Unbehagen gern spirituell „begründet“. Steiner selbst war in höchstem Maße Zeitgenosse. Wer genauer betrachtet, in welchem Sinn Rudolf Steiner selbst ein Vertreter der Moderne war und (weniger als Künstler, sondern als Ideengeber für viele Lebensgebiete), der mit größter Positivität und Offenheit zeitgenössischen Künstlern begegnete, wird erkennen, dass sich hinter den genannten Abwehrreaktionen Unsicherheiten verbergen. Der Entschluss der Veranstalter, die enge Beziehung zwischen der Beuysschen Denkart und den Inhalten der Anthroposophie deutlich werden zu lassen und zugleich das Weiterwirken der Anregungen Steiners und Beuys' in den Werken ihrer Nachfolger zu zeigen, spricht für die Einsicht, dass geniale Anregungen und Gedankenentwürfe nicht von einer exklusiven Schule verwaltet oder in museale Ghettos verbannt werden dürfen. Diese Ausstellungen können aufgrund der sich jetzt schon abzeichnenden breiten öffentlichen Resonanz dazu anregen, erneut über das Verhältnis der anthroposophischen Bewegung zur zeitgenössischen Kunst nachzudenken. Sie belegen darüber hinaus die ungebrochene Offenheit der Kunst gegenüber dem Spirituellen, wie sie sich seit dem 20. Jahrhundert verstärkt anbahnte. Rudolf Steiners Ansätze zu einer neuen Ästhetik bleiben aktuell und zukunftsgerichtet. Vor hundert Jahren trat sein Kunstimpuls erstmals an die Öffentlichkeit. Er umfasst mehr als nur die Künste im herkömmlichen Sinn und hat sich seither weltweit fortentwickelt und differenziert. Die Installation von Shelley Sacks, „Exchange Values“ drückt es aus: auf einen Austausch der Werte im Sinne eines weltweiten Gesprächs, kommt es an. Die von Kritikern manchmal verbreitete Behauptung, die anthroposophische Bewegung und insbesondere ihr Zentrum in Dornach, sei unzeitgemäß und sektiererisch, wird durch die derzeitigen Veranstaltungen glänzend widerlegt. End/nna/ung Bericht-Nr.: 070530-01DE Datum: 30. Mai 2007 © 2007 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ Rudolf Steiner als geistiger Pionier der Moderne
Ein 45-Minuten-Film bietet Informationen zu Leben und Werk – „Mozart“-Regisseur Christian Labhart unterstreicht künstlerische Freiheit bei der Gestaltung Von NNA-Korrespondent Wolfgang G. Vögele DORNACH (NNA). Eine erste Information über Leben und Werk Rudolf Steiners soll ein 45-Minuten–Film geben, dessen Vorpremiere jetzt in Haus Duldeck, dem Sitz des Rudolf Steiner Archivs, in Dornach stattfand. Etwa 40 Personen sahen die Vorpremiere der deutschen Originalversion von „Rudolf Steiner. Die Vielseitigkeit eines Außenseiters. Ein Porträt“. Drehbuchautor und Regisseur ist der renommierte Schweizer Filmemacher Christian Labhart, der in jüngster Zeit mit seinem Kinofilm „Zum Abschied Mozart“ bekannt geworden ist. Der neue Film, der chronologisch dem Leben Steiners in drei großen Abschnitten folgt — „Kindheit und Jugend“, „Lehrjahre“ und „Weg in die Moderne“ — entstand als Gemeinschaftsprojekt zwischen der Pädagogische Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen Stuttgart, dem Rudolf Steiner Archiv Dornach und dem Rudolf Steiner Verlag. Für die Produktion verantwortlich zeichnen Christian Labhart (Regisseur und Drehbuchautor), Walter Kugler und Hansjörg Hofrichter. Ideelle und materielle Unterstützung erhielt das Filmprojekt durch die Humanus Stiftung Basel und die Iona Stichting Amsterdam. Der erste Anstoß zu diesem seit 2004 geplanten Film ging, wie Hansjörg Hofrichter von der pädagogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen erläuterte, von Fragen zur Person Steiners aus, die vor allem von Lehrern staatlicher Schulen und Pädagogikstudenten während didaktischer Fachmessen oder bei öffentlichen Veranstaltungen der Waldorfschulen häufig gestellt wurden. Der neue Film berücksichtigt die Tatsache, dass heute erste Informationen über Personen und Sachverhalte primär durch visuelle Medien und erst in zweiter Linie durch Sachbücher vermittelt werden. Nach Hofrichter will der Film nicht nur eine historische Person darstellen, sondern die von Steiner aufgeworfenen Fragen und gegebenen Anregungen in ihrer Aktualität vermitteln. Daher kommen vor allem Menschen zu Wort, die sich heute mit Leben und Werk Steiners beruflich beschäftigen. Regisseur Labhart wies darauf hin, dass er volle künstlerische Freiheit gehabt habe, die bereitgestellten Informationen auf seine Weise zu nutzen. Einen wertvollen dramaturgischen Leitfaden zu Steiners Biographie verdanke er dem Buch von Taja Gut „Der Mensch Rudolf Steiner“ (Dornach, 2000), aus dem im Film auch zitiert wird. Die Fülle der vorhandenen biographischen Dokumente habe Kürzungen und Schnitte des Films notwendig gemacht, so dass nicht alle Fragen zu Steiners Leben beantwortet werden konnten. Die ruhige Kameraführung von Otmar Schmid ermöglicht dem Zuschauer gleichsam eine Wanderung durch das Archiv, und anhand einzelner Dokumente, etwa Plastiken, Plakate, Briefe oder Fotos gelingt bruchlos der Übergang zur historischen Hintergrundinformation, ergänzt durch Selbstzeugnisse Steiners. Als Mitwirkende zu sehen und zu hören sind Sektionsleiter des Goetheanums und Mitarbeiter des Rudolf Steiner Archivs, die im freimütigen Interviewstil teilweise humorvoll über ihre persönlichen Erfahrungen in der Beschäftigung mit Steiners Person und Werk berichten. Behutsam integriert wurden auch Ausschnitte aus schon vorhandenen Filmen zu den Themen Eurythmie, Waldorfpädagogik, anthroposophische Medizin und biodynamische Landwirtschaft. Die freitonale, unaufdringlich wirkende Musik des Schweizer Komponisten Urs Peter Schneider (geb. 1939) bringt stimmungsvoll einerseits das „Moderne“ und Avantgardistische, und zugleich das rätselhafte Bleibende in Steiners Lebensgang zum Ausdruck, das neugierig macht. Die Steiner-Zitate werden von Urs Bihler gelesen, der verbindende Text wird von Dorothea Deimann vorgetragen. So bot sich den Zuschauern ein weitgehend gelungener Versuch, Rudolf Steiner als echten Repräsentanten der Moderne und geistigen Pionier zu zeigen, dessen Anregungen auch im 21. Jahrhundert noch Aktualität beanspruchen können. In der sich an die Premiere anschließenden Diskussion wurde viel Lob für die Filmemacher, aber auch konstruktive Kritik geäußert. Zu kurz gekommen waren manchen Zuschauern etwa aktuelle Einblicke in die vielfältigen Lebensfelder der Anthroposophie. Hofrichter verwies auf einen als Ergänzung geplanten zweiten Film, der auf die Vielfalt der aktuellen Umsetzung der Anthroposophie in der Welt eingehen und gleichzeitig Verleumdungen entgegentreten soll, die immer wieder in Fernsehfilmen über Steiner oder Waldorfschulen verbreitet wurden. Der Film über Rudolf Steiner kann als DVD zum Preis von CHF 20.- bestellt werden. End/nna/ung Links: www.waldorfbuch.de, www.sterinerarchiv.info Bericht-Nr.: 070530-02DE Datum: 30. Mai 2007 © 2007 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ |
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