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Fri, 23 May 2008

Freie Schulen kritisieren Steuerpläne der Bundesregierung

Wegfall der Abzugsfähigkeit des Schulgelds benachteiligt Eltern – Innovative Impulse, die von den Privatschulen ausgehen, würden weiter geschwächt

BERLIN/STUTTGART (NNA). Auf harte Kritik von Seiten der Verbände der Schulen in freier Trägerschaft ist ein Gesetzentwurf der Bundesregierung gestoßen, der die steuerliche Berücksichtigung von Schulgeld für Privatschulen bis zum Jahr 2011 stufenweise abbauen will.

Sowohl der Bundesverband Deutscher Privatschulen (VDP) als auch der Bund der Freien Waldorfschulen sehen in den Plänen der Bundesregierung eine Benachteiligung derjenigen Eltern, die ihre Kinder auf Schulen in freier Trägerschaft schicken und damit von ihrem im Grundgesetz garantierten Recht auf freie Wahl der Schule Gebrauch machen.

Da die Eltern sich bereits an der Finanzierung des staatlichen Schulsystems als Steuerzahler beteiligen und ihnen zusätzlich noch Schulgeld abverlangt wird, würden sie – im Gegensatz zu vielen europäischen Nachbarländern – doppelt zur Kasse gebeten, heißt es in der Stellungnahme des Bundes der Freien Waldorfschulen. Der Staat habe dafür zu sorgen, dass die freien Schulen Kindern aller Bevölkerungsschichten zugänglich seien, betonte Henning Kullak-Ublick, Vorstandsmitglied des Bundes der Freien Waldorfschulen. Die steuerliche Abzugsfähigkeit der Schulgelder trage wesentlich zu der im Grundgesetz geforderten Sozialverträglichkeit von Schulgeldern bei, schreibt der Verband Deutscher Privatschulen. Ein Wegfall würde die allgemeine Zugänglichkeit der freien Schulen weiter einschränken.

Beide Verbände betonten in ihren Stellungnahmen auch die Pionierfunktion der Freien Schulen für das deutsche Bildungswesen. Die pädagogische Initiative, die von den Freien Schulen ausgehe, dürfe nicht länger bestraft werden, heißt es in der Stellungnahme des Bundes der Freien Waldorfschulen. Sie seien seit Jahren ein anerkannter Impulsgeber bei pädagogischen Konzepten und somit ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesellschaft.

Dieser „innovative Motor“ würde durch die Pläne der Bundesregierung weiter geschwächt, betont der VDP. Das nach den OECD-Studien insgesamt unterfinanzierte deutsche Bildungswesen brauche mehr Investitionen, mehr Vielfalt und „keine kontraproduktiven steuerrechtlichen Kürzungen“. Ein gutes Bildungssystem müsse auf die Vielfalt der Schulen setzen.

Der Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums soll im Juni von der Bundesregierung beraten werden. Er sieht vor, die Absetzbarkeit für das Schulgeld in den nächsten Jahren stufenweise zu verringern und ab 2011 ganz zu streichen. Presseberichten zufolge würde der Staat durch die neue Regelung jährlich 50 Millionen Euro einsparen. Bisher können Eltern bis zu 30 Prozent der Schulbeiträge bei der Einkommensteuer geltend machen. Nicht abzugsfähig sind die Kosten für Verpflegung und Beherbergung.

Der Gesetzentwurf ist eine Reaktion auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom September 2007, der die Steuerbehörden in Deutschland dazu verurteilte, die Kosten von Privatschulen im EU-Ausland steuermindernd anzuerkennen. Durch den Entwurf der Bundesregierung, der die Absetzbarkeit jetzt ganz abschaffen will, werde dieses Urteil auf den Kopf gestellt, heißt es in der Stellungnahme des Bundes der Waldorfschulen weiter.

Der Bund der Freien Waldorfschulen, der VDP, die beiden konfessionellen Privatschulverbände und die Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime bilden zusammen die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen in Deutschland.

End/nna/jh

Bericht-Nr.: 080523-01DE Datum: 23. Mai 2008

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Demeter-Bauernhöfe bieten Urlaubsmöglichkeiten

DARMSTADT (NNA). Ferienaufenthalte auf Demeter-Bauernhöfen in vielen Ländern Europas ermöglicht das neue Urlaubsverzeichnis, das Demeter-Reisen jetzt vorgelegt hat. Es enthält Adressen aus Deutschland, Österreich, Italien, Holland, Irland, Großbritannien und der Schweiz sowie ausführliche Informationen zu den Angeboten der einzelnen Höfe. So lasse sich schnell prüfen, welcher Hof kleinkindgerecht oder für Behinderte geeignet sei, Reiten oder Radverleih biete, Haustiere erlaube oder einen Hofladen habe, schreibt Demeter-Reisen in einer Pressemitteilung.

Wer im Alltag Bio-Lebensmittel genieße, möchte im Urlaub darauf nicht verzichten. Und wer sie noch nicht so gut kenne, nutze vielleicht gerade die Urlaubßeit und das Angebot der Demeter-Bauernhöfe, um sie außuprobieren und Leckeres auf den Tisch zu bringen. Für Kinder biete der Urlaub auf dem Biohof neben dem Aufenthalt in der Natur auch reichlich Gelegenheit, die wichtige Arbeit von Landwirten hautnah kennen zu lernen.

Wer das weiche Maul von Kälbern gestreichelt habe, bei der Heuernte ins Schwitzen gekommen sei, warme Milch aus dem Ziegeneuter kosten durfte und in der Käserei mitverfolgen konnte, wie aus 100 Litern Milch gerade mal 10 Kilo würziger Käse wurden, lerne den Wert von Lebensmitteln ganz neu schätzen, schreibt Demeter-Reisen.

End/nna/ung

Link: www.demeter.de. Die Druckversion mit ausführlichen Beschreibungen kann unter 06155/846950 oder per E-Mail unter info@demeter.de bestellt

Bericht-Nr.: 080523-02DE Datum: 23. Mai 2008

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Sind vier Minuten und 33 Sekunden Stille noch Musik?

Bürgeruniversität in Witten stellte Frage nach dem Wesen des Musikalischen – Aufführung eines Werks von Cage stand im Zentrum

Von NNA-Korrespondent Hubert Geißler

WITTEN/RUHR (NNA). „Was ist (noch) Musik“ hieß das Thema, zu dem die Bürgeruniversität in Witten/Ruhr eingeladen hatte. Die Bürgeruniversität ist eine Veranstaltungsreihe in Kooperation der Volkshochschule und der Privatuniversität Witten/Herdecke (UWH).

Dr.  Christian Grüny, promovierter Philosoph und künftiger Juniorprofessor an der UWH, versuchte sich der Frage im Gespräch mit dem Publikum phänomenologisch anzunähern. Anhand von Zitaten verschiedener Autoren seit dem 17.Jahrhundert begab er sich auf die Suche nach dem Wesen des Musikalischen.

Dabei wurde deutlich, dass vor allem in der Vergangenheit zur Eingrenzung des Musikalischen ästhetische und quasi moralische Werturteile üblich waren. Erst in der Gegenwart findet sich zum Beispiel in John Cages Definition, Musik sei „organisation of sounds“, also Organisation von Klängen oder auch Geräuschen eine eher wertfreie Begriffsbestimmung.

Die erweiterte Fragestellung „Was ist (noch) Musik“ verschob dann den Akzent der Untersuchung auf die Ränder des musikalischen Terrains und erforderte eine Abgrenzung von Nicht-Musik. Anhand von drei Beispielen, eines Beethovensatzes, eines Orchesterstückes von Webern und eines Popsongs wurden gemeinsam die Veränderungen von Hörgewohnheiten reflektiert.

Das eigentliche Zentrum des Abends bildete die Aufführung des Stückes „4.33“ von John Cage am Klavier. Das Stück besteht aus exakt vier Minuten und 33 Sekunden Stille, die allerdings vom Interpreten aufgeführt wird. Dieser blättert in Noten, öffnet und schließt den Klavierdeckel, das heißt er präsentiert alle Elemente einer regulären Musikinterpretation ohne die Musik selber.

Die anschließende Diskussion war lebhaft und kontrovers. Alle Anwesenden erlebten in der Zeit der Aufführung eine stark gerichtete Aufmerksamkeit, die Zufallsgeräuschen, wie dem eines vorbeifahrende Zuges, den Atemgeräuschen des Publikums, aber auch der aus der Stille entstehenden inneren Aktivität der Zuhörer eine besondere Bedeutung gab. Cages Werk wurde als organisiertes Schweigen im Gegensatz zu organisiertem, intentionalen Einbringen von Klängen durch den Komponisten begriffen.

Cage, Schüler von Schönberg und tief von östlichem Denken beeinflusst, ging es gerade um das Erleben der Nichtintentionalität, um Öffnung auf den Zufall, um die Einbeziehung nichtmusikalischer Klänge. Die Frage, ob „4.33“ konkret noch Musik sei, ließ sich in Witten an diesem Abend nicht einvernehmlich lösen.

Erfrischend war an der Veranstaltung die Lebhaftigkeit der vom Referenten angestoßenen Diskussion. Sicher ist das vorgestellte Werk von John Cage eine geradezu klassische Grenzerfahrung des Musikalischen, deren Reflexion eindrucksvoll in meditative Erfahrungen verweist, aber auch generelle Lösungen verunmöglicht. Die Frage, was (noch) (gute oder schlechte) Musik ist, blieb damit offen und muss von Fall zu Fall neu beantwortet werden.

End/nna/hug

Bericht-Nr.: 080523-03DE Datum: 23. Mai 2008

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