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Als Touristin auf den Galapagos-Inseln: Wieviel Tourismus vertragen die Naturwunder unserer Erde? – Traumreise Lateinamerika / 4. Bericht
Ruth Zbinden ist eine Waldorflehrerin aus der Schweiz, die vor kurzem in Pension gegangen ist. Nun erfüllte sie sich einen Traum: Mit dem Frachtschiff ist sie nach Mittelamerika gereist, wo sie mindestens ein Jahr lang unterwegs sein wird. NNA hat sie viele interessante Reportagen von dieser Tour versprochen. Nach Aufenthalten in Costa Rica und Guatemala ging es weiter zum Ziel der Reise, einer kleinen Schule in Ecuador hoch in den Anden, wo Ruth Zbinden als Freiwillige der Organisation cielo azul gearbeitet hat, einer kleinen Hilfsorganisation mit Sitz in Basel, die sich für das Recht der indigenen Bevölkerung auf Bildung einsetzt. (Link siehe unten) Nach dreieinhalb Monaten als Aushilfslehrerin in der Indiodorfschule stand nun mit den Galapagos-Inseln eine touristische Station auf dem Programm - aber sie hinterließ nicht nur positive Gefühle. Inzwischen ist Ruth Zbinden wieder im Hochland in Ecuador unterwegs, in einer paradiesischen Landschaft, wo sie viele US-Rentner trifft. GALAPAGOS (NNA). Wenn man Ecuador sagt, denkt man meistens auch an Galapagos, die geheimnisvollen Vulkaninseln im Pazifik, 1000 Kilometer vom Festland entfernt. Lange Zeit blieben die Inseln von Menschen verschont. Um ihre Entstehung und Eroberung ranken sich viele Legenden. Der erste Entdecker der feuerspeienden Berge soll der Inkaherrscher Tupac Yupanqui gewesen sein. Zur Zeit der spanischen Eroberer wurden dort die Riesenschildkröten entdeckt, die den Inseln auch den Namen gaben. (Spanisch galapago = Schildkröte). Bis heute wird entdeckt und geforscht, teilweise mit widersprüchlichen Ergebnissen. Die ganze Insellandschaft ist ein riesiger Nationalpark. Gleich bei der Ankunft - meistens per Flugzeug - muss man 100 Dollar Eintrittsgebühr bezahlen und wird auf Verhaltensvorschriften aufmerksam gemacht. Ein Individual-Tourismus ist nur sehr beschränkt möglich, denn an die interessanten Orte werden nur die immatrikulierten Schiffe zugelassen und die halten sich an einen streng geregelten Fahrplan. So wird vermieden, dass zu viele Menschen sich zur gleichen Zeit am gleichen Ort einfinden. Kreuzfahrschiffe verschiedener Preisklassen fahren von Insel zu Insel, Landgänge finden immer unter der Leitung einheimischer und anerkannter Führer statt. Wieder an Deck wird man meistens verwöhnt und erlebt komfortable Tage. Zu sehen bekommt man eine einzigartige Vulkanlandschaft und wunderbare Stimmungen. Man braucht kein Fernglas, um Tiere zu beobachten. Familien und ganze Rudel von Seelöwen lassen sich überhaupt nicht stören. Leguane scheinen artig zu posieren; doch durch ihr Verharren können sie viel Sonnenwärme aufnehmen. Wenn sie herumspazieren, hinterlassen sie mit ihrem langen Schwanz eine gut sichtbare Spur. Verschiedene Fregattvögel zeigen ihre Flugkünste und ein äußerst sehenswertes Balzverhalten. Die Männchen imponieren dem Weibchen, indem sie den riesigen roten Blasbalg an der Kehle aufblasen und die Flügel ausstrecken. Pelikane machen atemberaubende Sturzflüge, um zu Nahrung aus dem Meer zu kommen. Der besondere Liebling der Galapagos-Inseln ist der Blaufußtölpel. Wenn zwei sich mögen, tanzen sie und zeigen ihre blauen Füße, öffnen die Flügel und schnattern; sicher ein Liebesgeflüster! Verschiedene Reiher und Flamingos beleben die sumpfigen Flächen und überall zwitschern die Darwinfinken. Mit Schnorcheln bewaffnet kann man ueber 300 Fischarten bobachten, mit Glück sogar eine Wasserschildkröte. Die Riesenschildkröte vom Land hingegen kann man nur in geschützten Gehegen sehen. Dank der Eroberung und Erforschung können wir heute diese Ur-Welt bewundern. Doch dies hat auch eine dunkle Seite. Durch eingeführte Tiere von Siedlern wurde die Nahrungsgrundlage der einheimischen Tiere kahlgefressen oder deren Nester zerstört. Seit einiger Zeit wird nun diesen „Schädlingen“ wie z.B. Ziegen, Esel, Schweine, Ratten und Hunde zu Leibe gerückt. Leider zerstören unsere Haustiere eine Flora und Fauna, deren Kreislauf der Natur noch stimmen könnte. Ich bin nicht nur mit gutem Gewissen nach Galapagos geflogen. Natürlich ist es wunderbar, den großen Echsen in die Augen zu schauen. Man bewundert und fotografiert. Man hält sich natürlich an die strengen Regeln, gar nichts mitzunehmen und nicht den kleinsten Abfall zu hinterlassen, aber… Entspricht unser Verhalten dem Schutz, den eigentlich jeder Flecken der Erde benötigt? Ich bin mit mehr Fragen zurückgekehrt als ich hingefahren bin. Wie würden diese Inseln heute wohl aussehen, wenn die europäischen Eroberer nicht die Macht ergriffen und ihre Kenntnisse und Gewohnheiten verbreitet hätten? Mit unserem enormen Wissens- und Forscherdrang können wir ganze Lebensräume zerstören. Was ist eigentlich Entwicklung? Bringt Entwicklung bessere Lebensqualität? Wenn ja, für wen? Ja, ich habe ein wenig ein schlechtes Gewissen, dass ich hingefahren bin, muss aber unumwunden gestehen, dass ich es sehr genossen habe. Die Morgen- und Abendstimmungen auf Deck oder am einsamen Strand waren erhebend. Unvergesslich bleibt der Moment, als die Sonne im Meer versank und gegenüber im Osten der Vollmond aus dem Meer stieg… All das hat mich tief beeindruckt und hoffentlich auch nachhaltig geprägt. Nur, warum muss man zuerst den Tourismusboom mitmachen, um klarer zu sehen? END/nna/zbi Link: www.cieloazul.ch/ Bericht-Nr.: 090610-01DE Datum: 10. Juni 2009 © 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ |
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