. . . Nachrichten für eine andere Welt
|
Suche Nachrichtenarchiv |
NNA ist eine internationale Nachrichtenagentur, die Nachrichten und Ereignisse verbreitet und kommentiert aus einer Perspektive des Geistes und die sich um ein spirituelles Verständnis bemüht, das mit der Entwicklung neuer Paradigmen auf allen Lebensgebieten verbunden ist – sei es im Aktuellen, in Politik und Gesellschaft, in der Zivilgesellschaft, in Ökologie, Erziehung, Wirtschaft, Landwirtschaft, Kunst und Wissenschaft. |
Bankwesen wieder an Werte binden: Ökonomin Prinzessin Máxima sprach bei Gründung der Allianz alternativer Banken
Von NNA-Korrespondent Christian von Arnim ZEIST (NNA). Für eine Rückkehr des Bankwesens zu seinen Basiswerten hat sich die niederländische Prinzessin Máxima ausgesprochen. Máxima ist Wirtschaftwissenschaftlerin und Mitglied einer UN-Beratergruppe im Bankwesen (UN Advisors Group on Inclusive Financial Sectors). Sie sprach bei der Gründungsversammlung der Global Alliance for Banking on Values in Zeist (NNA berichtete). Zentrale Werte des Bankwesens seien wichtiger denn je, sagte Máxima und nannte als Beispiele Vertrauen, den Aufbau nachhaltiger und langfristiger Beziehungen sowie das Angebot von Produkten, die Werte schaffen. Die Global Alliance for Banking on Values wurde im März auf Initiative von elf sozial und ökologisch orientierten Banken ins Leben gerufen, die weltweit führend im nachhaltigen Bankwesen sind. Die Alliance umfasst u.a. die Triodos Bank, Niederlande, die BRAC Bank, die Teil der BRAC Gruppe ist, die weltweit größte Einrichtung im Mikrofinanzsektor mit Sitz in Bangladesch, die ShoreBank in Chicago, sowie die GLS Bank aus Deutschland. Máxima begrüßte die Gründung der Global Alliance: „Ich sehe, dass die Ziele der Global Alliance for Banking on Values sehr weitgesteckt sind und dass sie anregende Beispiele dafür geben können, was im Bankwesen tatsächlich möglich ist. Das sind Beispiele, die den Mainstream im Finanzsektor ermutigen können, über Grenzen hinaußugehen und einen Beitrag zur sozialen Innovation in diesem Bereich zu leisten.“ In den letzten Monaten sei die Bedeutung eines gesunden Finanzwesens und seiner Entwicklung deutlich geworden. Sein Ziel müssten nicht nur Wachstum und eine Verringerung der Ungleichheit sein, sondern auch die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen für die Konsumenten, die von ihnen wirklich gebraucht würden und die sie sich auch leisten könnten. „Nur so gelingt es uns, die Ersparnisse der Menschen zu bewahren und das ganze Finanzsystem zu schützen,“ betonte Máxima. Außerdem wies die Wirtschaftswissenschaftlerin auf die Tatsache hin, dass weltweit mehr als zwei Milliarden Menschen von Finanzdienstleistungen ausgeschlossen seien, „die für uns selbstverständlich sind.“ Auch die Möglichkeit, Ersparnisse auf einem Konto anzulegen, entwickle sich nur zögerlich. Nur 20 Prozent der Weltbevölkerung hätten Zugang zu einem Sparkonto im Vergleich zu 90 Prozent im Bereich der OECD-Länder (Organisation for Economic Cooperation and Development, der die reichsten Nationen angehören). Eben diese zwei Milliarden Menschen hätten auch keinen Zugang zu Elektrizität, Öl oder Gas zum Kochen und für den Gebrauch im Alltag. „Dadurch wird die Armutsfalle für diese Menschen festgeschrieben. Alle Bemühungen, die Millenniums-Ziele der Vereinten Nationen zu erreichen, werden unterlaufen, während gleichzeitig immer mehr Druck auf wichtige Ökosysteme wie den Wald ausgeübt wird durch den Gebrauch von Öl und Kohle.“ Es sei eine große Herausforderung, „aber es kann auch eine Marktchance sein, alternative Energien und eine gesündere Umwelt zu entwickeln,“ sagte das Mitglied des niederländischen Königshauses. In ihrer Rede stelle Prinzessin Máxima außerdem die wichtige Rolle der Einrichtungen im Mikrofinanzwesen heraus, hier könnten Banken eine große Rolle spielen. Bis heute habe zum Beispiel BRAC in Bangladesh mit Erfolg 37.000 Solaranlagen installiert, die nachhaltige Energie zu 180.000 Menschen in abgelegenen Gebieten brächten. Instrumente des Mikrofinanzwesens seien gewinnbringend auch im Infrastrukturbereich einsetzbar wie bei Kanalisation und Abfallbeseitigung. SEWA in Gujarat in Indien habe eine For-profit-Company mit Selbsthilfegruppen von Frauen ins Leben gerufen, indem Frauen durch eine externe Agentur zu „Barfußingenieurinnen“ ausgebildet worden seien. Die Frauen seien dadurch befähigt worden, Dienstleistungen bei den Wasser- und Abwassersystemen in den Dörfern anzubieten und auch größere Infrastrukturprojekte anzusprechen, die dort benötigt würden. „Ich könnte ähnliche Beispiele aufzählen, wo durch Mikrofinanzprojekte Bewässerungssysteme, gesunde und effiziente Kochstellen, Wasserfiltersysteme usw. entstanden sind,“ sagte die Wirtschaftswissenschaftlerin. Finanzeinrichtungen könnten einen Katalysator für den Wandel bilden: „In den vergangenen drei Jahren habe ich gesehen, welche Kraft Mikrofinanzinstitute haben, um das Leben der Menschen zu ändern und Gemeinschaften und Gesellschaften insgesamt zu nutzen“, fügte sie hinzu. Deswegen freue sie sich auch darüber, dass einige der führenden Mikrofinanzinstitute zu den Gründern der Global Alliance gehörten. Auch für die entwickelten Ländern, die gegenwärtig unter schwerwiegenden wirtschaftlichen Problemen als Folge der Finanzkrise leiden, sah Máxima die Notwendigkeit von Lernprozessen. „Die Banken in den entwickelten Ländern haben ebenfalls viel zu lernen von den Mikrofinanzinstituten darüber, wie Kleinkredite leistungs- und wirkungsvoll zur Verfügung gestellt werden können“. Finanzielle Entwicklung und mehr Möglichkeiten, Geldmittel zu erlangen, beschleunigten das Wirtschaftswachstum, verminderten die Armut und die Einkommensungleichheit, sagte die Wirtschaftswissenschaftlerin. Das Mitglied des niederländischen Königshauses hob außerdem die Bedeutung der Transparenz im Bankwesen hervor sowie die Erziehung der Konsumenten: „Da der Zugang zu Finanzdienstleistungen entscheidend ist, setzt er gut informierte Konsumenten voraus, die verstehen, auf welche Verpflichtungen sie sich einlassen und die auch die Möglichkeiten haben, sie einzuhalten. Wenn Menschen sich Geld leihen, sind sie darauf angewiesen, dass der Verleiher sie fair behandelt und ihnen klare und transparente Kreditkonditionen gibt.“ Die gegenwärtige Krise sei zum Teil auf die Abwesenheit dieser Faktoren zurückzuführen und auf überehrgeiziges Marketing für ungeeignete Kreditprodukte an verletzliche Konsumenten. Viele von ihnen hätten nicht wirklich verstanden, auf was sie sich da einließen. Es sei die angemessene Rolle der Regierungen, hier „leichten Druck“ außuüben und eine gewisse Regulierung des Markts herbeizuführen, um wirksame Programme zur Information der Kunden über Finanzdienstleistungen auf den Weg zu bringen. „Und es ist die Rolle der Banken und Mikrofinanzinstitute, Konsumentenschutz und Transparenz in die DNA ihrer Organisationen einzuschreiben“, sagte Prinzessin Máxima. Als ein weiteres Beispiel verantwortungsvoller Geschäftsführung nannte die UN-Beraterin den Fall von Banex in Nicaragua, einem anderen Mitglied der Alliance. Banex habe einen Ombudsmann eingerichtet, der sich mit Beschwerden der Kunden befasse als Teil eines Kundenschutzprogramms. Die Prinzessin hob auch die Rolle der Regierungen und Kontrollbehörden hervor. Ein Thema, auf das sie bei ihrer Arbeit für die UN-Beratergruppe immer wieder gestoßen sei, sei die Frage, ob die Zinsen für Mikrokredite begrenzt sein sollten. „Unser Argument war – und das hat sich in vielen Ländern erwiesen – dass Marktkräfte wie Wettbewerb die Zinsen mit der Zeit nach unten drücken. Wenn die Regierungen sich entscheiden, Zinsraten zu regulieren und Höchstgrenzen festsetzen, beschränken sie gleichzeitig das Wirtschaftswachstum der Mikrofinanzinstitute, ersticken den Wettbewerb und vermindern die Leistungsfähigkeit. Dies endet damit, dass der Zugang zu finanziellen Mitteln wieder für eine zunehmende Zahl von Menschen eingeschränkt wird,“ sagte sie. Wenn allerdings der ungewöhnliche Fall einträte, dass Mikrofinanzinstitute Profite als ihr eigentliches Ziel sähen und nicht den Gewinn als ein Mittel zum Ziel, dann könne damit nicht argumentiert werden. Es sei schwer darstellbar, dass Aktionäre eines Mikrofinanzinstituts Extraprofite auf Kosten der Armen einnehmen sollten, die dann extrem hohe Zinsen zahlten. „Am Ende geht es immer um Gleichgewicht, das Gleichgewicht zwischen allen Beteiligten einer Finanzeinrichtung ist entscheidend – von den Kunden über die Aktionäre bis hin zu den Mitarbeitern und dem Management“, betonte die Prinzessin. „Im gegenwärtigen Klima kann es die Rolle der Banken der Alliance sein, ein Beispiel für den ganzen Finanzsektor zu schaffen und zu zeigen, wie dieses Gleichgewicht zwischen den Beteiligten und das Gleichgewicht zwischen den Menschen, dem Planeten und dem Profit als ein erfolgreiches Geschäftsmodell funktionieren kann.“ Zum Abschluss sage Prinzessin Máxima der Alliance: „ Wir brauchen auch Banken, die den sozialen und ökologischen Wandel vorantreiben, den die Welt benötigt, um vor den großen Herausforderungen unserer Zeit zu bestehen. Ich hoffe, dass diese Gruppe von Pionieren eine führende Rolle bei dieser Aufgabe spielen wird und dass sich Ihnen viele dabei anschließen werden. Ich wünsche Ihnen viel Weisheit und die Vision, damit die Global Alliance zu einem Ausgangspunkt für die Verbindung von Werten und Bankwesen wird.“ Prinzessin Máxima ist seit 2002 mit dem niederländischen Thronfolger Willem-Alexander verheiratet. Sie stammt aus Argentinien und hat vor ihrer Heirat bei verschiedenen Unternehmen und Banken, ua. bei der Deutschen Bank in New York und Brüssel gearbeitet. Sie ist Mutter von drei Töchtern. (Übersetzung: Cornelie Unger-Leistner) END/nna/cva Bericht-Nr.: 090417-01DE Datum: 17. April 2009 © 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ Durch Gesundheitspflege Gewalt an Schulen vorbeugen
Witten-Herdecker Pflegewissenschaftler fordern Einführung der Health School Nurse als Konsequenz aus Amokläufen - Jedes siebte Kind mit psychischen Problemen WITTEN-HERDECKE (NNA). Die Einführung von Schulgesundheitspflege in Deutschland als Konsequenz aus den Amoklauf-Katastrophen an den Schulen in Erfurt und Winneden hat der Pflegewissenschaftler Andreas Kocks von der Universität Witten/Herdecke gefordert. Angst und Misstrauen den eigenen Kindern gegenüber dürften nicht die Antwort auf diese schrecklichen Ereignisse sein, so Kocks. Depressionen und andere psychische Probleme im Kindes- und Jugendalter seien kein seltenes Phänomen, sie beträfen im Schnitt jeden siebten Schüler. Es stelle sich die Frage, wer diesen Kinder an deutschen Schulen helfe. Schulpsychologen seien nur ein Schritt in eine richtige Richtung, betonte Kocks, der die Arbeit von School Health Nurses in anderen Ländern untersucht. In Skandinavien, Großbritannien oder Kanada gibt es an allen Schulen Health Nurses. Sie sind dort im Schulalltag präsent, d.h. sie sind für Kinder und Jugendliche zu jeder Zeit Ansprechpartner bei allen gesundheitlichen, das heißt, körperlichen, seelischen und sozialen Fragestellungen oder Problemen. „Wenn wir eine Kultur des Hinhörens, Hinschauen und des Vertrauens an deutschen Schulen wollen, müssen wir den Kindern und Jugendlichen auch niederschwellige Angebote machen“, betonte Kocks. Zu den Aufgaben der Schulgesundheitspflege gehört auch die regelmäßige Untersuchung aller Kinder. “Neben der Versorgung von Verletzungen oder Hilfestellung bei Erkrankungen sind es diese regelmäßigen Untersuchungen, die die Basis für eine intensive Vertrauensstellung der School Nurses sind”, so die Forschungsergebnisse von Kocks. Im Durchschnitt besuche zum Beispiel jedes schwedische Kind viermal pro Jahr aus eigenem Antrieb eine School Nurse. Wichtig sei auch die Präsenz der School Health Nurses im Schulalltag, der direkte Kontakt zu den Schülern und ihre Schweigepflicht. School Health Nurses seien in Schweden diejenige Berufsgruppe an der Schule, der die Schüler am meisten vertrauen. Die Vertrauensstellung und Selbstverständlichkeit dieses Angebotes seien die Basis für Kinder, um über ihre Ängste oder Sorgen überhaupt zu reden. Dabei gehe es um Kopfschmerzen, Übelkeit und Bänderzerrungen, aber auch um Themen wie Mobbing, Ausgrenzung, häusliche Gewalt oder Suizidgefahr. Der große Gewinn einer pflegerischen Gesundheitsversorgung in den Schulen liege im einfachen Zugang zu Kindern und Jugendlichen, ohne diese zu stigmatisieren. Das Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke hat sich die Entwicklung des für Deutschland neuen Berufsbildes der Schulgesundheitspfleger auf die Fahnen geschrieben. Ein erstes Treffen mit Vertretern aus Politik, Schule, Berufsverbänden und Stiftungen hat hierzu bereits stattgefunden mit dem Ziel, einen Modellversuch zu ermöglichen. End/nna/ung Bericht-Nr.: 090417-01DE Datum: 17. März 2009 © 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ |
|
|
|
|||||||||||||||