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Mon, 01 Oct 2007

Bundesprüfstelle bestätigt: Bekannte Steiner-Gegner brachten das Indizierungsverfahren in Gang

BERLIN (NNA). Das Bundesfamilienministerium hat den Vorwurf zurückgewiesen, das Ministerium habe sich im Verfahren um die Indizierung von zwei Büchern von Rudolf Steiner bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien von öffentlich bekannten Gegnern von Anthroposophie und Waldorfpädagogik für deren Zwecke benutzen lassen.

Die Bundesprüfstelle hatte vor kurzem entschieden, dass zwei Bücher von Steiner nur noch mit Kommentar erscheinen dürfen, da sie Stellen mit rassistischen Elementen enthalten. (NNA berichtete)

Entsprechend dem gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren habe es lediglich eine „Plausibilitätsprüfung“ gegeben, als die Anträge hinsichtlich der Indizierung eingegangen seien. Dabei sei auch nicht ausschlaggebend, wer diese Anträge stelle, erklärte ein Sprecher des Ministeriums gegenüber NNA. Für das Verfahren sei es „gleichgültig, aus welcher Ecke die Anträge kommen“. Mit der Weiterleitung der Anträge einzelner Bürger an die Bundesprüfstelle sei „keinerlei inhaltliche Wertung von Seiten des Ministeriums“ verbunden gewesen.

Das Ministerium stellte auch klar, dass es keine Gutachten des Bundesfamilienministeriums zur Frage gegeben habe, ob denen bei der Bundesprüfstelle eingereichten Schriften von Rudolf Steiner der Vorwurf der Rassendiskriminierung gemacht werden kann. Entsprechende Presseberichte wurden damit zurückgewiesen.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen in Berlin hatte in einer Veröffentlichung darauf hingewiesen, dass es keinesfalls „besorgte Bürger“ gewesen seien, die das Verfahren bei der Bundesprüfstelle in Gang gebracht hätten, sondern in der Öffentlichkeit bekannte Gegner von Anthroposophie und Waldorfpädagogik. Sie hätten dem Ministerium auch die Gutachten für die Bundsprüfstelle geliefert.

Die Bundesprüfstelle hat jetzt auf Anfrage von NNA bestätigt, dass es die von der Landesarbeitsgemeinschaft genannten Personen, Andreas Lichte und Jana Husmann-Kastein gewesen seien, die den Antrag auf Indizierung beim Bundesfamilienministerium gestellt hätten. Dem Antrag seien zwei Gutachten beigefügt gewesen, eines von Husmann-Kastein und eines von Andreas Lichte. Ob die Verfasser die Gutachten dem Ministerium eingereicht hätten oder ob dies von anderer Seite erfolgt sei, sei der Bundesprüfstelle nicht bekannt. Entscheidend sei, dass die Prüfstelle nur auf Antrag von Behörden tätig werden könne.

Im Gespräch mit NNA ergänzte die stellvertretende Leiterin der Prüfstelle, Petra Meier, die Bundesprüfstelle befasse sich nie mit den Hintergründen der gestellten Anträge. Im Verfahren habe außerdem ein Gutachten vorgelegen, das der betroffene Verlag eingereicht hatte.

Die beiden Antragsteller Andreas Lichte und Jana Husmann-Kastein sind in der Öffentlichkeit bereits mehrfach als dezidierte Waldorf- und Steiner-Gegner aufgetreten z.B. bei einer Tagung der Humboldt-Universität im Juli 2006. Dabei geht es ihnen stets darum, nachzuweisen, dass in der Anthroposophie von Rudolf Steiner eine Rassentheorie enthalten sei und diese durch die Hintertür auch Eingang in die Waldorfpädagogik finde.

Im Februar desselben Jahres war von den beiden Steiner-Gegnern versucht worden, eine ähnliche Tagung im Rahmen der Evangelischen Kirche in Berlin zustande zu bringen in Zusammenarbeit mit den Sektenbeauftragten der Evangelischen Kirche, Gandow. Redner der Waldorfschulbewegung waren dazu nicht eingeladen worden.

Die Evangelische Kirche in Berlin hatte sich von diesem Vorhaben distanziert. Die Berliner Pröpstin Friederike von Kirchbach hatte eine „differenzierte Auseinandersetzung“ mit der Anthroposophie gefordert.

Bereits kurz nach der Entscheidung der Jury der Bundesprüfstelle, dass die beiden Werke von Rudolf Steiner „Geisteswissenschaftliche Menschenkunde“ und „Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie“ nur noch kommentiert erscheinen dürfen, waren die Argumente aus den Gutachten von Husmann-Kastein und Lichte von überregionalen Medien in Deutschland veröffentlicht worden.

End/nna/ung

Bericht-Nr.: 071001-02DE Datum: 1. Oktober 2007

© 2007 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

Organisationen der Waldorfpädagogik: Anthroposophie ist das Gegenteil von Rassismus

STUTTGART /BERLIN (NNA). Die Individualität jedes einzelnen Menschen ist die Grundlage von Anthroposophie und Waldorfpädagogik, die jeglicher Form von Rassismus den Boden entzieht. Dies haben die überregionalen Vereinigungen der Waldorfpädagogik anlässlich des Indizierungsverfahrens von Schriften von Rudolf Steiner vor der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien betont.

Das Indizierungsverfahren sei eine „geschickte Kampagne“ von Gegnern der Anthroposophie, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der „Freunde der Erziehungskunst“, der internationalen Vereinigung für Waldorfpädagogik. Es sei eine „schockierende Tatsache“, dass gerade die überregionalen Medien den Vorgang „pünktlich zur Sommerpause“ zu einer pauschal negativen Berichterstattung genutzt hätten. Die Bundesprüfstelle hatte einzelne Stellen in zwei Schriften von Rudolf Steiner beanstandet, weil sie „rassistische Elemente“ enthielten und vom Verlag eine Kommentierung verlangt. (NNA berichtete)

Wer nur einen einzigen der geprüften Vorträge von Rudolf Steiner von Anfang bis Ende lese, werde feststellen können, dass die Anthroposophie „das Gegenteil einer rassistischen Weltanschauung ist“, schreiben die „Freunde der Erziehungskunst“ weiter. Auch der Bund der Waldorfschulen in Stuttgart stellte klar, die Erziehung im Sinne der Waldorfpädagogik lasse „keinen Raum dafür, Menschen nach ihrer Abstammung oder Herkunft zu beurteilen, zu bewerten“ oder in einer sonstigen Art und Weise herabzusetzen. Ganz im Gegenteil dazu gehe es den Waldorfschulen darum, die Voraussetzungen für eine Gesellschaft zu schaffen, in der Menschen gleich welcher Hautfarbe oder ethnischer oder kultureller Zugehörigkeit solidarisch zusammenlebten.

Rund 1000 Waldorfschulen und 2000 Waldorfkindergärten arbeiteten in 60 Ländern der Welt auf dieser Grundlage, so die „Freunde der Erziehungskunst“. Sie stünden Kindern jeder sozialen, religiösen und kulturellen Herkunft vorbehaltlos offen. Viele Waldorfschulen seien hinsichtlich der Verständigung der Kulturen in ihrem unmittelbaren Umfeld Vorreiter wie in den südamerikanischen Favelas, in den Townships in Afrika oder auch in Isræl mit jüdisch-arabischen Gemeinschaftsprojekten. In vielen autoritären Ländern komme ihnen eine Pionierrolle bei einer am Kind orientierten Pädagogik zu. Waldorflehrer aus allen Kontinenten tauschten in regelmäßigen internationalen Konferenzen regelmäßig ihre Erfahrungen aus.

In ihrer Pressemitteilung setzen sich die „Freunde der Erziehungskunst“ kritisch mit dem Rassismusvorwurf auseinander. Es gebe Unterschiede zwischen den Menschen und den Völkern, die in den Kulturkreisen und Mentalitäten begründet lägen. Wer dies leugne, nehme Lebenstatsachen nicht zur Kenntnis. Der Rassismus beginne dort, wo man „Unterschiede wertet und verfolgt“ und wo man „Menschen auf diese Unterschiede festlegt.“ Rudolf Steiner habe in den beanstandeten Schriften auf „Wesensmerkmale der Völker hingewiesen“, aber er habe auch immer wieder betont, dass der einzelne Mensch über diese Merkmale hinausreiche, weil er „ein geistiges Wesen“ sei.

End/nna/ung

Bericht-Nr.: 071001-01DE Datum: 1. Oktober 2007

© 2007 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

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