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Mon, 11 Aug 2008

Schulsystem: Lebendiger Wettbewerb um die besten Ideen nötig

Auch die Freien Waldorfschulen stellen sich der Herausforderung der Qualitätsentwicklung – Bericht von der Jahrespressekonferenz des Bundes in Berlin

Von NNA-Korrespondent Ernst Ullrich Schultz

BERLIN( NNA). Chancengerechtigkeit im Bildungswesen braucht Vielfalt, so lautete das Motto der diesjährigen Jahrespresskonferenz des Bundes der Freien Waldorfschulen in Berlin. Eine keineswegs nüchterne Bilanz zur finanziellen Situation der Schulen zogen Vorstand und eingeladene Experten. Nicht nur die Zahlen standen im Mittelpunkt, sondern es ging auch um die Themen Chancengerechtigkeit, Qualitätsentwicklung und die Stärkung der pädagogischen Vielfalt in Deutschland.

Nur ein lebendiger Wettbewerb um die besten Ideen kann dem deutschen Schulsystem weiterhelfen. Schulqualität bedarf einer hohen Identifikation mit der eigenen Schule – und die ist ohne die Förderung pädagogischer Initiative nicht zu bekommen“, betonte Henning Kullak-Ublick vom Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen am Schluss seines Referates.

Eine Qualitätsoffensive im deutschen Schulwesen ist dringend erforderlich, so die Meinung des Vorstandes. Allerdings könne es nicht darum gehen, dass durch Zentralisierung und Normierung der Qualitätssicherungsverfahren die pädagogische Vielfalt noch weiter eingeschränkt wird, es komme vielmehr darauf an, die Handlungskompetenz der Lehrerinnen und Lehrer vor Ort zu stärken. Auch die Waldorfschulen stellen sich der Herausforderung der Qualitätsentwicklung. Zum diesjährigen Kongress zu diesem Thema trafen sich über 400 Lehrerinnen und Lehrer. Viele Waldorfschulen sind inzwischen erfolgreich zertifiziert und arbeiten mit Qualitätssicherungsverfahren.

Auf der Veranstaltung wurde außerdem betont, dass die Waldorfschulen als einzige Schulform ihre finanziellen Verhältnisse öffentlich transparent machen und dabei den Vergleich mit öffentlichen Schulen keineswegs scheuen brauchen. Der Staat spart über 30 Prozent Schulkosten an jedem Waldorfschüler und die Eltern müssen die finanzielle Lücke füllen. Die Aufwendungen der Kultusministerien für die Aufsicht und Reglementierung der öffentlichen Schulen sind in diesem Vergleich nicht einmal enthalten. Unter dem Strich arbeitet die Waldorfschule also kostengünstiger, auch dank des hohen ehrenamtlichen Einsatzes von Eltern und Förderern. Der enorme Zulauf und der hohe Anteil der Abitursabschlüsse der Waldorfschulen seien messbare Indikatoren dafür, dass gute pädagogische Arbeit geleistet werde.

End/nna/eus

Bericht-Nr.: 080811-01DE Datum: 11. August 2008

© 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

Immer weniger Chancengleichheit in der Schulbildung

Der Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen stellt eine neue Studie aus Baden Württemberg vor

BERLIN (NNA). Eine Untersuchung über die Bildungschancen in Baden Württemberg kommt zum Ergebnis: Immer weniger Elternhäuser können es sich leisten, ihr Kind auf eine Schule in Freier Trägerschaft zu schicken. Die Studie wurde auf der diesjährigen Pressekonferenz des Bundes der Freien Waldorfschulen in Berlin vorgestellt.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Baden Württemberg hat ein Gutachten beim Steinbeis Transferzentrum Wirtschafts- und Sozialmanagement in Heidenheim erstellen lassen. Bei diesen Berechnungen ist ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg zugrunde gelegt worden, nach dem ein Schulgeld von durchschnittlich 120 Euro pro Kind und Monat noch den Anforderungen des Grundgesetzes entspricht. Danach muss ein Paar mit zwei Kindern über 3600 Euro pro Monat verfügen, damit das Schulgeld der Waldorfschule noch finanzierbar ist. Über ein derartiges Einkommen verfügen jedoch nur 48 Prozent aller Haushalte. Bei den Alleinerziehenden sind es sogar über 80 Prozent, die sich die freien Schulen nicht mehr leisten können.

Der letzte Armutsbericht der  Bundesregierung zeigte auf, dass der Anteil der finanziell benachteiligten Familien weiter wächst und da die Schullaufbahn der Kinder vom sozialen Status der Eltern abhängig ist, neue soziale Probleme in der Zukunft zu erwarten sind. Das Schulsystem in unserem Land hat immer noch nicht in ausreichendem Maß auf die Herausforderungen der Gegenwart reagiert.

Benachteiligt sind finanziell schlecht gestellte Elternhäuser und Alleinerziehende, die Schulen in freier Trägerschaft für ihre Kinder wünschen. Nur durch einen schulinternen Solidarausgleich zwischen der unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern gelingt es den Waldorfschulen bislang, sie nicht zu „wirtschaftlichen Eliteschulen“ werden zu lassen. Das entspricht auch nicht dem Selbstverständnis der von Rudolf Steiner als Schule für die Arbeiterkinder der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik gegründeten Schulform.

Kinder mit Migrationshintergrund haben es besonders schwer und daher ist kaum zu verstehen, dass die Interkulturelle Waldorfschule in Mannheim trotz ihres hohen Zuspruchs und ihres Modellcharakters für das schwierige Themengebiet Migration und Bildung laufend um private Spenden bitten muss, damit sie ihren Betrieb aufrechterhalten kann. Die Schulgesetze der Bundesländer verhindern auch bisher, dass das so erfolgreiche Modell über Baden-Württemberg hinaus „exportiert“ werden kann.

Wenn die Waldorfschulen immer mehr in die Situation kommen, dass sie ihre Schüler nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der Eltern aussuchen müssen, geraten sie in Widerspruch zur Verfassung, die genau das untersagt, erklärte Dr.  Albrecht Hüttig vom Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen, der das Gutachten in Berlin vorstellte. Wer – wie die Bundeskanzlerin Frau Merkel – mehr Chancengleichheit will, darf die freien Schulen als Innovationsmotor nicht dadurch bremsen, dass ihnen zunehmend wirtschaftliche Belastungen auferlegt werden.

END/nna/eus

Bericht-Nr.: 080811-01DE Datum: 11. August 2008

© 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

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