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Melbourne: Konflikt um Waldorfpädagogik an Staatsschule
MELBOURNE (NNA). Eine staatliche Schule in Melbourne in Australien muss sich jetzt einer unabhängigen Prüfung unterziehen, weil Eltern sich darüber beschwert haben, dass nach einem waldorfpädagogischen Lehrplan unterrichtet wird. Der Unterricht sei zu religiös und lege nicht genug Wert auf Lesen und Schreiben in den ersten Schuljahren. Die ganze Entwicklung in Melbourne erinnert an Bestrebungen in den USA in Kalifornien in den letzten Jahren, wo versucht wurde, durch Gerichtsentscheid Waldorfpädagogik an staatlichen Schulen zu unterbinden. In Melbourne soll jetzt ein Wissenschaftler der Universität eine Evaluation mit dem Ziel durchführen, ob das waldorfpädagogische Programm an der Footscray City Grundschule den staatlichen Richtlinien entspricht. Die Evaluation war Teil einer größer angelegten Überprüfung in diesem Jahr. Nach Berichten der Zeitung „The Australian“ hatte die Regierung des Bundesstaates Victoria die Schulführung der Schule im vergangenen Jahr abgelöst und mit einer Interims-Schulführung die Überprüfung des Lehrplans durchgeführt, nachdem es deswegen zu einer Spaltung in der Elternschaft gekommen war. Die Zeitung zitiert Eltern, die den Lehrplan kritisieren, der sechs Jahre lang den Unterricht bestimmte. Sie bemängelten, er sei zu religiös, gehe von einer Weltsicht aus, die eine Schöpfung zugrunde lege und widme Lesen und Schreiben in den ersten Schuljahren zu wenig Aufmerksamkeit. Rosemary Gentle, Geschäftsführerin der Rudolf Steiner Schulen in Australien, dem Dachverband aller freien Waldorfschulen im Land, meinte dazu gegenüber NNA, es sei eine lokale Auseinandersetzung, die nur eine kleine Gruppe von Familien der Schule betroffen habe. Ihrer Auffassung nach sei das Problem durch die Art und Weise entstanden, wie der waldorfpädagogische Zweig in die staatliche Schule eingeführt worden sei – eine Ansicht, die auch ein Elternteil vertrat. „Die Schule bekam so etwas wie einen Kulturschock und damit wurde nicht angemessen umgegangen,“ sagte Bo Christensen, deren Kind nach Prinzipien der Waldorfpädagogik unterrichtet wurde dem „Australier“. „Es ist wichtig, wahrzunehmen, dass die überwiegende Mehrheit der Eltern in beiden Zweigen der Schule zufrieden ist und dass die Schule insgesamt gut läuft,“ betonte Rosemary Gentle. Waldorfpädagogische Zweige an staatlichen Schulen gibt es in Australien seit 19 Jahren und dies sei das erste Mal, dass es damit Probleme gegeben habe, sagte sie weiter. „Die anderen Beispiele haben sich gut entwickelt und auch an der Footscray Schule haben sich die Anmeldungen verdoppelt, seit wir den waldorfpädagogischen Zweig eingeführt haben. So ähnlich lief es in den anderen Schulen auch ab.“ Im ABC Rundfunk wies John Allman, zuständig für Schülerangelegenheiten im Kultusministerium von Victoria, den Vorwurf zurück, Waldorfpädagogik sei okkultistisch, religiös oder spiritualistisch. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass dies der Fall ist soweit es die staatlichen Schulen in Victoria betrifft,“ sagte Allman. Allman erklärte, dass die Schulführungen auf der lokalen Ebene entscheiden könnten, ob sie alternative Richtungen wie die Waldorfpädagogik als zusätzliche Option einführen. Die einzige Anforderung bestehe darin, dass die alternativen Lehrpläne mit den Vorgaben der Regierung übereinstimmen müssten. „Wir haben keine spezielle Politik der Waldorfpädagogik gegenüber, genauso wenig wie gegenüber jeder anderen Richtung, die ein Schulgemeinschaft für wünschenswert hält.“ Schulen dürfen nach dem australischen Schulgesetz nicht religiös sein. Ein „waldorfpädagogisch beeinflusster Lehrplan“ sei viele Jahre ohne Probleme angewandt worden, fügte er hinzu. „Die Waldorfschulen genießen bei allen australischen Behörden eine hohe Anerkennung“, sagte Rosemarie Gentle. Insgesamt existieren zehn waldorfpädagogische Zweige in Victoria, Süd-Australien und Queensland. Die Auseinandersetzung wurde in dem Jahr ausgetragen, in dem die Waldorfschulen in Australien ihr 50.Jubliäum feiern. Die erste wurde 1957 eröffnet. Heute gibt es 44 unabhängige Waldorfschulen in Australien mit 7000 Schülern, zahlreichen Spielgruppen und Zentren für Frühförderung. End/nna/cva/ung Bericht-Nr.: 070813-02DE Datum: 13. August 2007 © 2007 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ Bund der Waldorfschulen wehrt sich gegen Namensmissbrauch durch NPD-Funktionär
STUTTGART (NNA). Der Bund der Waldorfschulen in Stuttgart hat dem ehemaligen Waldorflehrer und NPD-Funktionär Andreas Molau rechtliche Schritte angedroht, falls er seine Ankündigung auf der Internet-Seite der NPD, ein „Waldorflandschulheim“ zu eröffnen, nicht von der Website nimmt. Der Name „Waldorfschule“ sei rechtlich geschützt und der Bund werde „mit Sicherheit keiner Einrichtung das Namensrecht erteilen, die in irgendeiner Form mit rechtsradikalen Gedankengut assoziiert ist,“ heißt es in der Stellungnahme des Bundes der Waldorfschulen. Dieses Gedankengut widerspreche der Waldorfpädagogik fundamental. Der Bund reagierte damit auf die Ankündigung von Molau, auf einem von ihm erworbenen Gut Johannesberg in Brandenburg ein „Waldorflandschulheim“ ins Leben rufen zu wollen. Molau war als Lehrer an der Waldorfschule in Braunschweig in Niedersachsen tätig gewesen, die ihm 2004 gekündigt hatte, nachdem seine Verbindung zur NPD offenbar wurde (NNA berichtete). Einem Bericht der Tageschau-Website zufolge hat Molau außerdem vor, im Zusammenhang mit der beabsichtigten Schulgründung „Zusammenhänge zwischen völkischer NPD-Ideologie und den Lehren von Anthroposophie-Begründer Rudolf Steiner“ darzulegen. Laut Tageschau-Website ist er der Spitzenkandidat der NPD bei der Landtagswahl nächstes Jahr in Niedersachsen. Im NPD-Landesvorstand ist er für das Thema Bildung zuständig. End/nna/ung Bericht-Nr.: 070813-01DE Datum: 13. August 2007 © 2007 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ |
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