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Tue, 27 Nov 2007

Am Anfang stand der Transport von Kühen in die Wüste

Zusammenarbeit zwischen SEKEM und der GLS-Bank erreicht mit dem grünen SEKEM Fonds eine neue Stufe - Ibrahim Abouleish erläutert Projekt in Stuttgart

Von NNA-Korrespondent Adrian Wagner

STUTTGART (NNA). Ganz „konkret angeklopft“ habe er, so Ibrahim Abouleish, im Jahr 1977 bei der GLS Bank. Es ging um die Finanzierung des Transports von Kühen aus dem Allgäu in die ägyptische Wüste. Schon damals unterstützte die „Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“ (GLS) in Bochum die Vision des Dr.  Ibrahim Abouleish, seines Zeichens Träger des Alternativen Nobelpreises.

Damals war noch nicht absehbar, dass sich aus diesem Kuhtransport und dem unbeugsamen Willen des heute siebzigjährigen Ibrahim Abouleish ein erfolgreiches, international agierendes Unternehmen entwickeln würde, das nicht nur sozial und ökologisch verantwortungsbewusst wirtschaftet, sondern auch Ägypten nachhaltig verändert. Heute beschäftigt SEKEM in der Nähe von Kairo 1800 Mitarbeiter und ist Ägyptens Marktführer für biologisch-dynamische Lebensmitteln, Textilien und pflanzliche Heilmittel.

Am 19. November stellten GLS Bank und Dr.  Abouleish nun in der Stuttgarter Liederhalle den nächsten Entwicklungsschritt ihrer Zusammenarbeit vor: den GLS SEKEM Fonds, der im September aufgelegt wurde. Für die dringend notwendige Expansion der SEKEM-Gruppe soll ein Darlehen von fünf Millionen Euro bereitgestellt werden. Mit einer Mindesteinlage von 5000 Euro bei einer Mindestlaufzeit von fünf Jahren kann jeder das Projekt mittragen. Neben einer jährlichen Ausschüttung von 6,2 Prozent bietet der Fonds vor allem eine inhaltlich sinnvolle Geldanlage. Bei einer Wachstumsrate von 24 Prozent stehen die Chancen für eine fortlaufende Erfolgsgeschichte SEKEMS gut.

Da die Nachfrage nach SEKEM Produkten kontinuierlich zunimmt, sind Investitionen nötig, um die Produktionskapazitäten zu erhöhen und deutliche Effizienzsteigerungen zu erreichen. Mit dem Geld der Anleger werden die Flächen des ökologischen Landbaus ausgebaut und die Erweiterung und Erneuerung der Fertigungsanlagen finanziert.

Im voll besetzten Saal der Liederhalle erläuterte Dr.  Abouleish, promovierter Pharmakologe und 2003 für sein Engagement mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, wie sich SEKEM seit dem Kauf 1977 eines Stück Wüstenlandes 60 Kilometer entfernt von Kairo zu einem florierenden Unternehmen entwickelt hat. Dr.  Abouleish hatte ein klares Ziel: er wollte mit biologisch-dynamischer Landwirtschaft gesunde Produkte herstellen und gleichzeitig Verantwortung für die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in Ägypten übernehmen. Der Weg von SEKEM zu einem modernen, ethisch-ökologischen Nahrungsmittel- und Gesundheitskonzern ist beispielhaft.

SEKEM gehören heute fünf bio-dynamisch wirtschaftende Farmen mit rund 220 Hektar Fläche, mehrere Verarbeitungsbetriebe, ein Naturarzneimittelbetrieb, ein Kinderkleidungsbetrieb und viele soziale Einrichtungen an. Auch auf dem deutschen Markt ist SEKEM erfolgreich. Produkte aus Ägypten sind nach der Verarbeitung im Rapunzel-Sesam, Alnatura-Kräutertee oder als Kinderbekleidung der Marke Alana in dm-Drogeriemärkten zu finden.

Die 1800 Mitarbeiter und zahlreiche Bauern, die ihre Äcker für SEKEM biologisch-dynamisch bewirtschaften, finden sowohl ein geregeltes Einkommen als auch die Möglichkeit zur eigenen Fortbildung und einer Schul- sowie Ausbildung für ihre Kinder. Die Gewinne der SEKEM Gruppe werden neben den Investitionen in die Unternehmen vor allem in soziale Einrichtungen und in Bildung angelegt. Dazu gehören der SEKEM Kindergarten, eine Schule, ein berufsbildendes Zentrum, eine Akademie für angewande Landwirtschaft, Pharmazie und Landwirtschaft, ein Zentrum für heilpädagogische Betreuung und ein Theater. Auch Programme für Menschenrechte und Straßenkinder sowie ein Medizinzentrum wurden durch die SEKEM Development Foundation ermöglicht. So stellt sie einen Enwicklungsmotor dar, der Ägypten Schritt für Schritt nachhaltig verändert.

Eine Akademie für Wissenschaften und Kunst, die in den Bereichen Architektur, Medizin, Pharmazie und Landwirtschaft forscht, liefert wichtige Impulse, um das Fachwissen zu vertiefen und SEKEM wachsen zu lassen. „Es gibt keinen Minister, der seine Gäste nicht erst einmal zu uns schickt“, stellte Dr.  Abouleish nicht ohne Stolz fest.

Um die wirtschaftliche und partnerschaftliche Bedeutung des neuen Fonds zu unterstreichen, nahm an dem Pressegespräch auch der Handelsattaché der ägyptischen Botschaft, Sherif Younis aus Berlin teil. Bürgermeister Klaus-Peter Murawski zeigte sich erfreut über den Besuch von Ibrahim Abouleish in Stuttgart, das seit fast 30 Jahren eine Städtepartnerschaft mit Kairo pflegt. Die kommunale Zusammenarbeit, auch im Hinblick auf die Milleniumßiele der Vereinten Nationen (Umweltschutz, Gleichberechtigung, Kampf gegen Armut und Hunger, Bildung für alle), sind Murawski besonders wichtig. Der Bürgermeister hob zudem das grundsätzliche Engagement der GLS-Bank im Bereich des ethisch-ökologischen Bankings seit 1974 hervor.

Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS-Bank, führte aus, dass andere Banken Geld oft „wertelos“ im anonymen Kapitalmarkt anlegen. Mit dem GLS SEKEM Fonds sei dies nicht der Fall. Mehrere Male waren Vertreter der GLS Bank vor Ort, um Überprüfungen vorzunehmen und Formalitäten zu klären. Mit dem GLS SEKEM Fonds ist es laut Jorberg möglich, „eine Geldanlage zu tätigen, bei der das innere Interesse mitgehen kann.“ Auch seine Hochachtung für das, was in Ägypten schon geleistet wurde, und den Respekt für das, was noch kommen soll, brachte der Vorstandssprecher zum Ausdruck.

„Die Nachfrage nach ökologisch einwandfreien Produkten steigt kontinuierlich,“ so Jorberg. „Daher sieht die GLS Bank für das SEKEM-Unternehmen auch ein hohes Wachstumspotenzial.“

Dass ökologisch und ethisch verantwortungsvolle Geldanlagen im Trend liegen, beweisen die Zahlen. Laut des Dortmunder Branchendienstes Ecoreporter wuchs der Markt für nachhaltige und ethische Fonds allein im ersten Halbjahr 2007 um fast 50 Prozent. Waren es vor zehn Jahren nur 220 Millionen in den damals zwölf nachhaltigen Fonds, so sind es heute bereits 19,1 Milliarden Euro. Die GLS Bank kann auf langjährige Erfahrung in der ethisch-ökologischen Geldanlage blicken, da sie bereits seit 1974 in diesem Bereich tätig ist. Von der GLS Bank und ihren Schwestergesellschaften werden mehr als 55.000 Kunden betreut.

Die auf der Anlageseite eingesammelten Gelder werden ausschließlich sozial, nachhaltig und ökologisch verwendet. Wichtigster Grundsatz ist ein verantwortungsbewusster Umgang mit Geld, durch den Mensch und Natur gewinnen. Die über 4000 Projekte sind in den Bereichen ökologische Landwirtschaft, regenerative Energien, Naturkosthandel, Reformpädagogik, Baufinanzierung oder alternative Wohnformen angesiedelt.

Am Ende der Veranstaltung beantwortete Ibrahim Abouleish unter der Moderation des neuen Filialleiters der GLS Bank Stuttgart und Freiburg, Wilfried Münch, Fragen aus dem Publikum. Die geplante SEKEM-Universität, so Abouleish, sei „SEKEM hoch 10“. Seit sieben Jahren arbeite er bereits an der Umsetzung der Idee. Die Universität wird voraussichtlich 2008 für die ersten Studenten ihre Türen öffnen. Ein von der EU unterstütztes Projekt wurde ins Leben gerufen, um Professoren im interaktiven Umgang mit Studenten zu schulen. Gerade die praktische Orientierung und die aktive Einbindung in den Dialog zwischen Studenten, Wirtschaft und Projekten vor Ort soll junge Menschen befähigen, nicht nur Ideen zu entwickeln, sondern ihnen auch das Handwerkßeug vermitteln, um diese umzusetzen.

End/nna/wag/ung

Bericht-Nr.: 071127-03DE Datum: 27. November 2007

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Alanus-Handelsfachwirte: Mehr Erfolg in der IHK-Prüfung durch Einbeziehung von Kunst und Kulturwissen

ALFTER (NNA). Bei der Industrie- und Handelskammer Bonn haben jetzt zum ersten Mal zwölf Teilnehmer eines Vorbereitungskurses an der Alanus-Hochschule in Alfter ihre Prüfung zum Handelsfachwirt bestanden, die als „Meisterprüfung“ im Handel gilt. Obwohl an der Hochschule nicht nur das von der IHK geforderte Prüfungswissen vermittelt worden sei, lag die Erfolgsquote weit über dem vergleichbarer Kurse, teilte die Alanus Hochschule mit.

Denn auch bei diesem Kurs für die Handelsfachwirte galt das allgemeine Prinzip der Alanus Hochschule, Kunstpraxis und kulturwissenschaftliche Aspekte einzubeziehen und dadurch die Persönlichkeitsentwicklung der Teilnehmer zu fördern.

Während der letzten fünfzehn Monate wurden die Handelsfachwirte parallel zur Berufstätigkeit– alle arbeiten für die Drogerie-Kette dm – an der Alanus Hochschule in Alfter auf die Prüfung vorbereitet. In zehn Blockwochen lernten sie Handelsmarketing, Unternehmensführung, Beschaffung und Logistik sowie Volkswirtschaftslehre.

Abends wurden dann alternative Ansätze des Wirtschaftens das Thema Ethik in der Wirtschaft diskutiert. Dozenten aus der Praxis sollten zudem den Brückenschlag zwischen der Theorie und dem Arbeitsalltag herstellen. Im September haben zwei weitere Handelsfachwirt-Kurse in Alfter begonnen, für 2008 sind bereits drei neue Kurse geplant.

End/nna/ung

Bericht-Nr.: 071127-02DE Datum: 27. November 2007

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Anthroposophie als „Wissenschaft des freien Menschen“

Deutsche anthroposophische Gesellschaft weist Vorwürfe des Rassismus oder der Ausgrenzung von Menschengruppen im Werk von Rudolf Steiner zurück

STUTTGART (NNA). Bei der Anthroposophie Rudolf Steiners handelt es sich um eine Weltanschauung, die auf einer „humanen Wissenschaft des freien Menschen“ basiert. Jeder Rassismus oder jede Ausgrenzung von Menschengruppen seien dieser Weltanschauung fremd, schreibt die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland in einer Pressemitteilung. Mit dieser Veröffentlichung hat sich die Gesellschaft erstmals in die Auseinandersetzung um einzelne Passagen im Werk Rudolf Steiners eingeschaltet, die nach heutigem Verständnis für andere Völker diskriminierend wirken können.

Bekannte Gegner von Anthroposophie und Waldorfpädagogik hatten ein Verfahren bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in Berlin wegen dieser Passagen in Gang gebracht und damit einseitige Darstellungen des Themas in wichtigen deutschen Medien erreicht, bei denen die Position der Gesellschaft nicht einbezogen wurde.

Steiners Ziel sei gerade die Überwindung der Unfreiheit und der Grenzen gewesen, die aus Definitionen von Gruppenhaftigkeit und Rassenzugehörigkeit entstehen, stellt die Anthroposophische Gesellschaft nun klar. Denn Anthroposophie frage nach den historischen und gegenwärtigen Entwicklungsbedingungen der menschlichen Individualität. Diese „Verpflichtung gegenüber dem freien Menschen“ im Werk Steiners werde auch durch die Praxis der Anthroposophie in verschiedensten Einrichtungen in Pädagogik, Therapie und Forschung sowie deren Zusammenarbeit dokumentiert.

Die von Rudolf Steiner am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts benutzten Formulierungen seien dabei „selbstverständlich zeitgebunden“ und im heutigen Sprachempfinden könne „an einigen Stellen der Eindruck einer rassebezogenen Ausdrucksform entstehen“, betont die Gesellschaft. Eine „ernsthafte Prüfung“ des Inhalts sowie des Zusammenhangs werde aber „eine gegenteilige Intention erkennbar machen.“

End/nna/ung

Bericht-Nr.: 071127-01DE Datum: 27. November 2007

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