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Tue, 15 Apr 2008

Zum zweiten mal BioFach in China mit hohen Erwartungen / BioFach Deutschland mit mehr als 46.000 Besuchern und Ausstellern aus 116 Ländern

Treffpunkt für die Biobranche der ganzen Welt - Deutschland ist der größte Biomarkt Europas

SHANGHAI/NÜRNBERG (NNA). Nachdem Chinas Öko-Bewegung im Februar zu Gast bei der BioFach in Nürnberg war, findet nun zum zweiten mal im nächsten Monat die Tochtermesse BioFach China in Shanghai statt. Mit 216 Ausstellern und 7.290 Fachbesuchern hatte die erst Messe letztes Jahr alle Erwartungen übertroffen. Auch diese Jahr zeigten sich Axel Bartkus, Geschäftsführer der NürnbergMesse China, und Jane Jiang, Projektleiterin der BioFach China, optimistisch und erwarten für die zweite Ausgabe der BioFach China, die vom 29. bis 31.Mai 2008 im Shanghai Everbright Convention and Exhibition Center stattfindet, eine Steigerung der Aussteller- und Besucherzahl. 

Die Muttermesse in Deutschland zeigte sich dieses Jahr auch wieder gut besucht. Nach Angaben der Messe kamen 46.000 Fachbesucher aus 116 Ländern zum Treffpunkt der Biobranche aus der ganzen Welt. Besonders stark vertreten waren neben Deutschland, Österreich, Polen, die Niederlande, Italien und Frankreich. Zwei Drittel der Aussteller waren aus dem Ausland angereist.

Neben dem Handel, der vier von zehn Besucher stellte, informierten sich auch Hersteller, Großverpfleger und das Hotel- und Gaststättengewerbe in Nürnberg über die neuesten Entwicklungen der Biobranche. Ziel des Besuchs waren außerdem die Pflege von Kundenkontakten, Weiterbildung und der Austausch von Informationen. Peter, Knopp, Bereichsleiter Handel bei dennree, fasste den Eindruck der Besucher aus dem Handel zusammen: „Wir sind komplet zufrieden. Die BioFAch versammelte wieder höchst qualifizierte Besucher aller Marktsegmente.“

Mit einem Wachstum von 15 Prozent und einem Umsatzvolumen von 5,3 Mrd. Euro ist Deutschland - gefolgt von Großbritannien, Italien und Frankreich, der mit Abstand größte Bio-Markt Europas. Diese Zahlen veröffentlichte der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zur BioFach.

Übertroffen wird die Zuwachsrate der Biobranche in Deutschland weltweit von den USA, wo die OTA (Organic Trade Association) ein Umsatzvolumen von rund 20 Mrd. US-Dollar und eine Zuwachsrate von 20 Prozent angab.

Als Magnet erwies sich auch Vivaness, die neue Messe für Naturkosmetik und Wellness. Ein Fünftel der Besucher waren eigens für diese Messe im Rahmen der BioFach nach Nürnberg gekommen, die mit einem Plus von 22 Prozent an Ausstellern aufwarten konnte. Naturkosmetikhersteller aus 22 Nationen präsentierten ihre Produkte und Neuentwicklungen, darunter auch die Weltmarktführer aus Deutschland. Hier kamen die größten Länder-Beteiligungen aus Frankreich (27), Italien (17), der Schweiz (9) und Großbritannien. Erstmals dabei waren Isræl, Lettland, Marokko, Portugal, Schweden, Spanien und die Türkei. „Die Vivaness hat sich eindeutig als Marke etabliert. Die Atmosphäre in der Halle war sehr gut, die Stimmung absolut positiv,“ meinte dazu Uwe Risse, vom Außendienst Kosmetik und Betreuer der Depotpartner von Wala. Laverana berichtete u.a. auch von Kunden aus Japan, Hongkong und Australien.

Land des Jahres auf der BioFach war in diesem Jahr Dänemark, dessen Beteiligung auf 29 Aussteller gewachsen war. Auch in Dänemark verzeichnet die Biobranche seit Jahren zweistellige Zuwachsraten. Eva Kjer Hansen, Ministerin für Lebensmittel und Landwirtschaft in der dänischen Regierung, zeigte sich beeindruckt: „Zwei sehr bemerkenswerte Messen,“ meinte sie. Hier würden wirklich Geschäfte abgeschlossen und nicht nur Visitenkarten getauscht. Dänemark werde im nächsten Jahr zeigen, was es dem internationalen Biomarkt zu bieten habe.

Auf viel Interesse bei den Besuchern stieß der African Pavillon dessen Premiere mit Trommelwirbel, frohen Farben und exotischen Wohlgerüchen auf sich aufmerksam gemacht hatte. 75 Unternehmen präsentierten an diesem Gemeinschaftsstand die Vielfalt afrikanischer Bioprodukte. Es sei höchste Zeit gewesen, dass „Afrika als Kontinent im weltweiten Öko-Markt ein Gesicht bekommen“ habe, betonte Gerald A. Herrrmann von der IFOAM, der International Federation of Organic Agriculture Movements, der Organisation, die die Schirmherrschaft über alle Biomessen hat.

Die BioFach ist zugleich die größte Bio-Weinfachmesse der Welt. In diesem Jahr präsentierte sich der Wein erstmals in einer neuen Tageslichthalle. 347 Weinaussteller aus 23 Nationen stellten ihre Spitzenweine dem Publikum vor. Hier lag Deutschland an der Spitze mit 47 Ausstellern, gefolgt von Italien (39), Spanien(28), Österreich (26) und Frankreich (25). Vertreten waren außerdem Chile, Griechenland, Portugal, die Schweiz und Südafrika. Über die Hälfte der Messebesucher hatte den Besuch in der Weinhalle in den Rundgang eingeplant, wo in der Vinothek Bioweine verkostet werden konnten. Auch die 29 Gewinner-Weine des Internationalen Weinpreises der BioFach waren hier präsent. Ein spektakulärer Biowinzer, der französische Schauspieler Gerard Depardieu, hatte die BioFach in diesem Jahr mit einer Rede eröffnet, bei der er dazu aufrief, Menschheit, Natur und Umwelt zu achten.

Die nächste BioFAch findet vom 19. bis 22.Februar 2009 wieder in Nürnberg statt.

Beeindruckend ist inzwischen auch die Liste der Tochtermessen, die in diesem Jahr in anderen Erdteilen auf die BioFach folgen werden:

Die BioFach China in Shanghai (Mai), die BioFach Japan in Tokio (September), die BioFach America in Boston (Oktober) und die BioFach América Latina und Expo Sustentat in Sao Paulo (Oktober). Insgesamt kommen unter der Dach der BioFach und ihren vier Tochtermessen jährlich rund 3700 Aussteller und 100.000 Besucher zusammen.

End/nna/ung

Bericht-Nr.: 080415-03DE Datum: 15. April 2008

© 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

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Pionier Wilhelm: Jetzt Vorträge über „Genfrei Gehen“

LEGAU (NNA). Die Aktion „Genfrei Gehen“, bei der im vergangenen Jahr 4000 Menschen mit einem Marsch quer durch Deutschland ihren Protest gegen die Gentechnik dokumentiert hatten, wird auch in diesem Jahr fortgesetzt. Bio-Pionier und Unternehmer Joseph Wilhelm, der die spektakuläre Aktion ins Leben gerufen hat, wird von April bis Juni auf einer Vortragsreise zehn große deutsche Städte besuchen und die Verbraucher weiter über Gentechnik aufklären.

Wilhelm, Gründer der RAPUNZEL NATURKOST AG, war im vergangenen Jahr mit seinen Mitstreitern von Lübeck nach Lindau gewandert, um sich damit für eine gentechnikfreie Welt einzusetzen. Der Marsch, bei dem in 44 Etappen 1185 Kilometer zurückgelegt wurden, könne nur der Anfang sein, betont Wilhelm in einer neuen Veröffentlichung. 52.000 Unterschriften hat die Initiative bis jetzt für ihr Anliegen gesammelt.

Auch wenn der Bundestag die Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ und die Novellierung des Gentechnikgesetzes beschlossen habe, bleibe die Koexistenz eine rechtliche Illusion. Dem Verbraucher werde vorgegaukelt, die Natur sei teilbar, betont Wilhelm. „Bienen, Vögel und der Wind lassen sich nicht an die Leine legen, sie kennen keine Abstandsflächen zwischen genmanipulierten und gentechnikfreien Feldern“. Gentechnik führe zu einer Verunreinigung in allen Lebensmitteln und der Verbraucher erhalte davon keine Kenntnis.

Seit über 30 Jahren engagiert sich Joseph Wilhelm für den biologischen Anbau von Lebensmitteln, für fairen Handel und für eine an den Interessen der Menschen orientierte Globalisierung. Dies alles sei mit Gentechnik nicht vereinbar, meint er.

End/nna/ung

Termine der Vorträge von Joseph Wilhelm: 22. April 2008, GoldbekHaus, Moorfuhrtweg 9, Hamburg; 23. April 2008, Freizeitheim Linden, Windheimstr. 4, Hannover; 24. April 2008, Anthroposophisches Zentrum, Wilhelmshöher Allee 261, Kassel; 25. April 2008, Weingut Juliusspital, Zehntscheune, Klinikstr. 1, Würzburg; 28. April 2008, Ka Eins im Ökohaus, Kasseler Str. 1a, Frankfurt am Main; 29. April 2008, Kolping Hotel am Römerturm, St.-Apern-Str. 32, Köln; 06. Mai 2008, Filmtheater Hackesche Höfe, Rosenthaler Str. 40/41, Berlin; 10. Juni 2008, Pasinger Fabrik München, August-Exter-Str. 1, München; 11. Juni 2008, Jugendherberge Stuttgart International, Haußmannstr. 27, Stuttgart; 12. Juni 2008, Freiburg (Ort steht noch nicht fest)

Bericht-Nr.: 080415-02DE Datum: 15. April 2008

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Waldorfschule zwischen Mainstream und Avantgarde

Diskussion mit Waldorf-Kritiker Rüdiger Iwan in Hamburg – Schüler sollen zu mehr Eigenverantwortung angeregt werden

Von NNA-Korrespondent Ernst-Ullrich Schultz

HAMBURG (NNA). Es war eine Premiere für die beiden bekannten Akteure der anthroposophischen Szene. Zum ersten Mal trafen sich Sebastian Gronbach, Buchautor und streitbarer info3-Redakteur sowie Rüdiger Iwan, Waldorf-Kritiker und -Praktiker, Autor des Buches „Die neue Waldorfschule – ein Erfolgsmodell wird renoviert“.

Ein überfülltes Auditorium aus Waldorflehrern, Eltern und Bildungsinteressierten erlebte einen spannenden Abend. Nachdem die beiden Gesprächsführer sich gegenseitig vorgestellt hatten, bekam das Publikum eine Aufgabe, nämlich den unmittelbaren nicht bekannten Nachbarn zu fragen, warum er zu dieser Veranstaltung gekommen sei.

Ganz im Sinne der Thesen von Rüdiger Iwan wurde das Publikum so zur Eigenaktivität angeregt. Nach einem etwa zehnminütigen Gemurmel konnten die Zuschauer im ganzen Auditorium berichten, welche Motivationen sie zu dieser Veranstaltung geführt haben.

Bei allem Respekt vor den lauteren Motiven, hier über Waldorfschulfragen zu diskutieren, gab Sebastian Gronbach zu bedenken, in welch privilegierter Stellung man sich befinde angesichts der Tatsache, dass Zweidrittel der Menschheit um das materielle Überleben kämpfen müssten und betonte, wir sollten immer in dem Bewusstsein handeln, einer Avantgarde anzugehören.

Weiterhin griff er die Argumente einiger Zuschauer auf, die sich mutige Zukunftsschritte und neue Impulse für die Waldorfschule wünschten, und meinte, dass er große Schwierigkeiten mit solch hochgesteckten Zielen habe. Zuerst einmal müssten sich die Verantwortlichen einer Waldorfschule die eigenen Schattenseiten anschauen, die Parkplatzgespräche nach Konferenzen zum Beispiel.

Rüdiger Iwan unterstützte diese Ansicht mit dem Hinweis, dass von offizieller Seite ein großes Ideal propagiert werde, welches aber oftmals an der Realität scheitere. Sein neues Buch wurde von einigen Waldorfaktiven gescholten, weil seine Kritik an der heutigen Schulsituation sich zu wenig an einem Leitstern orientiere.

Im Verlauf des Gesprächs machte Rüdiger Iwan aber deutlich, dass man die Intensionen Steiners ernst nehmen sollte, wie er am Beispiel des auch in der Waldorfschule zu fest zementierten Stundenplans erläuterte, den Steiner als „Mördergrube“ der Pädagogik bezeichnete.

Sebastian Gronbach erzählte auf Nachfrage von persönlichen Erfahrungen mit der Waldorfschule, die er bis zur 12.Klasse besucht hatte. Sogar einen seiner Zeugnissprüche wusste er zu rezitieren. Das Abitur machte er jedoch an einem Gymnasium, da die Waldorflehrer seinetwegen zu oft Konferenzen abhalten mussten, wie er erzählte. Ein braver Schüler sei er jedenfalls nicht gewesen.

An die Michælifeiern erinnerte er sich noch und bemerkte dazu, es genüge nicht nur, „symbolisch“ den Drachen zu besiegen. Aufgabe der Verantwortlichen einer Schule sei es, sich dem „sozialen Drachen“ zu stellen. Für ihn reicht es nicht, folgerte Sebastian Gronbach, nur das Schild „Direktor“ abzuschrauben, sondern es gehe darum, illegale Hierarchien aufzuspüren.

Von leidvollen Erfahrungen in der Konferenzarbeit wusste Rüdiger Iwan zu berichten, wenn von vorneherein keine Führung bestimmt werde. Er bietet nun Seminare zur Metæbene in sozialen Zusammenhängen an, in denen Gesprächsführung geübt, zu kritischen Rückmeldungen aufgefordert und Inhalte hinterfragt werden. Dieses Lernfeld findet in manchen Schulen auch in der Beziehung Lehrer Schüler Anwendung, leider kaum in Waldorfschulen.

Ein positiver Vorschlag von Rüdiger Iwan dazu: Viel unnötige Arbeit zu Hause am Schreibtisch könnten sich Lehrer ersparen, wenn sie zum Beispiel die Korrekturen der Klassenarbeiten gemeinsam mit den Schülern vornehmen würden. Das Dozieren der Lehrer habe schon Steiner angeprangert. Die Schüler möchten voneinander lernen. Welch ein Potential an Fähigkeiten stecke in den Kindern, wenn man sie endlich ernst nehmen würde, so Rüdiger Iwan. Deswegen setzt er sich für Schulabschlüsse mittels Portfolio ein, weil dadurch die eigene Aktivität und das Verantwortungsbewusstsein der Schüler gefördert werde.

Vor der abschließenden Diskussion stellte Rüdiger Iwan eine weitere Aufgabe an das Publikum, man möge sich wieder mit dem Nachbarn über die Frage austauschen, was einem heute in der Veranstaltung besonders berührt habe. Nachdem das Gemurmel im Saal wieder verebbt war, kamen Erfahrungen mit der Schule und kritische Anmerkungen insbesondere zum Buch von Rüdiger Iwan zur Sprache. Angemerkt wurde unter anderem von einer Waldorflehrerin, man solle sich bewusst sein, dass man auf sehr hoher Ebene „jammere“ und die Waldorfschule nicht zu negativ sehen solle.

In seinem Schlusswort betonte Sebastian Gronbach, man müsse in der Waldorfschule keine Steiner-Bilder abhängen, sondern Rudolf Steiner als „Katapult“ für eigene Impulse nutzen. Rüdiger Iwan stellte Steiners Kulturimpuls heraus, Arbeit sei immer Arbeit für andere und die Schule kein Selbstzweck, es gehe vielmehr darum, Schule weiter zu „entschulen“ und sie stärker zur Vorbereitung auf das Leben außurichten.

End/nna/eus

Bericht-Nr.: 080415-1DE Datum: 15. April 2008

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