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Das Wunder von WienMit einem ungewöhnlichen Vorgehen schaffte die Anthroposophische Landesgesellschaft in Österreich den Generationswechsel in ihrem Vorstand Von NNA-Korrespondentin Cornelie Unger-Leistner WIEN/NEUDÖRFEL (NNA). „Es wurde gesagt: Jetzt gehen alle Jüngeren – das waren wir, die unter 50jährigen – in die Bibliothek und überlegen sich, wie es mit der Landesgesellschaft weitergeht. Wir waren dann da in dem Raum und haben uns angeschaut, zehn Minuten hat es gedauert und dann entstand bei uns der Eindruck: mit denen könnte es gehen. Dann haben wir beschlossen, uns noch einmal zu treffen. Das war der Anfang von allem, sozusagen die Schlüsselßene.“ Der beschriebene Vorgang endete damit, dass die sechs „jüngeren“ Personen aus der Bibliothek in der Tilgnerstraße in Wien jetzt seit März 2006 den Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft in Österreich bilden. Was Wolfgang Tomaschitz im Gespräch mit NNA beschreibt, ist innerhalb der anthroposophischen Bewegung in Europa ein kleines Wunder. Hat doch die Anthroposophischen Gesellschaft fast überall dasselbe Problem: die Mitglieder ihrer Zweige sind meist ältere Herrschaften und jüngere Leute lassen sich zwar auf ihren Veranstaltungen blicken, wenn es aber um die Anthroposophische Gesellschaft selbst und ihre Zukunft geht, dann winken sie eher ab. Zu wenig anziehend ist das Erscheinungsbild der Gesellschaft nach außen, das stark geprägt ist von den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, ihren Formen, ihrer Ästhetik und ihren Umgangsformen. Und so droht der Anthroposophischen Gesellschaft irgendwann vermutlich das Aussterben, wenn es nicht gelingt, jüngere Menschen für ihre Arbeit zu gewinnen. Auch Wolfgang Schaffer gehört zur Personengruppe, die sich in der Bibliothek traf. Er berichtet weiter: „Das war der Beginn eines Prozesses, wir wollten uns wieder sehen als Gruppe und hatten die Kraft und die Spontaneität, etwas außumachen. So ist zwischen uns das Vertrauen gewachsen und wir konnten uns immer mehr vorstellen, die Verantwortung gemeinsam zu übernehmen.“ Sein Kollege Hubert Radauer ergänzt: „Vorher hatten wir uns so noch nicht gesehen, einige habe ich gar nicht gekannt.“ Eingeladen zu dem Treffen hatte der alte Vorstand, der seinen Mitgliedern deutlich gemacht hatte, dass er nur noch drei Jahre zur Verfügung stehen würde. Diese Zeit sollte ausreichen, um einen Neuanfang auf den Weg zu bringen. Als aber alle Sondierungsgespräche wegen neuer Kandidaten nichts erbrachten, einigte man sich auf ein ungewöhnliches Verfahren. In einem Brainstorming wurden alle Personen auf ein Blatt geschrieben, die man sich in oder um den neuen Vorstand herum vorstellen konnte und zu einem Treffen eingeladen. So kam es zu der oben beschriebenen „Schlüsselßene“. Entscheidend bei dem Prozess war wohl auch, dass der alte Vorstand wirklich bereit war, die Verantwortung voll und ganz zu übergeben. „Da gab es keine Sesselkleberei, auch keine Teilvariante, wie das ja oft ist, dass ein Teil bleibt, ein Teil neu dazukommt. Es war eine selten geschlossene Übergabe“, betont Wolfang Tomaschitz. Im Mitarbeiterbrief und auf der Jahrestagung wurden die Kandidaten dann den Mitgliedern vorgestellt, seit März vergangenen Jahres ist der neue Vorstand jetzt im Amt. Neben Wolfgang Schaffer, Hubert Radauer und Wolfgang Tomaschitz gehören ihm noch Andrea Heilemann, Gerhard Anger und Siegfried Beck an. Ursula Gruber, die ursprünglich mit dabei war, wurde in die Leitung der Sektion für Bildende Künste am Goetheanum in Dornach abberufen. Um 25 Jahre ging das Durchschnittsalter des Vorstands durch den Wechsel nach unten, jetzt reicht die Altersspanne von kurz unter vierzig bis knapp über 50 Jahre. Und von den Qualifikationen bildet die Gruppe eine breit gefächerte Palette, es finden sich Berufe aus der Wirtschaft, dem Handwerk und der Politik. Zwei der Mitglieder sind Lehrer. Wie sehen die Vorstandmitglieder nun nach mehr als einem Jahr ihren Entschluss und was hat sich seither in der Gesellschaft geändert? Gerhard Anger: „Wir haben zwar noch allen Schwung vom Anfang, aber man kann schon sagen, dass es jetzt reflektierter ist.“Vor allem zeigte sich, dass der Zeitaufwand für die Vorstandsarbeit wesentlich höher ist, als zunächst angenommen. „Wir schöpfen alle Zeitreserven aus,“ sagt Hubert Radauer. „Verwandeln wollen wir, nicht verändern,“ betont Wolfgang Schaffer. Und so sieht das Leitbild aus, wie der neue Vorstand sich die anthroposophische Gesellschaft der Zukunft vorstellt: als eine lernende, eine übende Gesellschaft sollen die Anthroposophen in der Öffentlichkeit erscheinen. Als ein Projekt dazu dient die Entwicklung eines Curriculums Meditation, das auf den Weg gebracht wurde. Es soll möglicherweise auch als Baustein in verschiedene Ausbildungsgänge eingebracht werden. Vorstandsmitglied Siegfried Beck: „Unser Vorbild war in Holland Ron Dunselmann mit seiner Meditationswerkstatt, da gibt es Kurse. Das ist keine Gruppenmeditation, sondern man bekommt eine Anleitung von Menschen, die mit dem Meditieren Erfahrung haben. Das ist in Holland sehr erfolgreich. Wenn ich was wissen will über Meditation, dann gehe ich zu den Anthroposophen.“ Erst habe es Bedenken gegeben, fügt Wolfgang Tomaschitz hinzu, aber jetzt gebe es ein reges Interesse an der Curriculum-Gruppe. Etwa 40 Personen wirkten mit. „Viele pflegen die Meditation, aber es gibt wenig Austausch darüber. Für die Mitglieder ist es eben Neuland, hier etwas kundzutun,“ ergänzt Hubert Randauer. Anthroposophie in den Institutionen und der Kontakt zur Gesellschaft ist ein weiteres Schwerpunktthema, das der neue Vorstand sich vorgenommen hat. Dabei ist eine Besonderheit zu vermerken, anders als in anderen Ländern sind die Zweige in Österreich eigene Vereine und keine Untergliederungen der Landesgesellschaft. „So können wir sie immer nur überzeugen von dem, was wir machen wollen, andere Mittel haben wir nicht,“ betont Wolfgang Schaffer. Ein Mittel dazu sind gemeinsame Seminare oder Tagungen wie zum Beispiel die Tagung „Die Rhythmen des Grundsteins,“ die Anfang August in Neudörfel, einem der Kindheitsorte von Rudolf Steiner stattfand. Die Gemeinde dieses kleinen Ortes im Burgenland unterhält dort ein Seminarzentrum, das sie nach Rudolf Steiner benannt hat. Bei dieser Gelegenheit fand auch das Interview mit NNA statt. Mit den anthroposophischen Einrichtungen in gemeinsame Projekte zu kommen, ist ein wichtiger Punkt der Vorstandsarbeit, um „ein Auseinanderdriften von Einrichtungen und Gesellschaft zu verhindern. Wolfgang Tomaschitz sieht außerdem eine große Aufgabe in der weiteren Verjüngung der Gesellschaft: „Es muss uns gelingen, weitere Menschen anzusprechen.“ Hier sind auch die zivilgesellschaftlichen Aktivitäten in Österreich ein wichtiges Aktionsfeld aus der Sicht des neuen Vorstandes. Die Szene formiere sich und es gelte zu zeigen, „dass auch die Anthroposophen ihre Ideen haben.“ Als gelungenes Beispiel wurde eine Veranstaltung zum bedingungslosen Grundeinkommen genannt. Eine Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit steht auch auf der Agenda der Sechser-Gruppe. „Dass wir wahrnehmbar werden und dass man uns auch findet, darauf wollen wir hinaus,“ meint Wolfgang Schaffer. Ein erster Schritt dazu war das neue Veranstaltungsblatt mit dem Titel „Wegweiser“, das alle anthroposophischen Aktivitäten in Wien und Umgebung enthält. Verantwortlich dafür ist Michæl Skorepa. Die Kontakte zur Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft nach Dornach pflegt nach wie vor Generalsekretär Helmut Goldmann. Er war es auch, der den Generationswechsel mit in die Wege geleitet hat. Nun kann er zufrieden auf das erste Jahr mit der neuen Besetzung zurückblicken. „Was uns vor allem überzeugt hat, was an dieser neuen Gemeinschaft so evident war, war ihre Art zusammenzuarbeiten, ihre Art, ohne Eitelkeiten und Überschätzungen die Aufgaben einer neuen Gemeinschaftsbildung in unserer Gesellschaft ins Auge zu fassen,“ sagte Goldmann dazu in einem Interview mit der Wochenschrift „Das Goetheanum“. End/nna/ung Links: www.anthroposophie.or.at, Wegweiser: waldorfbote@skorepa.de Bericht-Nr.: 070907-02DE Datum: 7. September 2007 © 2007 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ Emerson College: Dem Wandel der Zeit Rechnung tragenTraditionsreiche Bildungsstätte in Großbritannien konnte Abwärtstrend stoppen – Neue Leitungspersönlichkeit soll Raum für Dialog mit der Außenwelt schaffen Von Christian von Arnim FOREST ROW (NNA). Emerson College ist ein internationales Zentrum der Erwachsenenbildung auf der Basis der Pädagogik von Rudolf Steiner. Es liegt in der idyllischen Hügellandschaft im ländlichen südenglischen Distrikt Sussex und bietet Studenten aller Altersstufen und aus vielen Ländern der Welt Ausbildungen. Vertreten sind Waldorfpädagogik, biologisch-dynamischer Landwirtschaft, Bildende Kunst, Bildhauerei, Erzählkunst, Kreatives Schreiben, Englisch und Puppenspiel, außerdem gibt es ein Orientierungsjahr für 18 bis 24jährige junge Erwachsene. In der letzten Zeit war die Situation im College jedoch längst nicht so idyllisch, wie die Landschaft umher es vermuten ließe. Managementfehler, Konflikte im Kollegium und eine steigende Verschuldung zeigten, dass es Emerson College immer schwerer fiel, effektiv zu arbeiten. Zwar bestand dank einer soliden Grundausstattung mit Vermögen keine Gefahr, dass die Einrichtung in ihrer Existenz bedroht würde, andererseits war aber auch klar, dass es so nicht lange weitergehen konnte. Auf eine Art und Weise, wie sie symptomatisch ist auch für andere anthroposophische Einrichtungen in der jüngsten Zeit hatte das College sein Leitbild verloren und benötigte dringend eine neue Zielrichtung, um seine internen Strukturen zu erneuern und sein Selbstverständnis und seine Verbindungen zur Außenwelt neu zu definieren. Als ein Teil des Kollegiums das College verließ und das College schließlich vor zwei Jahren davon überzeugt werden konnte, ein externes Beratergremium zu akzeptieren, das vor einem Jahr seine Arbeit aufnahm, kam ein Prozess in Gang, der die Abwärtsspirale in der Einrichtung wirkungsvoll unterbrach. Ein neues Kollegium und eine neue Verwaltung wurden eingestellt und wie John Thomson, ein früherer Lehrer des Colleges, nun im Ruhestand, bemerkte: „Jetzt gibt es eine ganz andere Atmosphäre, eine richtig positive Atmosphäre im College.“ Thomson hatte das externe Beratergremium mit ins Leben gerufen und gehört ihm auch selbst an. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Wandels am Emerson College war, so Thomson, eine komplette Neudefinition der Rolle, die das College und seine Aufgaben heute in der Welt darstellen. „Wie engagiert es sich – als eine repräsentative Einrichtung der Anthroposophie in der Welt, so wie sie heute ist – das war die Frage.“ Auf der letzten Stufe des Erneuerungsprozesses wird nun eine Persönlichkeit gesucht, die eine – wie es heißt – „Führungsrolle“ bei der Aufgabe übernehmen wird, Emerson College in die nächste Etappe seiner Entwicklung zu führen. Was dieses – zunächst etwas nebulös klingendes Konzept – praktisch meint, beschreibt Emerson College in der Ausschreibung der Stelle: „Als Teil dieser Entwicklung beinhaltet die Führungsrolle auch, sich mit anderen Einrichtungen und Organisationen, deren Ziele mit denen des Colleges übereinstimmen, zu vernetzen und sich so auch mit einer größeren und globalen Gemeinschaft zu verbinden.“ Außerdem komme es grundlegend darauf an, im College selbst erfolgreich im Team zusammenzuarbeiten. Eine Art Supergeschäftsführer für das College also? Gewissermaßen, meint John Thomson, aber tatsächlich beinhalte die Rolle mehr, es gehe darum, den Raum zu schaffen, in dem sich das College nach innen und außen dauerhaft entwickeln könne. Thomson hebt hervor, dass das College keine charismatische Führungsperson sucht, der jedem sage, was er zu tun habe, sondern jemand, der „die dort arbeitenden Personen befähigt, ihre eigenen Führungsqualitäten zu entwickeln,“ und der die Arbeit der verschiedenen Gruppen innerhalb der Institution integrieren und sie so nach außen darstellen kann, „dass sie zeitgemäß ist und sich mit den gewaltigen Problemen verbindet, vor denen die Gesellschaft heute steht“. In der Pressemitteilung über die Stelle schreibt Emerson College, diese Führungsposition sei eine „Gelegenheit für jemand, der seine Aufgabe darin sehe, Anthroposophie darzustellen als wirkliche Antwort auf die spirituellen, sozialen und wissenschaftlichen Fragen sowie die Bildungserfordernisse des 21.Jahrhunderts.“ Diese Formulierung kann aber auch genauso gut dazu dienen, eine präzise Zusammenfassung des neuen Leitbilds von Emerson College zu geben, wie es für die nächste Stufe seiner Entwicklung erforderlich ist. End/NNA/cva/ung Emerson College: Tel.: +44 (0)1342-822238, Fax: +44 (0)1342-826055, E-mail: mail@emerson.org.uk, Internet: www.emerson.org.uk Bericht-Nr.: 070907-01DE Datum: 7. September 2007 © 2007 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ |
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