. . . Nachrichten für eine andere Welt Suche Nachrichtenarchiv
   

NNA
ist eine internationale Nachrichtenagentur, die Nachrichten und Ereignisse verbreitet und kommentiert aus einer Perspektive des Geistes und die sich um ein spirituelles Verständnis bemüht, das mit der Entwicklung neuer Paradigmen auf allen Lebensgebieten verbunden ist – sei es im Aktuellen, in Politik und Gesellschaft, in der Zivilgesellschaft, in Ökologie, Erziehung, Wirtschaft, Landwirtschaft, Kunst und Wissenschaft.


English site

   




Mon, 14 Apr 2008

Hilfe für Afrika ist nur durch nachhaltige und persönliche Projekte möglich

Verein „Avenir“ stellt in Stuttgart sein Togo-Projekt vor – Erfolg mit Export getrockneter Ananas nach Europa – Vor allem afrikanische Frauen sind aktiv

Von NNA-Korrespondent Bernhard Steiner

STUTTGART (NNA). Afrika gehört zu den Verlieren der Globalisierung: Millionen Hungertote, darunter vier Millionen Kinder jährlich. Der Anteil am Welthandel ist von 7,4 auf zwei (!) Prozent geschrumpft, die Lebenserwartung liegt um 20 Jahre hinter der europäischen und bis zu 50 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten. Diese Zahlen nannte Wilhelm Neurohr, einer der Mitbegründer des Vereins „Avenir“ auf einer Veranstaltung im Forum3 in Stuttgart. Unter dem Titel „Ist Afrika noch zu retten?“ hatte die Initiative zu einem Vortrag über ihr Togo-Projekt eingeladen.

An der erschütternden Bilanz ändern auch Veranstaltungen wie jüngst der „Afrika Gipfel“ der Europäischen Union nichts. Was hier zählen, sind eher die eigenen Handels- und Rohstoffinteressen, mit denen die Erwerbs- und Lebensgrundlagen der Landbevölkerung auf dem afrikanischen Kontinent zerstört werden, die wirklichen Probleme werden nicht angegangen.

Nicht die euphemistisch „Entwicklungshilfe“ genannten Geldtransfers zugunsten korrupter Despoten bringen einen wirklichen Fortschritt für die Armutsbevölkerung – von der jährlich 120.000 Menschen nach Europa zu flüchten versuchen -, sondern die kleinen, von persönlichen partnerschaftlichen Initiativen getragenen nachhaltigen Projekte der Hilfe zur Selbsthilfe. In diesem Zusammenhang ist das Togo Projekt der zivilgesellschaftlichen Initiative „Avenir“ zu sehen. Die Einführung wurde abgerundet durch einen Überblick über das westafrikanische Land Togo und seine Geschichte, die der Togolese Komi Edinam Akpemado gab, der in Deutschland sein Magister-Examen in Germanistik absolviert hat und derzeit promoviert zum Thema: „Das Afrika-Bild in der deutschen Literatur.“

Dodji Kpaleté aus Togo, Gründer und Projektleiter der Initiative, berichtete im Anschluss daran über den Stand des Projektes. Dodji, der früher in einem Textilbetrieb und in einer Brauerei als Buchhalter gearbeitet hatte und gut deutsch spricht, kaufte vor Jahren ein Grundstück in Adétikopé nördlich von Lomé. Durch glückliche Umstände machte er Bekanntschaft mit Mechthild Gruner–Neurohr, die mit Hilfe weiterer Freunde in Deutschland den Verein Avenir gründete. Der Verein hat zum Ziel, den biologischen Landbau und damit eine gesunde Ernährung zu fördern sowie deutsch-togolesische Sozial- und Kulturprojekte vor allem für die Landbevölkerung in den Dörfern zu initiieren.

Im Jahre 2001 begann der Verein, auf den damals vorhandenen drei Hektar Fläche des Grundstückes ein soziokulturelles Landwirtschaftsprojekt aufzubauen: eine Ananas-Kulturfarm, eine Obstplantage (Orangen, Zitronen, Pampelmusen), einen biologischen Gemüsegarten und eine Tierzucht (Schweine, Ziegen, Schafe, Hühner, Enten, Kaninchen). Inzwischen hat sich das Projekt auf zehn Hektar erweitert, die ersten Ananasernten und der Export getrockneter Ananas nach Europa waren erfolgreich. In Zusammenarbeit mit der Firma Setrapal konnten die getrockneten Ananas exportiert und in europäischen Bioläden verkauft werden. Die Früchte, die nicht in den Export gehen, wurden auf den umliegenden Märkten verkauft

Da es im Dorf bisher keine funktionierende Schule gab, konnte mit Hilfe von Spenden und aus den ersten Verkaufserlösen ein inzwischen vollständig fertig gestellter Kindergarten für fast 40 Kinder aus den fünf umliegenden Dörfern errichtet und eine Kindergärtnerin ausgebildet und finanziert werden. Darüber hinaus wurde ein Schulpavillon errichtet, in dem seit Januar 2006 nunmehr 20 Kinder in der ersten und zweiten Klasse von einem erfahrenen Lehrer unterrichtet werden. Weiterhin ist auf dem Gelände ein neues Wohnhaus für die Mitarbeiter der Ananasplantage und deren Familie entstanden.

Erste Gewinne bringt ein Cafe der Frauengruppe Gnemissoum in der Hauptstadt Lomé ein, das durch einen Kredit der deutschen GLS-Gemeinschaftsbank mitfinanziert worden ist. Diese Gelder kommen ebenfalls dem Projekt zugute. Gedacht ist, dass nach Rückzahlung des Kredites mit den erzielten Gewinnen ein Aids-Projekte finanziert und die Grundlage für einen Fonds für Mikrokredite geschaffen wird.

Die Initiative setzt auf die tatkräftige Mitwirkung der Dorfbewohner, insbesondere auf die in Afrika oft sehr viel aktiveren Frauen. Dies lässt hoffen, dass sich in Zukunft weitere Projekte in Eigeninitiative mit Unterstützung aus Deutschland realisieren werden. Zur Zeit wird versucht, das Pumpsystem mit Hilfe von Solarkollektoren zu verbessern – doch noch fehlt noch weitgehend das Geld dazu. Noch im Zustand der Planung befindet sich ein medizinisches Beratungßentrum für die umliegenden Dörfer. Der Verein besteht zur Zeit aus 30 Mitgliedern, die sich natürlich über eine weitere Unterstützung ihrer Tätigkeit freuen.

End/nna/bst

Link: www.avenir-togo.de/index.htm

Bericht-Nr.: 080414-01DE Datum: 14. April 2008

© 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

 

 


Nachrichtenarchiv

Neueste Berichte