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Sponsoren-Patchwork rettet Uni Witten-Herdecke
Achtzehn Millionen Euro flossen u.a. von Ehemaligen, katholischen Krankenhäusern, Familie Droege und der Software AG Stiftung – Gespräche um Ausrichtung Von NNA-Korrespondentin Cornelie Unger-Leistner WITTEN-HERDECKE (NNA). Die Universität Witten-Herdecke (UWH) bemüht sich gegenwärtig in den Gesprächen mit den Gesellschaftern, den bisherigen Wertekanon der Privatuni auch weiter zu ermöglichen. Dies betonte der neue Geschäftsführer der UWH, Michæl Anders, im Gespräch mit der Zeitschrift INFO3. „Alle, die jetzt eingestiegen sind, wollen auch genau diese Universität“, sagte er. Allerdings räumte Anders in dem Interview ein, dass die Geldgeber Veränderungswünsche hegen. „Da werden auch Kompromisse gefunden werden müssen“, sagte er. Ein entscheidender Faktor bei der Rettung von Deutschlands erster Privatuni war nach Aussage von Anders das Engagement des Herdecker Gemeinschaftskrankenhauses. Das Krankenhaus habe mit 1,3 Millionen Euro die Liquidität der UWH gesichert. „Dadurch haben wir Zeit gewonnen, um das Schiff zu stabilisieren und wieder in Fahrt zu bringen.“ Eigentlich sei es so etwas wie eine „zweite Gründung“ aus dem Krankenhaus heraus gewesen, denn ursprünglich sei die UWH ja aus diesem Zusammenhang heraus entstanden. Ein weiterer Faktor, der zum Überleben der UWH beigetragen habe, sei das ungwöhnlich starke Engagement der Studenten und Ehemaligen der UWH gewesen, die sich freiwillig bereit erklärt hätten, bis zu drei Millionen Euro beizutragen. Auch Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter seien mit eingestiegen, das sei schon einmalig und mache deutlich, dass der Auftrag, der im Studium vermittelt werde, in der Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen, auch wirke. Nach Aussage von Anders gibt es von Seiten der katholischen Krankenhäuser ein starkes Interesse, sich an der UWH zu beteiligen, bereits jetzt sei man in der Meinungsbildung vernetzt. Anders wies auch darauf hin, dass die UWH eine „Institution des freien Geisteslebens“ sei, die Universität werde sich nicht auf „eine weltanschauliche Ausrichtung fokussieren“. Private Hochschulen seien wichtig, sie seien der „Stachel im Fleisch, durch den viele Reformgedanken in das allgemeine Hochschulwesen hineingetragen werden.“ Es werde jedoch immer eine „besondere Anstrengung bleiben“, sich auf diesem Feld zu behaupten. Der Restrukturierungsplan, den die UWH vorgelegt hat, geht davon aus, dass die Universität im Lauf von fünf Jahren wieder schwarze Zahlen schreibt. Der Plan sieht u.a. Einsparungen im Verwaltungsbereich und eine Erhöhung der Studierendenzahlen vor. Die Universität war Ende letzten Jahres an den Rande des Bankrotts geraten, nachdem der Wissenschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Andreas Pinkwart (FDP) Subventionen für die Universität in Höhe von 4,5 Millionen Euro gestrichen hatte und drei Millionen Euro für das laufende Jahr zurückfordern wollte. Möglich wurde die Rettung der UWH durch ein Konsortium verschiedenster Geldgeber, das die fehlenden Mittel aufgebracht hat, die notwendig waren, um die staatlichen Subventionen wieder fließen zu lassen. Wie Anders im Interview mit INFO3 erklärte, kamen insgesamt 18 Millionen Euro zusammen. Zu den Geldgebern gehören die Software AG Stifung, das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, die von der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart getragene Martinus Consult und die Düsseldorfer Unternehmerfamilie Droege. Gelder zur Sicherung des Fortbestands der Universität beschafften außerdem das Kuratorium, der Studienfonds und die Alumni-Initiative der Universität. Nicht alle Geldgeber werden auch Gesellschafter der Universität sein. Ein Sprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart erklärte gegenüber der WAZ, die Diözese wolle keine Anteile übernehmen und investiere auch nicht. Es gehe vielmehr um eine strategische Partnerschaft mit dem Ziel, kirchliche Krankenhäuser an der universitären Ausbildung zu beteiligen. Möglich sei auch die Unterstützung eines Lehrstuhls für kirchliche Ethik an der UWH. Die Martinus Consult hat nach Informationen der WAZ neun Millionen Euro verteilt auf drei Jahre zugesagt, die von verschiedenen Sponsoren stammten. Darunter seien auch die katholischen Krankenhäuser. Die Düsseldorfer Unternehmerfamilie Droege hatte im vergangenen Jahr zunächst eine Rolle als Hauptsponsor der UWH übernommen, sich dann aber nach einem Streit mit der Universitätsleitung wieder zurückgezogen. Nun steuert sie Presseberichten zufolge eine Bürgschaft bei. Über die Höhe sind verschiedene Zahlen in Umlauf. An den Gesprächen nahm zunächst offenbar auch der Heidelberger Gesundheitskonzern SRH (Stifung Rehabilitation Heidelberg) teil, mit dem die UWH bereits in ihrer letzten Finanzkrise über eine Übernahme verhandelt hatte. Nach Informationen der WAZ schied SRH aus der Rettungsaktion dann doch aus, weil die auf fünf Jahre veranschlagte Sanierungsphase der Universität SRH zu lang erschienen sei. Außerdem kritisierte ein SRH-Sprecher die seiner Meinung nach ungleichgewichtige Verteilung der Stimmrechte in der neuen Lösung. Mit Michæl Anders berief die Gesellschafterversammlung einen UWH-Absolventen zum neuen kaufmännischen Geschäftsführer. Anders, der in Witten-Herdecke 1993 sein Ökonomie-Diplom gemacht hat, war von 1999 bis 2004 bei der Darmstädter Software AG Stiftung tätig, die ihn 2004 als Kanzler und Geschäftsführer an die Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn entsandte. Dort gründete er die Alanus Stiftung, deren Geschäftsführung er bis zu seinem Wechsel nach Witten-Herdecke innehatte. Mit dem neuen Konzept hat die UWH nach Auffassung von NRW-Wissenschaftsminister Pinkwart „die Chance zu einem tragfähigen Neuanfang genutzt“ und gleichzeitig ihr besonderes Profil gewahrt. Das Wissenschaftsministerium hat zugesagt, dass das Land die Zuwendung für das Jahr 2009 und 2010 in festen Raten leisten werde, wenn die im Zukunftskonzept festgelegten Voraussetzungen erfüllt seien. Hochschule und Gesellschafter haben sich dazu verpflichtet, dies zeitnah zu gewährleisten. Das Ministerium stellte jeweils weitere 2,25 Millionen Euro für beide Jahre in Aussicht, um das Zukunftskonzept zu einem Erfolg zu führen. Krise und Rettung der Privatuni in den letzten Wochen haben Solidaritätsbekundungen von verschiedensten Seiten hervorgebracht. Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Jörg Dietrich Hoppe, betonte, eine Insolvenz der UWH hätte einen „schweren Verlust für die Hochschullandschaft“ bedeutet. Diese Hochschule steht wie kaum eine andere für ein umfassendes Bildungskonzept, das neben der fachlichen Qualifizierung großen Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung legt, was gerade für den Arztberuf sehr wichtig sei, sagte Hoppe in einer Stellungnahme, die die UWH auf ihrer Website veröffentlicht hat. Das Medizinstudium in Witten/Herdecke habe eine „bundesweite Vorreiterrolle für das praxis- und problemorientierte Lernen“ gespielt. Inzwischen hätten die meisten Unis erkannt, dass dieser Ansatz die Qualität der Ausbildung wesentlich verbessere. Bischof Dr. Wolfgang Huber, als EKD-Ratsvorsitzender oberster Repräsentant der evangelischen Kirche in Deutschland, sprach Ende Januar vor den Witten-Herdecker Studierenden zum Thema „Zukunft der Kirche in einem durch fortschreitende Verweltlichung geprägten Land“. Wie das WAZ-Online-Portal „Der Westen“ berichtete, gratulierte auch er der UWH zur Rettung und wünschte ihr eine gute Zukunft. Er habe Respekt, dass „es diese Uni gibt“, sagte Huber. Dass gerade katholische Diözesen jetzt an der Seite von Wirtschaft, Forschung und anthroposophisch geprägter Einrichtungen wie dem Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke zur Rettung der Uni beigetragen hätten, bezeichnete Huber als eine beispielhafte „ökumenische Initiative”. End/nna/ung Link: Das komplette Interview mit Michæl Anders findet sich auf der Website der Medienstelle Anthroposophie unter http://medienstelle.anthroposophie.de/index.php?frontpage Bericht-Nr.: 090205-02DE Datum: 2. Februar 2009 © 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ GLS-Bank: Statt Finanzkrise Milliarden-Hürde genommen
Erneut zweistelliges Wachstum bei ethisch-ökologischem Geldinstitut - Neues Anlage- und Zertifizierungssystem soll Klimasschutz unterstützen BOCHUM (NNA). „In sozialer und ökologischer Hinsicht ist unser Finanzsystem schon lange nicht mehr tragbar. Das vergangene Jahr hat bewiesen, dass es dies auch ökonomisch nicht mehr ist.“ Vor Journalisten erläuterte der Vorstandssprecher der GLS Bank, Thomas Jorberg, heute in Bochum die Erfolgsbilanz seiner Bank für das Jahr 2008. Erstmals konnte die einzige Vollbank mit ethisch-ökologischer Ausrichtung durch ein Umsatzplus von 27,4 Prozent die Milliarden-Euro-Grenze sprengen, die Zahl der GLS-Kunden stieg weiter von 55.000 auf 62.000. Den anhaltenden Erfolg führte Jorberg auf das sozial-ökologische und „beispielhaft transparente Konzept“ der Bank zurück. Es biete mit sicheren, marktüblich verzinsten und Sinn stiftenden Angeboten seinen Kunden gute Entscheidungsgrundlagen. So schrieb die GLS Bank auch im Krisenjahr 2008 schwarze Zahlen und hatte keine Verluste durch die Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten zu verzeichnen. Durch ihr Wachstum steigerte die Bank 2008 ihre Bilanzsumme von 796 Mio. Euro in 2007 auf nunmehr 1,013 Mrd. Euro. Gemeinsam mit der Stiftung GLS Treuhand e.V., der GLS Beteiligungs AG und inklusive aller Fonds wuchs das Geschäftsvolumen auf 1,232 Mrd. Euro an. Wie Thomas Jorberg weiter erläuterte, stiegen die Kundenkredite um 26,6 Prozent von 484,3 Mio. Euro auf 613,3 Mio. Euro und auch der Einlagenbereich entwickelte sich positiv: Mit einem Zuwachs von 26,1 Prozent bzw. 174,1 Mio. Euro beläuft er sich auf nunmehr 840,5 Mio. Euro. Beträchtlich erhöht werden konnte außerdem das Eigenkapital mit einem Plus von rund 19,8 Prozent auf 55 Mio. Euro, gegenüber 45,5 Mio. Euro im Vorjahr. Das steigende Vertrauen der Kunden in die GLS-Bank führte Jorberg auch auf die transparente Arbeitsweise der Bank zurück, die auch in dieser Hinsicht im vergangenen Jahr weitere Schritte unternommen hat. Seit 2008 legt die Bank auch ihre Eigenanlagen offen und stellt sich in einem öffentlichen Unternehmensblog den Fragen von Kunden und Interessierten. Außerdem werden wie bisher alle vergebenen Kredite in der Kundenzeitschrift veröffentlicht. Das Filialnetz der Bank wurde 2008 auch weiter ausgedehnt durch Filialen in Berlin und München. Seit Juni bietet die GLS-Bank außerdem ein Online-Service-Portal an, mit dem Aufträge wie Kontoeröffnungen oder Änderungen des Dispos von zu Hause erledigt werden können. Neu ist auch das 2008 gestartete Zertifizierungssystem Stop Climate Change (SCC) für Unternehmen und Produkte. SCC bietet eine detaillierte Energieanalyse und den Ausgleich von unvermeidbaren Emissionen durch Investitionen in hochwertige Klimaschutzprojekte. Minderungskonzepte können so individuell entwickelt und die Rentabilität einzelner Maßnahmen berücksichtigt werden. Es ermöglicht laut GLS-Bank eine „sinnvolle Planung von Investitionen“ und bietet die Chance erheblicher Einsparungen an Emissionen und Kosten. „Mit dem angebotenen Kompletpaket schaffen wir für unsere Kunden einen echten Mehrwert und begleiten sie aktiv auf dem Weg zu mehr Klimafreundlichkeit und Kosteneffizienz“, meinte Jorberg dazu. Der Ausgleich von unvermeidbaren Restemissionen erfolgt durch den Kauf von Carbon Credits, die strengen Anforderungen unterliegen. Erst im November 2008 wurden die SCC-Standards deutlich verschärft. Ebenfalls zum Konzept gehört die vollständige Transparenz der Standards. Zudem wird das SCC-System fortlaufend durch ein unabhängiges Gremium mit Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verbraucherschutz überwacht. Um Interessenskonflikte aus-zuschließen wurde das Zertifizierungsprogramm von drei unabhängigen Partnern zusammen entwickelt – GLS Bank, AGRA-TEG GmbH und der Gesellschaft für Ressourcenschutz bmH. Analyse, Emissionsminderung und Zertifizierung werden damit getrennt voneinander durchgeführt. Seit dem erfolgreichen Start des Zertifizierungssystems wurden bereits zahlreiche Unternehmen sowie eine vielfältige Produktpalette von Druckereierzeugnissen bis hin zu Öko-Lebensmitteln mit dem SCC-Siegel zertifiziert. Die 1974 gegründete GLS Bank finanziert nach konsequenten Kriterien ausschließlich soziale, ökologische und kulturelle Unternehmen und Initiativen mit konkretem real-wirtschaftlichen Bezug. Zur GLS Bank gehören außerdem die GLS Treuhand e.V., die bei der Realisierung von Stiftungs- und Schenkungsvorhaben berät, und die GLS Beteiligungs AG. Letztere stellt jungen und nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen Kapital in Form von geschlossenen Fonds und Genussrechten zur Verfügung. End/nna/ung Link: http://gls.de/klima Bericht-Nr.: 090205-01DE Datum: 5. Februar 2009 © 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ |
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