NNA Nachrichten



Wed, 21 Mar 2012

BBC-Dokumentarfilmer Stedall verwirklicht großes Steiner-Projekt

LONDON (NNA). Ein Dokumentarfilm des preisgekrönten Filmemachers Jonathan Stedall zu Leben und Werk von Rudolf Steiner hatte im Februar im Rudolf Steiner Haus in London Premiere.

Die Dokumentation „The Challenge of Rudolf Steiner“ wurde in fünf Ländern auf drei Kontinenten gedreht. Die Dokumentation, ein Zweiteiler (jeder Teil geht über 90 Min), bietet nicht nur einen historischen Überblick über Steiners Leben, sondern zeigt auch sein Vermächtnis auf der ganzen Welt.

„Diese Dokumentation stellt sich zwei Herausforderungen: zum einen dem Verständnis der Kernaussage von Steiners Werk und zum zweiten der Aussage darüber, was es für die Zukunft bedeutet,“ wie Cupola Productions, die den Film gedreht, vertreibt und finanziert hat, auf ihrer Website schreibt. „Wie kann uns sein Genie helfen, die heutigen ökologischen, psychologischen und spirituellen Krisen zu überwinden? Wie können wir unser inneres Streben mit unseren äußerlichen Handlungen in Einklang bringen?“

Gefilmt wurde in Österreich, der Schweiz, Indien, den USA und in Großbritannien. Neben der Lebensgeschichte Rudolf Steiners erzählt der Film die Verbreitung seiner Ansichten, speziell durch Waldorfschulbewegung, die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die Eurythmie, die Camphill-Einrichtungen, durch die Weleda und auch das weltweite Netzwerk medizinischer anthroposophischer Arbeit. Auch das Hiscia Institut in Arlesheim in der Schweiz und das Blackthorn Medical Centre in Maidstone, Großbritannien werden einbezogen.

Stedall hat für seinen Film auch eine Generalversammlung der Triodos Bank in London besucht, einen biographischen Beraterkurs am Emerson College, eine Konferenz der Asia Pacific Region der Anthroposophischen Gesellschaft in Hyderabad und eine internationale Mediziner Tagung im Goetheanum in Dornach in der Schweiz, dem Hauptsitz der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. Ein anderer Aspekt der Dokumentation untersucht waldorfpädagogische Ansätze im staatlichen Schulsystem. Sie zeigt die Charter Schulbewegung in den USA und die Akademieprogramme in Großbritannien.

Für Jonathan Stedall stellt das Projekt die Erfüllung eines lange gehegten Traums dar, mit der er „die zwei parallelen Themen in meinem Leben, die Arbeit als Dokumentarfilmer und mein großes Interesse an der Arbeit Rudolf Steiners“ zusammen gebracht hat, sagte er im Gespräch mit NNA.

„Nach zahlreichen Filmen für die BBC über Camphillgemeinschaften und –schulen in Großbritannien, der Schweiz und in den USA und einem Promotionfilm für die Waldorfschulgemeinschaft Großbritanniens im Jahr 1994, hatte ich jetzt endlich die Möglichkeit, ein umfassenderes Bild zu zeichnen – das Leben und das Vermächtnis einer Person und damit Ideen und Ansichten die, wie ich glaube, immer entscheidender werden,“ betonte Stedall.

Für den Filmemacher kam das Projekt genau zur rechten Zeit: „Im Jahr 2011 zu Filmen, dem Jahr des 150. Geburtstags Steiners, erkannte ich ganz zufällig - wenn man an so etwas wie Zufälle glaubt - dass es auch mein 50. Jahr als Filmer ist. Und obwohl sich in der Vergangenheit zahlreiche Gelegenheiten boten, so ein Projekt zu starten, bin ich tatsächlich dankbar, dass ich so lange warten musste. Denn obgleich es immer noch Dinge gibt, die ich übers Filmemachen dazulernen kann – und sicherlich auch eine Menge mehr über Steiners außergewöhnliches Leben und sein Vermächtnis – habe ich doch etwas mehr Erfahrung als vor 10 oder 20 Jahren, oder selbst gestern“.

„The Challenge of Rudolf Steiner“ ist an Fernsehzuschauer quer durch die englischsprachige Welt gerichtet, genauso wie an Kunsthäuser und Filmfestivalkreise. Der Film wird auch auf DVD erhältlich sein. Wenn der Film genug Gelder einspielt, ist geplant, dass man ungezeigte Inhalte herunterladen kann z.B. längere Versionen der Interviews mit den im Film gezeigten Menschen. Eine erste Aufführung der beiden Filmteile außerhalb des englischsprachigen Raums ist für den 25. (20Uhr) und 26.März (14 Uhr) am Goetheanum in Dornach vorgesehen.

Letztes Jahr feierte Jonathan Stendall sein 50jähriges Jubiläum als Dokumentarfilmer, 27 Jahre davon bei der BBC, wo er mit vielen prominenten Figuren des öffentlichen Lebens zusammengearbeitet hat. Er drehte Filme über Tolstoi, Gandhi und C. G. Jung und über die Arbeit von Camphill. Sein Buch „Where on Earth is Heaven?“ wurde 2009 veröffentlicht.

END/nna/cva/lml

Links:

Cupola Productions Ltd.: www.rudolfsteinerfilm.com

Jonathan Stedall: www.jonathanstedall.co.uk

Bericht-Nr.: 120321-01DE Datum: 21. März 2012

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Tue, 20 Mar 2012

Endstation Dornach: Ich freue mich wenn es regnet.

Das Buch Endstation Dornach hat seit seinem Erscheinen Kontroverse und Diskussion ausgelöst. Walter Siegfried Hahn hat es für NNA gelesen - sogar zwei Mal.

MAINZ (NNA). Es gibt Werke, die sind erst dadurch berühmt geworden, dass sie unterdrückt, tot geschwiegen, missachtet oder verboten wurden. Das sagt nicht unbedingt etwas über ihre Qualität, eher über die Umgebung, in die hinein sie veröffentlicht wurden. Oder zumindest regt es Gedanken an, warum das Werk so behandelt wird: Was ist da wohl Schlimmes dran? Diese Mechanismen macht sich auch so mancher Marketing-Manager zunutze, indem er mit seinen Werbemaßnahmen bewusst provoziert. Und um so ein schlimmes Werk handelt es sich hier – die Provokation ist jedenfalls sehr deutlich und bewusst vollzogen. In der Szene, in der es veröffentlicht, für die es geschrieben ist, hat sich in der kurzen Zeit seines Erscheinens schon einiges an massiven Reaktionen ergeben, teilweise nachzulesen auf www.endstation-dornach.de. Das spricht zumindest dafür, dass die Provokation gelungen ist. War´s das nun oder inwiefern ist das Werk des Lesens wert?

Worum handelt es sich? Vier junge Männer (jung gemessen am Durchschnittsalter ihres Zielpublikums) treffen sich zu Gesprächen über Rudolf Steiner, die Anthroposophie und die Anthroposophen. Prädestiniert dazu sind sie irgendwie ja auch, weil sie alle mal Waldorfschüler waren. Vor allem aber haben sie sich lange und intensiv mit der Materie beschäftigt und es ist durchaus nützlich und interessant, was da an Perspektiven und Zitaten eingebracht wird. Das Ganze spielt sich an drei für die Anthroposophie wichtigen Orten ab, im „Katharerland“, in Dornach und in Berlin, wo Steiner vom literarisch-philosophischen Bohemien zum Theosophen wurde. Damit nicht genug, steht für die Verknüpfung der Orte noch ein VW-Bus zur Verfügung, der einen Abstecher in einer Autobahnkirche erlaubt und den Charakter eines Road Movie unterstreicht. Die unterwegs gehörten Soundtracks werden dann auch detailliert angegeben – sollte man allerdings von ihnen auf die Qualität der Diskussionen schließen, wäre man schlecht beraten, handelt es sich doch fast ausnahmslos um banale Produkte einer Unterhaltungsindustrie, die quer zu den Anliegen der Autoren und ihres Diskussionsstoffs liegen. Aber vielleicht lässt sich das ja auch als Teil der Ungereimtheiten des Lebens interpretieren, die zu kritisieren sie sich bei anderen zum Ziel gesetzt haben.

Die Gespräche der vier „Evangelisten“ entwickeln sich über die 350 Seiten gut griffigen Papiers von eher philosophischen Themen zu mehr persönlichem, um schließlich in deutlich absurdem Szenario zu enden. Zwischen viel Zigaretten-Qualm, Kaffee, Alkohol unterschiedlichster Provenienz und Güte, Süßigkeiten aller Art findet sich wohl für jede Leserin etwas Ansprechendes oder Provokantes – obwohl wohl schon beim Zigaretten-Qualm der eine oder die andere vermutlich zu lesen aufhört. Nun, das gehört zum Plot und ist nur einer der unzähligen Haken, an denen man sich verfangen kann. Während die erkenntnistheoretischen Diskussionen eine intellektuelle Herausforderung darstellen, wird es seltsam banal, wo es persönlich wird: Das Kapitel über die Waldorfschulzeit strahlt tatsächlich die größte Wärme aus und verblasst zugleich in Belanglosigkeiten.

Den Meinungen, „die“ Anthroposophie habe dieses Buch nicht nötig, kann ich mich nicht anschließen. Ich habe buchstäblich Hunderte von Menschen erlebt, die sich durch Engstirnigkeit, Dogmatismus und Arroganz von Anthroposophen und Anthroposophinnen von der Anthroposophie abgewendet haben. Schade drum eigentlich. Bei aller Kritik an dem Buch – Angriffsfläche bietet es genug wenn man es ernst nimmt, schließlich ist es als Satire angelegt – ist nicht zu übersehen, dass die vier Autoren mit „Herzblut und Engagement“ dabei sind. Statt sich abzuwenden und das Feld denen zu überlassen, derentwegen sich viele abwenden, kommen sie mit einem lustigen Text daher, der nicht zuletzt bemüht ist um die „Aufhebung der künstlichen Trennung von Geist und Spaß.“ Soll man sie jetzt negieren, schön reden, abtun, ausschließen oder was? Gäbe es einen Platz in dieser Bewegung, die doch nun wirklich exzentrische Typen en Masse hervorgebracht hat und sie alle irgendwie trägt. Mal abgesehen von denen, die tatsächlich ausgeschlossen wurden. Schade drum eigentlich.

Man braucht nicht weit zu lesen in diesem Buch, um sich schlauer vor zu kommen, sich überheblich abzuwenden oder mit einem Steiner-Zitat alles für ungültig zu erklären. Interessanter wird es, wenn man sich auf die eine oder andere Provokation, den einen oder anderen Dissens einlässt und damit umgeht. Dann hätte das Buch seinen Zweck erfüllt. Mich selbst hat es jedenfalls mehr bewegt als so manches an Schöngeistigem, was in den bekannten Verlagen erscheint.

Was selten vorkommt: Ich habe es mir gleich nach Beendigung der Lektüre ein zweites Mal vorgenommen. Das Buch ist ein anthroposophisches Werk, weil es umfassend anregt. Wenn man sich dabei erstmal in Emotionen verstrickt und sich über die Autoren und ihr Werk entsprechend auslässt, zeigt das ja nur, wie wenig das Fühlen entwickelt und wie schwierig die Sache mit dem Denken ist.

Nehmen wir die Reaktionen wie das Buch selbst als einen Teil der Realsatire, die wir erleben, ist vielleicht alles nicht so schlimm. Oder wie Karl Valentin es sagt: „Ich freue mich wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“

END/nna/wsh

Christian Grauer - Felix Hau – Christoph Kühn – Ansgar Martins: Endstation Dornach - ISBN 978-3-981487-0-1

Bericht-Nr.: 120320-01DE Datum: 20. März 2012

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Sun, 18 Mar 2012

Radioaktivität als moralische Herausforderung

Fukushima zeigt: Enorme Gefahren auch durch Unzulänglichkeit des Bewusstseins - Veranstaltung der anthroposophischen Verlage zur Buchmesse in Leipzig

Von NNA-Korrespondentin Cornelie Unger-Leistner

LEIPZIG (NNA). Der Ablauf der Ereignisse um das Atomunglück in Fukushima hat erneut deutlich gemacht hat, dass das Denken der Gegenwart dem Umgang mit der „Naturkraft Radioaktivität“ nicht gewachsen ist. Ihre Auswirkungen werden bis ans Ende des Jahrhunderts und darüber hinaus eine dramatische Herausforderung für die Menschheit bleiben. Diese Thesen standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung mit dem Physiker und Theologen Dr.  Hans-Bernd Neumann, zu der die anthroposophischen Verlage auf der Leipziger Buchmesse eingeladen hatten.

„Anthroposophie und die Zukunft der Erde“ war der Titel des diesjährigen Programms der Verlage, zu dem zahlreiche Autoren zu Veranstaltungen nach Leipzig gekommen waren. Auch Neumanns Thesen stammen aus seinem Buch, das in diesem Jahr erschienen ist (siehe Literaturhinweis).

Als „Scheinsicherheit“ bezeichnete er die gegenwärtige Informationslage zum Reaktorunglück in Japan. Die Politik der Verantwortlichen sei vor allem geprägt von der Absicht, keine Beunruhigung oder Panik bei der Bevölkerung hervorzurufen. So grenze die verbreitete Aussage von der „kalten Schnellabschaltung“ des havarierten Reaktors an eine Lüge, betonte Neumann. Niemand wisse, was in den Reaktorblöcken tatsächlich passiert sei: „Das sind alles nur Vermutungen“. Die Anlagen seien so hoch radioaktiv, dass man bestenfalls in zehn Jahren zu präzisen Erkenntnissen über die Lage in ihrem Innern gelangen könne.

Die atomare Bedrohung, die von Fukushima ausgehe, verschwinde bereits wieder aus dem öffentlichen Bewusstsein. Wie schon beim Atomunfall von Tschernobyl gebe man sich der Illusion hin, dass es sich um einen Einzelfall handele. „Bei Tschernobyl konnte man die Missstände in der damaligen Sowjetunion verantwortlich machen, jetzt ist es der Betreiber Tepco“, meinte Neumann. Dem stelle er seine These entgegen, dass die Menschheit der Gegenwart ein grundsätzliches Problem im Umfang mit der Radioaktivität hat.

Unser „von der Logik geprägtes Denken“ sei den Kräften, die im 20.Jahrhundert von den Forschern entdeckt worden sind, nicht gewachsen. Durch die Atomspaltung, aber auch durch die Möglichkeit der Zerteilung des Zellkerns und durch die sich gegenwärtig neu ausbreitende Nanotechnologie sei die Wissenschaft an eine Grenze gelangt. An einer vergleichbaren Schwelle sieht Neumann auch Kunst und Religion. Wie in der Kunsttheorie Kandinskys und in der modernen E-Musik der wahrnehmende Beobachter zum Teil des Kunstwerks werde, so ziehe z.B. auch die Unschärferelation eines Werner Karl Heisenberg oder auch die Quantenmechanik ein neues Verständnis von Erkenntnis und Realität nach sich. Die Wirklichkeit entstehe danach auch aus dem Bewusstsein des Menschen. Die in der Antike entwickelte und im modernen Denken herrschende Logik gehe von einem Richtig oder Falsch aus und werde diesen neuen Entdeckungen nicht mehr gerecht.

Mit dem Bewusstsein der Gegenwart ist die „Naturkraft Radioaktivität“, mit der die Atomanlagen betrieben werden, von daher prinzipiell nicht beherrschbar. Neumann unterstrich außerdem die Gefahren, die weltweit drohen durch geologisch unhaltbare Standorte, die erdbebengefährdet seien oder auch durch ungeeignete Betreibermannschaften. Ein „tragbares Restrisiko“ könne es bei Radioaktivität nicht wirklich geben. Plutonium mit seiner Halbwertzeit von mehr als 500.000 Jahren sei „eine der gefährlichsten Substanzen der Erde.“

Der Referent erläuterte die Auswirkungen der radioaktiven Strahlung auf die Lebensprozesse, er bezeichnete sie als „Angriff auf die Fähigkeit, lebendig zu bleiben“. Das Entscheidende dabei seien die langfristigen Wirkungen. Auch bei dem Unglück in Fukushima seien nur wenige Opfer von Primärstrahlung geschädigt worden, die kurz- oder mittelfristig zum Tode führe, weil die Zellen ihre Fähigkeit zur Aufnahme von Wasser verlieren. Die eigentlichen Auswirkungen werden seinen Worten zufolge verstärkt gegen Ende des Jahrhunderts bei den nachfolgenden Generationen als gentechnische Veränderungen auftreten. Es sei eine „Geste der Radioaktivität“, das Leben der Zukunft zu bedrohen. Durch die Globalisierung und die Vermischung der Völker sei damit zu rechnen, dass sich die gentechnischen Veränderungen weit über die eigentlich betroffenen Gebiete hinaus verbreiten.

Neumann wies in diesem Zusammenhang auf die derzeit schon bestehenden Möglichkeiten der pränatalen Diagnostik hin. Nehme man diesen Gedanken dazu, zeige sich, welche enormen moralischen Herausforderungen durch die Nutzung der Radioaktivität auf die Menschheit zukommen.

Der Referent versah die „Naturkraft Radioaktivität“ abschließend daher mit einem „Fragecharakter“: „Wie werden wir mit dem Menschsein in Zukunft umgehen“, lautete eine der Fragen, die sie stelle und „Was können wir auf einer tieferen Ebene jetzt schon tun, um unsere Lebenskräfte zu stärken und Lebensprozesse in Gang zu setzen“ die zweite.

Eine der Nachfragen des Moderators der Veranstaltung, INFO3-Chefredakteur Dr.  Jens Heisterkamp, galt einem Beinaheunfall im Jahr 2006 im Kernkraftwerk Forsmark in Schweden, den Neumann erwähnt hatte. Nur durch regelwidriges Verhalten eines Mitarbeiters sei eine Kernschmelze damals verhindert worden, erläuterte Neumann und belegte damit einmal mehr seine These von der anhaltenden Gefahr durch die Nutzung der Atomkraft.

Für Zuschauer des Fernsehprogramms ARTE, die Anfang März den Themenabend aus Anlass des Jahrestags der Reaktorkatastrophe in Japan gesehen hatten, bot der Abend mit Neumann im Leipziger Mendelsohn Haus einen erschütternden, weil bestätigenden Hintergrund (siehe Link).

Auch ARTE hatte in seinem Beitrag zum Jahrestag von Fukushima aufgezeigt, wie das wahre Ausmaß der Katastrophe vor den Menschen innerhalb und außerhalb von Japan vertuscht wird und dass die Gefährdung, die von dem havarierten Reaktor ausgeht, keineswegs der Vergangenheit angehört.

Die ARTE-Reporter hatten japanische Wissenschaftler bei Messungen begleitet, die von den japanischen Behörden an dieser Tätigkeit gehindert worden waren. Auf eigene Faust hatten sie direkt nach dem Unglück Messungen der Strahlenbelastung in den verschiedenen Sperr- und Evakuierungsgebieten durchgeführt. Ein Teil der Forscher war auch an Forschungen rund um den Unglücksreaktor in Tschernobyl beteiligt gewesen, von daher flossen Vergleiche mit der Situation dort in die Analyse in Japan mit ein. Danach ist die Verstrahlung in der Sperrzone um Fukushima 14mal höher als in dem entsprechenden Gebiet in Tschernobyl.

Nach Auffassung der japanischen Wissenschaftler wurde die Bevölkerung auch nicht gemäß den vorliegenden Strahlenwerten evakuiert, sie fanden sog. Hot Spots mit hohen Strahlenwerten auch außerhalb des Sperrgebiets und nicht tolerierbare Werte außerhalb der Evakuierungsgebiete. ARTE zitierte einen Bericht der Zeitschrift „Nature“, nach dem außerhalb des Sperrgebiets auch Plutonium gefunden worden sein soll.

Erwähnt wurde in der Sendung auch – was Neumann auf Nachfrage ebenfalls bestätigte und was in der Öffentlichkeit in Deutschland kaum bekannt sein dürfte, dass sich auf dem Gelände in Fukushima ein Lager von Brennstäben befindet und zwar in Block vier, über dessen Verfassung ebenfalls keine genauen Informationen vorliegen. 1500 Brennstäbe werden in einem Abklingbecken aufbewahrt, die sich bei einem Defekt der Kühlung auch wieder aktivieren könnten. Im ARTE-Bericht wurden sie als „tickende Zeitbombe“ bezeichnet. Käme es hier zu einer Havarie, wäre eine Evakuierung im Radius von 250 km nötig - Japans Hauptstadt Tokio wäre unweigerlich betroffen.

End/nna/ung

Literaturhinweis: Hans-Bernd Neumann: Radioaktivität und die Zukunft des Menschen Urachhaus Verlag 2012

Link: http://www.arte.tv/de/Das-Ende-des-Atomzeitalters-/6391500.html

Bericht-Nr.: 120318-01DE Datum: 18. März 2012

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Thu, 08 Mar 2012

Thomas Kraus für zivilgesellschaftliches Engagement ausgezeichnet

Festakt im Berliner Rathaus

BERLIN (NNA). Thomas Kraus von der Initiativgruppe der Europäischen Kongresse für Menschen mit Behinderungen „In der Begegnung leben“ ist einer von sieben Preisträgern, die am Montag für ihr zivilgesellschaftliches Engagement vom Bündnis für Demokratie und Toleranz im Wettbewerb „Aktiv 2011 für Demokratie und Toleranz“ ausgezeichnet wurden. Die Preisverleihung diene dazu, den Preisträgern öffentliche Anerkennung und Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, erklärte das Bündnis in einer Mitteilung. 

Die Preisverleihung fand in einem kleinen Festakt im Berliner Rathaus statt und wurde vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, und von Professor Dr.  Wolfgang Benz vorgenommen, dem ehemaligen Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin und Beiratsmitglied des Bündnisses. Wolfgang Benz begründete die Außeichnung, dass es ihnen wichtig war, auch eine Initiative für Menschen mit Behinderung zu würdigen, so eine Pressemitteilung der Initiative für die Europäischen Kongresse.

In den letzten Jahren sei es Kraus gelungen, die Idee für solche Kongresse erfolgreich in andere Länder zu tragen. Den Beginn machte der Balkankongress in Belgrad 2009. In Brasilien, Russland, Georgien und in Thailand folgten andere. Alle haben sich laut der Initiative an der Idee der bisher fünf Europäischen Kongresse orientiert.

Das Bündnis für Demokratie und Toleranz, gegen Extremismus und Gewalt wurde im Jahr 2000 gegründet von den beiden Bundesministerien des Inneren und der Justiz. Das Ziel ist, zivilgesellschaftliches Engagement für Demokratie und Toleranz in Deutschland sichtbar zu machen und möglichst viele BürgerInnen zum Einsatz für die Demokratie zu ermutigen und anzuregen.

Schon 2007 hatte die Initiative für die Europäischen Kongresse „In der Begegnung leben“ einen Preis vom Bündnis für Demokratie und Toleranz erhalten.

END/nna/cva

Links: www.in-der-begegnung-leben.eu, www.buendnis-toleranz.de

Bericht-Nr.: 120308-01DE Datum: 8. März 2012

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Tue, 06 Mar 2012

Wie kann anthroposophische Arbeit intensiviert werden?

Kein Platz für einen Guru – Ita Wegmans wegweisende Innovation - Vortrag von Johannes Kiersch – 100jähriges Jubiläum der deutschen Landesgesellschaft

Von NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz

BONN (NNA). Um Möglichkeiten einer Intensivierung der anthroposophischen Arbeit ging es bei einem Vortragsabend, zu dem der Bonner Zweig der Anthroposophischen Gesellschaft Johannes Kiersch eingeladen hatte. „Jeder Mensch selbst“- Ita Wegmans Vision zum Fortschritt der Anthroposophie“ lautete der Titel der Veranstaltung. Kiersch ist langjähriger Waldorflehrer und Dozent am Institut für Waldorfpädagogik in Witten- Annen.

In seiner Einstiegsthese wies Kiersch darauf hin, dass einerseits heute beachtliche Wirkungen der Anthroposophie in der Gesellschaft zu erkennen sind, andererseits aber die eigentliche esoterische Arbeit in der anthroposophischen Gesellschaft eher einen Rückgang zu verzeichnen hat.

Kiersch widmete sich dann vor allem den sog. Klassenstunden Rudolf Steiners, einem Kernstück der anthroposophischen Arbeit. Die Zuhörer wurden in einen geschichtlichen Zusammenhang mit der Frage gestellt, wie denn die Klassenstunden Verbreitung finden sollten. Dabei tauchte die Definition des Gurus auf, so wie er im asiatischen Raum Bedeutung findet. Dort leitet der Guru seine Schüler streng von oben nach unten, seine Wirksamkeit bestehe in vollkommener Hingabe des Schülers an den Meister, betonte Kiersch.

Zu einem völlig anderen Ansatz kam Rudolf Steiner in seinen jungen Jahren in Wien und Dornach: Die „Wirklichkeit des eigenen geistigen Selbst“ formulierte Steiner im Brief an einen Freund. So sei er sich seiner geistigen Existenz bewusst geworden. Moralisches Handeln könne sich daher nur aus dem Ich ereignen, nicht etwa durch Verabredungen, zum Beispiel bei den Klassenstunden, legte Kiersch Steiners Standpunkt zu dieser Frage dar. „Lebe dich selbst ganz aus, denn nur wenn Du das selbst auslebst, was du selbst in dir hast, dann geht die Evolution weiter“, erklärt Kiersch Steiners Erkenntnisse. Dieser Impuls wurde später konkretisiert von Steiner: „Der Mensch sei notwendig, damit die Evolution ihren Fortgang weitergehen könne“.

Damit setzt Steiner in der Esoterik auf die individuelle Verantwortung: „Auf jedes Ich komme es an“, wurde Steiner zitiert und dass er zur Übung aufforderte: „Fügen sie irgendetwas Neues ein in ihr anthroposophisches Leben!“, berichtete Kiersch. Steiner hatte damit schon in seiner Jugend eine Ethik entwickelt, die er immer weiter ausarbeitete, „die Freiheitsidee sei das treibende Moment“ macht Kiersch mit Steiners Worten verständlich.

Was bedeutet das nun für den Umgang mit Steiners Klassenstunden? Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass nach Steiners Tod einzelne Texte einzelnen Personen ausgehändigt und die Inhalte gelesen wurden – abweichend von Steiners Ratschlägen dazu. Hier setzt nun Ita Wegmans Impuls ein, wie Kiersch erläuterte.

Trotz ihrer beider engen Arbeitsbeziehung und Freundschaft hatte Rudolf Steiner Ita Wegman nicht als seine Nachfolgerin in der Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft eingesetzt. Sie selbst war der Meinung, ihre persönliche Beziehung zu Steiner lege diesen Schluss nahe, dies wurde in der Gesellschaft jedoch nicht so gesehen, Albert Steffen trat Steiners Nachfolge nach dessen Tod 1924 an. Jahrelange Auseinandersetzung und eine Spaltung der Anthroposophischen Gesellschaft waren bekanntlich die Folge.

Wegman blieb Leiterin der Arlesheimer Klinik und erlebte so die Herausforderung des Jahres 1933. Da sie die Zeitgeschehnisse überschaute, forderte sie: „Wir müssen jetzt zusammenwirken.“ Durch eine lebensgefährliche Erkrankung kam es zu einem besonderen spirituellen meditativen Erlebnis, das vermutlich auch zu ihrer Gesundung führte, ihre Gesundung förderte. „Sie habe noch etwas zu tun“, wird der Grundtenor dieses Erlebnisses in einem Tagebuch geschildert. Wegman rief die Mitarbeiter ihrer Klinik zusammen und teilte ihnen einen Entschluss mit, den sie vor diesem Hintergrund gefasst hatte: Nach jahrelanger Pause würden die Klassenstunden wieder gehalten - allerdings in freier Form.

Ita Wegman suchte nun nach neuen Formen für dieses Kernstück anthroposophischer Arbeit. Sie wird mit der Bemerkung zitiert, was sich als erste Klasse ergebe, das sei noch lange nicht erschöpft, müsse aber anders werden. Der Mensch sei die Form, die die Anthroposophie ausmache. Gleichzeitig begann sie auch selbst ihr Verhalten zu ändern, was von den Mitarbeitern bemerkt und positiv kommentiert worden war. Sie hatte jetzt nicht mehr den Anspruch zu bestimmen. In Hinwendung an ihre Umgebung hatte sie gelernt, ihr soziales Wirken zu gestalten.

Für die heutige Zeit, so Johannes Kiersch, habe sie damit eine Gestaltungsaufgabe hinterlassen, aus der sich Willensimpulse bilden könnten. Heute, so Kiersch, beobachte er Fortschritte in der Toleranz, die sich entwickelt haben. Nicht nur eine Meinung habe Geltung, so wie es früher oft der Fall war. Der Individualisierungsprozess sei zu bemerken.

Diese Frage stand auch im Raum in dem anschließenden Gespräch in kleiner Runde. Die Anthroposophie sei in der biodynamischen Landwirtschaft mit den Demeterprodukten, in der Herstellung anthroposophischen Arznei- und Kosmetikartikel ganz sicher angekommen, genauso in der Pädagogik und in den Heilberufen. Aber ist der einzelne Mensch in Freiheit in der selbstbestimmten Lebensplanung lebendig? Dazu gab es Beispiele, die dies belegen konnten aber auch Missstände, die Verbesserungen bedürfen, kam im Gespräch heraus. Für den einen ist Dornach weiterhin ein Kraftort, andere sehen die Anthroposophie doch in der Gesellschaft in vielfältigeren Erscheinungsformen, oft mehr vom Inhalt her als nach der Benennung. Freie wieder auflösende und beweglich fließende Gespräche in großer Geduld wären zukünftig wichtig, schloss Kiersch.

Beispielhaftes aus der Arbeit der Zweige der anthroposophischen Gesellschaft steht u.a. auch auf der Tagesordnung, wenn die Gesellschaft in Deutschland im September diesen Jahres das 100jährige Jubiläum ihrer Gründung feiert. „ZeitZeichenZwölf - Die Identität der Anthroposophischen Gesellschaft“ lautet der Titel der Tagung in Köln, von der sich die Gesellschaft einen lebendigen Austausch der Zweige untereinander und gegenseitige Anregungen erhofft. Im Juni hält die deutsche Landesgesellschaft eine Mitgliederversammlung in Dornach ab, die den Titel „Im Schmelztiegel des Ich - Die Anthroposophische Gesellschaft, die wir wollen“ trägt. (zu den Tagungsprogrammen siehe Link). Das Jahr 2012 ist so nach 2011, in dem der 150.Geburtstag von Rudolf Steiner für viel Öffentlichkeit zum Thema sorgte, mit seinen Jubiläen erneut ein guter Anlass, Anthroposophie in der Öffentlichkeit darzustellen. Geburtstag hat neben der deutschen Anthroposophischen Gesellschaft in diesem Jahr auch die Bewegungskunst Eurythmie und der „Seelenkalender“ von Rudolf Steiner, der Meditationen gemäß den Stimmungen des Jahresverlaufs ermöglicht.

End/will/ung

Link: http://www.anthroposophische-gesellschaft.org/fileadmin/Agid/Dateien/AGiD_-_Tagungen_Dornach__Köln_2012.pdf

Bericht-Nr.: 120306-01DE Datum: 6. März 2012

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Fri, 02 Mar 2012

Längerer Stromausfall hätte verheerende Folgen

Experten an der Uni Witten/Herdecke diskutierten Katastrophenmanagement bei Störung im Elektrizitätsbereich - Doppelte Herausforderung für Rettungskräfte

WITTEN/HERDECKE (NNA). Länger anhaltende Stromausfälle stellen ein enormes Risiko in den Gesellschaften des 21.Jahrunderts dar. Fast alle Lebensbereiche benötigen mittlerweile Strom, um ihre anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Durch die modernen Kommunikationsmittel sind auch Katastrophenschutz und Rettungskräfte auf Elektrizität angewiesen.

Experten aus Behörden, Hilfsorganisationen und Wissenschaft diskutierten in einem Workshop der Universität Witten/Herdecke die Konsequenzen eines solchen „Super-GAU“ im Elektrizitätsbereich. Hintergrund ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziertes Forschungsprojekt „Prioritätenbildung bei Rettungsmaßnahmen“ an Deutschlands erster Privatuni.

Besondere Aktualität gewinnt das Thema durch Medienberichte, nach denen die Stromversorgung in Deutschland vor kurzem schon vor einem Blackout stand, da Stromhändler die Reserven an Elektrizität offenbar zu Spekulationen genutzt haben. Die Bundesnetzagentur überprüft die Vorfälle während der Kälteperiode Anfang des Jahres. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hatte die Bundesnetzagentur angesichts der anhaltenden Unterdeckung im Stromnetz die gesamte vorgehaltene Elektrizität einsetzen müssen, so dass im Störfall „keine Regelleistung mehr verfügbar“ gewesen wäre. (SZ vom 17.2.12 „Zocken bis die Lichter ausgehen.“)

Am Beispiel des Stromausfalls im Münsterland am 25.11.2005 dokumentierten die Experten beim Herdecker Workshop, dass ein Ausfall der Stromversorgung verheerende Folgen für die Bevölkerung haben würde. Dieser Teil der Infrastruktur sei „einer der anfälligsten Bereiche der Gesellschaft“ und stelle somit einen sicherheitsrelevanten Faktor dar. Institutionen des Bevölkerungsschutzes müssten im Falle eines Stromausfalles einer doppelten Herausforderung begegnen: Den Gedanken des vernetzten Katastrophenschutzes könne man beim Stromausfall als „Trugbild der Lösungsmöglichkeiten“ bezeichnen, betonte Dr.  Thomas Petermann, ehemaliger stellvertretender Leiter des Büros für Technikfolgen-Abschätzung des Deutschen Bundestages. Die zunehmende Vernetzung von Instrumenten der Informations- und Kommunikationstechnologie verstärke die Abhängigkeit des Katastrophenschutzes vom Strom, so Petermann. Er legte eine Studie vor, nach der die Informations- und Kommunikationstechnologien die höchste „Kritikalität“, also das höchste Maß an Bedeutung für andere Sektoren im Falle eines Ausfalles aufweist.

Im Workshop wurden auch mögliche Folgeeffekte wie beispielsweise die Lebensmittelversorgung behandelt. Allein die Handelskette Plus bediente im Jahr 2008 beispielsweise ca. 2,6 Mio. Menschen am Tag, so Dr.  Helmut Grimm, Sonderbeauftragter der Tengelmann Gruppe und dokumentierte damit die Abhängigkeit von der Logistik der Lebensmittelversorgung. „Das ist das Paradoxe des Fortschritts: Je entwickelter unsere Gesellschaft ist, desto komplexer sind ihre Abhängigkeitsstrukturen von kritischen Infrastrukturen und damit auch von der Stromversorgung“, so Dr.  Grimm. Hinzu komme, dass die Privatwirtschaft ihre eigenen Ziele verfolge, die eher in einer auf Effizienz ausgelegten „Just in Time“-Logistik lägen als in der Versorgungssicherheit.

Eine weitere Schwierigkeit, die Grimm mit den Worten „Keiner weiß nichts Genaues“ umschrieb, liegt in der Tatsache, dass die meisten Firmen sich ungern in die Karten schauen lassen, wenn es um Ihre Sicherheitsvorsorge geht.

Prof. Dr.  Hans-Jürgen Lange, Lehrstuhlinhaber des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Sicherheitsforschung und Sicherheitsmanagement an der UW/H, hob die Notwendigkeit der frühzeitigen Kooperation der Akteure hervor, die nicht erst nach Eintritt des Ereignisses auf die Beine gestellt werden dürfe: „Der Informationsaustausch muss ständig stattfinden, alle Ebenen müssen im Austausch zueinander stehen“. Er regte außerdem an, das Verhalten der Bevölkerung in Notsituationen zu erforschen „denn die Bevölkerung ist keine homogene Gruppe. Das Verhalten wird sich nach unterschiedlichen Kriterien richten“. Das Sicherheitsforschungsprogramm der Bundesregierung leiste hier einen wichtigen Beitrag, Schwachstellen innerhalb der Gefahrenabwehr aufzuzeigen und Lösungsmodelle zu erarbeiten.

Das Forschungsprojekt „Prioritätenbildung bei Rettungsmaßnahmen“ beschäftigt sich u.a. mit verschiedenen Szenarien wie beispielsweise Stromausfall, Pandemie oder Terroranschlägen und den Auswirkungen auf die Sicherheit sowie die Koordinationsfähigkeit zwischen Bund und Ländern bei schweren Schadenslagen. Projektpartner sind das Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes, das Innenministerium Sachsen-Anhalt, die Behörde für Inneres und Sport der Freien und Hansestadt Hamburg sowie die Branddirektion Frankfurt am Main. Wissenschaftlicher Projektpartner ist der Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Staatslehre und Verfassungsgeschichte (Prof. Dr.  Christoph Gusy) der Universität Bielefeld.

END/nna/ung

Link: www.uni-wh.de/universitæt/presse/presse-details/artikel/stromausfall-und-dann/. www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stromhændler-gefæhrden-energieversorgung-gier-bis-zum-blackout-1.1285557

Bericht-Nr.: 120302-03DE Datum: 2. März 2012

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„Heute noch die Welt verändern“

Unabhängige Zeitschrift „Publik-Forum“ engagiert sich seit 40Jahren für soziale und religiöse Erneuerung – Notwendigkeit außerparlamentarischen Engagements betont

FRANKFURT (NNA). 350 Gäste feierten am 12.2. im Frankfurter Dominikanerkloster das 40jährige Jubiläum der unabhängigen christlichen Zeitschrift „Publik-Forum“. Die 14tägig erscheinende Zeitschrift sieht sich vor allem kritischem Politjournalismus und religiös-kirchlichen Themen verpflichtet. Dieser Doppelcharakter von Theologie und gesellschaftlichem Engagement prägte auch die Feier in Frankfurt. Mit ihrem Einsatz für soziale Gerechtigkeit, politische Alternativen und religiöser Erneuerung widmet sich die Zeitschrift damit ähnlichen Themen wie die anthroposophische Lebens- und Sozialreform.

Ein Podiumsgespräch mit Publikumsbeteiligung widmete sich dem Veranstaltungsthema „Heute noch die Welt verändern“. Chefredakteur Wolfgang Kessler, der Psychoanalytiker Micha Hilgers, Grünen-Politikerin Christa Nickels und der attac-Funktionär Max Bank diskutierten die Notwendigkeit politischer Bewegungen „von unten“. Für reale politische Veränderung sei immer eine engagierte Beteiligung außerparlamentarischer Kräfte nötig, betonte Kessler. Aufgabe kritisch-konstruktiver Medien sei es, den Finger in offene Wunden zu legen, „aber auch Alternativen aufzuzeigen.“ Der Psychoanalytiker Hilgers erinnerte an die soziale Spaltung der Gesellschaft: Gerade den von Not und Armut betroffenen sei politische Teilhabe weitgehend unmöglich.

Die Vereinbarkeit von Spiritualität und Politik unterstrich Max Bank. Christliche Orientierung sei für ihn nicht nur private Glaubenssache, sondern auch Stütze für jedes humanistische Engagement. Christa Nickels war in der Vergangenheit in ähnlicher Mission als „Agentin“ zwischen Kirche und der Partei Die Grünen unterwegs: Veränderungen anzustoßen, so ihr Plädoyer, verlange einem auch den Mut ab, sich unbeliebt zu machen.

Eine Laudatio hielt zu Beginn der Veranstaltung der Sozialethiker und Jesuit Werner Hengsbach. Er machte die Verbundenheit von Publik-Forum mit befreiungstheologischen Strömungen am geschichtlichen Beispiel deutlich: Der Entstehung der Zeitschrift selbst aus der Wochenzeitung Publik. Letztere machte sich für eine erneuerte, pluralistische Kirche stark, wurde aber 1971 nach Meinungsdifferenzen zwischen Redaktion und bischöflichen Geldgebern eingestellt. Ausgerechnet in der jesuitischen Frankfurter Universität Sankt-Georgen fanden sich in der Folge allerdings Studierende um den ehemaligen Publik-Redakteur Harald Pawlowski zusammen und stellten die neue Zeitschrift Publik-Forum auf die Beine. Als Stimme, so Hengsbach, für diejenigen, „die im Hauptstrom der öffentlichen Meinung nicht zu Wort kommen“. Bis heute ist die Leserinitiative „Publik“ Herausgeberin der Zeitschrift.

Das Programm der Jubiläumsveranstaltung wurde auch kabarettistisch und musikalisch begleitet und kommentiert: Das Musikkabarett Duo Camillo, bestehend aus Fabian Vogt und Martin Schultheiß steuerte unterhaltsame politische Lieder bei. Weitere Veranstaltungen im Rahmen des Jubiläums sind in Reutlingen, Köln und Leipzig geplant.

END/nna/ams

Link: www.publik-forum.de

Bericht-Nr.: 120302-02DE Datum: 2. März 2012

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