Nachrichtenbeitrag

Erfolgreicher Fairer Handel: Fünfmal soviel Umsatz in zehn Jahren

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Von NNA Mitarbeiter

Der Faire Handel in Deutschland hat weiteren Zuwachs gemeldet. In den letzten zehn Jahren ist er um das fünffache gewachsen. Außerdem forderte das Forum Fairer Handel die Achtung der Menschenrechte bei der Lieferkette.

BERLIN (NNA) – Der Faire Handel in Deutschland ist weiter im Aufwind: 1,5 Milliarden EUR Umsatz 2017 und ein Plus von 13% vermeldete das Forum Fairer Handel auf seiner Jahrespressekonferenz in Berlin. Die Fairtrade-Organisation forderte die Bundesregierung auf, mehr für die Achtung der Menschenrechte durch deutsche Unternehmen im Ausland zu tun.

Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich der Umsatz im Fairen Handel damit verfünffacht. Insgesamt gaben die Verbraucher in Deutschland 2017 1,473 Milliarden Euro für Produkte aus Fairem Handel aus. Mit 80% machten Lebensmittel den größten Anteil daran aus. Gut 18 Euro pro Kopf gaben deutsche Verbraucher in 2017 durchschnittlich für fair gehandelte Nahrungsmittel, Textilien und Handwerksprodukte aus. 

Mit 1,18 Milliarden Euro trug das Fairtrade-Produktsiegel den größten Anteil zum Gesamtumsatz bei. Die anerkannten Fair-Handels-Importeure vertrieben im vergangenen Jahr fair gehandelte Waren im Wert von 193 Millionen Euro. In den Weltläden und Weltgruppen wurden faire Waren im Wert von 77 Millionen Euro verkauft. Fair gehandelte Produkte aus Europa, wie Naturland Fair zertifizierte Milch und Brot, erreichten einen Umsatz von 101 Millionen Euro. 

 Spitzenreiter unter den Produkten im Fairen Handel ist weiterhin Kaffee mit einem Anteil von 34,3 % am Gesamtumsatz des Fairen Handels. Gemessen am Gesamtabsatz von Röstkaffee in Deutschland liegt der Marktanteil von fair gehandeltem Kaffee jedoch nur bei 4,8 %.

Bewusster Konsum

Das Forum Fairer Handel begrüßt die wachsende Bedeutung bewussten Konsums in Deutschland, wies aber auch auf die Notwendigkeit hin, den Welthandel insgesamt gerechter zu gestalten. Es gilt weiterhin, noch stärker gegen die Ursachen des ungerechten Welthandels zu wirken“, forderte Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel auf der Pressekonferenz.

Kaffeebauern z.B. seien besonders vom Klimawandel betroffen und benötigten angesichts von sinkenden realen Einkommen mehr Unterstützung. Die Kaffeebauern müssten dringende Investitionen in die Zukunft schultern, um für sich und ihre Familien eine Perspektive im Kaffeeanbau zu behalten.

Im Fairen Handel erhalten die Produzenten Unterstützung im Kampf gegen den Klimawandel und profitieren von zuverlässigen und fairen Handelspartnerschaften. Notwendig seien aber auch gesetzliche Regelungen, wurde betont.

Eine Möglichkeit zur Förderung fairen Kaffeekonsums seien steuerliche Anreize, wie sie Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im April 2018 vorgeschlagen hat. Das Forum Fairer Handel begrüßt den Vorstoß des Ministers. Es dürften jedoch nur diejenigen Unternehmen steuerlich entlastet werden, die sich „zur Einhaltung hoher sozialer Standards, beispielsweise der Zahlung definierter fairer Preise, Vorfinanzierung und einer externen Überprüfung verpflichten.“ Die Regelung sollte zudem so gestaltet werden, dass vor allem die Kleinbauern und deren Familien durch höhere Einnahmen davon profitieren.

Völkerrechtliche Verpflichtung

Damit sich die Bedingungen für die Produzenten verbessern, sind aus der Sicht des Forums übergreifende gesetzliche Regelungen nötig.

 „Die Bundesregierung muss ihrer völkerrechtlichen Verpflichtung nachkommen und dafür sorgen, dass deutsche Unternehmen Menschenrechte entlang ihrer Lieferketten durchsetzen“, forderte Andrea Fütterer. Dazu sei eine „gründliche und nachvollziehbare Überprüfung des Nationalen Aktionsplans 'Wirtschaft und Menschenrechte' zwingend notwendig“.

Der im Dezember 2016 verabschiedete Aktionsplan sieht unter anderem vor, dass bis 2020 mindestens 50 Prozent aller in Deutschland ansässigen Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten menschenrechtliche Sorgfaltspflichten in ihre Unternehmensprozesse integriert haben. Ist dies nicht der Fall, wird die Bundesregierung laut Koalitionsvertrag national gesetzlich tätig werden.

Um sicherzustellen, dass alle deutschen Unternehmen ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht wirksam nachkommen, sollte die Bundesregierung anstelle des Nationalen Aktionsplans eine gesetzliche Regelung erlassen. Deutschland hinke hier anderen Ländern wie etwa Frankreich hinterher, beklagte Fütterer.

Eine breite Unterstützung der Öffentlichkeit in Deutschland wäre der Bundesregierung sicher: Laut repräsentativer Umfrage zum Fairen Handel stimmen 85 % der Befragten der Forderung nach einer gesetzlichen menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht für Unternehmen zu. Auch insgesamt stoßen die politischen Forderungen des Forum Fairer Handel laut aktueller Verbraucherbefragung in der Bevölkerung ein ausgesprochen hohes Maß an Zustimmung.

Klimagerechtigkeit

Am wichtigsten ist den Menschen die Forderung nach mehr Klimagerechtigkeit. Der Aussage „Die Hauptverursacher des Klimawandels müssen für mehr Klimagerechtigkeit die sogenannten Entwicklungsländer bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützen“, stimmten insgesamt 87 % der Befragten zu“.

Etwa genauso viele (86 %) begrüßen eine Begrenzung der Macht der großen Einzelhandelsunternehmen. Es folgen die Forderung nach einer gesetzlichen menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht (Zustimmung von 85 %), einer fairen öffentlichen Beschaffung (84 %) sowie einer steuerlichen Begünstigung fairer Produkte (81 %). 

END/nna/jh

Bericht-Nr.: 180804-01DE Datum: 4. August 2018

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Der Faire Handel hat weiteres wesentliches Wachstum gemeldet. Spitzenreiter unter den Produkten im Fairen Handel ist weiterhin Kaffee.<br>Foto: www.forum-fairer-handel.de