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Thu, 24 Sep 2009

Samen der Liebe zum Blühen bringen: Stiftung Pro Humanus aktiv gegen Armut und für Bildung in Lima – Traumreise Lateinamerika / 5. Bericht

Ruth Zbinden ist eine Waldorflehrerin aus der Schweiz, die vor kurzem in Pension gegangen ist. Nun erfüllte sie sich einen Traum: Mit dem Frachtschiff ist sie nach Mittelamerika gereist, wo sie mindestens ein Jahr lang unterwegs sein wird. Im Mittelpunkt ihrer Reise steht die Mitarbeit in humanitären Projekten. NNA hat sie viele interessante Reportagen von dieser Tour versprochen.

Nach einem längeren Aufenthalt in Ecuador, wo sie in einer kleinen Schule hoch in den Anden als Freiwillige der Organisation cielo azul gearbeitet hat (siehe Link unten), und einer touristischen Etappe, auf den Galapagos-Inseln, die sie in ihrem letzten Bericht beschrieben hat, meldet sich Ruth Zbinden jetzt aus der peruanischen Hauptstadt Lima. Hier traf sie auf die Organisation Pro Humanus.

LIMA (NNA). Der Anflug auf Lima – ich kam von Quito in Ecuador – war beeindruckend: Links grüßte die Cordillera Blanca, die schneebedeckte Andenkette, und rechts der Pazifik. Je näher wir Lima kamen, umsomehr deckte eine dicke Wolken- und Dunstdecke die Landschaft. Hier ist nämlich Winter und somit ist es ganz grau an der Küste.

Am Boden erschreckte mich zunächst das Verkehrsgewimmel in der 12 Mio.-Stadt Lima und ich war froh über die Ruhe und Freundlichkeit meines Taxichauffeurs.

Touristen verbringen meistens nur eine Nacht in Lima, dann geht es weiter zu den berühmten Städten wie Nasca, Arequipa, Cusco und den Titicacsee. Ich hielt mich vier Wochen in Lima auf, weil ich bei der Stiftung Pro Humanus mithelfen wollte. Zwischen den Besuchen in den Projektdörfern wohnte ich in Miraflores, einem ruhigen Quartier am Meer. Die Kontraste kann man sich nicht größer denken! In den vornehmen Hochhäusern wohnen Menschen der dünnen Oberschicht, ein Luxusquartier, das auch in jeder europäischen Stadt stehen könnte.

Das Stadtzentrum ist weitläufig und alles andere als schön. Erschreckend sind dann die riesigen Außenbezirke, die sogenannten jungen Dörfer. Dort hausen Millionen von Menschen, die vom Land in die Stadt geflüchtet sind mit der Hoffnung, dort ein besseres Leben führen zu können.

In dieser Riesenstadt begegnete ich dann drei tüchtigen Frauen: Bettina, die umtriebige Koordinatorin aus Deutschland, aber schon manches Jahr in Peru tätig, Rocío, die erfahrene Kindergärtnerin der Waldorfschule Lima sowie Lyggía, die künstlerisch begabte Klassenlehrerin und Gründungsmitglied der Michæl-Schule in Lima. Zusammen gründeten sie die Stiftung Pro Humanus.

Sie setzt dort an, wo die menschlichen Seelen am dringendsten Hilfe brauchen, wo Erziehung und Schulbildung nicht mehr stattfinden und wieder sichergestellt werden müssen. Aber es wird auch geholfen beim Bau von Häusern und es werden Medikamente verteilt.

Ein Beispiel für die Arbeit der Stiftung war das starke Erdbeben in El Carmen/Chincha, 200km südlich von Lima, im August 2007, das viele der aus einfachen Lehmziegeln gebauten Wohnungen einstürzen ließ. Im Dorf El Carmen leben vor allem in der Landwirtschaft tätige Familien, die arm sind und keine soziale und finanzielle Absicherung haben.

Viele Helfer aus aller Welt waren rasch zur Stelle, um behelfsmäßige Unterkünfte und Nahrung zu organisieren. Pro Humanus war auch dabei, sah aber die seelische Not der Menschen, besonders der Kinder. Die Schule funktionierte zwar bald wieder, konnte den Kindern aber kaum helfen, die Schrecken des Bebens zu verarbeiten. Da setzten die drei Frauen tatkräftig ein. Sie gründeten eine “escuela itinerante”, eine Wanderschule. Bepackt mit Musikinstrumenten, Bastelmaterial, Mal- und Zeichenstiften sowie Papier gingen sie in verschiedene Dörfer. Bettina lud die Kinder des Dorfes ein, indem sie Geige spielend durch das Dorf zog, worauf viele ihr folgten.

In El Carmen war die Arbeit besonders erfolgreich. Ich kam gerade zur rechten Zeit um mitzuerleben, wie nach monatelanger, regelmäßiger Arbeit eine Abschlussfeier vorbereitet wurde. Obwohl sich die 30 Kinder nur einmal pro Woche trafen, konnten sie einige einfache Lieder auf der Flöte spielen. Sie haben Kasperlifiguren modelliert, angemalt und bekleidet und gruppenweise Theaterstücke eingeübt. Sie haben auch viel gezeichnet und Geschichten geschrieben.

Auch den Eltern wurde geholfen, die sich Sorgen machten, ihren Kindern kein Spielzeug bieten zu können. So wurden anschließend an die Freitags-Schulstunden, beim Licht einer einzigen Glühbirne, Bälle, Wolltiere und sogar Puppen gestrickt und genäht. Eindrücklich für mich war, dass die Frauen beim Abschlussgespräch hervorhoben, dass trotz des Erdbebens, das ihnen das Wenige, das sie besessen haben, geraubt hat, eine so reiche Arbeit entstanden ist.

Geplant ist nun, diese Arbeit in irgendeiner Form weiterzuführen, z.B. in einer Sommer-Ferien-Schule. Denn Ferien, wie wir das verstehen, kennen diese Familien natürlich nicht.

Groß war die Freude der Kinder und der anwesenden Eltern bei der Schlussfeier. Die Kinder haben sich gruppenweise in der vorhergehenden Woche zusammengefunden und die Theaterstücke vorbereitet. Diese handelten von Freundschaft, Freude und natürlich von der Liebe! Die Samen für diese Liebe musste Pro Humanus nicht bringen, sie waren und sind in diesen Menschen vorhanden. Aber es wurde mit geholfen, sie zum Wachsen und Blühen zu bringen.

In einer anderen Familie konnte ich ein weiteres Beispiel für die Hilfsaktionen von Pro Humanus miterleben. Hier ging es um den Einsatz auf der Kinderkrebsstation im Krankenhaus Rebagliati in Lima, den die Frauen seit einem Jahr leisten.

Eine gewaltige Erschütterung durchfährt eine Familie, wenn einem Kind die Diagnose Krebs gestellt wird. Obschon auch in Peru die Heilungschancen recht groß sind, gilt es, eine sehr schwierige Zeit durchzustehen, geprägt von der Angst, das Kind früher oder später zu verlieren. Im Krankenhaus Rebagliati liegen ungefähr 20 Kinder verschiedenen Alters. Am Bett eines jeden sitzt ein Familienmitglied. Den Erwachsenen fällt es aber oft noch schwerer als dem Kind, mit der Krankheit umzugehen.

Ein anthroposophischer Arzt, in Zusammenarbeit mit Onkologen, erkannte die Not dieser zutiefst aufgewühlten Menschen. Deswegen gehen Bettina und Lyggía einmal pro Woche in das Spital, bringen einige Kinder ins Spielzimmer, setzen sich ans Bett und lesen, erzählen, malen, zeichnen, musizieren, wie es gerade dem Zustand des Patienten entspricht. So wird durch Kreativität Lebensfreude und normales Leben in den eintönigen Klinikalltag gebracht, der vor allem durch Chemotherapien geprägt ist.

Gespräche mit den Angehörigen sind möglich, denen das Lachen der Kinder wieder Hoffnung gibt. Andere Personen betreuen die Kranken an zwei weiteren Tagen. Bettina erzählte mir von einem sechs Monate alten blinden Säugling, der an einem Hirntumor leidet. Berührt vom Klang der Violine begann das kleine Kind sich freudig zu bewegen und das Gesicht hellte sich auf. Die Mutter an seiner Seite war tief beeindruckt, wie dieses schwerstkranke Kind sichtlich bewegt war vom Klang der Musik. Eine Hoffnung erwacht, die über den irdischen Lebensweg hinaus geht.

Nicht jeder Mensch hat die Kraft wie meine drei Gesprächspartnerinnen, sich so aufopfernd über lange Zeit in den Dienst benachteiligter Menschen zu stellen. Ich bin aber überzeugt, dass auch mitfühlende Gedanken von uns allen helfen können, dass sie ihre Aufgabe fortführen können. Und natürlich auch Spendengelder aus unseren so viel reicher ausgestatteten Heimatländern…

END/nna/rzb

Links: www.cieloazul.ch, www.prohumanus.org

Spenden:

GLS Gemeinschaftsbank Bochum, Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe, Kontonr. 12 33 00 10, BLZ 430 609 67, SWIFT, BIC: GENODEM 1 GLS, Verwendungßweck: Pro Humanus F 344 (bitte immer angeben)

Freie Gemeinschaftsbank Basel, zu Gunsten ACACIA Fonds fuer Entwicklungßusammenarbeit Basel, CH 93 0839 2000 0040 08006, Postcheck Konto 40-963-0, Verwendungßweck: Pro Humanaus Peru (bitte immer angeben)

Bericht-Nr.: 090924-02DE Datum: 24. September 2009

© 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

Grundeinkommen als Segen für Kultur und Bildung

Studie des Hardenberg Instituts bietet Grundlagen für Diskussion – Anregung für die wissenschaftliche Forschung

Von NNA-Korrespondent Ernst Ullrich Schultz

HEIDELBERG (NNA). Während die aktuelle Politik kaum Lösungen für die aktuellen sozialpolitischen Probleme anzubieten hat und weitgehend auf den alten Strukturen beharrt, sind viele zivilgesellschaftliche Initiativen dabei, neue Ideen in der Gesellschaftspolitik zu entwickeln. Dies zeigt sich auch kurz vor der Bundestagswahl: an zahlreichen Orten finden Aktionen und Veranstaltungen statt. Wer sich näher mit dem Thema befassen will, findet in der neuen Studie von Angelika Dietz „Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens und ihre möglichen Auswirkungen auf Bildung und Kultur“ eine gute Grundlage. Sie ist am Hardenberg Institut in Heidelberg erschienen.

Die sechzigseitige Untersuchung, die unter www.hardenberginstitut.de kostenlos heruntergeladen werden kann, geht ausführlich auf die verschiedenen Grundeinkommensmodelle ein, insbesondere auf die von Götz Werner angeregten Zukunftsentwürfe. Über die möglichen Auswirkungen dieses neuartigen Reformansatzes gibt es bisher kaum wissenschaftliche Untersuchungen. Zukunftsforschung scheint in unserem heutigen Wissenschaftsbetrieb eher ein Schattendasein zu führen, wesentlich häufiger ist man mit Themen aus der Vergangenheit beschäftigt.

Die Autorin Angelika Dietz beschreibt im ersten Teil der Untersuchung die Grundlagen und Prinzipien eines bedingungslosen Grundeinkommens, die verschiedenen Finanzierungsmodelle und die möglichen allgemeinen Auswirkungen, insbesondere auf die Arbeitswelt. Wer mit dem Thema vertraut ist, wird hier wenig neue Argumente finden. Hingegen kommt die Autorin in den Kapiteln zu den kulturellen Auswirkungen auf interessante Aspekte. Die Beschreibung der so genannten Baumol’schen Kostenfalle beschreibt drastisch die Probleme der heutigen kulturellen Einrichtungen.

Das von den amerikanischen Soziologen Baumol und Bowen 1965 erstmals beschriebene Problem, dass sich die Einkünfte im gewerblichen Bereich dank der Produktivitätsfortschritte im Vergleich zu den Einkommen der Kulturschaffenden immer weiter auseinander entwickeln, da der Aufwand beispielsweise eines Symphoniekonzertes nicht rationalisiert werden kann. So muss der Kulturbetrieb immer stärker subventioniert oder von Sponsoren unterstützt werden. Ein Grundeinkommen könnte für eine größere Unabhängigkeit der in kulturellen Institutionen tätigen Menschen sorgen. Der Bildungssektor, so prognostiziert Angelika Dietz, könnte sich insgesamt unabhängiger und freier entfalten.

Die Autorin macht keinen Hehl daraus, dass sie mit der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens sympathisiert, jedoch gibt sie auch den Argumenten der Skeptiker im letzten Teil der Studie ausführlichen Raum und überlässt es den Lesern, darüber zu befinden. Zu ergänzen ist allerdings, dass in dieser Untersuchung ein Hinweis fehlt auf die wachsende Zahl ehrenamtlich geleisteter Arbeit, welches das Argument von Kritikern ad absurdum führt, dass nur die bezahlten Tätigkeiten für die Menschen eine Sinnhaftigkeit darstellen würden.

Auf die kritischen Stimmen aus der feministischen Bewegung geht Angelika Dietz ebenfalls ein, die behaupten, ein Grundeinkommen würde die Chancen auf dem Arbeitsmarkt weiter verschlechtern. Die Autorin stellt hierzu jedoch die Frage, ob das Problem der Chancengleichheit der Geschlechter nicht durch andere Bemühungen gelöst werden könnte und ein bedingungsloses Grundeinkommen mehr Wahlfreiheit in die Familien brächte und der Frau im Konfliktfall größere Unabhängigkeit ermöglicht.

Die insgesamt sorgfältig recherchierte und auch für Laien gut verständliche Untersuchung kann sicherlich einen Anstoß zu weiteren fruchtbaren Sozialforschungsprojekten und akademischen Fragestellungen geben.

END/nna/eus

Link: www.hardenberginstitut.de/download

Bericht-Nr.: 090924-01DE Datum: 24. September 2009

© 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

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