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Sat, 23 Jun 2007

Privatuni Witten-Herdecke vor Übernahme gerettet

Stiftung soll Unabhängigkeit des innovativen Hochschulmodells gewährleisten - Zwölf-Millionen-Euro Finanzspritze von Düsseldorfer Familienunternehmen

Von NNA-Korrespondentin Cornelie Unger-Leistner

WITTEN/HERDECKE (NNA). Die von Finanzproblemen bedrohte Privathochschule Witten-Herdecke hat jetzt eine Alternative zur Übernahme durch andere Träger gefunden: Witten-Herdecke wird als Stiftungsuniversität nach dem Vorbild englischer Privatunis wie Harvard weiterbetrieben. Diesen Beschluss hat das Direktorium unter Vorsitz des Industriellen Dr.  August Oetker in dieser Woche gefasst.

Das Direktorium sehe in der neuen Organisationsstruktur, in der die Hochschule sich selbst gehöre, „die besten Voraussetzungen, die Universität in der Tradition ihrer Gründer und bisherigen Erfolge … weiterzuentwickeln“, heißt es in der Pressemitteilung der Universität.

Möglich wurde diese Lösung durch das finanzielle Engagement einer Unternehmerfamilie aus Düsseldorf, den Inhabern der Droege International Group, die den Weiterbetrieb der ersten deutschen Privatuniversität mit einer Förderung in Höhe von 12 Millionen Euro sicherstellte. Außerdem übertrugen die Direktoriumsmitglieder ihre Gesellschaftsanteile auf die neue UWH-Stiftung, die damit alleiniger Eigentümer der Universität ist.

Dank des Engagement der Droege International Group habe nun das langjährige Bemühen um eine stabiles Geschäftsmodell für die Privatuni Erfolg gehabt, betonte Universitätspräsident Dr.  Wolfgang Glatthaar. Die Universität werde nun ihrerseits die geplanten Umstrukturierungsmaßnahmen zügig umsetzen. Nach Auffassung des Direktoriumsvorsitzenden Oetker erhält die Universität mit der Umwandlung in eine Stiftung ein „stabiles und zukunftssicheres Fundament“.

Der Finanzbedarf, der den weiteren Betrieb der Universität für die nächsten fünf Jahre garantiert, liegt nach Angaben der Hochschule bei rund 20 Millionen Euro. Durch das Engagement der Droege International Group, einer international tätigen Unternehmensberatung, wird knapp mehr als die Hälfte dieses Fehlbetrags aufgebracht. Für den Rest gebe es jetzt „erste Interessenten“, erklärte der Pressesprecher der Universität, Dirk Hans, gegenüber NNA. So sei man hoffnungsvoll, die nächsten fünf Jahre zur Konsolidierung der Universität nutzen zu können.

Das Stiftungskapital beläuft sich nach Angaben der Pressestelle derzeit auf 30 Millionen Euro. Langfristiges Ziel ist die Erhöhung auf 100 bis 200 Millionen. „Traditionsreiche Privatuniversitäten wie Harvard haben dafür 250 Jahre Zeit gehabt,“ erläuterte Hans dazu. Mit den geplanten Restrukturierungsmaßnahmen will die Universität Witten-Herdecke, die im nächsten Jahr ihren 25.Geburtstag feiert, den Kostendruck senken. So sollen sechs Professorenstellen im Bereich Biochemie, die altersbedingt auslaufen, nicht neu besetzt und die Biochemie in die medizinische Fakultät integriert werden.

Geplant sind außerdem eine Verbesserung der internen Abläufe, die konsequente Internationalisierung der Universität sowie der erforderliche weitere Ausbau der medizinischen Fakultät im Bereich der klinischen Grundlagenforschung, wie es im Gutachten des Wissenschaftsrats gefordert worden war. Als neuer Schwerpunkt wird die Versorgungsforschung weiter aufgebaut, die auch vom Land Nordrhein-Westfalen unterstützt wird. Außerdem sollen die Studentenzahlen steigen. Zur Zeit studieren 1200 Studenten in Witten-Herdecke.

Dr.  Hedda im Brahm-Droege, die Miteigentümerin der Droege International Group, begründete ihr Engagement für die Unabhängigkeit der Privatuniversität Witten-Herdecke mit dem neuartigen Ansatz und den Leistungen der Hochschule. „Uns geht es um die Förderung eines innovativen, zukunftsweisenden Hochschulmodells, das den Studierenden gleichrangig die Entwicklung der Persönlichkeit und den Erwerb fachlicher Qualifikationen ermöglicht.“, sagte sie. „Hohe Standards in der Qualität von Lehre und Forschung“ zeichneten das Angebot der Privatuniversität aus. Im Sinne einer umfassenden Bildung solle den Studierenden „der Weg zu Spitzenwissenschaft wie auch zum Ergreifen eigener Verantwortlichkeit in Gesellschaft, Umwelt, Wirtschaft und Wissenschaft“ eröffnet werden.

In den vergangenen Monaten hatte die Privatuni versucht, ihre Probleme durch finanzkräftige Partner zu lösen. So hatte der Gesundheitskonzern SRH mit Sitz in Heidelberg ein Engagement in Witten-Herdecke geprüft und nach Angaben von Pressesprecher Hans der Universität auch ein entsprechendes Angebot gemacht. Auch die Darmstädter Software AG Stiftung war als Finanzpartner im Gespräch gewesen. Die Software AG Stiftung hatte ein Engagement in Witten-Herdecke mit Rücksicht auf ihre anderen Förderschwerpunkte abgelehnt. Diese Bemühungen der Privatuniversität wurden nun durch den Direktoriumsbeschluss zur Stiftungsgründung beendet.

Vor allem bei einer Übernahme der Privatuni durch den Gesundheitskonzern SRH war von Kritikern befürchtet worden, dass die ursprüngliche innovative Ausrichtung der Universität nicht weiterverfolgt werden könne. Der Gründer von Witten-Herdecke, Konrad Schily, hatte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung seinen Rückzug aus den Leitungsgremien Ende vergangenen Jahres bereits mit der zunehmend ökonomischen Ausrichtung der Universität begründet. Schily, der als FDP-Abgeordneter dem Deutschen Bundestag angehört, hatte zusammen mit dem damaligen Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrnhausen, die erste deutsche Privatuniversität ins Leben gerufen.

Von Anfang an hatte die Universität mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Dies verschärfte sich noch durch das kritische Gutachten des Wissenschaftsrats, das 2005 die Medizinerausbildung der Universität und damit ihr innovatives Herzstück in Frage gestellt hatte. Durch strukturelle Veränderungen war es der Hochschule im vergangenen Jahr gelungen, die Bedenken des Wissenschaftsrats außuräumen.

Den besten Beweis für die Leistungsfähigkeit ihrer Ausbildung hatten die Witten-Herdecker Medizinstudenten selbst im laufenden Jahr geliefert: beim zweiten Teil der bundesweit einheitlichen schriftlichen Medizin-Prüfung schnitten sie von allen 36 deutschen Medizinfaktultäten am besten ab. (NNA berichtete)

NNA/end/ung

Bericht-Nr.: 070623-01DE Datum: 23. Juni 2007

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