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Mon, 23 Nov 2009

Samen der Liebe zum Blühen bringen (2. Teil): Durch Bildung sollen die Ureinwohner Perus zu ihrer Identität finden - Traumreise Lateinamerika / 6. Bericht

Ruth Zbinden ist eine Waldorflehrerin aus der Schweiz, die vor kurzem in Pension gegangen ist. Nun erfüllte sie sich einen Traum: Mit dem Frachtschiff ist sie nach Mittelamerika gereist, wo sie mindestens ein Jahr lang unterwegs sein wird.

In Lima begegnete Ruth Zbinden den Gründerinnen der Stiftung Pro Humanus und begleitete sie in ein Erdbebengebiet und bei der Hilfe für an Krebs erkrankte Kinder. Im Zentrum der Organisation steht außerdem die Verbesserung der Bildungschancen für die indigene Bevölkerung – ein Thema, das sich auch Ruth Zbinden bei ihrer Reise als Hauptaufgabe gestellt hatte.

Nach all den Jahren an der Waldorfschule in der Schweiz mit ihrem Wohlstand einmal dort mit anpacken, wo das Allernötigste fehlt – das war die Motivation für ihre „Traumreise Lateinamerika“. Und so finden wir sie in ihrem neuen Bericht wieder im Hochland von Huancavelica auf ca. 3.500 Meter Höhe, wo die Stiftung Pro Humanus ein Bildungsprojekt vorbereitet.

LIMA (NNA). Seit Jahrtausenden ist der lateinamerikanische Kontinent die Heimat vieler Völker, die heute noch eine reiche Kultur besitzen. Der gesunde Boden gibt Nahrung.

Vor 500 Jahren geschah das, was wir alle aus den Geschichtsbüchern kennen: Europäische Eroberer machten sich auf; nicht um neue Länder zu entdecken, sondern um sie zu erobern. Hier in Peru waren es die Spanier. Die Tempel der Ureinwohner wurden nieder gerissen und auf deren Trümmern Kirchen erbaut. Rituale Objekte aus den Bodenschätzen wie Silber und Gold wurden eingeschmolzen und nach Europa gebracht. Am schlimmsten aber ist, dass diesen Menschen Sprache und Kultur verboten wurde. Sie wurden vergewaltigt, ermordet und zur Sklavenarbeit gezwungen.

Die Befreiung von den Spaniern 300 Jahre später hat den Mestizen (Mischlingen) und besonders den Weißen geholfen, aber nicht den Indigenas. Sie blieben geknechtete Menschen und sind es oft auch heute noch. Leider besteht die Ausbeutung weiter, nur geschieht es oft unter dem Deckmantel der „Entwicklung“. Reiche Bodenschätze wie Erdöl, Gas und Mineralien sowie Kaffee, Schokolade und Früchte werden weltweit gehandelt. Bei den Handelsunternehmen bleibt auch oft das große Geld stecken. Die Menschen, die die harte Arbeit tun, leben weiterhin in sehr armen Verhältnissen und ohne jegliche soziale und finanzielle Absicherung. Meistens sind sie wegen mangelnder Schulbildung auch unfähig, sich dagegen zu wehren. Und das geschieht in Ländern, die von den Bodenschätzen und dem Klima her eigentlich die reichsten sein sollten.

So trifft es zu, dass theoretisch jedes Kind Zugang zum Schulwesen hat, aber in der Praxis sind die Indigenas immer noch stark benachteiligt. Oft müssen die Kinder auch mithelfen, für den Unterhalt der Familie zu sorgen.

ADECAP (Gemeinschaft zur Entwicklung der andinen Bevölkerung Perus) ist eine Organisation Indigenas, die sich dafür einsetzt, dass das Gesundheitswesen, die Landwirtschaft, das Rechtswesen und auch die Pädagogik in den vernachlässigten Regionen Hilfe erhält. Eine tüchtige Frau, Amanta, fand den Weg zum Lehrerseminar der Waldorfschule in Lima. Sie trägt die erworbenen Kenntnisse bis in die entlegensten Dörfer und hat ein Projekt entwickelt mit einigen interessierten Lehrern. Sie wollen den Kindern durch die anthroposophische Pädagogik mehr Selbstvertrauen geben, ihre Kultur bewusst zu leben und gleichzeitig die Augen zu öffnen für die Welt. Denn langfristig kann nur geholfen und etwas verändert werden, wenn wir bei der Erziehung und Bildung der Kinder ansetzen. Die nächste Generation soll dann selbstbewusster zu ihren Wurzeln stehen können und für ihre Rechte gezielter kämpfen.

Die Frauen von pro Humanus, die ich in Lima kennengelernt hatte, wurden auch hier um Hilfe gebeten. Wir kennen sie schon aus meinem letzten Artikel: Bettina, die umtriebige Koordinatorin aus Deutschland, aber schon manches Jahr in Peru tätig, Rocío, die erfahrene Kindergärtnerin der Waldorfschule Lima sowie Lyggía, die künstlerisch begabte Klassenlehrerin und Gründungsmitglied der Michæl-Schule in Lima. Zusammen gründeten sie die Stiftung Pro Humanus. Sie setzt dort an, wo die menschlichen Seelen am dringendsten Hilfe brauchen, wo Erziehung und Schulbildung nicht mehr stattfinden und wieder sichergestellt werden müssen. Aber es wird auch geholfen beim Bau von Häusern und es werden Medikamente verteilt.

Mit Rocio war ich dann einige Tage in Atocc, einem sehr kleinen Dorf oberhalb Pampas, im rauhen Andenklima. Seit gut einem Jahr erhält die Kindergärtnerin Hilfe und Anregung, wie der Alltag kindgerechter gestaltet werden kann. Bettina und Lyggia waren in einem noch weiter entlegenen Dorf, wo sie in der Dorfschule halfen.

Ich konnte einen Elternabend miterleben, wie er für diese Bevölkerung ungewohnt war. Es wurde nicht von Waldorfpädagogik gesprochen und auch keine Schulgründung geplant, sondern anthroposophische Pädagogik als mensch- und kulturgerechte Ausbildung dargestellt. Der Aussaat- und Erntetanz, den die Kinder am Vormittag freudig machten, wurde mit den Eltern noch einmal getanzt. Dass die Kinder zum Teil auch dabei waren, Säuglinge auf den Rücken der Mütter schliefen und auch ein Hund zwischen unseren Beinen herumlief, gab dem Ganzen einen zukunftsfreudigen Glanz.

Wenn die „Weisheit des Menschen“ diesen Völkern hilft, wieder zu ihrer Identität stehen zu können, sich zu behaupten und aus den Trümmern dieses sehr langen Erdbebens neues Leben entsteht, ist wohl ein besonders erhabenes Ziel erreicht.

End/nna/zbi

Link: http://www.prohumanus.org

Spenden:

Freie Gemeinschaftsbank Bochum, Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe, Kontonr. 12 33 00 10, BLZ 430 609 67, SWIFT, BIC: GENODEM 1 GLS Verwendungs-zweck: Pro Humanus F 344 (bitte immer angeben)

Freie Gemeinschaftsbank Basel, zu Gunsten ACACIA Fonds fuer Entwicklungßusammenarbeit Basel, CH 93 0839 2000 0040 08006, Postcheck Konto 40-963-0, Verwendungs-zweck: Pro Humanus Peru (bitte immer angeben).

Bericht-Nr.: 091123-01DE Datum: 23. November 2009

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